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Aktuellzum Archiv:Messe-Vorbericht

Mit der BRAFA in Brüssel startet das Messejahr. Die Kunst- und Antiquitätenmesse präsentiert sich in ihrer opulenten Mischung wieder schwelgerisch

Auffahrt in den Surrealismus-Himmel



Die BRAFA feiert den Surrealismus mit einer opulenten Ausstattung der Messehallen

Die BRAFA feiert den Surrealismus mit einer opulenten Ausstattung der Messehallen

Das Atomium leuchtet glänzend in der Wintersonne, Besucher strömen zu einem der ungewöhnlichen Brüsseler Touristenmagnete, während auf der anderen Seite die BRAFA Art Fair – früher stand die Abkürzung für Brussels Antiques and Fine Art Fair – ein ausgewähltes und gut gelauntes Publikum an diesem ersten Messewochenende in die Hallen 3 und 4 des Brüsseler Expo-Geländes lockte. Nachdem sich die Anzahl der deutschen Galerien auf der BRAFA in den letzten Jahren immer weiter reduziert hat, fährt man als Kunde oder Interessent zu der Brüsseler Kunstmesse oder aus nostalgischen Gründen. Denn was es dort zu sehen und zu entdecken gibt, ist nach wie vor von ungewöhnlich hoher Wertigkeit. 132 internationale Aussteller aus vierzehn Ländern zeigen noch diese Woche ausgewählte Werke. Ob alte oder moderne Malerei, Tribal Art, Schmuck, Tafelsilber oder Design: Für jede Ausgabe werden renommierte Galerien mit großer Sorgfalt ausgewählt.


Die Besucher*innen begeben sich bei der BRAFA auf eine inspirierende Reise durch Epochen und Stile. Zusammenstellung und Vielfalt beleben den Blick und geben Sammler*innen Gelegenheit, ihre Kollektionen mit Originalität zu bereichern. Immer wieder spannend ist es für die Gäste, sich zu fragen, welches Motto die Innenarchitekten rund um die Stände der Aussteller gewählt haben. In diesem Jahr ist es der Surrealismus. Mächtige Wolken in schillerndem Weiß hängen unter der Decke der Messehallen. Ein „Stairway to heaven“ in Form eines Eisenbahngleises schwingt sich vom Grün eines Beetes hinauf in einen imaginären Himmel. Dort steht elegant gekleidet, wie es der Mode von 1924, entsprach eine Schaufensterpuppe auf einer Leiter und schaut stumm auf die zahlreichen Besucher herunter. Bilder von René Magritte, dem wohl berühmtesten Maler des belgischen Surrealismus, ergänzen an anderen Stellen die unwirklichen Wolkengebilde. So offeriert die belgische Galerie De Jonckheere eine Zeichnung Magrittes zu einem Gemälde mit dem Titel „La Légende des Siècles“ von 1950 mit einem riesigen monolithischen Steinstuhl, auf dem ein kleiner Holzstuhl Platz genommen hat.

Dieses Jahr steht allerdings ein anderer Künstler aus Belgien im Vordergrund: Paul Delvaux. Aus Anlass seines 30. Todestags ist die Fondation Paul Delvaux der Ehrengast der BRAFA. Sie hütet das Erbe des Malers, dessen Werke zwischen Surrealismus und Symbolismus eingeordnet werden, und stellt Arbeiten aus den unterschiedlichen Schaffensperioden des Künstlers vor, der von 1897 bis 1994 lange gelebt und gewirkt hat. Natürlich laufen diese Arbeiten außer Konkurrenz mit, da sie unverkäuflich sind. Die Wortschöpfung „Surrealismus“ tauchte erstmals 1917 auf. Guillaume Apollinaire verwendete den Ausdruck als Untertitel für sein Stück „Les mamelles de Tirésias“, das er als „surrealistisch“, denn „übernatürlich“, einordnete. Im selben Jahr fand der Begriff Eingang in das Programmheft des kubistischen Balletts „Parade“ von Jean Cocteau. André Breton veröffentlichte 1924 vor genau hundert Jahren sein „Surrealistisches Manifest“. Damit rief er eine künstlerische und philosophische Bewegung ins Leben, die das 20. Jahrhundert nachhaltig beeinflussen sollte. Im selben Jahr gründete der Dichter Paul Nougé zusammen mit seinen Kollegen Camille Goemans und Marcel Lecomte ein surrealistisches Zentrum in Brüssel und gab die Zeitschrift „Correspondance“ heraus – alles Gründe, den Surrealismus in diesem Jahr ausgiebig zu feiern.

Eine Vielzahl von Werken bei verschiedenen BRAFA-Ausstellern spiegelt die Komplexität des Surrealismus wider. Dabei ist ein außergewöhnliches und seltenes Exemplar von André Bretons „Manifeste du Surréalisme“ hervorzuheben. Es gehört zu den insgesamt 19 erhaltenen Originalen und findet sich bei der Librairie Lardanchet aus Paris am Stand der „Chambre professionnelle belge de la Librairie Ancienne et Moderne“. Verfügbare Werke von Paul Delvaux, darunter Gemälde, Aquarelle und Drucke, haben gleich mehrere Aussteller auf die BRAFA mitgebracht, angefangen von dem Aktbild „Nu dans l’atelier“ aus den 1920er Jahren bei der Galerie Jean-François Cazeau aus Paris über die von der Personenzeichnung recht ungewöhnlichen „Femmes devant la mer“ von 1928 und „L’été“ mit halbnackten, stilisierten Frauenfiguren in einem Park von 1963 bei Francis Maere Fine Arts aus Gent bis zum beeindruckendem Gemälde „La Fin du Voyage“ von 1968 mit einem Akt neben einer Trambahn in einer Landschaftsschlucht bei der Opera Gallery aus Genf. Auf der Messe gewinnt man den Eindruck, als habe man bei Sammlern und Händlern rege nachgefragt oder in den tiefsten Kellerräumen gesucht, ob nicht etwas von Paul Delvaux zu finden sei, um es auf die Messe mitzunehmen. So prunkt auch am Stand von Harold t’Kint de Roodenbeke, dem Chairman der BRAFA, die aquarellierte Tuschezeichnung „La danse macabre“ von 1934 mit unzählig vielen ausgelassenen Skeletten.

Von den lediglich noch fünf deutschen Ausstellern, die auf der Messe in Brüssel vertreten sind, ist es „Die Galerie“ aus Frankfurt am Main, die mit einer monumentalen Dreiergruppe von Max Ernst die Blicke auf sich zieht. Kennt man die Kunsthandlung sonst vor allem als Anlaufstelle für Kunst der Gruppe CoBrA, so ist diese ungewöhnliche Präsentation ein Krafttakt, der sich, so Galeriedirektorin Elke Mohr, schon nach drei Messetagen gelohnt hat. Immerhin kostet die 2020 in einer Auflage von acht Exemplaren in Bronze gegossene Skulpturenfolge mit dem Titel „Corps enseignant pour une école de tueurs“, übersetzt „Lehrkörper für eine Schule der Totschläger“, 2,7 Millionen Euro und soll auch als Ganzes verkauft werden. Sie zählt zu den Spätwerken des Künstlers, wurde von Max Ernst ursprünglich 1967 aus Kalksandstein gearbeitet und gehörte mit anderen Figuren zu einem Brunnenobjekt in Amboise. Daneben konzentriert sich „Die Galerie“ auf Werke von Ernsts Enkelin Amy Ernst und seines Sohnes Jimmy Ernst, der in einer fein gezeichneten Arbeit in Schwarztönen für 38.000 Euro Anklänge an Motive seines Vaters erahnen lässt. Doch auch eine kraftvolle abstrakte Formfindung von Corneille mit dem Titel „Jour d’été“ von 1957 fällt für 139.000 Euro in selber Koje ins Auge.

Bei Ralph Gierhards aus Düsseldorf wird dann auch der Liebhaber exquisiter Möbel fündig und kann bei einem Pietra dura-Kabinett des späten 17. Jahrhunderts aus Florenz mit elf Mosaikplatten samt toskanischen Landschaftsmotiven zugreifen, das als Leihgabe der Gilbert Collection schon mal im Victoria and Albert Museum in London stand. Das Kunsthaus Kende aus Tübingen ist auf Silber spezialisiert und macht unter anderem auf ein fünfteiliges Kaffee- und Teeservice von Hans Bolek in den zurückhaltenden Wiener Jugendstilformen der Zeit um 1909/12 aufmerksam. Direkt aus Wien ist Florian Kohlhammer mit faszinierenden Arbeiten von Josef Hoffmann und zwei seltenen, in Kupfer getriebenen Reliefs mit Allegorien der Kraft und der Poesie von Georg Klimt angereist, die die Verwandtschaft zu seinem Bruder Gustav Klimt unschwer erkennen lassen. In maurische Gefilde entführt dann die Galerie Mathivet aus Paris mit einem Beistelltisch des Italieners Carlo Bugatti, den er 1902 mit einem stilisierten Libellen-Dekor auf Pergament und getriebenen Kupferfassungen verziert hat.

Da auf der BRAFA an jeder Ecke und an jedem Stand etwas Ungewöhnliches vermutet wird, braucht man Zeit, um „L’Homme au nez cassé“ von Auguste Rodin bei dem Pariser Skulpturenspezialisten Nicolas Bourriaud zu entdecken. Der Bronzeguss dieser Kopfbüste mit der gebrochenen, platt gedrückten Nase von 1903 ist für 120.000 Euro zu haben. Ein eindringliches Stillleben rückt Nicolás Cortés aus Madrid in seiner Koje in den Mittelpunkt: der spanische Barockmaler Francisco de Zurbarán hat sein „Fastenstillleben“ mit nur wenigen Gemüsesorten angereichert und lässt die Schoten, Kürbisse und Artischocken mit Schlaglicht aus dem Schatten eines undefinierten Hintergrunds hervortreten. War man es von früheren Ausgaben der BRAFA gewohnt, dass sich die Vertreter der jüngeren Kunst über ganze Gänge ausgebreitet haben, sind sie in diesem Jahr kleiner und feiner und mit besonders ausgewählten Werken zugegen. Die Galerie Jamar aus Antwerpen hat mit Panamarenko wieder einen ihrer Hauskünstler auf die Messe verfrachtet und präsentiert dessen späte Entwurfsskizze „The Aeromodeller“ mit einem Luftschiff und der Aufschrift „Panama“. Oder man lässt sich am Stand der Zidoun-Bossuyt Gallery aus Luxemburg von Jean-Michel Basquiats querformatiger Malerei „Blue Skies“ von 1985 mit seinen typischen Menschenfratzen in einer Wüstengegend begeistern. Die BRAFA bleibt ein beeindruckender Ort der ungewöhnlichen und raren Kunstobjekte und ist wieder einmal eine Reise nach Brüssel wert.

Die BRAFA läuft noch bis zum 4. Februar und hat täglich von 11 bis 19 Uhr, am Donnerstag zusätzlich bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 25 Euro, ermäßigt 10 Euro; für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren ist er kostenlos. Der Katalog kostet 20 Euro.

www.brafa.art



30.01.2024

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Marianne Hoffmann

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