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Am Badestrand / Otto Pippel

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Kentaur, 1891/93 / Franz von  Stuck

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Stehender Mädchenakt vor Rot, 1954 / Karl Hofer

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Alte Kunst und Antiquitäten bei Nagel

Die Krönchenmacher



Johann Andreas Herrlein, Waldlandschaft mit fahrendem Volk

Johann Andreas Herrlein, Waldlandschaft mit fahrendem Volk

Wieder einmal kann das Stuttgarter Auktionshaus Nagel aus den vollen Speichern mehrerer Adelshäuser schöpfen und zeichnet die Objekte im Katalog marketingorientiert mit einem kleinen Wappenkrönchen aus. Das verhalf den Stücken schon bisher zu einem guten Resultat und wird auch in der kommenden Auktion die Herzen der Sammler von so manchem Blaublütigen vor Erregung höher schlagen lassen. Unter der reißerischen Überschrift „Verborgenen Schätze aus Schloss Mainau“ listet der Katalog manches noble Erbstück, das Graf Lennart Bernadotte nicht mehr in seinem Domizil auf der Bodenseeinsel haben will.



Die gräfliche Sammlung umfasst Gemälde alter und neuerer Meister. Ein Augenmerk liegt auf Arbeiten der deutschen Schule des 18. Jahrhunderts. Einen anderen Block bilden die Möbel, darunter Schränke, Kommoden und Sitzmöbel des 17. bis 19. Jahrhunderts. Lampen, Bilderrahmen und Spiegel runden das Angebot für eine komplette Hauseinrichtung ab. Einige der Objekte befanden sich ursprünglich in Schloss Karlsruhe im Besitz der Königin Victoria von Schweden und in anderen ebenfalls durch „Inventar-Etikette“ identifizierbaren Sammlungen, zu denen der Graf verwandtschaftliche Beziehungen unterhält.

Eine zweite große Einlieferung der September-Auktion stellt die Sammlung von Karl Friedrich Boehm dar. Boehm war nach dem Krieg Vorsitzender der Bezirksgruppe Neustadt des traditionsreichen Historischen Vereins der Pfalz, dessen Sammlungen den Grundstock für das Museum der Pfalz in Speyer bilden. Auch hier umfasst die Einlieferung Gemälde, vor allem Alter Meister, dann auch noch Grafik, Frankenthaler Porzellan, Silber und Miniaturen. In einem eigenen Katalog präsentiert Nagel Sammlung von Georg Weippert mit rund 60 Porzellan-Bildplatten, die unter anderem aus den Manufakturen Meißen und KPM Berlin, aber auch aus kleineren deutschen Malerateliers stammen. Und schließlich bieten in Stuttgart auch noch Marie Gräfin Oriola, und die Nachlassverwalter von Prinz Adalbert von Preußen und König Christian VIII. von Dänemark ihre Waren feil.

Silber

Eröffnet wird die zweitägige Folge am 23. September mit dem Silber, das mit einem seltenen gotischen Walzenreliquiar von St. Peter und Paul aufwartet. Das um 1500 aus Silber und Bergkristall wohl in der Bischofsstadt Cambrai gearbeitete Exemplar stammt ursprünglich aus der Kirche St. Pierre in belgischen Lessines (Taxe 30.000 EUR). Ein Dresdener Becher mit eingestanzten Münzen sächsischer Herrscher in drei Reihen aus der Sammlung Boehm datiert ins Jahr 1688 (Taxe 3.500 EUR). Eine an Ornamenten reiche, vergoldete Prunkplatte des Moskauer Hoflieferanten Pawel Owtschinnikow befand sich im Besitz der Großfürstin Maria Pawlowna, der Mutter von Graf Lennart Bernadotte (Taxe 3.000 EUR). Und auch eine ausladende Deckelterrine des Ludwigsburger Silberschmieds Bührer in neobarocken Formen von 1845 will mit dem applizierten Württembergischen Wappen seine adelige Herkunft gar nicht leugnen (Taxe 5.000 EUR).

Fayence, Porzellan und Glas

Bei den Fayencen tun sich Delfter Blauware, darunter ein plastisch durchgearbeitetes Deckelvasenpaar mit Landschaftsszenen (Taxe 800 EUR), und vor allem eine klassizistische Urnenvase hervor. Sie wurde wohl in Kassel nach einem Modell von Friedrich Christoph Hillebrecht gefertigt und über der marmorierten Wandung mit einer weißen Stoffdraperie und Löwenkopfhenkeln verziert (Taxe 800 EUR). Aus der Hofhaltung Kaiser Wilhelms II. listet der Katalog gleich ein komplettes Tafelservice. Er ließ die mit Blumenbouquets und Insekten dekorierten Teller, Terrinen, Platten und Schüsseln am Ende des 19. Jahrhunderts in Meißen fertigen. Aufgeteilt in 15 Positionen rangieren die Wertungen zwischen 650 und 2.800 Euro.

Gegenüber den neobarocken Formen des Service sind die Stücke aus der Frankenthaler Manufaktur, die Karl Friedrich Boehm zusammengetragen hat, authentischer. Sie datieren alle in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts. Karl Gottlieb von Lück zeichnet für eine Figurengruppe verantwortlich, bei der sich zwei fein gekleidete Schäferinnen mit drei Schafen auf einem Grassockel tummeln (Taxe 1.200 EUR). Fein mit purpurner Architektur und Landschaft in goldenen Rokokokartuschen ist ein Teekännchen um 1775 staffiert (Taxe 700 EUR). Noch älter ist ein Henkelglas aus dem süddeutschen Raum. Mit seinem eingedrückten Boden, dem leicht rauchfarbenen gebauchten Korpus und den aufgeschmolzenen Nuppen mit blauen Spitzen ordnen die Experten das Glas ins 16. Jahrhundert ein (Taxe 2.100 EUR).

Grafik und Zeichnung

Der zweite Tag ist der Grafik, den Gemälden, Skulpturen und Möbeln vorbehalten. Dass Gustav III., König von Schweden, der Kunst zugetan war, soll eine Zeichnung beweisen. Die ideale Seelandschaft mit Fischerhäusern, Booten und Anglern wird seiner Hand zugeschrieben (Taxe 400 EUR). Aus der Sammlung Boehm stammen dann Blätter von Johann Georg von Dillis sowie Franz und Ferdinand Kobell, vom ersterem die Federzeichnung einer südländischen Flusslandschaft in dichten Schraffuren (Taxe 500 EUR).

Gemälde Alter Meister

Durch die Sammlungen ist diesmal die Altmeisterabteilung reich bestückt. Als Höhepunkt weist sich ein Gemälde von Giovanni Benedetto Castiglione, genannt Il Grechetto (1616-1670), aus. Es zeigt mit Orpheus, der mit Gesang und Leierspiel die Tiere, Bäume und Steine verzaubert, ein typisches Motiv des Genueser Malers. Das im Katalog „Master draughtsman of italian baroque“, 1971 von Castiglione-Spezialistin Ann Percy herausgegeben, veröffentlichte Gemälde wird in die 1640er Jahre datiert und lehnt sich an ein Gemälde des ebenfalls aus Genua stammenden Castiglione-Lehrers Sinibaldo Scorza an. Wer es haben will, sollte schon 400.000 Euro auf den Tisch legen. Nicht weniger bedeutend ist die Darstellung einer Bildhauerwerkstatt des Schwaben Johann Heiss. Das Gemälde war erst 2002 in der großen Heiss-Ausstellung im Zeppelin Museum Friedrichshafen ausgestellt. Der Katalog weist es mit einer Schätzung von 50.000 Euro aus.

Ebensoviel sollen die Pendants südlich arkadischer Landschaften von Andrea Locatelli einspielen. Auf der einen beschrieb er eine Ruinengegend in Latium mit einem Schäfer und seiner Herde, auf der anderen einen See mit rastender Figurengruppe im Vordergrund und Kirche im Hintergrund. Ebenfalls als Gegenstücke hat Johann Andreas Herrlein zwei Waldlandschaften mit rastenden Jägern konzipiert. Die musealen Werke des Fuldaer Hofmalers, in Öl auf Holz gemalt, waren 1970 in der Pfalzgalerie Kaiserslautern ausgestellt und sollen jetzt je 14.000 Euro einbringen. Mit 25.000 Euro ist Christus als Schmerzensmann zwischen Maria und Johannes in einem gotischen Fenster von 1479 bewertet, das der Monogrammist „IM“ aus dem süddeutsch-elsässischen Raum geschaffen hat. Und auch Hendrik van Balens biblische Darstellung „Christus vor Kajaphas“ in einer vornehmen Renaissancearchitektur ist mit diesem Wert ausgezeichnet. Die niederländische Malerei ergänzen dann noch Carstian Luyckx mit einer Blumengirlande samt Rosen, Tulpen, Narzissen, Geißblatt und Efeu vor einer Steinkartusche (Taxe 20.000 EUR) oder Pieter Wouwerman mit einem Feldlager (Taxe 15.000 EUR).

Gemälde Neuerer Meister

Unangefochtenes Highlight bei den Gemälden Neuerer Meister ist ein charakteristischer Spitzweg. Die hochrechteckige „Scharwache in nächtlicher Gasse“ malte er in den Jahren 1875/80. Spitzweg hat das Thema der Scharwache schon in seiner Frühzeit entwickelt. „Er war immer wieder beeindruckt von nächtlichen Umzügen in den Städten und machte sich darüber Notizen“, schreibt der Spitzweg-Spezialist Siegfried Wichmann, „Die Scharwache bedeutet in des Malers Werk eine indirekte Zeitkritik, denn die Revolutionswellen des Jahrhunderts hatten den Maler zu verschiedenen und auch schriftlichen Stellungnahmen veranlasst.“ Den Schätzpreis hierfür gibt es auf Anfrage.

Begleitet wird Spitzwegs Gemälde von einer sanften „Morgenstimmung“ mit erhöht gelegener, mächtiger Kirchenanlage von Johann Wilhelm Schirmer (Taxe 6.000 EUR), einer hoch aufragenden Gebirgslandschaft im Apennin mit der Ruine der Burg Canossa von Edmund Kanoldt, die mit der Figur des Mönchs – vielleicht ein Bild für Heinrich VI. – an die Landschaften Ludwig Richters erinnert (Taxe 6.000 EUR), oder dem Blick von einer felsigen Anhöhe in eine weite Ebene mit zwei Jägern von Carl Friedrich Lessing (Taxe 2.500 EUR). Die Orientalisten schicken mit einem rastenden Ziegenhirten samt Herde in einer ägyptischen Landschaft den Maler Wilhelm Gentz (Taxe 8.000 EUR) ins Rennen und die Historienmaler mit der „Übergabe der Nógráder Burgschlüssel“ den späten Vertreter ihrer Zunft Henrik Pap (Taxe 15.000 EUR). 1887 lehnte der Vorstand der Berliner Kunstausstellung Hermione von Preuschens Gemälde „Mors imperator“ ab, da man in dem königlich gewandeten Gerippe eine Anspielung auf den greisen Kaiser Wilhelm I. sah (Taxe 17.000 EUR). Stark vertreten ist diesmal die Frankfurter bzw. Kronberger Malerschule, unter anderem mit Karl Peter Burnitz’ „Flusslandschaft mit Kühen am Rande eines Birkenwäldchens“ von 1865 für 20.000 Euro.

Skulpturen

Bei den Skulpturen reicht das Angebot vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert. Den Anfang markiert das archaische Steinrelief eines liegenden Löwen aus dem 13. Jahrhundert (Taxe 6.000 EUR). Es folgen aus der Sammlung Boehm der Apostel Johannes, ein süddeutsches, wohl aus dem Allgäu stammendes Schnitzwerk um 1500 (Taxe 5.000 EUR), und Christus an der Geiselsäule aus Portugal vom Ende des 17. Jahrhundert, der ganz in dem übertrieben expressiven barocken Stil der iberischen Halbinsel gehalten ist (Taxe 8.000 EUR). Rund fünfzig Jahre später arbeitete der Johann Baptist Straub einen Putto aus Alabastergips, der in seiner originaler Polierweißfassung erhalten ist (Taxe 8.000 EUR). Auffallend sind zwei große Gartenskulpturen in Bronze. Der „Knabe als Jäger“ und das „Mädchen als Landfrau“ wurden von dem Dresdner Bildhauer Carl Friedrich Adolf Rentsch gestaltet und stehen in stilistischer Nähe zu seinen 16 Kindergruppen für die Attika der Dresdener Markthalle (Taxe 20.000 EUR). Einen leicht verzagten, schmollenden Ausdruck hat Georg Hess seinen beiden Kinderbüsten aus Marmor mitgegeben, die für 12.000 Euro einen Liebhaber suchen.

Möbel

Die Abteilung Möbel führt als herausragendes Objekt einen zierlichen Damensekretär von David Roentgen. Der bedeutende Ebenist fertigte ihn um 1785/90 aus Mahagoni mit Messing- und Bronzeeinlagen. Die große Fallklappe ist mit einem vergoldeten Perlleistenring verziert. Die Form des Möbels entspricht den hohen französischen Sekretären mit Ecknischen. Ein Vergleichsstück findet sich im Schlossmuseum von Pawlowsk (Taxe 50.000 Euro). Nicht minder aufwendig hat Johannes Klinckerfuß um 1820 ein Salontischchen gestaltet. Es ist in Mahagoni gearbeitet, besitzt vergoldete Schnitzereien, eine feine Scagliola-Einlage in der Platte mit der Darstellung einer Quadriga und ist mit dem Inventaretikett Schloss Karlsruhe versehen.

Die Auktion beginnt am 23. September um 14 Uhr, am 24. September um 10 Uhr. Die Vorbesichtigung ist noch bis zum 21. September täglich von 11 bis 18 Uhr, am Schlusstag bis 20 Uhr möglich. Der Katalog ist auch im Internet unter www.auction.de abrufbar.

Kontakt:

Nagel Auktionen

Neckarstraße 189-191

DE-70190 Stuttgart

Telefax:+49 (0711) 649 69 696

Telefon:+49 (0711) 64 96 90

E-Mail: contact@auction.de



22.09.2004

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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