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„Spielräume“ im Duisburger Lehmbruck Museum

Interesseloses Wohlgefallen



„Dem Kind, das nicht spielt, dem erwachsenen Kind, ist daher zu misstrauen, denn es trägt den antipoetischen Keim der extremen Rationalität in sich.“ Diesen Satz Charles Baudelaires aus seinem 1853 erschienen Werk „La morale du joujou“ hat Cornelia Brüninghaus-Knubel ihrer Ausstellung „Spielräume“ im Duisburger Lehmbruck Museum als Motto vorangestellt. Kunst soll nicht nur aus der Perspektive des Erhabenen betrachtet werden. In diesem Fall würden allzu leicht die spielerischen Implikationen übersehen. Immanuel Kant sah das aufklärerische Argument des „interesselosen Wohlgefallens“ in der Kunst, dem „schönsten aller Spiele“, verwirklicht. Und Friedrich Schiller erhob die künstlerische Tätigkeit zum „freien Spiel mit der Schönheit“, das den Menschen zur ästhetischen und - ganz im Sinne der Aufklärung schließlich - auch zur moralischen Erziehung führt.



Das Verhältnis von Kunst und Spiel in den zeitgenössischen Künsten vor dem Hintergrund der postindustriellen Event-, Spiel-, Sport- und Spaßgesellschaft zu beleuchten, versucht das Duisburger Museum zur Zeit in der Schau „Spielräume“. Die Kunst und ihre Ausübung ist ein Spiel zwischen experimenteller Zweckfreiheit und kontrollierten Regeln. Sowohl der konkrete Ort, an dem Spiele stattfinden, wie Sport- und Spielplätze oder Spielzimmer, werden ebenso aufgegriffen wie zwischenmenschliche Konstellationen oder Freiräume von Handlungs- und Entscheidungsnischen. Vier Themenbereiche - Rollenspiele, Gesellschaftsspiele, Spielorte und Körperspiele - mit 38 Werken von 23 Künstlern gliedern die Schau.

Die Rollen- und Darstellungsspiele, die einst nur im Film und im Theater ausgeübt wurden, sind seit John Cage, Fluxus und Happening in der Bildenden Kunst zur Performance mutiert. Mimik und Maskerade sollen Diskrepanzen zwischen Identifikationsmodellen offen legen, Grenzen überschreiten und Regeln sprengen. Die Amerikanerin Andrea Fraser performt eine der legendären Eröffnungsreden von Martin Kippenberger in der Videoinstallation „Kunst muss hängen“, während der Däne Peter Land im Video „The Cellist“ einen Musiker samt Konzert in einer grotesken Performance ad absurdum führt.

Sophie Calle hingegen erscheint als Künstlerin mit einer vermeintlich authentischen Identität, deren Realität jedoch zweifelhaft ist. Immer neue Spielregeln und Rollen für ihre Handlungen konstruieren ein Selbst, das ein voyeuristisches Interesse hervorruft und uns gleichzeitig entgleitet. Während die zuletzt genannten Künstler selbst als Akteure in ihren Rollenspielen auftreten, sind es in Christian Jankowskis Video weltweit bekannte Puppen aus TV-Produktionen, die gesellschaftliche Rollen übernehmen und Stereotypen der medialen Identitäts-Industrie in einer quasi realen, dokumentarischen Inszenierung entlarven.

Gesellschaftsspiele, „games people play“, wurden in der Kunst genau beobachtet, kritisiert und mitgestaltet. Christoph Draeger greift mit seinem Puzzle „Enschede“ auf dieses altbekannte Spiel zurück, um komplexe Sachverhalte künstlerisch in einer Spannung zwischen Verwüstung und ordentlicher Perfektion zu reflektieren. Beverly Naidus entwickelt seit vielen Jahren Spiele, die gesellschaftliche Mythen und vorherrschende Meinungen hinterfragen. Mit ihrem neuen Spiel kritisiert sie die aktuellste politische Situation medialer Propaganda in ihrem Heimatland USA und fordert dazu auf, die Spielsituation auf konkretes politisches Handeln zu übertragen. Martin Honerts Figurenensemble „Bande“ mit der Erinnerung an kindliche Allianzen und Hierarchien in Banden ruft die Erinnerung an Spielorte in Hinterhöfen oder Parks wach - Spielorte wie auch in Mike Kelleys Großinstallation Kinderzimmer „Unisex Love Nest“. Sie steht einerseits als gesellschaftlicher Spielraum für die sexuelle Orientierung der Geschlechter als auch für den freien Ort mit banalem Kitsch.

Erwin Wurm hat einen musealen Ort des Spiels geschaffen und funktioniert in seiner Installation Museumssockel zum Kinderspielzeug um. Hier hat der Besucher zuvor von Wurm festgelegte Handlungen zu vollziehen. Aufgrund der Absurdität der Handlungen sollen diese „one minute sculptures“ einen Freiraum im Kopf für Gedanken über menschliches Verhalten bis zu philosophischen Fragen schaffen. Peter Friedl dokumentiert die Fantasielosigkeit von 405 fotografierten Kinderspielplätzen weltweit im Rahmen einer Diashow. Zwei mauseradähnliche Gerätschaften vom jüngsten Künstler, dem dreißigjährigem Litauer Mindaugas Tendziagolskis, laden zum Gebrauch ein. Er gehört schon eine Portion Humor dazu, mit den künstlerischen Rhön-Räder im Park zwischen dem Museum und dem öffentlich angelegten Spielplatz umherzurollen und sich in groteske Situationen zu bringen.

Zur Rubrik Körperspiele zählen diese Gerätschaften ebenso wie Belu-Simion Fainarus „Pingpong“, auf dessen Tischtennisplatte die Karte Israels als Spielwiese von Mächten montiert ist. Sein israelitischer Landsmann Uri Tzaig ist ein Poet. Wenn er das Fußballspiel zwischen jüdischen und arabischen Israelis mit zwei Bällen bestückt, setzt er den Wettbewerb außer Kraft, der normalerweise das Sportspiel bestimmt. Im Grunde geht es überhaupt nicht ums Gewinnen, sondern die Bewegungen der Sportler sind ihm im Gegenteil ein Gleichnis für das „Hin und Her“ zwischen individueller und Gruppenerfahrung, zwischen Vielheit und Einzigartigkeit. Tracey Moffatts Video „Forth“ legt normalerweise nicht sichtbare Betroffenheiten von Sportlern offen, die knapp dem Siegertreppchen entkommen sind und bei Wettkämpfen nur den vierten Platz belegten.

Die Ausstellung „Spielräume“ ist noch bis zum 4. September zu besichtigen. Geöffnet ist täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr, sonntags von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt 4, ermäßigt 2 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der für fünf Euro an der Museumskasse zu erwerben ist.

Kontakt:

Wilhelm Lehmbruck Museum Duisburg

Friedrich-Wilhelm Straße 40

DE-47051 Duisburg

Telefon:+49 (0203) 283 26 30

Telefax:+49 (0203) 283 38 92

Telefon:+49 (0203) 283 32 94



29.08.2005

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Veranstaltung vom:


05.06.2005, Spielräume

Bei:


Wilhelm Lehmbruck Museum Duisburg










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