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Eine grandiose Ausstellung konfrontiert Naum Gabo mit Fritz Winter

Geistige Verwandtschaften zwischen Plastik und Malerei



Fritz Winter, Prismatische Komposition (Mehr Licht), 1934

Fritz Winter, Prismatische Komposition (Mehr Licht), 1934

Im Jahr 1928 lernte der deutsche Student Fritz Winter (1905-1976) den 15 Jahre älteren Russen Naum Gabo (1890-1977) am Dessauer Bauhaus kennen. 1930 trafen sich beide in Berlin wieder, als Gabo zwecks Vorbereitung einer Ausstellung in der Hannoveraner Kestnergesellschaft unter anderem auch den gelernten Elektroschweißer Winter als Mitarbeiter zur Realisierung seiner technisch komplizierten Arbeiten beschäftigte. Erstmals in der Geschichte der Plastik stellte Gabo konstruktivistische Gebilde aus durchsichtigen Stoffen wie Acetatzellulose her. Über die berufliche Tätigkeit hinaus entwickelte sich zwischen beiden eine Freundschaft und künstlerische Befruchtung. 1931 ging Winter als Lehrer an die Pädagogische Akademie nach Halle an der Saale. Hier entstanden die ersten Gemälde, die den Einfluss von Gabo auf Winters Werkschaffen deutlich spiegeln.



Für das Essener Museum Folkwang schuf Winter 1934 in Konkurrenz mit Oskar Schlemmer eine Serie von Bildern als Entwurf für einen projektierten "Minnebrunnen", der allerdings nicht zur Ausführung gelangte. Diese für Winters Werkschaffen zentralen Gemälde sind eindeutig durch das konstruktivistische und transzendente Werk Gabos inspiriert. Der mystische Zug von Winters späteren Arbeiten ab Mitte der 1930er Jahre deutet sich in den lichterfüllten Bildern mit kristallinen Formen schon an. Soweit die historischen Bezugspunkte. Zur Zeit gibt nun eine bemerkenswerte Ausstellung Einblicke in die künstlerisch außerordentlich anregende Beziehung zwischen dem deutschen Maler und dem russischen Konstruktivisten. Dem Museum Folkwang ist es gelungen, instruktiv die Gemeinsamkeiten im Schaffen der beiden Künstler herauszuarbeiten.

Gabos Plastiken bestehen aus geometrischen Grundformen, wobei Kreis und Ellipse das Moment der Bewegung unterstreichen. Diese Charakteristika fordern zum Umgehen der Skulpturen auf. Die Veränderungen je nach Betrachterstandpunkt werden vom Lichteinfall geprägt. Die transparenten Materialien erweitern zudem das Wirkungsfeld durch komplexe Licht- und Schattenbildungen. Die Arbeiten greifen weit in ihr Umfeld und schaffen sich einen eigenen auratischen Raum. Seine raumgreifenden Formen und das plastische Empfinden lassen sich nicht auf rein rationale Analyse reduzieren. Die Ausdrucksformen sollen irrationale metaphysische Botschaften vermitteln.

Die Visionen Gabos mit neuen, fragilen Materialien umzusetzen, müssen Winter intensiv berührt haben. Obwohl er derartige avantgardistische Vorstellungen nicht realisierte, prägen sie seinen Ausdruck. Licht und Bewegung stehen auch im Zentrum von Winters formal strengen, farblich reduzierten Werken. Sehr schnell gibt er jeden Realitätsbezug auf und beschränkt sich zunächst auf geometrische Formen. Einzelne Bildelemente in Werken aus dem Jahre 1931 schieben sich wie Scheiben über einen opaken Grund, was die Bedeutung des Lichtes demonstriert. Im Laufe der Zeit erweicht sein Stil, bis biomorphe Formen vor lichtvollem Grund entstehen. Schwarze, dunkle Strukturen sind mit transparenten Farbflächen unterlegt, die von innen erleuchtet wirken oder scheinbar vor einem hellen Fond angeordnet sind. Die Formen kreisen oder überlappen sich. Unendliche, sanft erleuchtete Tiefen kulminieren mit kosmischen Weiten. Auch mikroskopische Welten scheinen sich zu öffnen, die an biologische, mit bloßem Auge unfassbare Strukturen erinnern. Naturbilder aus dem Elektronenmikroskop des heutigen Wissenschaftlers scheinen mit den Gestaltungsformen von Winters gegenstandslosen Kunst übereinzustimmen.

Später fügt Winter die einzelnen Elemente kompositorisch fester zusammen. An die Stelle der Transparenz tritt nun ein lebhafter Hell-Dunkel, Schwarz- und Weiß-Kontrast. Im Jahr 1934 geht es in einer Serie von "Kristallbildern" ausschließlich um die Darstellung von Licht. Während Gabo mit seinen Plastiken keinen Naturbezug intendiert, bindet Winter seine 1931 bis 1934 entstandenen, ungegenständlichen Darstellungen letztendlich an die Natur. Abstrakte Formeln und theoretisches Wissen verwendet Winter in emotional Fassbarem; ein neues Weltverständnis wird intuitiv in Bilder umgesetzt.

Gabo und Winter hatten auch einen gemeinsamen Ideengeber. Ihr Interesse an der Gestaltung des Lichtes als formbildende Kraft, das bei ihnen zum Symbol für geistige Erleuchtung und lebensspendende Energie wird, geht auf den Ungarn Ernö Kállai zurück. Der in Berlin lebende Kunstkritiker hat, vom Konstruktivismus herkommend, in den 1920er Jahren seine Theorie der Bio-Romantik entwickelt, die mittels der Kunst eine Antwort auf die Defizite der Mechanisierung und Anonymisierung des Lebens im Industriezeitalter zu geben versucht. Für Kállai waren die Plastiken Gabos und die Gemälde Winters Ausdruck dieser Ideen. So organisierte Kállai 1933 im Museum Folkwang die Ausstellung „Zeichen und Bilder“, in der die Werke der beiden Exponenten seiner bio-romantischen Kunst einen bedeutenden Platz einnahmen.

Für die Ausstellung "Naum Gabo und Fritz Winter 1930-1940", in der 15 Plastiken Gabos aus den 1920er und 1930er Jahren mit über 50 Gemälden Winters aus den 1930er Jahren konfrontiert werden, sind wohl keine Ausstellungsorte besser geeignet als Essen und Halle an der Saale. In Essen werden die Kunstwerke in einer kojenähnlichen Architektur vor dem Hintergrund weißgrauer Wände und auf starkfarbenen roten Teppichböden so gelungen miteinander in Beziehung gesetzt, dass die Formverwandtschaften ungeachtet der medienbedingten Differenzen von Plastik und Malerei klar nachvollziehbar sind. Die Gestaltung des Lichtes als formbildende und energieausstrahlende Kraft, die Suggestion von Tiefen und der Verzicht auf Farbigkeit sowie Stofflichkeit treten als gemeinsam verfolgte Interessen so sehr in den Vordergrund, dass der Schluss naheliegt, der junge Winter habe auch den älteren Gabo beeinflusst. Allein die aus aller Welt zusammengetragenen, hochfragilen Konstruktionen Naum Gabos lassen die Schau zu einem außergewöhnlichen Erlebnis werden.

Nach der Station im Essener Museum Folkwang, die noch bis zum 15. Februar zu sehen ist, wird die Ausstellung vom 4. April bis zum 13. Juni in der Stiftung Moritzburg in Halle gezeigt. Geöffnet ist täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, freitags bis 24 Uhr. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Der fundierte Katalog kostet im Museum 19,50 Euro.

Kontakt:

Museum Folkwang

Museumsplatz 1

DE-45128 Essen

Telefon:+49 (0201) 88 45 444

Telefax:+49 (0201) 88 45 330

Startseite: www.museum-folkwang.de



09.02.2004

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Fritz Winter, Aus der Schale (Kreise, Lineare Komposition), 1935
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Fritz
 Winter, Blitz (Farbklänge), 1934
Fritz Winter, Blitz (Farbklänge), 1934

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Fritz Winter, Konstruktive Komposition in Weiß und Schwarz, 1935
Fritz Winter, Konstruktive Komposition in Weiß und Schwarz, 1935

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Naum Gabo, Konstruktion im Raum mit kristallinem Zentrum, 1938-1940
Naum Gabo, Konstruktion im Raum mit kristallinem Zentrum, 1938-1940

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Fritz Winter, Prismatische Komposition (Mehr Licht), 1934
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Fritz Winter, Aus der Schale (Kreise, Lineare Komposition), 1935

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Fritz Winter, Blitz (Farbklänge), 1934

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Fritz Winter, Konstruktive Komposition in Weiß und Schwarz, 1935

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Naum Gabo, Konstruktion im Raum mit kristallinem Zentrum, 1938-1940

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Naum Gabo, Säule, um 1923

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Naum Gabo, Torsion, 1928-1933

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