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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Das Wiener Dorotheum legt mit seiner Auktion „Moderne Kunst“ ein vielgestaltiges Angebot aus mehreren europäischen Ländern vor, stellt einen einheimischen Maler aber auffallend heraus

Geister aus dem Urwald



Alfons Walde,  Almen und Gletscher, 1932

Alfons Walde, Almen und Gletscher, 1932

Alfons Walde ist diesmal unbestritten der Star der Moderne-Auktion im Dorotheum. Der Wiener Versteigerer hat den Tiroler Maler prominent an den Beginn seiner Auktion gerückt und lässt ihn auch den Katalogtitel bespielen. Dort tritt Walde mit einem sommerlichen Landschaftsbild auf, auf dem die weichen sattgrünen Hügelkuppen mit den weißen Gletschern der schroffen Berggipfel im Hintergrund kontrastieren. In den Vordergrund hat er zwei kantige, ebenfalls weiß getünchte Gehöfte positioniert und lässt daneben auf den menschenleeren Almen einige braune Kühe unter dem tiefblauen Himmel weiden. Seine „Almen und Gletscher“ von 1932 sollen marktgerechte 220.000 bis 360.000 Euro einspielen. Doch das ist nicht das teuerste Walde-Werk der Auktion. Den Höchstpreis haben die Experten für seinen bekannten, häufig wiederholten „Einsamen Berghof“ vergeben, der vor der Walde-typischen schneebedeckten und sonnenbeschienenen Kulisse der Kitzbüheler Alpen ruht. Mit der Staffage einer Mutter samt Kind auf dem Arm zählt dieses Motiv zu seinen einfühlsamsten aus den 1930er Jahren und fordert 250.000 bis 380.000 Euro.


Auch den dritten Rang der teuersten Werke besetzt Alfons Walde mit einem seiner beliebten Sujets: mit dem ebenfalls tief verschneiten „Tiroler Bergdorf“ von 1924 im warmen Licht des Winters mit einigen Bewohner auf dem Gang zum idyllischen Auracher Kirchl (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR). Während seine näher herangezoomte Familie bei der winterlichen „Kirchstiege“ aus den frühen 1920er Jahren mit 120.000 bis 200.000 Euro noch zur hochpreisigen Offerte der Versteigerung gehört, ist seine kleine Papierarbeit eines „Bergfrühlings“ mit sich zurückziehenden Schneemassen nur mit 18.000 bis 26.000 Euro bewertet. In die Walde-Übermacht dringen sein österreichsicher Kollege Egon Schiele mit der recht braven Bleistiftzeichnung eines stehenden Bauernmädchens mit Kopftuch von 1915 bei 140.000 bis 200.000 Euro und auch Tamara de Lempicka vor. Die große Portraitkünstlerin des Art Déco ist mit dem stillen Interieur „Chambre d’Hôtel“ von 1951 vertreten, das additiv die Kommode, Lampe, Tulpenvase, das Buch, den Spiegel, Stuhl sowie das Kissen aufbaut und 150.000 bis 200.000 Euro verlangt.

In der österreichischen Moderne kommen einige Portraitmaler zu ihrem Recht, etwa Maximilian Kurzweil mit einer impressionistischen jungen Dame mit weißem Kleid und Sonnenschirm im sommerlichen Wald (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR) oder Anton Faistauer mit seiner eher expressionistisch aufgefassten, gleichfalls Unbekannten „Blaues Bildnis in blauem Fauteuil“ von 1919 (Taxe 40.000 bis 70.000 EUR). In neusachlicher kühler Distanziertheit portraitierte Herbert Gurschner in seiner Londoner Zeit eine gewisse Mrs. Russell mit blauem Kleid, Fächer und Halskette vor einem stilisierten blauen Blumenrankenmuster (Taxe 28.000 bis 40.000 EUR). Bei Wilhelm Thönys „Dame im Garten“ von 1936/37, hinter der seine spätere zweite Ehefrau Thea steht, löst sich die zentrale Gestalt im Grünblau der Natur fast vollkommen auf (Taxe 38.000 bis 60.000 EUR). In einer existenziellen Situation beschreibt sich Josef Floch in seinem Gemälde „Afternoon“ von 1963 als kleinen, fast blinden Menschen in einem grauen großen Atelierraum (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR).

Ein eindrücklicher religiös-spiritueller Zugriff gelingt Josef Dobrowsky mit seiner hochformatigen, farbintensiven Menschendarstellung „Die Armen im Geiste“ von 1922 nach den Seligpreisungen (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Einen argen Mummenschanz fährt Oskar Laske bei seiner „Teufelsaustreibung“ von 1930 auf: Ein Mönch schwingt eben energisch ein Weihrauchfass und hebt das Kreuz, während dem Besessenen der Dämon in Gestalt eines gehörnten tierischen Wesen effektvoll aus dem Rachen fährt und die Umstehenden dem Spektakel in der aus den Fugen geratenen Dachstube erstaunt und ängstlich beiwohnen (Taxe 20.000 bis 35.000 EUR). Fantasievoll und motivreich hat Ernst Fuchs 1956 seine großformatige Tuschezeichnung „Christus vor Pilatus“ angelegt und eine grandiose symbolistische Inszenierung für seinen Weg in die katholische Kirche gefunden (Taxe 70.000 bis 120.000 EUR).

Aus der Wiener Schule des Phantastischen Realismus beteiligen sich zudem noch Arik Brauer, unter anderem mit seinen geheimnisvollen, auf Papier gemalten Figurenbildern „Dunkle Last“ (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR) und „Kismeth“ von 1996 (Taxe 18.000 bis 28.000 EUR), Anton Lehmden mit einer altmeisterlich inspirierten „Landschaft mit Augensonne und Vögeln“ von 1951 (Taxe 8.000 bis 14.000 EUR) und Helmut Leherb mit seinem kontrastreich aufgebauten, surrealistischen Aktgemälde „Les Temps Perdus“ von 1966 (Taxe 15.000 bis 25.000 EUR). Das Hintergründige und Mehrdeutige war Gottfried Kumpfs Sache nicht. Humorvoll und zutiefst sympathisch gestaltete er in einem naiven Stil den Menschen, wie er etwa auf seinem bunt-fröhlichen Gemälde des Hippodroms aus dem Prater von 1966 zu finden ist (Taxe 18.000 bis 32.000 EUR). Mit Stillleben treten Gerhild Diesner bei ihrem „Blumenstrauß mit Rosen in blauer Vase“ vor blauem Grund für 12.000 bis 18.000 Euro und Karl Plattner mit seinen „Äpfeln am Ast“, 1984 freigestellt auf weißem Fond, für 10.000 bis 16.000 Euro an.

Vor allem grafische Arbeiten des Expressionismus machen die deutsche Sektion aus, etwa Ernst Ludwig Kirchners um 1909 schnell mit farbigen Kreiden und Kohle skizzierte, fröhlich gestimmte Marokkaner (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Nur in Grautönen ließ Kirchner 1914 seine „Drei Kokotten bei Nacht“ auf seiner durch dünne Liniengeflechte charakterisierten Radierung entstehen (Taxe 60.000 bis 70.000 EUR). Eher nachdenklich wendet sich Max Beckmann in seiner bekannten Kaltnadelradierung „Selbstbildnis mit steifem Hut“ von 1921 dem Betrachter zu (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Während sich Paul Klee bei seiner Zeichnung eines lustigen „Homo Novus“ von 1913 ganz auf die feinen Tuschelinien verlegt (Taxe 28.000 bis 32.000 EUR), greift Emil Nolde tief in den Farbtopf, um sein Aquarell eines Frauenbildnis im Profil nach links in kräftigem Rotbraun auf grünem Grund leuchten zu lassen (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR).

Gut bestückt ist wieder die Italien-Fraktion mit der neobarocken Venedig-Vedute der Isola di San Giorgio, von Giorgio de Chirico um 1965 in satten Farben gemalt, bei 120.000 bis 160.000 Euro an der Spitze. Aus dem Futurismus melden sich unter anderem Giulio D’Anna mit der zackigen Temperamalerei auf Papier „Virata sul golfo di Catania“, in der Flugzeuge und Segelboote scharfe Wendemanöver ausführen (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR), oder Gerardo Dottori mit seinem Ölgemälde „Temporale in città“ einer prismatisch zerlegten Unwetterlandschaft von 1919 zu Wort (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Selten sind bei Dottori religiöse Motive wie in „L’Assunta“ von 1940 anzutreffen: eine monumentale Maria steht über einer dynamischen, nach der futuristischen Methode der Aeropittura ausgearbeiteten peruanischen Landschaft, in der durchsichtige Engelflügel und Wolkenbänke einen Sog in den Himmel suggerieren. Nicht zuletzt die über zwei Meter hohe Tafel lassen die Vermutung zu, dass es sich bei Dottoris „Mariä Himmelfahrt“ um ein religiöses Auftragswerk handeln könnte (Taxe 22.000 bis 32.000 EUR).

Während Gino Severini seine südliche Landschaft „Hommage à Seurat“ 1938 dem Titel gemäß pointillistisch aus kleinen Farbpunkten zusammensetzte, konstruierte René Paresce seine „Paesaggio“ 1928 versatzstückhaft und flächig aus einzelnen Häusern, Wandteilen, Bäumen und Feldern (Taxe je 30.000 bis 40.000 EUR). Der Neuen Sachlichkeit frönt dann Cagnaccio di San Pietro in seinem Stillleben „L’aragosta e l’astice“ von 1934, das die Languste und den Hummer spartanisch auf einem weißen Papier über einem Holztisch wiedergibt (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR). Von Marino Marini gibt es zwei Blätter mit seinem typischen Pferd und Reiter-Motiv aus den frühen 1950er Jahren jeweils ab 24.000 Euro aufwärts, während Alberto Magnelli und Roberto Crippa ihre Malereien in diesen Jahren schon ganz ungegenständlich mit Farben- und geometrischem Formenspiel bestritten (Taxen 20.000 bis 30.000 EUR bzw. 6.000 bis 8.000 EUR).

Einen kurzen Abstecher in die tschechische Moderne macht das Auktionsangebot mit Václav Špálas sommerlicher dörflicher Idylle des böhmische Dorfes Chvateruby aus dem Jahr 1923 (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR) und wendet sich über den belgischen Symbolisten Léon Spilliaert mit seiner lavierten Zeichnung einer dunklen Gestalt am Seeufer von 1930 für 16.000 bis 26.000 Euro auch der französischen Kunst zu. Hier treffen Fernand Légers aus Maschinenteilen kombinierte Zeichnung „Composition mécanique“ von 1923 (Taxe 75.000 bis 90.000 EUR) und Bernard Buffets streng und barsch stierende „Blonde“ auf einer Leinwand des Jahres 1987 kontrastreich aufeinander (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR). Pablo Picasso positioniert sich mit seinem abstrahierten, fünfzigmal aufgelegten Farblinolschnitt „Bacchanale à l’Arcobate“ von 1959 zeitlich dazwischen (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR). Den gebürtigen Kubaner Wifredo Lam zog es 1938 in die damalige Kunstwelthauptstadt Paris. Seine surrealistische Malerei wird in Verbindung mit dem Santería-Kult und dem Urwald gebracht, da sie auf wild-tänzerische Art karibisch-afrikanische Geister und Formen zu beschwören scheint, etwa auch auf einer titellosen Leinwand des Jahres 1974, die der Katalog nun für 70.000 bis 90.000 Euro listet.

Die Auktion „Moderne Kunst“ startet am 29. November um 18 Uhr. Die Besichtigung ist bis zum Auktionsbeginn täglich von 10 bis 17 Uhr, am 27. November von 14 bis 17 Uhr möglich. Der digitale Katalog ist unter www.dorotheum.com abrufbar.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at

Startseite: www.dorotheum.com



22.11.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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