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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Bei der Kunst seit 1950 dominieren im Wiener Dorotheum die Abstraktion und neue Konzepte der Gestaltung, die Licht und Raum sichtbar machen

Malerei hat mich immer fasziniert, wenn sie von Licht erfüllt ist!



Die „Stunde Null“ propagierten die Künstler der Gruppe ZERO und wollten die Nachkriegskunst, die nach ihrer Meinung „mit einem Übermaß an Ballast befrachtet“ war, hinter sich lassen. Gerade die Malerei des Informel und des Tachismus, die sich auf den Zweiten Weltkrieg und seine Gräuel bezog, war ihnen zu wenig hoffnungsvoll und idealistisch. An diesem Nullpunkt ersannen die ZERO-Künstler eine puristische Ästhetik und griffen dafür auf Grundlagen der Kunst, auf Licht, Raum und Bewegung zurück. Gerade das Licht spielte und spielt bei Heinz Mack eine zentrale Rolle. Mit seinen vibrierenden Lichtreliefs und seinen monumentalen Lichtstelen, die er unter anderem in der Sahara inszenierte, wusste der ZERO-Protagonist, die immaterielle Energie und Kraft des Lichts künstlerisch greifbar zu machen. Davon zeugt auch die Auktion „Zeitgenössische Kunst“ im Wiener Dorotheum. Dort ist Macks frühes vierteiliges Werk „Quartett“ von 1965 zu haben, in dem Mack die Materialisierung von Licht durch Farbe verfolgt. Die vier farblich aufeinander abgestimmten Pastellkreiden auf Papier zeigen jeweils eine auf dem Blatt mittig angeordnete vertikale Textur in harmonischem Farbverlauf. Rot entwickelt sich zu Gelb, Blau über Grün zu Gelb, Weiß zu Schwarz und schließlich Schwarz zu Weiß. Mit einer Schätzung von 380.000 bis 580.000 Euro ist das „Quartett“ der preisliche Höhepunkt der Versteigerung.


Eigentlich hatte Heinz Mack 1963 mit der Malerei abgeschlossen. Doch blieb dieses Medium nach eigener Aussage für ihn faszinierend, wenn es mit Licht erfüllt ist: „Die Identität von Licht und Farbe, welche im Spektrum sichtbar wird, ist der Gegenstand meiner Malerei“. Daraus entstehen noch heute die sogenannten „Farbchromatiken“, die in seinem Schaffen eine zentrale Rolle spielen. Dafür nimmt Mack Pastellkreide her, trägt sie gleichmäßig auf einer Reliefunterlage auf und erzeugt somit eine rhythmische nuancenreiche Farbabfolge, in der er das sich stets verändernde Licht thematisiert. Dazu listet der Katalog noch eine „Chromatische Konstellation“ von 2014 in Schwarz und Weiß, die zu Macks „Schwarzen Bildern“ zählt, in denen er „Schwarzes Licht“ sichtbar machen will (Taxe 120.000 bis 160.000 EUR), und zwei kleinere bunte Chromatiken in Acryl auf Leinwand aus dem Jahr 2017 mit zentralem orangefarbenem respektive dunkelblauem Rechteck (Taxe je 40.000 bis 60.000 EUR). Auch ZERO-Kollege Günther Uecker ist in der Auktion aktiv und stellt eine strenge, im Quadrat genagelte „Reihung“ auf hellem Grund für 180.000 bis 280.000 Euro zur Verfügung.

Weitere zahlreiche Künstler wollten in der Nachkriegsepoche die Zweidimensionalität des traditionellen Bildes überwinden, mit Licht und Schatten agieren und gingen dafür zu Reliefstrukturen über, etwa der Niederländer Herman de Vries, der in seiner quadratischen „Zufallsobjektivierung“ von 1965 kleine Holzquadrate zufällig und teils sich überlagernd anordnete und alles mit weißer Temperafarbe fasste (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Recht vergleichbar sind die beiden „Atmosphère chromoplastique“ Nr. 204 von 1968 und Nr. 207 von 1969 des gebürtigen Argentiniers Luis Tomasello, der dafür auf einer weißen Quadratplatte zum Betrachter hin weiße, von ihm abgewandt andersfarbige Quadratstrukturen aufbrachte, die dann eine zarte Farbstimmung evozieren (Taxe je 30.000 bis 40.000 EUR). Mit der Betonung des Lichts stand Adolf Luther der ZERO-Bewegung nahe. Dafür griff der gebürtige Krefelder auf gewölbte Spiegel und Linsen zurück, die das Licht einfangen, reflektieren und brechen. Die Auktion ist mit seinem „Spiegelobjekt mit Linsen“ von 1974 (Taxe 30.000 bis 45.000 EUR) sowie dem „Konkaven Spiegelobjekt“ und dem „Konvexen Spiegelobjekt“ jeweils von 1976 in Quadratstruktur gut besetzt (Taxe je 50.000 bis 70.000 EUR).

In Italien gehörte Enrico Castellani zu den Spatialisten, den Raumforschern, und nahm 1957 und 1958 an den berühmten „Abendausstellungen“ der ZERO-Gruppe in Düsseldorf teil. Bekannt ist er für seine „Superficie“, monochrome Leinwände mit einer reliefartigen Struktur, die durch das Spiel von Licht und Schatten wirken, so auch die „Superficie bianca“ von 1983 mit diagonalen Fächerstrukturen von 1983 (Taxe 350.000 bis 500.000 EUR). Paolo Scheggi gelang die Öffnung zum Raum hin, indem er große Löcher in monochrome Leinwände stanzte und mehrere der so perforierten Bildträger übereinander schichtete, wie bei seiner roten „Zone riflesse“ von 1963 (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Der bald hundertjährige Bildhauer Arnaldo Pomodoro öffnet üblicherweise kompakte Formen, reißt etwa seine golden glänzende Kugel „Rotante primo sezionale n. 4“ von 1966/90 durch zwei Schnitte fast gewalttätig auf und gibt so ihr Innenleben preis (Taxe 180.000 bis 280.000 EUR).

Mit Emilio Vedova tritt im Dorotheum ein Maler an, dessen Ideen die ZERO-Künstler zu überwinden trachteten. Seine Leinwände, die Vedova mit Verve und vollem Körpereinsatz gestisch bemalte, bezeugen in ihren wilden brutalen Pinselstrichen die Realität einer von den Kriegen erschütterten Welt, so seine in Schwarz, Weiß und Rot gehaltene Aggression „Per la Spagna“ von 1962 (Taxe 240.000 bis 360.000 EUR). Aus dem deutschen Informel tritt Emil Schumacher mit seiner dunklen, erdverbundenen und schrundigen „Pasaquita“ von 1957 hinzu (Taxe 65.000 bis 85.000 EUR). An den Buchstaben E erinnern die schwarzen Zeichen, die Giuseppe Capogrossi 1952 in zurückgenommenem Kolorit auf ockerfarbenem Grund variiert hat (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Eine zeichenhafte Bildsprache verwendeten ebenso Giulio Turcato um 1955 auf seiner von Höhlenmalerei inspirierten Leinwand „Africano“ und Carla Accardi 1991 in der titelgebenden Farbstellung „Bluearanciorosso“ (Taxe je 45.000 bis 65.000 EUR).

Radikal geht Arnulf Rainer ans Werk, wenn er bei seinen „Übermalungen“ den ursprünglichen Bildgehalt auslöscht. Dabei wollte er nach eigener Aussage nie zerstören, sondern vervollkommnen, was ihm bei einem Querformat aus den frühen 1960er Jahre auch gelungen ist: Nur die rechte obere Ecke des ursprünglichen Motivs ist von der schwarzen Farbe noch nicht verdeckt (Taxe 160.000 bis 240.000 EUR). Bei Hermann Nitsch bildete der Malakt, der sich aus seinem Orgien-Mysterien-Theater entwickelte, ein Fundament seiner Kunst. So ist seine mit roter Farbe und teils blutbefleckte Reliefmalerei mit Kreuztragbahre ein Relikt seines „6-Tage-Spiels“ in Schloss Prinzendorf und Umgebung vom August 1998 (Taxe 120.000 bis 220.000 EUR). Gut dreißig Jahre älter ist sein rotes impulsives Schüttbild aus Dispersion und Schlämmkreide auf Jute (Taxe 90.000 bis 160.000 EUR).

Aufruhr und Kampf sind in Maria Lassnigs Gemälden auf die eigene Person bezogen. In ihren Körperzustandsbildern hebt sie innere Befindlichkeiten ins menschlich Allgemeine und benennt sie mitunter: Ihre „Körpergefühlsfarben“ verarbeitete Lassnig 1984 in dem „Roten Zorn“ (Taxe 180.000 bis 250.000 EURI). Dagegen nimmt sich ihr Portrait „This is Terry Quimby“ einer New Yorker Galerieleiterin in pastelligen Farben von 1976 recht brav aus (Taxe 100.000 bis 130.000 EUR). Ebenfalls figurativ arbeitet Gottfried Helnwein, der in „Burgundy Mouse 2“ von 2014 die eigentlich putzige Mickey Mouse zu einem zähnefletschenden Monster verwandelt (Taxe 90.000 bis 130.000 EUR). Aber auch bei der Kunst aus Österreich dominiert die Ungegenständlichkeit. Das machen unter anderem Wolfgang Holleghas beinahe tänzerische Farbdynamik von 1990 (Taxe 70.000 bis 120.000 EUR), Markus Prachenskys Farbbalkenspritzerei „Cinque Terre“ von 2003 in Rot auf schwarzem Grund (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR), Hubert Scheibls aufgerissener schwarzer Farbsee „There is a difference between knowing the path and walking the path“ von 2006/07, Herbert Brandls energiegeladene Farbbewegung in Grün, Mangan und Gelb von 2011 (Taxe je 40.000 bis 60.000 EUR) und Martha Jungwirths intuitive gestisch-poetische Abstraktion auf unregelmäßigem Karton von 2012 deutlich (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR).

Die Frau als Objekt der Werbung und der Begierde thematisierte Mel Ramos 2011 in seinem perfekten blonden Akt „Flicka“ (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR). Gesichtslos treten vier Schönheiten auf William Nelson Copleys Gemälde „Bathing Beauties“ von 1969 gegeneinander in einem Wettbewerb an und werden von einem Maßstab am Bildrand sogar noch vermessen (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Das erotisch Weibliche beschäftige zudem Enrico Baj 1966 in stark abstrahierter Gestalt mit dem Sticker „I like sex“ als Nase (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR), ebenso im selben Jahr Al Hansen in seiner Schriftcollage „Her yes… Oh“ mit ausladenden Hüft- und Busenformen (Taxe 22.000 bis 32.000 EUR). Julian Schnabel hat eine titellose Leinwand von 1982 rückseitig mit „Anna, Lisa, Francesca“ bezeichnet, wobei auf der Vorderseite nur ein Akt in schwarzen Umrissen und eine Frau im grünen Kleid zu sehen sind (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR). Für die gleiche Bewertung gibt es in der Auktion die spontane und mit einem Zeitungsfoto collagierte Zeichnung „Car Crash“ von Jean-Michel Basquiat aus dem Jahr 1980. In ähnlicher Technik, aber bildfüllender hat Oscar Murillo 2014/15 das großformatige Werk „Poker“ in roher Materialität ausgearbeitet (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR).

Aus Deutschland treten Georg Baselitz mit dem überlebensgroßen Tuscheaquarell eines Mädchens in Rückenansicht mit gelben Zöpfen in grober Malweise und Daniel Richter mit einer frühen expressiven abstrakten Farbschlacht von 1995 unter dem Titel „T.T.S. (Totus Tuus Sum)“, „Ich bin ganz Dein“, hinzu (Taxe je 100.000 bis 150.000 EUR). Den kontinuierlichen Musterrapport hat Thomas Bayrle schon früh zu seinem Stilprinzip gemacht und dafür auf alltägliche Dinge zurückgegriffen, so auch in seinem Gemälde „Norman Mailer“ von 1971, auf dem er Bleistifte schräg nebeneinander anordnet und durch die Verzerrung der Geraden das Gesicht des US-amerikanischen Schriftstellers und Regisseurs schemenhaft herausarbeitet (Taxe 140.000 bis 180.000 EUR). Als Bildhauer*innen sind Isa Genzken mit einem ihrer bekannten „Weltempfänger“ aus Beton und Radioantenne von 1990 unter dem Titel „Julia“, Erwin Wurm mit seinem lustigen „Modell für eine telekinetische Skulptur“, einem Pritschenwagen mit erhobenem Hinterteil von 2006 (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR), Stephan Balkenhol mit dem aus Holz geschnitzten, auf hohem Sockel „Tanzenden Paar“ von 1996 in ausdrucksloser Mimik (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR) und Jean-Michel Folon mit der Bronzefigur „Le Chemin“ eines ebenso entindividualisierten Mannes vertreten, der einen Koffer in Form eines Pfeils und damit zwei wichtige Motive im Schaffen Folons trägt (Taxe 120.000 bis 180.000 EUR).

Die Auktion „Zeitgenössische Kunst“ beginnt am 29. November um 18 Uhr. Objekte können bis zum Auktionsbeginn täglich von 10 bis 18 Uhr in Augenschein genommen werden. Der Katalog ist im Internet unter www.dorotheum.com abrufbar.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at

Startseite: www.dorotheum.com



27.11.2023

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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