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Vor 300 Jahren starb der Bildhauer, Architekt und Publizist Johann Bernhard Fischer von Erlach. Das Wien Museum ehrt ihn nun mit der ersten Sonderausstellung nach seiner Wiedereröffnung

Plastisches Gestalten mit geometrischen Körpern



in der Ausstellung „Fischer von Erlach. Entwurf einer historischen Architektur“

in der Ausstellung „Fischer von Erlach. Entwurf einer historischen Architektur“

Neben Johann Lucas von Hildebrandt gilt Johann Bernhard Fischer von Erlach als der Protagonist der Barockarchitektur in Österreich. Mit seinem Namen verbinden sich zahlreiche Kirchen, Garten- und Stadtpaläste, die in Wien und Salzburg das Stadtbild immer noch prägen. Seinem bis heute wichtigsten Biografen, dem berühmten wie umstrittenen Kunsthistoriker Hans Sedlmayr, gelang es nicht, ihn für das Deutschnationale zu vereinnahmen. Zu bedeutend sind seine Bauten, zu international die Einflüsse, die Fischer von Erlach in sein Schaffen aufnahm. Mit der letzten Retrospektive in Wien 1957 in der Neuen Hofburg rückte er wieder als bedeutender Baumeister der Alpenrepublik in den Fokus. Seinen 300. Todestag im vergangenen Jahr nimmt nun das Wien Museum zum Anlass, sein Werk in einer umfassenden Ausstellung neu zu präsentieren. Die neun Sektionen der Schau vermitteln nicht nur sein genreübergreifendes Œuvre weitgehend chronologisch gegliedert, sondern beleuchten auch kritisch dessen Rezeption und Wirkungsgeschichte.


In diesem Zusammenhang war es ein kluger Schachzug des Kurators Andreas Nierhaus, den österreichischen Bildhauer und Fotografen Werner Feiersinger mit der Ausstellungsgestaltung und aktuellen großformatigen Fotografien von Bauten Fischer von Erlachs zu beauftragen, die aus ungeahnten Blickwinkeln Details herausstellen und aus heutiger Sichtweise künstlerische Intentionen des Baumeisters offenlegen. Damit wird zugleich an die Schau von 1957 angeknüpft, die erstmals überhaupt großformatige Fotografien in ihr Konzept einband. Hinzu kommen zahlreiche Modelle, Grafiken, bibliophile Kostbarkeiten, Skulpturen sowie 45 der 90 erhaltenen originalen Zeichnungen Fischer von Erlachs. Die andere Hälfte war in der ersten, kleiner ausgefallenen Station in Salzburg zu sehen.

Johann Bernhard Fischer wurde am 20. Juli 1656 in Graz geboren und starb am 5. April 1723 in Wien. Nach der Lehre in der Bildhauerwerkstatt seines Vaters Johann Baptist Fischer verschlug es ihn um 1670 nach Rom. Hier setzte er bei der aus Tirol stammenden Künstlerfamilie Schor die Ausbildung zum Bildhauer und Dekorateur fort, verkehrte in Künstler-, Gelehrten- und Sammlerkreisen und studierte sowohl die antike als auch die zeitgenössische Architektur, wobei er sich speziell für Gian Lorenzo Bernini begeisterte. Die Jahre in Rom bildeten die Basis seines späteren Schaffens. Schon bald nach der Rückkehr in die Heimat 1686 konnte er im Auftrag des Fürsten von Liechtenstein ein kleines Belvedere als Abschluss ihres Gartens im Alsergrund gestalten, das aber 1872 zugunsten eines größeren Witwensitzes wieder abgetragen wurde.

Dieses und weitere Entwürfe für „Lustgartengebäude“ demonstrieren Fischers Vertrautheit mit der Architektur Roms und orientieren sich stark an Entwürfen von Gian Lorenzo Bernini und Francesco Borromini sowie der von Michelangelo Buonarroti für den Konservatorenpalast geschaffenen Kolossalordnung. Durch den mittigen, ähnlich einem Triumphtor gestalteten Torbogen schweift der Blick beim Liechtensteinschen Garten-Belvedere in die Weite der Natur. Der plastisch ausgeformte Körper, der gefasste Raum und das so effektvoll integrierte Bild bringen Fischers Architekturverständnis konkret auf den Punkt. Am Beispiel seiner Gartenbauten lassen sich seine Entwurfsprinzipien am besten veranschaulichen. Ausgehend von einfachen, stereometrischen Körpern wie Ovalzylinder, Kubus oder Pyramide schuf er spannungsreiche, frei im Raum stehende Skulpturen. An den Wänden der Ausstellung zeigen gestochen scharf projizierte, großformatige Grund- und Aufrisse ovale, konvex vorgewölbte und erhöhte Mitteltrakte, die in geraden Seitenflügeln auslaufen.

Johann Bernhard Fischer von Erlach kam im richtigen Moment wieder zurück nach Wien. Als Erzieher des späteren Kaisers Joseph I. trat er in den Dienst des Kaiserhauses und vollzog eine steile Karriere bis hin zum obersten Bauaufseher. Nach dessen Krönung zum römisch-deutschen König 1690 wollte er unter formalen Bezugnahmen auf das antike römische Kaisertum die Machtansprüche der Habsburger baulich untermauern, wie seine Ehrenpforten anlässlich des Einzugs Josephs in Wien nach der Krönung demonstrieren. Den Glanz von Josephs Konkurrenten und Vorbild Ludwig XIV. aufgreifend, bildeten Fischer von Erlachs grandiose Entwürfe für das Schloss Schönbrunn den Höhepunkt der Tätigkeit am Kaiserhof. Im Jahr 1696 konnte er mit dem Schlossbau allerdings in wesentlich kleinerem Maßstab beginnen. Damals wurde Johann Bernhard Fischer unter Hinzufügung des Namens von Erlach in Referenz an den ersten Ehemann seiner Mutter, den Bildhauer Sebastian Erlacher, in den erblichen Adelsstand erhoben. Von Malern für die Schlossbauten geschaffene Bilder ergänzen die Auswahl der 300 Exponate, darunter der Entwurf eines Deckengemäldes von Sebastiano Ricci für den Speisesaal in Schloss Schönbrunn oder die „Bathseba im Bade“ für das Liechtenstein-Palais, ein unlängst wieder entdecktes Werk von Carlo Maratta.

Neben der Arbeit in Schönbrunn eröffneten sich parallel ab 1693 weitere Bauaufgaben für den einflussreichen fürsterzbischöflichen Hof in Salzburg. Neben Schloss Kleßheim konnte Johann Bernhard Fischer von Erlach hier fünf bedeutende Kirchen innerhalb von fünf Jahren errichten, darunter die Kollegienkirche mit der spannungsreichen konvexen Doppelturmfassade oder die am Beginn des Parcours in der Form eines raumgreifenden Modells vorgestellte, an römischen Vorbildern orientierte Dreifaltigkeitskirche samt Priesterhaus. Während in Wien Palastbauten dominierten, standen in Salzburg Sakralbauten im Fokus.

Einen Großteil der Schau nimmt ein bibliophiles Werk Fischer von Erlachs ein, das ihm internationalen Ruhm eintrug. Insgesamt 16 Jahre arbeitete er an der ersten illustrierten Architekturgeschichte der Welt, dem 1721 in Wien veröffentlichten fünfbändigen „Entwurff Einer Historischen Architectur“. Nach Vorzeichnungen Fischers, die in der Retrospektive den publizierten Stichen gegenüber gestellt sind und sein herausragendes Zeichentalent dokumentieren, versuchte er, alle bedeutenden Bauten der Welt, sowohl existierende, als auch verschwundene oder fiktive, gleichberechtigt zu präsentierten. Ausgehend vom Salomonischen Tempel in Jerusalem, für dessen Illustration er als Vorlage ein Gemälde des flämischen Malers Willem Augustin van Minderhout heranzog, widmete er sich zunächst den sieben Weltwundern der Antike, gefolgt von römischen Bauten, etwa dem Diokletianspalast in Split, die er nach Reiseberichten und überlieferten Zeichnungen rekonstruierte. Im dritten Buch werden Bauten wie türkische Moscheen, persische oder chinesische Projekte oder die heiligen Stätten von Mekka wertfrei neben antike Monumente gesetzt. Einprägsam und spektakulär begeisterte Fischer von Erlach mit seinen Bildfindungen aus exotischen Welten so sehr das Publikum, dass weitere unautorisierte Verbreitungen die Folge waren. Die Kopisten und Verleger schrieben dann ihren Namen auf die Blätter. Wie Fischer von Erlachs Illustrationen die Fantasie anregten, führt eine Reihe von bibliophilen Werken aus der Bibliothek des Schweizer Kunst- und Architekturhistoriker Werner Oechslin in Einsiedeln vor Augen.

Am Ende seines Schaffens stehen wiederum in Gestalt und Aussagekraft stark nach Rom weisende Projekte für Wiener Bauten, mit denen sich die Habsburger nicht zuletzt ihrer Kontinuität zu den römischen Cäsaren vergewissern wollten und ihrer herrschaftlichen Repräsentation Ausdruck verliehen. Unkonventionelle Fronten und ein reicher figürlicher Schmuck zeichnen alle Aufträge aus. Ein wiederkehrendes Motiv sind mächtige Atlanten, die Portale oder wie beim Wiener Winterpalais des Prinzen Eugen, in dem heute das Finanzministerium residiert, das Stiegenhaus tragen. Die Wiener Hofstallungen orientieren sich an Fischers Rekonstruktion des Goldenen Hauses von Kaiser Nero. Der Prunksaal der Hofbibliothek weckt Erinnerungen an römische Kuppelbauten. 1715 gewann er den Wettbewerb zur Karlskirche, seinem Hauptwerk, dessen Schauseite mit römischen Triumphsäulen ausdrucksvoll einen beinahe überbordenden skulpturalen Gestaltungswillen zum Ausdruck bringt. Hier verdeutlicht sich besonders ein plastisch gedachtes, aus physisch-mathematischen Vorgaben entwickeltes stoffliches Objekt, in dem sich künstlerische und politische Ansprüche verbinden. In der heutigen Stadt ist der Bau ein Fremdkörper. Unmittelbar neben dem Wien Museum gelegen, provoziert er seit Jahrzehnten Fragen nach der Gestaltung der Umgebung. Die Einbindung der Architekturikone stand auch im Fokus bei der jüngsten Erweiterung des Wien Museums. Hiermit ist die erfreulich griffige, auf wesentliche Dimensionen konzentrierte, aber auch stimulierend arrangierte Schau in der Gegenwart angekommen.

Die Ausstellung „Fischer von Erlach. Entwurf einer historischen Architektur“ ist bis zum 28. April besichtigen. Das Wien Museum hat täglich außer montags von 9 bis 18 Uhr, samstags und sonntags ab 10 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 10 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog im Residenz Verlag erschienen, der im Museum 28 Euro kostet.

Kontakt:

Wien Museum Karlsplatz

Karlsplatz

AT-1040 Wien

Telefon:+43 (01) 505 87 470

Telefax:+43 (01) 505 87 47 7201

E-Mail: office@wienmuseum.at

Startseite: www.wienmuseum.at



06.02.2024

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Veranstaltung vom:


01.02.2024, Fischer von Erlach - Entwurf einer historischen Architektur

Bei:


Wien Museum

Kunstsparte:


Architektur

Stilrichtung:


Barock

Stilrichtung:


Alte Meister

Bericht:


Konsequente Avantgarde

Bericht:


Prachtboulevard zwischen Traum und Albtraum

Bericht:


Wunderkammer mit Suchtfaktor

Variabilder:

Johann Bernhard Fischer von
 Erlach, Dreifaltigkeitskirche und Priesterhaus in Salzburg
Johann Bernhard Fischer von Erlach, Dreifaltigkeitskirche und Priesterhaus in Salzburg







Johann Bernhard Fischer von Erlach, Dreifaltigkeitskirche und Priesterhaus in Salzburg

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Johann Bernhard Fischer von Erlach, Das Hadriansmausoleum in Rom, vor 1712

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Johann Bernhard Fischer von Erlach, Erstes Projekt für Schloss Schönbrunn, um 1688

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Johann Bernhard Fischer von Erlach, Hofbibliothek in Wien

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Johann Bernhard Fischer von Erlach, Karlskirche in Wien

Johann Bernhard Fischer von Erlach, Karlskirche in Wien

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Johann Bernhard Fischer von Erlach, Treppenaufgang mit Atlanten im Stadtpalais des Prinzen Eugen

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Johann Bernhard Fischer von Erlach, Entwurf für ein Bergschloss, um 1705

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Johann Bernhard Fischer von Erlach, Die Sultan-Achmed-Moschee in Istanbul, vor 1712

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Johann Bernhard Fischer von Erlach, Hochaltar der Kollegienkirche in Salzburg

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Johann Bernhard Fischer von Erlach, Schloss Kleßheim bei Salzburg

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die aus stereometrischen Körpern aufgebauten Entwurfsprinzipien Fischer von Erlachs

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