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Monumental, bissig und ortsbezogen: Tatjana Doll in Bremerhaven

Ein Schiff wird kommen



Tatjana Doll, Bier für Öl + Ein Blinder Passagier, 2005

Tatjana Doll, Bier für Öl + Ein Blinder Passagier, 2005

Ein Frachter, der nicht mehr in See stechen darf: Seit dem ersten Golfkrieg liegt im Kaiserhafen in Bremerhaven ein mittlerweile beängstigend schnell vor sich hinrostender Frachter aus dem Irak. Eine Rumpfbesatzung ist an Bord geblieben und fristet ihr armseliges Dasein zwischen Hafenkante, Kombüse und Zuwendungen aus der Bevölkerung. „Blut für Öl“ hieß damals die Hardliner-Parole, und auch heute noch ist die Situation im Brennpunkt Irak alles andere als geklärt oder befriedet. In der Kunsthalle einige Kilometer weiter dominiert seit Kurzem der Schlachtruf „Bier für Öl“. Ein Schiff gibt es auch hier zu besichtigen: Es hat sich in die erste Etage der schmucklosen Ausstellungshalle der 1960er Jahre geschmuggelt. Ein riesiger, blau-roter Öltanker zwängt sich diagonal in den Ausstellungsraum, ein 4,5 mal 15 Meter großes Gemälde, das aus 30 quadratischen Einzelleinwänden zusammengesetzt ist. „No smoking“ ist auf dem mächtigen grauen Schornstein zu lesen. Der monumentale Tanker füllt die Abmessungen der Leinwände bis an die Grenzen aus und droht geradezu den Ausstellungsraum zu sprengen. Majestätisch schneidet der Koloss eine Diagonale durch die Kunsthalle und erobert sich kühn seinen vorübergehenden Ankerplatz.



Die Berlinerin Tatjana Doll, Jahrgang 1970, nimmt es in ihrer Malerei gerne mit mächtigen, bei Macho-Männern beliebten Fahrzeugen auf. In der Hauptstadt produziert die im münsterländischen Burgsteinfurt geborene Künstlerin in ihrem riesigen Atelier in Mitte, das ehemals als Omnibusgarage diente, großformatige Gemälde mit durchaus realistischen Alltagsmotiven: Feuerlöscher, wie man sie von Piktogrammen her kennt, gelbe und blaue Kipplader, in denen Bauschutt gesammelt wird, Rettungswagen, Autotransporter oder zuletzt eine Serie von knallroten Ferraris vom Schumacher-Flitzer bis hin zum eleganten Cabrio-Modell mit Angeber-Qualitäten.

Die mit Acrylfarbe und Lacken bearbeiteten, gigantischen Leinwände von Tatjana Doll scheinen den klassisch reduzierten Galerieraum oder den musealen Ausstellungsraum zu überfordern. Gerne präsentiert Doll daher ihre Arbeiten im Außenraum und stellt durch das Mittel der Fotomontage neue Erkenntniszusammenhänge her. So zeigt eine Fotomontage von 2004 ein New Yorker Taxi vor dem prächtigen Shop der Nobelmarke Louis Vuitton mit einem Doll-Gemälde des legendären Reisekoffers auf dem Dach. Während ihres New Yorker Stipendiums im Zentrum für Gegenwartskunst P.S. 1 stellte Doll eine ganze Serie von Gemälden des ursprünglich für die US-Armee entwickelten, aber auch in der zivilen Variante beliebten Geländefahrzeugs „Hummer“ her - ein sicherlich nicht ganz unironischer Kommentar auf das in den USA geschätzte Egozentriker-Vehikel: sportlich, praktisch und sagenhaft männlich.

In New York lernte die an der Düsseldorfer Akademie ausgebildete Tatjana Doll auch ihre italienische Künstlerkollegin Stefania Galegati kennen. Und da jedes Schiff zumindest im Abenteuerroman auch einen Blinden Passagier an Bord hat, hat Doll finstere Porträts von Banditen und bösen Kerlen in ihre Bremerhavener Ausstellung eingeschmuggelt. Galegatis Gemälde fanden so den Weg aus New York zurück in die Auswanderstadt an der Unterweser, vorbei an der „Letzten Kneipe vor New York“ und an Ilya Kabakovs dauerhaft installierter Arbeit zum Thema Übersiedlung nach Amerika gleich neben der Kunsthalle.

Bleibt noch das Bier. Tatjana Doll bietet trinkfesten Kunstliebhabern als Edition handfeste Sixpack-Gemälde der handelsüblichen Biersorten an. „Bier für Öl“: Laut Tatjana Doll ein „Ausstellungstitel für von der Religion bestimmte, nicht Alkohol trinkende Gesellschaften“. Ihre Motive nur vordergründig zu betrachten, greift zu kurz. „Meine Malerei hat kein Textbuch, es sind keine Akte, es ist das Losstürmen auf verschiedene Werke, die in unterschiedlichen Geschichten dasselbe Ziel verfolgen, nicht die Handlung ist gemeint, es ist falsch, zu sehr mit dem Resultat der malerischen Erscheinung behaftet zu sein“, sagt Tatjana Doll. Der Öltanker, der in Bremerhaven gestrandet ist, hat neben dem Blinden Passagier noch eine ganze Ladung Samuel Beckett, Flann O’Brien, August Strindberg, unendliche Mengen an Zigarettenkippen und als Frachtgut auch einen Ballast an Kunstgeschichte von Francis Bacon bis Gustave Courbet mit an Bord. Eine eindimensionale Lesart wäre da langweilig. „Der Widerspruch“, sagt Tatjana Doll, „soll sich der Wirklichkeit stellen.“

Die Ausstellung „Tatjana Doll: Bier für Öl + Ein Blinder Passagier“ ist noch bis zum 26. Juni zu sehen. Die Kunsthalle Bremerhaven hat Dienstag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr und am Samstag und Sonntag von 11 bis 13 Uhr geöffnet. Der Katalog, erschienen im Verbrecher Verlag Berlin, kostet 18 Euro.

Kontakt:

Kunstverein Bremerhaven

Karlsburg 4

DE-27568 Bremerhaven

Telefon:+49 (0471) 46 838

Telefax:+49 (0471) 417 550

E-Mail: info@kunstverein-bremerhaven.de

Startseite: www.kunstverein-bremerhaven.de



10.06.2005

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing

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Tatjana Doll vor ihrem monumentalen Tanker in der Kunsthalle Bremerhaven
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Künstler:

Tatjana Doll







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Tatjana Doll vor ihrem monumentalen Tanker in der Kunsthalle Bremerhaven

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