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Am 08.12.2018 Nachverkauf zu den Dezember-Auktionen 2018

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Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

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Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Run bei Neumeister auf die Bilder der Sammlung Schäfer

Ein allseits rundes Ergebnis



Otto Scholderer, Vor dem Kostümball, 1881

Otto Scholderer, Vor dem Kostümball, 1881

Bei der letzten Neumeister-Auktion hat die Melange gestimmt. Die Werke kamen geschlossen aus der in der Kunstwelt geschätzten Sammlung Schäfer, sie waren marktfrisch und niedrig taxiert. Das spornte das Interesse der Sammler und Händler an, die nicht nur am Telefon und im Auftragsbuch mitboten, sondern auch zahlreich im Auktionssaal erschienen waren. Die Voraussetzungen waren also bestens, um die letzte, bei den Erben Georg Schäfers verbliebene Tranche mit Gemälden aus dem 19. Jahrhundert an den Mann zu bringen. Schon 1999 hatten sie bei Neumeister und ein Jahr später bei Christie’s Teile der Sammlung, die nicht in die Stiftung und damit ins Schweinfurter Museum Schäfer übergingen, zur Auktion gebracht. Die aufgeheizte Stimmung im Saal tat dann am 24. und 25. Februar ihr übriges, so dass sich bei den lockenden Schätzwerten die Gebote oft überschlugen. Verkauft wurden 767 der 818 angebotenen Positionen. Die losbezogene Zuschlagsquote liegt damit spitzenmäßig bei knapp 94 Prozent. Über den Umsatz freute sich Auktionator Michael Scheublein noch mehr. Bei einer Gesamtschätzung von 3,4 Millionen Euro addierte sich die Zuschlagssumme schließlich auf knapp 9 Millionen Euro. Scheublein sprach daher auch von der „erfolgreichsten Auktion des Hauses Neumeister“.



Die Auswirkungen waren offenbar bis nach Köln zu spüren. Denn auf den zeitgleich laufenden Kunstmessen taten sich genau die Aussteller schwer, die mit Kunst des 19. Jahrhunderts angetreten waren. Der klangvolle Name „Sammlung Georg Schäfer“ zog anscheinend die Käuferschichten vom Rhein weg an die Isar. Aber nicht nur die machten sich nach München auf. Auch internationales Klientel trat trotz der Ausrichtung auf deutsche Kunst mächtig auf den Plan. So sicherten sich griechische Sammler die Gemälde ihres Landsmanns Nikolaus Gysis, der ab 1865 an der Münchner Akademie studierte und dort von 1874 bis zu seinem Tod 1901 lebte. Sie hoben dessen flüchtig hingeworfenes Stillleben „Tulpen und gefüllter Mohn“ von 3.000 auf 30.000 Euro, das ausschnitthaft eingefangene „Bauernhaus in Brixlegg in Tirol“ von 2.500 auf 70.000 Euro, ebenso wie die mit „Kuckkuck!“ betitelte Studie einer Mutter mit Kind.

Noch besser schnitt die forsche „Junge Griechin“ mit 80.000 Euro ab (Taxe 3.500 EUR), übertrumpft von dem zarten „Bildnis eines blonden Knaben“, der bei geschätzten 3.000 Euro immerhin 87.000 Euro einspielte. Schon hier zeigt sich, dass gerade die Verkaufsart der Auktion bei gefülltem Saal und kauffreudiger Stimmung auch eine psychologische Komponente besitzt, die die Preise oft über ein vernünftiges oder bisher übliches Maß in die Höhe treibt. Sind doch die 87.0000 Euro für den blonden Knaben der neue Rekordwert für Gysis in einem deutschen Auktionshaus und lassen den bisherigen Spitzenpreis um mehr als das Doppelte hinter sich. Und dann ging auch noch das ausdrucksstarke, effektvoll beleuchtete „Bildnis des Malers Nikolaus Gysis“, das sein Studienkollege Max Fürst 1865 anfertigte, anstatt der avisierten 2.500 Euro für 34.000 Euro weg.

Auch die Italiener waren aktiv. Der dortige Handel führte Jakob Philipp Hackerts etwas scheuen „Hasen im Gebüsch“ bei 150.000 Euro auf die südliche Halbinsel (Taxe 9.000 EUR). Außerdem reüssierten Hackerts aus realen Versatzstücken ideal komponierte „Flusslandschaft“ bei 33.000 Euro (Taxe 15.000 EUR) und sein belebtes Treiben im „Hafen von Livorno III“ bei 115.000 Euro (Taxe 20.000 EUR). Für die etwas steif komponierte „Südamerikanische Landschaft“ mit rastender Reisegruppe, die Ferdinand Konrad Bellermann zugeschrieben wird, interessierte sich ein Sammler aus Venezuela. Er war bereit, dafür 85.000 Euro auszugeben (Taxe 4.500 EUR). Wie nicht anders erwartet, sorgte auch zahlungskräftige östliche Kundschaft für einige Preiskorrekturen nach oben, beispielsweise bei Franz Roubauds charakteristischen „Zwei Tscherkessenreiter“ mit 20.000 Euro (Taxe 9.000 EUR), bei Konstantin Alexeievitch Korovins spätimpressionistischer „Russischer Vorfrühlingslandschaft“ zur Zeit der Schneeschmelze von 1921 mit 85.000 Euro (Taxe 1.200 EUR) oder bei Stanislaw Zukowskis Parkweg entlang auf ein Schlösschen „Nach dem Regen“ mit 32.000 Euro (Taxe 1.800 EUR).

Dass sich neben den „unbeabsichtigten Ausrutschern“ in neue preisliche Gefilde die lange Zeit unterschätzte Kunst des 19. Jahrhunderts aber generell einer Neubewertung unterzieht, macht der nüchtern kalkulierende Handel deutlich. Der Münchner Altmeisterspezialist Konrad Bernheimer bewilligte die Topzuschläge der Auktion. Für Otto Scholderers museale und bildmäßig ausgeformte Szene mit jungen und auch älteren Damen „Vor dem Kostümball“, die gedankenverlorenen einer Mandolinenspielerin lauschen, gab er Redorkpreis von 200.000 Euro aus (Taxe 15.000 EUR). Den selben Wert setzte er für Carl Rottmanns Sehnsucht nach der klassischen Antike „Aulis“ ein, der einen Blick über die Ebene von Euböa nach Osten auf die Meeresbucht bei Sonnenaufgang beschreibt (Taxe 25.000 EUR). Hier muss Bernheimer bei seiner Kundschaft noch preislichen Spielraum nach oben sehen.

Selbe sehnsüchtige Gefühle bedienten auch August Kopisch, der vor allem als Urheber des Gedichtes „Die Heinzelmännchen von Köln“ bekannt ist, und der in Würzburg geborene August Christian Geist. Kopisch fing in dem Gemälde „Taormina“, das den Zuschlag bei 55.000 Euro erhielt, den Blick über das zerfallene, antike Theater auf das ionische Meer und den rauchenden Ätna im Hintergrund bei bezauberndem Abendlicht ein (Taxe 3.800 EUR). Geist wandte sich 1867 den Ruinen des Theaters in Tusculum in den Albaner Bergen zu und setzte als Blickfang ebenfalls einen Berg, hier den Monte Cavo. Sein Gemälde kletterte von 6.500 Euro auf 33.000 Euro. Auch die Bilder der Deutschrömer legten zu, wenn auch nicht so imposant. Die in warmes Sonnenlicht getauchte Dorfszene „Vor einer italienischen Kirche“ von August Koch, dem jüngeren Sohn des bedeutenden Klassizisten Joseph Anton Koch, kam auf 6.000 Euro (Taxe 2.800 EUR), Carl Wilhelm Götzloffs „Hafen von Palermo“ mit dem dominant ins Bild gesetzten Monte Pellegrino von 1831 auf 8.500 Euro (Taxe 5.500 EUR) und seine Rot schimmernden vier Küstenlandschaften von Neapel, Pozzuoli, Palermo und Sorrent auf 44.000 Euro (Taxe 14.000 EUR).

Bodenständiger geht es bei Franz von Defregger zu. Er bevorzugt in seinen Gemälden heimische Genreszenen aus dem Alpenraum, wie in dem „Familienidyll“ in einer Tiroler Bauernstube von 1883, das bei 100.000 Euro den Besitzer wechselte (Taxe 15.000 EUR). Sein „Dirndl“ mit Hut und grünem Tuch bezirzte ebenfalls die Bieter und entlockte ihnen 28.000 Euro (Taxe 5.500 EUR), wie auch „Großvaters Tanzunterricht“, der seine Enkelin vor versammelter Familiensippe für 50.000 Euro durch die gute Stube wirbelt (Taxe 6.000 EUR). Heinrich Bürkels „Hochalm in Oberbayern“ erlöste 44.000 Euro (Taxe 18.000 EUR) und das ähnlich pittoresk angelegte „Oberbayerische Gebirgsdorf“ 30.000 Euro (Taxe 13.000 EUR). Für Friedrich Gauermanns rastende Landleute „Am Seeufer“ kamen 75.000 Euro zustande (Taxe 12.000 EUR). Und selbst die spröde, Grau verhangene „Isar bei Tölz“ aus dem Jahr 1906 von Josef Wenglein entfachte bei den Bietern noch soviel Elan, dass sie statt der geschätzten 8.000 Euro das Zehnfache und damit einen neuen Spitzenpreis für Wenglein auf den Tisch legten.

Auch die bekannten Tiermaler stellten die Kundschaft zufrieden, so Anton Braith mit dem „Hüterbub mit Schaf- und Ziegenherde“ am Wiesenhang bei 17.000 Euro (Taxe 7.000 EUR), Friedrich Voltz mit etlichen seiner Kuhbilder, vor allem den querformatigen „Kühen an der Tränke“ bei 14.000 Euro (Taxe 4.000 EUR) oder Heinrich von Zügel mit den als Portrait aufgefassten „Zwei Schafen“ bei 60.000 Euro (Tax 8.000 EUR). Schon mehr als Genreszene gebärdet sich da das Bild „Die gelehrigen Hunde“ von Fritz von Uhde: Ein Hundedresseur führt in einem Pariser Lokal seinen erheiterten Zuschauern die Kunststücke seiner Pudel vor. Für das an den französischen Impressionismus gemahnende Werk fiel der Hammer bei 110.000 Euro (Taxe 15.000 EUR).

Ferdinand Georg Waldmüllers „Junge Dame in weißem, rüschenbesetzten Kleid“ war niedrig, ja mit 8.000 Euro ebenfalls zu niedrig angesetzt. Die 1841 verewigte, gar nicht mal so adrette Porträtierte schien doch noch soviel Verführerisches zu besitzen, um die Bieter zu 130.000 Euro zu stimulieren. Ihre Waldmüller’sche Vorläuferin, vielleicht die Freifrau von Circo, kam bei selben Erwartungen nur auf 22.000 Euro. Auch die Männerwelt war in der Sammlung Schäfer bedacht, so mit Wladyslaw Gurowski, dem Großmarschall von Litauen. Das fein ausgeführte, klassizistische Bildnis eines gutwilligen Potentaten von Johann Baptist Lampi d. Ä. reüssierte bei 60.000 Euro (Taxe 4.000 EUR). Und auch die wenigen Skulpturen, die am Ende des ersten Auktionstages offeriert wurden, gingen weg wie warme Semmeln. Allen voran plazierte sich Auguste Rodins Bronze einer liebenden Umarmung „L’éternel printemps“ bei 60.000 Euro (Taxe 25.000 EUR). Aber auch Franz von Stucks „Reitende Amazone“, eine Bronze nach dem Modell von 1897, schlug sich selbst ohne Speer mit 46.000 Euro hervorragend (Taxe 8.000 EUR). Und George Minnes überaus schlanker, in sich gekehrter „Kniender Jüngling“, ein Gipsentwurf für den bekannten Brunnen im Essener Museum Folkwang, verbesserte sich von 2.000 Euro auf 26.000 Euro.

Alle Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Barer Straße 37

DE-80799 München

Telefax:+49 (089) 23 17 10 55

Telefon:+49 (089) 231 71 00

E-Mail: auctions@neumeister.com



08.03.2005

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Karl Theodor Boehme, Am Meer, 1892

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Taxe: 2.500,- EURO

Zuschlag: 20.000,- EURO

Losnummer: 605

Heinrich von Zügel, Zwei Schafe, 1869

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Taxe: 8.000,- EURO

Zuschlag: 60.000,- EURO

Losnummer: 867

Ferdinand Georg Waldmüller, Junge Dame in weißem, rüschenbesetztem Kleid, 1841

Ferdinand Georg Waldmüller, Junge Dame in weißem, rüschenbesetztem Kleid, 1841

Taxe: 8.000,- EURO

Zuschlag: 130.000,- EURO

Losnummer: 110

Carl Rottmann, Aulis

Carl Rottmann, Aulis

Taxe: 25.000,- EURO

Zuschlag: 200.000,- EURO

Losnummer: 77

Nikolaus Gysis, Bildnis eines blonden Knaben, 1866

Nikolaus Gysis, Bildnis eines blonden Knaben, 1866

Taxe: 3.000,- EURO

Zuschlag: 87.000,- EURO

Losnummer: 395

Jakob Philipp Hackert, Hase im Gebüsch

Jakob Philipp Hackert, Hase im Gebüsch

Taxe: 9.000,- EURO

Zuschlag: 150.000,- EURO

Losnummer: 408

August Kopisch, Taormina

August Kopisch, Taormina

Taxe: 3.800,- EURO

Zuschlag: 55.000,- EURO

Losnummer: 483

Auguste Rodin, L’eternel printemps

Auguste Rodin, L’eternel printemps

Taxe: 25.000,- EURO

Zuschlag: 60.000,- EURO

Losnummer: 135

Franz von Defregger, Familienidyll, 1883

Franz von Defregger, Familienidyll, 1883

Taxe: 15.000,- EURO

Zuschlag: 100.000,- EURO

Losnummer: 269




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