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Die Kunsthalle Wien stellt die überbordenden Bildwelten von Laure Prouvost vor und entführt in den humorvollen, bisweilen absurden Kosmos der französischen Geschichtenerzählerin

In der Fantasiehöhle der Ur-Großmutter



in der Ausstellung „Laure Prouvost. Ohmmm age Oma je ohomma mama“

in der Ausstellung „Laure Prouvost. Ohmmm age Oma je ohomma mama“

Sie pflegt den Trash, inszeniert das Chaos und ist nebenbei eine hinreißende Geschichtenerzählerin, die mit ästhetisch vermeintlich dilettantischem Material, mit Sound und Fantasie ihr Publikum verführt. Der humorvolle Kosmos der 1978 im nordfranzösischen Croix geborenen Künstlerin Laure Prouvost verbindet Video, Skulpturen aus Materialien wie Glas, Textil, Keramik und Assemblagen gefundener Objekte mit Architektur zu einfallsreichen Welten mit verwobenen Handlungssträngen, in denen sie Wahrheit und Erfindung zu einer eigenwilligen Realität verknüpft.


Gemeinsam präsentieren die Kunsthalle Wien und die Wiener Festwochen die erste Einzelausstellung der Turner-Preisträgerin in Österreich. Wie es im Titel „Ohmmm age Oma je ohomma mama“, wenn er laut ausgesprochen wird, anklingt, beschäftigt sich in Prouvost mit der Figur der Großmutter und verwandelt den Ausstellungsraum in ein Theater der Objekte, Erinnerungen und der Imagination. Die kryptisch geschriebene Benennung ist ein typisches Beispiel für Prouvosts Wortwitz, der durch das Spiel mit Schreibweise und Aussprache Bedeutungen dehnt und über den Gleichklang von Wörtern in verschiedenen Sprachen funktioniert.

In ihrer Erkundung der Figur der Großmutter als Vorfahrin vieler Generationen beschäftigt sich Laure Prouvost mit dem Konzept der Herkunft und seinen möglichen Interpretationen sowie im weiteren Sinne mit der Konstruktion von Geschichte. Überhaupt ist das Werk der Künstlerin von der Wichtigkeit zwischenmenschlicher Verbindungen und unterschiedlicher Familienverbände geprägt. So beginnt die Ausstellung mit der Suche nach jenen, die uns zu denen gemacht haben, die wir heute sein können. Die Besucher*innen treffen auf eine kühn zusammengestellte, fiktive Genealogie an „Großmüttern“, auf intellektuelle Vorbilder, inspirierende historische Persönlichkeiten oder ganz persönliche Bezugspersonen aus dem direkten Umfeld der Künstlerin: von der prähistorischen Figurine, die als „Venus von Willendorf“ bekannt ist, zur Barockmalerin Artemisia Gentileschi, der Bürgerrechtlerin Rosa Parks, über die Bergsteigerin Junko Tabei, die Theoretikerin Donna Haraway, die Filmemacherin Agnès Varda oder die Pionierin elektronischer Musik Éliane Radigue bis hin zu den Omas der Kuratorin, der Nachbarin, der Freundin, der Studiomanagerin. Die subjektiven Reflexionen der Künstlerin über diese Persönlichkeiten und ihre Wichtigkeit bilden die Grundlage für ihren Film „Here Her Heart Hovers“ und speisen zugleich das Narrativ der gesamten Ausstellung.

Prouvost ist bekannt für Werke, die alle Sinne ansprechen, die mit den Sinnen spielen und Wahrnehmungen verschmelzen. Sie kommt aus dem Experimentalfilm, und Videoarbeiten stehen nach wie vor im Zentrum vieler ihrer Ausstellungen und Installationen. Dementsprechend konzipierte sie das Setting des Ausstellungsraums in der Kunsthalle, der wie ein Kino fast im Dunklen gehalten ist. In einer komplexen Sound-, Sprach- und Lichtinstallation werden einzelne Segmente hervorgehoben: Lichtspots beleuchten kleinteilige kinetische Mobiles, die von der Decke baumeln, Zweige, getrocknete Blätter, Spazierstöcke, Muscheln, Äste, Vogelfedern, Plastikflaschen, Verpackungsmaterialien, Kabelschrott oder ausrangierte Elektrogeräte, dann wieder Glasobjekte, Sandhaufen, die sich über den Boden ausbreiten, und halbförmige Höhlen, in die sich die Besucher*innen zurückziehen können, um in das bunte Treiben einzutauchen. Denn erst nach einer Weile offenbart sich der subversive Charme der Installation: im Clash von Abfällen der Konsumgesellschaft, neuen Technologien und ursprünglichen Kulturgütern mit der Natur bilden sich seltsame Hybride, die wie fast zufällig zu eigenwilligen Kreaturen werden und deren Umrisse Schatten an die Wand werfen.

Eingebettet in diese Fantasiehöhle ist das Herzstück der Ausstellung: in Prouvosts neuem Film „Here Her Heart Hovers“ von 2023 ist eine Gruppe junger Frauen unterschiedlicher Hautfarbe und Herkunft, darunter Prouvost selbst, zu beobachten, die sich in einer Höhle am Mittelmeer auf die Suche nach ihren eigenen Großmüttern und Erinnerungen an diese begeben. Die Künstlerin fabuliert darin von einer Welt, deren Ursprung vielleicht mit der Venus von Willendorf als unser aller Ur-Großmutter erklärt werden könnte. Sie borgt sich ihr Narrativ, reinterpretiert und verwebt verschiedene Motive aus dem Kontext dieser steinzeitlichen Skulptur. Eine der vielen Lesemöglichkeiten, die Prouvost fasziniert, ist, dass es sich bei der Figurine, die von ihrem Finder „Venus“ getauft wurde, nicht um ein Fruchtbarkeitssymbol, sondern um eine Darstellung einer weisen Großmutter handeln könnte. Ebenso sind die wissenschaftlich belegte, lange Reise der Figurine oder ihres Materials bis zum Fundort von Bedeutung und die Tatsache, dass in ganz Europa mehr als 130 ähnliche Figuren gefunden wurden.

Inspiriert von diesen Vorstellungen fantasiert Prouvost in einer weit verzweigten Genealogie von Vorfahrinnen darüber, wer diese „130 Schwestern“ für uns heute sein könnten. Durch Überlagerungen vielschichtiger Erzählstränge ohne Anfang und Ende, schnelle Schnitte, Montagen und Wortspiele gelingt ihr eine Reise durch die Zeit. Die Ausstellung funktioniert wie ein verführerisches Labyrinth, ein mystischer surrealer Traum, in dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nahtlos ineinander übergehen. Ungewöhnliche Assoziationsketten und produktive Missverständnisse prägen das beziehungsreiche Spiel, das von neuen Wahlverwandtschaften zwischen den Generationen, von Emanzipation und Austausch erzählt. Geschichten, Begegnungen und flüchtige Erinnerungen multiplizieren und materialisieren sich hier durch verschiedene Körper, Stimmen und Objekte. Es entsteht ein komplexer Raum, der in einem Gemenge von überbordender Leichtigkeit, Humor, technisch hoher Präzision, sinnlichem Detailreichtum und dem Kunstgriff überzeugt, lineare Narrative und sozial erlernte Assoziationen zwischen Wörtern, Bildern und Materialien unterschwellig infrage zu stellen.

Laure Prouvost schlägt eine eng verflochtene Genealogie vor, in der Verwandtschaftsverhältnisse und Geschichtsschreibung flüssig und formbar bleiben. Die Figur der Großmutter wird nicht biologistisch verstanden, als wäre sie an das Geschlecht Frau gebunden, sondern weitergedacht. Es ist ein Weiterdenken von dem Begriff des „mothering“ als Praxis der Fürsorge, so wie er von der Feministin Alexis Pauline Gumbs zur Anwendung gelangte, eine Fürsorge, die von allen betrieben und geteilt werden kann. „Ohmmm age Oma je ohomma mama“ widmet sich dem Thema der generationenübergreifenden Verbundenheit, vor allem jenen Wesen, die vor uns waren, aber auch jenen, die folgen. Die Besucher*innen sind eingeladen, sich in dem vielgestaltigen Spiel zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Individuum und Gesellschaft, zwischen modernen und alten Konzepten, Beziehungen, Materialien und Techniken zu verstricken. Dabei eröffnet die Künstlerin mit subversivem Humor und launischer Absurdität unerwartete Perspektiven auf unsere Zeit: an welche Geschichte knüpfen wir an, was nehmen wir mit, was erträumen wir neu? Das klingt ein wenig nach Eskapismus, wird jedoch vom trashigen, improvisierten Gesamteindruck der Multi-Media-Installation unerwartet temperiert.

Die Ausstellung „Laure Prouvost. Ohmmm age Oma je ohomma mama“ läuft bis zum 1. Oktober. Die Kunsthalle Wien hat dienstags bis sonntags von 11 Uhr bis 19 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro.

Kontakt:

Kunsthalle Wien

Museumsplatz 1

AT-1070 Wien

Telefon:+43 (01) 521 891 201

Telefax:+43 (01) 521 891 217

E-Mail: office@kunsthallewien.at

Startseite: www.kunsthallewien.at



25.08.2023

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


11.05.2023, Laure Prouvost. Ohmmm age Oma je ohomma mama

Bei:


Kunsthalle Wien

Kunstsparte:


Film und Video

Kunstsparte:


Installationskunst

Stilrichtung:


Zeitgenössische Kunst

Bericht:


Seek the extremes

Bericht:


Auf der Suche nach dem Selbst

Bericht:


Meine Göttin

Variabilder:

Laure Prouvost, Moving Her, 2023
Laure Prouvost, Moving Her, 2023







Laure Prouvost, Moving Her, 2023

Laure Prouvost, Moving Her, 2023

Laure Prouvost, Moving Her, 2023

Laure Prouvost, Moving Her, 2023

in der Ausstellung „Laure Prouvost. Ohmmm age Oma je ohomma mama“

in der Ausstellung „Laure Prouvost. Ohmmm age Oma je ohomma mama“

Laure Prouvost, Here Her Heart Hovers, 2023

Laure Prouvost, Here Her Heart Hovers, 2023

Laure Prouvost, Here Her Heart Hovers, 2023

Laure Prouvost, Here Her Heart Hovers, 2023

Laure Prouvost

Laure Prouvost

Laure Prouvost, Moving Her, 2023

Laure Prouvost, Moving Her, 2023

Laure Prouvost, Hi Her Garden, 2023

Laure Prouvost, Hi Her Garden, 2023

Laure Prouvost, Here Her Heart Hovers, 2023

Laure Prouvost, Here Her Heart Hovers, 2023

Laure Prouvost, Bzzz, 2023

Laure Prouvost, Bzzz, 2023

Laure Prouvost, Moving Her, 2023

Laure Prouvost, Moving Her, 2023




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