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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Mit Alfons Walde hatte der Wiener Versteigerer Dorotheum wieder ein Ass im Ärmel, das die Sammler begierig aufgriffen. Die Moderne aus Deutschland tat sich dagegen etwas schwer

Der Bergemaler



Alfons Walde hat die Symbolbilder der österreichischen Alpen geschaffen. Mit reduzierter Binnenzeichnung und kräftig-pastosem Farbauftrag fing er zwischen den 1920er und 1950er Jahren die Tiroler Bergwelt und die darin lebenden Menschen in seinem unverwechselbaren Stil ein. Zu seiner Popularität und weiten Verbreitung trugen dann auch seine Plakate mit tief verschneiten Landschaften und Wintersportmotiven bei und prägten Tirol als Wintersportland. Damit kreierte Walde eine Marke, die bis heute Wertbeständigkeit verheißt. Das konnte wieder einmal das Dorotheum eindrucksvoll konstatieren. An den Anfang seiner Moderne-Auktion hatte der Wiener Versteigerer prominent fünf Walde-Werke positioniert, die zu wünschen nichts übrig ließen. Schon den Auftakt meisterte Walde mit seiner mehrperspektivischen „Kirchsteige“ und ihren fünf markanten bäuerlichen Gestalten bei 210.000 Euro über dem Schätzrahmen bravourös. Die zweite Winterlandschaft, der Mitte der 1930er Jahre gemalte „Einsame Berghof“ samt Mutter mit kleinem Kind vor der Walde-charakteristischen sonnenbeschienenen Kulisse der Kitzbüheler Alpen, lief bei 420.000 Euro gleichfalls wie geschnitten Brot.


Doch Alfons Walde trat diesmal auch mit einem eher untypischen sommerlichen Landschaftsbild an, auf dem er 1932 die weichen sattgrünen Hügelkuppen den weißen Gletschern der schroffen Berggipfel im Hintergrund gegenüberstellte. In den Vordergrund hatte er noch zwei kantige, ebenfalls weiß getünchte Gehöfte gerückt und daneben auf den menschenleeren Matten einige braune Kühe unter dem tiefblauen Himmel synchron weiden lassen. Seine seit 1948 in einer tschechischen Sammlung beheimateten „Almen und Gletscher“ generierten bei 450.000 Euro den Spitzenpreis der Walde-Suite und zugleich der gesamten Versteigerung (Taxe 220.000 bis 360.000 EUR). Doch auch an dem „Tiroler Bergdorf“ von 1924 im warmen Licht des Winters mit einigen Bewohner auf dem Gang zum idyllischen Auracher Kirchl bissen sich die Sammler bei 320.000 Euro fest (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR), und selbst an seinem spontanen kleinen Postkartenformat eines „Bergfrühlings“ mit sich zurückziehenden Schneemassen hatten sie bei 40.000 Euro noch rege Freude (Taxe 18.000 bis 26.000 EUR).

Ein weiterer sechsstelliger Wert gelang der österreichischen Moderne bei Egon Schieles recht braver Bleistiftzeichnung eines stehenden Bauernmädchens mit Kopftuch von 1915 für 160.000 Euro (Taxe 140.000 bis 200.000 EUR). Von 35.000 Euro schoss Rudolf Wackers neusachliches Stillleben einer etwas zerzausten Puppe, gelehnt an eine überdimensionierte Streichholzschachtel, auf unerwartet hohe 75.000 Euro. Auf niedrigerem Niveau folgten Karl Mediz mit seinem rot leuchtenden, voll behangenen „Apfelbaum am Zürcher See“ von 1914 bei 32.000 Euro (Taxe 18.000 bis 30.000 EUR), Max Kahrer mit seinem winterlichen, aufgetürmten, klaren Häuserkonglomerat, auf dem Stift Klosterneuburg thront, von 1922 bei 7.500 Euro (Taxe 4.000 bis 7.000 EUR) oder Willy Eisenschitz mit seiner expressiven „Landschaft mit rotem Bäumchen“ bei 11.000 Euro (Taxe 5.000 bis 8.000 EUR). Ansonsten hielten sich die Österreicher meist an ihre Vorgaben: Josef Dobrowsky an 30.000 Euro für seine religiös-spirituelle, farbintensive Menschendarstellung „Die Armen im Geiste“ von 1922, Herbert Gurschner an 28.000 Euro für sein kühl distanziertes, ornamentales Portrait „Mrs. Russell“ oder Wilhelm Thöny an 38.000 Euro für seine fast in die Farbe aufgelöste „Dame im Garten“ von 1936/37, hinter der seine spätere zweite Ehefrau Thea steht.

Anton Faistauer musste bei seinem expressionistischen „Blauen Bildnis in blauem Fauteuil“ von 1919 einen Abschlag auf 36.000 Euro hinnehmen (Taxe 40.000 bis 70.000 EUR). Der teuerste Ausfall bei der österreichischen Kunst galt Ernst Fuchs’ symbolgeladener Tuschezeichnung „Christus vor Pilatus“. Das großformatige Blatt von 1956 war mit 70.000 bis 120.000 Euro angesetzt. Andere Vertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus hatten mehr Glück, allen voran Arik Brauer mit seinen rätselhaften, auf Papier gemalten Figurenbildern „Dunkle Last“ für 30.000 Euro (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR) und „Kismeth“ für 40.000 Euro von 1996 (Taxe 18.000 bis 28.000 EUR). Gottfried Kumpf erreichte mit seinem naiven, bunt-fröhlichen Gemälde des Hippodroms aus dem Prater von 1966 die obere Erwartung von 32.000 Euro, und Karl Plattner legte auf die seine mit den „Äpfeln am Ast“, 1984 freigestellt auf weißem Fond, bei 22.000 Euro noch etwas drauf (Taxe 10.000 bis 16.000 EUR).

Obwohl die losbezogene Verkaufsrate mit knapp 86 Prozent recht hoch lag, musste am 29. November in Wien die deutsche Kunst einige Federn lassen. Weder Ernst Ludwig Kirchners um 1909 schnell mit farbigen Kreiden und Kohle skizzierte, fröhlich gestimmte Marokkaner (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR), noch seine durch dünne Liniengeflechte charakterisierte Radierung „Drei Kokotten bei Nacht“ von 1914 (Taxe 60.000 bis 70.000 EUR) oder Emil Noldes leuchtendes Aquarell eines Frauenkopfes im Profil nach links fanden einen Abnehmer (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR). Max Beckmanns strenges, nachdenkliches „Selbstbildnis mit steifem Hut“ auf einer Kaltnadelradierung von 1921 spielte taxkonforme 45.000 Euro ein, ebenso wie Paul Klees Zeichnung eines lustigen „Homo Novus“ von 1913, die damit aber von 28.000 Euro aus deutlich zulegte. Auch für Erich Heckels kolorierte südfranzösische Hafenszene „Le Grau-du-Roi“ bei Montpellier von 1926 ging es mit 21.000 Euro bergauf (Taxe 14.000 bis 18.000 EUR). Václav Špála gilt in seiner tschechischen Heimat mit seiner von Fauvismus und Kubismus inspirierten Kunst als anerkannte Größe der Moderne. Das zeigte sich jetzt im Dorotheum, als seine sommerliche Idylle des böhmischen Dorfes Chvateruby aus dem Jahr 1923 von 50.000 Euro auf 90.000 Euro zulegte.

In der reichhaltig besetzten Italien-Fraktion war wie erwartet Giorgio de Chiricos neobarocke Venedig-Vedute der Isola di San Giorgio von etwa 1965 bei 170.000 Euro der preisliche Höhepunkt (Taxe 120.000 bis 160.000 EUR). Die Käufer animierte zudem Cagnaccio di San Pietro mit seinem Stillleben „L’aragosta e l’astice“ von 1934. Die Languste und der Hummer, spartanisch auf einem weißen Papier über einem Holztisch im Stil der Neuen Sachlichkeit angerichtet, drangen auf 70.000 Euro vor (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR). Stillleben waren zudem mit Pippo Orianis spielerisch kubistischer „Chitarra e fruttiera“ aus den 1930er Jahren für 7.000 Euro (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR) oder Giulio Turcatos mit Gemüse, Zitrone und Karaffe angereicherter und aus der Perspektive fallender „Natura Morta“ von 1952 für 34.000 Euro gefragt (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Bei den Futuristen honorierten die Bieter Giulio D’Annas kosmisches Aktgemälde „Nudi nello spazio“ von 1936 mit 38.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR) und Gerardo Dottoris prismatisch zerlegte Unwetterlandschaft „Temporale in città“ von 1919 mit 47.000 Euro (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR), ließen seine Mariendarstellung „L’Assunta“ von 1940 aber links liegen (Taxe 22.000 bis 32.000 EUR). René Paresces aus einzelnen Häusern, Wandteilen, Bäumen und Feldern versatzstückartig und flächig konstruierte „Paesaggio“ von 1928 reüssierte bei 38.000 Euro (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Roberto Crippas gegenstandsloses geometrisches Farben- und Formenspiel von 1950 verlangte gute 19.000 Euro (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR), und auch Carla Accardi, die das Dorotheum sonst bei der zeitgenössischen Kunst eingruppiert, blieb mit ihrer puzzleartigen „Composizione“ auf hellgrünem Grund von 1950 bei 44.000 Euro nicht unentdeckt (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Zu den wenigen Künstlerinnen der Auktion gehörte noch Tamara de Lempicka. Die bekannte Portraitmalerin des Art Déco stellte im Dorotheum den unaufgeregten Interieurausschnitt „Chambre d’Hôtel“ zur Verfügung. Ihr additives Arrangement aus Kommode, Lampe, Tulpenvase, Buch, Spiegel, Stuhl und Kissen von 1951 konnte sich über 220.000 Euro freuen (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR). Ansonsten kamen bei den Franzosen fast nur Männer zum Zug, etwa Francis Picabia mit seiner aquarellierten Zeichnung eines Toreador um 1922/26, die ein wenig Picasso ähnelt, bei 30.000 Euro an der oberen Taxgrenze oder Fernand Léger mit seinem aus Maschinenteilen kombinierten Blatt „Composition mécanique“ von 1923 bei 75.000 Euro (Taxe 75.000 bis 90.000 EUR).

Bernard Buffets streng und borstig stierende „Blonde“ von 1987 platzierte sich mit 95.000 Euro im oberen Bereich der Erwartungen, während sich Pablo Picasso bei seinem fünfzigmal aufgelegten Farblinolschnitt „Bacchanale à l’Arcobate“ von 1959 exakt an die untere Schätzgrenze von 50.000 Euro hielt. Den gebürtigen Kubaner Wifredo Lam zog es 1938 in die damalige Kunstwelthauptstadt Paris. Seine drei vom Santería-Kult inspirierten surrealen Gemälde mit karibisch-afrikanischen Geistwesen fanden beim Publikum Anklang, an erster Stelle eine titellose Leinwand des Jahres 1974 für 90.000 Euro (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR). Und auch der russische Nonkonformist Oskar Rabin, der 1978 mit seiner Familie ins französische Exil ging, konnte sich über mangelnden Zuspruch nicht beklagen. Seine erdenschweren dörflichen Veduten „Lyubka + Kolka = Duraki“ von 1963 und „Wäsche und Kugel“ von 1961 erlösten 30.000 Euro respektive 40.000 Euro (Taxe je 20.000 bis 30.000 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at

Startseite: www.dorotheum.com



30.12.2022

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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29.11.2022, Moderne

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Dorotheum

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Malerei

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Arbeiten auf Papier

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Moderne Kunst

Bericht:


Geister aus dem Urwald

Kunstwerk:

Anton Faistauer, Blaues Bildnis in blauem Fauteuil, 1919
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Kunstwerk:

René Paresce, Paessagio (Le mur – La Rotonde), 1928
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Max Kahrer,  Blick auf Stift Klosterneuburg im Winter, 1922

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Taxe: 4.000 - 7.000 EURO

Zuschlag: 7.500,- EURO

Losnummer: 91

René Paresce,  Paessagio (Le mur – La Rotonde), 1928

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Taxe: 30.000 - 40.000 EURO

Zuschlag: 38.000,- EURO

Losnummer: 19

Rudolf Wacker,  Puppe, 1931

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Taxe: 35.000 - 60.000 EURO

Zuschlag: 75.000,- EURO

Losnummer: 10

Anton Faistauer,  Blaues Bildnis in blauem Fauteuil, 1919

Anton Faistauer, Blaues Bildnis in blauem Fauteuil, 1919

Taxe: 40.000 - 70.000 EURO

Zuschlag: 36.000,- EURO

Losnummer: 14

Egon Schiele,  Stehendes Bauernmädchen mit Kopftuch, 1915

Egon Schiele, Stehendes Bauernmädchen mit Kopftuch, 1915

Taxe: 140.000 - 200.000 EURO

Zuschlag: 160.000,- EURO

Losnummer: 6

Max Beckmann,  Selbstbildnis mit steifem Hut, 1921

Max Beckmann, Selbstbildnis mit steifem Hut, 1921

Taxe: 40.000 - 50.000 EURO

Zuschlag: 45.000,- EURO

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Paul Klee,  Homo Novus, 1913

Paul Klee, Homo Novus, 1913

Taxe: 28.000 - 32.000 EURO

Zuschlag: 45.000,- EURO

Losnummer: 33

Karl Mediz,  Apfelbaum am Zürcher See, 1914

Karl Mediz, Apfelbaum am Zürcher See, 1914

Taxe: 18.000 - 30.000 EURO

Zuschlag: 32.000,- EURO

Losnummer: 79

Cagnaccio di San Pietro,  L’aragosta e l’astice, 1934

Cagnaccio di San Pietro, L’aragosta e l’astice, 1934

Taxe: 30.000 - 50.000 EURO

Zuschlag: 70.000,- EURO

Losnummer: 21

Wilhelm Thöny,  Dame im Garten (Thea), 1936/37

Wilhelm Thöny, Dame im Garten (Thea), 1936/37

Taxe: 38.000 - 60.000 EURO

Zuschlag: 38.000,- EURO

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Václav Špála,  Chvateruby, 1923

Václav Špála, Chvateruby, 1923

Taxe: 50.000 - 70.000 EURO

Zuschlag: 90.000,- EURO

Losnummer: 47




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