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Wie sich in der Kunst um 1500 der Wandel vom Mittelalter in die Neuzeit vollzog, zeigt ein aussagekräftiges Buch- und Ausstellungsprojekt in Frankfurt und berücksichtigt dabei die Vorreiterrolle von Augsburg

Aufbruch in eine neue Zeit



in der Ausstellung „Holbein und die Renaissance im Norden“

in der Ausstellung „Holbein und die Renaissance im Norden“

Eine Erfolgskonzentration aus monetärer Robustheit, wirtschaftlicher Potenz und politischer Führungskraft bietet häufig ideale Rahmenbedingungen für einen Entwicklungsschub im Bereich der Künste. So war es auch im frühen 16. Jahrhundert in der Reichsstadt Augsburg. Neben Nürnberg stieg sie zum führenden Kunstzentrum auf. Zwischen 1500 und 1525 tagte hier sechs Mal der Reichstag, so auch 1518, als der Nürnberger Albrecht Dürer zwecks Akquise neuer Porträtaufträge extra anreiste. Wirtschaftlich aufs engste verbunden blieb Augsburg mit dem Namen Fugger als Synonym für wirtschaftlichen Erfolg und Nukleus eines internationalen Netzwerkes. Die seit 1376 hier ansässige Weberfamilie stieg rasch zum führenden Kaufmanns- und Bankiersclan mit engen Beziehungen zum Hause Habsburg auf. Kein anderes Bauwerk verdeutlicht so stark ihren Status wie ihre 1518 geweihte Grabkapelle im Karmeliterkloster St. Anna. Sie gilt als frühestes erhaltenes Bauwerk der Renaissance im Norden. Spätgotische Elemente wie das komplexe Netzgewölbe verbinden sich mit aktuellen Formen italienischer Architektur, darunter der Gliederung durch offene Arkaden, den bogenförmigen Wandfeldern oder dem antik inspirierten marmorierten Material.


Kein geringerer als Albrecht Dürer entwarf die figürlichen Reliefs der Kapelle, die als Geburtsstunde einer neuen Kunst nördlich der Alpen gilt. Empfohlen hatte sich Dürer dafür mit seinem Gemälde „Das Rosenkranzfest“, das er 1506 für die Kirche der deutschen Kaufleute in Venedig, San Bartolomeo, schuf. Auf beeindruckende Weise verband er hier eine italienisch inspirierte Komposition und Farbgebung mit dem Realismus flämischer Meister des 15. Jahrhunderts. Eine rund hundert Jahre jüngere Kopie des „Programmbilds“ fungiert zugleich als Auftakt der Ausstellung „Holbein und die Renaissance im Norden“ im Städel Museum wie auch des Begleitbandes. Dann konzentriert sich die Auswahl der Kunstwerke in der Frankfurter Schau auf Augsburg und macht deutlich, wie sich mittels Handelsbeziehungen nach Italien der künstlerische Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit, von der Gotik zur Renaissance vollzog und das Formenvokabular aus dem Süden zum „state of the art“ wurde.

Neben Albrecht Dürer gelten die beiden in Augsburg geborenen Maler Hans Holbein d.Ä (um 1464-1524) und Hans Burgkmair d.Ä. (1473-1531) als Wegbereiter der Renaissance im Norden. Holbein bereiste nach seiner Lehre die Niederlande zum Studium so bedeutender Maler wie Jan van Eyck, Rogier van der Weyden, Dierick Bouts oder Hugo van der Goes, die ihn nachhaltig inspirierten. Unter Einbindung lokaler Elemente fühlte er sich deren detailreicher sichtbarer Weltschau verpflichtet. Figurengruppen, ja ganze Kompositionsformen samt maltechnischer Besonderheiten übernahm er von ihnen. Eines seiner Hauptwerke, der „Lebensbrunnen“ von 1519, entspricht einer in den Niederlanden gebräuchlichen Erscheinungsform. Die prachtvoll italienisch inspirierte Schauarchitektur deutet allerdings darauf hin, dass bei Holbein erst im Spätwerk italienische Renaissancedekorationen Einzug hielten. Seine 1494 gegründete Werkstatt genoss ein weit über Augsburg hinausgehendes Renommee. Einträglichstes Arbeitsfeld war die religiöse Tafelmalerei. Dies belegt der große Altar für die Frankfurter Niederlassung der Dominikaner. Im offenen und geschlossenen Zustand vorgestellt, kann sich jeder von der grandiosen Ausformulierung der Heilsgeschichte mit dem Passions- und Marienzyklus überzeugen, aber auch die aggressive, gegen die Juden gerichtete Bildpropaganda erkennen.

In produktiver Rivalität dazu stand Hans Burgkmair, der zwar auch die Niederlande besuchte, den es aber ähnlich wie Dürer nach Italien zog, wo er sich substantielle Anregungen holte. Aufgrund der engen Handelsbeziehungen der Augsburger Kaufmannschaft nach Italien übte die italienische Renaissancekunst eine große Faszination aus. Da sich Burgkmair eher dafür faszinierte, wussten beide Konkurrenten, auf den Feldern der religiösen Tafelmalerei und der Porträtkunst ihre jeweilige Abnehmerschaft gut zu bedienen. Während Holbein traditionellen Bildformen zuneigte, experimentierte Burgkmair mit neuen Techniken und Bildthemen. Ornament und Kolorit verraten in seinen Bildern eine intensive Auseinandersetzung mit der südlichen Renaissance. Als erster in Augsburg bediente er sich antikisierenden Architekturmotiven, er malte Rundbögen und verwendete die Ornamentik der antiken Groteskenkunst. Sein um 1501 entstandenes Gemälde der Basilika San Pietro aus dem sogenannten „Basilikazyklus“ im Kapitelsaal des ehemaligen Augsburger Katharinenklosters gilt als frühestes Beispiel einer Rezeption italienischer Renaissancearchitektur nördlich der Alpen. Gleichzeitig schien der Maler zu seinem Konkurrenten aufzuschließen. Auch die an organischen Gewändern ablesbaren Bewegungsabläufe, Modestoffe in Madonnenbildern, gequaderten Marmorfußböden, eine in freier Landschaft sitzende Maria mit dem am Boden stehenden Kind verweisen nach Italien oder nach Venedig, wie auch der Typus der sitzenden frontalen Madonna als Kniestück.

Die von Jochen Sander und Guido Messling kuratierte Auswahl von rund 130 Exponaten zollt vor allem dem Porträt als typische Bildgattung der Renaissance Rechnung. Anatomisch korrekte Wiedergaben zeugen hier von der Wahrnehmung des Menschen als eigenständiges Individuum und den nun gehäuften Auftragserteilungen von „normalen“ Bürgern, die nun „bildwürdig“ wurden. Die Portraits wurden Statusobjekte und wirkungsvolle Mittel einer Selbstinszenierung zur gezielten Imagepflege. Sowohl Burgkmair als auch Holbein waren außerordentlich produktive Porträtmaler, was sich auf die Söhne des letzteren übertrug, die das lukrative Marktsegment erkannten. Im letzten Abschnitt konnten die von Hans Holbein d.J. und Ambrosius Holbein in der elterlichen Werkstatt gemalten Porträts des Ehepaares Fischer erstmals seit über 160 Jahren wieder vereint werden. Hans Holbein d.J. war ab 1515 in Basel tätig und führte die Kunst seiner Heimatstadt hier zu Perfektion. Zwei Meisterwerke, die „Solothurner Madonna“ von 1522 und die wenige Jahre später entstandene „Madonna des Bürgermeisters Jacob Meyer zum Hasen“ aus der Sammlung Würth, erhoben ihn zum unbestrittenen Haupt der Renaissance im Norden. Als Pointe zum Abschluss ruft sein Rundporträt des „Simon George of Cornwall“ neben der parvenühaften Eitelkeit des Dargestellten auch das Genre des kleinformatigen Rundbildnisses in Erinnerung, das erstmals massenhaft im Hype rund um den Augsburger Reichstag von 1518 auftrat und von hier aus seinen Siegeszug antrat.

Diese und weitere Hintergrundinformationen vermittelt der zur vollständigen Erfassung der Ausstellung unabdingbare Begleitband des Hirmer Verlags, dessen instruktive Beiträge wichtige Aspekte tiefer erschließen. Einleitende Aufsätze der Kuratoren stellen weitere neu entwickelte Kunstformen, etwa die Porträtmedaille, oder neu entdeckte Bildthemen vor, darunter durch Fernhandelsbeziehungen inspirierte Bilder außereuropäischer Kulturen. Eine andere, speziell technische Innovation konnte Augsburg mit dem Farbholzschnitt hervorbringen. Die Künstler an der Lech waren innovativer und stellten die Nürnberger Kollegen in den Schatten. 1487 entstand in Augsburg der erste mehrfarbig gedruckte figurative Holzschnitt, und Burgkmair war es, der um 1507/08 den sogenannten „Chiaroscuro-Holzschnitt“ entwickelte, dessen Merkmal die Kombination mehrerer Druckstöcke zur Herstellung großer mehrfarbiger Sujets ist. Mit einem Hauptwerk der deutschen Renaissance und Burgkmairs Meisterblatt, dem 1510 gedruckten Holzschnitt „Der Tod überfällt ein Liebespaar“, fand diese Entwicklung vorläufig ihren Abschluss. In den nächsten Jahrzehnten kam es zu Riesenholzschnitten und einer Monumentalisierung des grafischen Mediums bis hin zu einer plakathaften Anmutung. So wurde der großformatige Holzschnitt zu einer genuin Augsburger Spezialität.

Die Auseinandersetzungen um die Reformation führten schließlich um 1520 in Augsburg zum Niedergang der künstlerischen Produktion. Dies traf vor allem Maler und Bildhauer, die nun keine Aufträge mehr erhielten. Viele Werke in Augsburg fielen dann auch noch dem Bildersturm von 1537 zum Opfer. Die steinerne Figur des heiligen Bischofs Ulrich auf dem Marktbrunnen wurde zu diesem Zeitpunkt durch die Bronzestatue des heidnischen Meeresgotts Neptun ersetzt. Der Aufbruch in eine neue Zeit und der wachsende Einfluss antikenbegeisterter Humanisten sind daran deutlich ablesbar. Bis um 1700 war die Mehrheit der Augsburger Bevölkerung dann protestantisch.

Die Ausstellung „Holbein und die Renaissance im Norden“ läuft noch bis zum 18. Februar. Das Städel Museum hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr. Der Eintritt beträgt 18 Euro, ermäßigt 16 Euro; für Kinder unter zwölf Jahren ist er frei. Zur Ausstellung sind ein Begleitheft für 9,50 Euro und der gehaltvolle Begleitband „Renaissance im Norden. Holbein, Burgkmair und die Zeit der Fugger“ im Hirmer Verlag erschienen, der im Museum 44,90 Euro kostet.

Kontakt:

Städel Museum / Städelsches Kunstinstitut und Städtische Galerie

Schaumainkai 63

DE-60596 Frankfurt am Main

Telefon:+49 (069) 60 50 98 0

Telefax:+49 (069) 61 01 63

E-Mail: info@staedelmuseum.de

Startseite: www.staedelmuseum.de



31.01.2024

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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