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Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Retrospektive zum 100. Geburtstag von Fritz Winter

Schwelgen in bauhäuslicher Abstraktion



Kooperative Vernetzungen sind heute gefragt. Welch wunderbare Synergieeffekte sie ergeben können, zeigt zur Zeit eine eindrucksvolle Gemeinschaftsausstellung zum 100. Geburtstag des Malers Fritz Winter. Die rund 300 Exponate verteilen sich auf vier völlig unterschiedliche Institutionen. Eingebettet in die westfälische Hellwegregion lädt das Ereignis zu einem sinnlichen Parcours instruktiver Begegnungen mit Winters Œuvre ein. Die wesentlichen vier Werkphasen des bedeutenden deutschen Bauhausschülers sind chronologisch aufgegliedert.



Der in Altenbögge bei Unna 1905 geborene Spross einer Bergmannsfamilie arbeitete nach dem Abschluss der Lehre als Elektroschlosser wie schon sein Vater unter Tage. Nach ersten Mal- und Zeichenversuchen bewirbt sich Winter 1927 am Bauhaus in Dessau, wo man sofort von seinem Talent überzeugt ist. Bis 1930 studiert er bei Paul Klee, der den größten Anteil an seiner Ausbildung innehat, ferner bei Josef Albers, Wassily Kandinsky und Joost Schmidt. Aktiv beteiligt sich Winter an der Bauhaus-Bühne, wo er als fest angestellter Beleuchter nicht nur seine erlernten Fähigkeiten einbringt, sondern auch in der von Oskar Schlemmer geleiteten Abteilung Masken und Kulissen gestaltet.

Besuche bei Ernst Ludwig Kirchner in der Schweiz und die temporäre Mitarbeit im Atelier von Naum Gabo in Berlin vervollständigen die Begegnung des talentierten Studenten mit weltberühmten Künstlern der Avantgarde. Bemerkenswert sind die Ankäufe erster Arbeiten durch renommierte Museen in Hamburg, Wuppertal oder Halle an der Saale, wo Fritz Winter 1931 eine Lehrtätigkeit an der Pädagogischen Akademie übernimmt. Die erfolgreichen Bemühungen, sich als Künstler zu etablieren, versiegen abrupt mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933. Nach dem Verlust des Lehrauftrages zieht Winter 1935 zum Ammersee. Zwei Jahre später gilt seine Kunst als entartet, und das Malverbot zwingt ihn zum Rückzug aus dem Kunstbetrieb.

Diese erste Phase von 1927 bis 1937 wird im Gustav-Lübcke-Museum in Hamm thematisiert. Winters Arbeiten bewegen sich recht augenfällig im Spiegel der Bauhaus-Ideen. Die über einhundert Beispiele, deren Themenfeldern wie „Figuration - Abstraktion“, „Intention – Konstruktion“ oder „Licht und Raum“ originale Exponate von Wassily Kandinsky, Paul Klee, Ernst Ludwig Kirchner und Naum Gabo zugeordnet sind, visualisieren deutlich über die Einflüsse der Vorbilder hinaus auch eigene Ansätze. Über 30 Werke Ernst Ludwig Kirchners setzen einen besonderen Schwerpunkt, während Oskar Schlemmers Arbeiten neben den Korrespondenzen zu jenen Fritz Winters auch für seine Hinwendung zur Musik stehen. Während der Hallenser Zeit wurde sogar von einem Komponisten der metallische, kosmische Glanz Winters Arbeiten in Musik umgesetzt.

Fotografien ergänzen biografisch die Gemälde und zeigen einen neugierigen, keck blickenden jungen Mann in lässiger Haltung, dem Späße nicht fern liegen. Paul Klee bescheinigt eine von ihm ausgehende „initiale Zündung“. Die Basis aller künstlerischen Beiträge Winters fußt auf der tiefen Beziehung zur Natur. Zudem findet sich viel Menschlich-Figuratives, das im Rahmen der Bauhausjahre zur Abstraktion geführt wird. Durch den Einfluss Naum Gabos weiten sich die amorphen, formlosen Figurationen in kosmische Welten und kristalline Strukturen.

Das ehemalige Elternhaus Fritz Winters in Ahlen, wo er seine Kindheit und Jugend verbrachte, eröffnete der Künstler selbst im Jahre 1975 als ständigen Ausstellungsort seiner Werke sowie als Galerie für moderne Kunst. Seine Nichte betreut hier den umfangreichen Nachlass, aus dem sich der Großteil der vier Einzelausstellungen speist. In den heimeligen, ehemaligen Wohnräumen des Fritz-Winter-Hauses sind abstrakte Bilder aus den Jahren 1937 bis 1949 zu sehen - einer schwierigen, aber dennoch produktiven Lebensphase. Besonders beeindruckend sind die Blätter aus dem Zyklus „Triebkräfte der Erde“, die 1945 im Rahmen des Konvolutes „Verfemte Bilder“ entstanden. Die kleinformatigen Papierarbeiten erfassen abstrahierend die Wachstumsprozesse der Natur. Die Erneuerung aus Zerstörungen und Zerbrochenen ist das Kernthema. Einhergehend mit dem eingefangenen Licht und den Strahlen liegt den eindrucksvollen Arbeiten die Idee der Erneuerung der Kunst zugrunde.

Das erlittene Leid oder Verletzungen werden von Winter im Gegensatz zu anderen Künstlern nicht direkt aufgezeigt. Die Darstellung der Abstraktion bleibt Winters Thema. Erstaunlich, wie beharrlich und ungebrochen Winter trotz dreimaliger Verwundung, erschütternder Erlebnisse und russischer Kriegsgefangenschaft die Zeit meistert. Großformatige Ölgemälde aus der Zeit der inneren Emigration unterstreichen ergänzend nicht nur den musealen Anspruch, sondern nehmen in erdfarbenen, abgedunkelten Farbfassungen sowie organisch-naturnahen Strukturen die 1950er Jahre vorweg.

Diese Zeit wiederum wird auf Schloss Cappenberg im Kreis Unna am Beispiel von 60 Gemälden beleuchtet. Besonders hier wird deutlich, wie sehr sich Winter seismografisch in den Strömungen der Zeit bewegt. Während in Hamm noch die Nähe zu seinen Bauhauslehrern in teils zum Verwechseln ähnlichen Arbeiten sichtbar wird, kommen dem Betrachter in Cappenberg unweigerlich korrespondierende Motive von Willi Baumeister, Georg Meistermann, Ernst Wilhelm Nay oder Fritz Schumacher in den Sinn. Die 1950er Jahre gehören zu Winters produktivster Zeit. Großformatige Ölgemälde mit geometrischen Konstruktionen und malerisch-gestischen Formulierungen voller Spannungen und Ruhe zugleich unterstreichen die gelungene individuelle Positionierung Winters im weiten Sektor des internationalen abstrakten Expressionismus. Preise und Auszeichnungen sowie Ausstellungen häufen sich, drei Documenta-Teilnahmen und die Berufung auf eine Professur an der Hochschule für Bildende Künste in Kassel begünstigen die glanzvolle Etablierung in der Kunstszene.

Das bislang nicht so häufig rezensierte Spätwerk von 1960 bis 1975 bildet im Kunstmuseum Ahlen den Schlusspunkt. Die 90 Exponate überraschen durch neue Schwerpunktsetzungen und eine Weiterentwicklung zum Zeichenhaften. Immer mehr gehen Winters Gemälde Schritt für Schritt aus einer Verdichtung kalligrafischer Einsprengsel zur Farbfeldmalerei über. Die Farben werden immer leuchtender und kräftiger sowie scharfkantig begrenzt. Die Bildtitel beziehen sich nicht mehr wie früher auf die Natur oder auf Kosmisches. An der Stelle von „Apfelbaum“, „In der Erde“ oder „Im Unendlichen“ heißen sie nun „Felder“, „Vor Weiss“, „Signale“. Winter verlagerte sich malerisch aufs Grafisch-Kompositorische und nahm spürbar den individuellen Duktus ohne persönliche Bezüge zurück. Die Konzentration auf die Gestaltung lässt jegliche Nähe zur Natur vermissen.

Nach dem Tod seiner Frau, aufflackernden Kriegsverletzungen und der Emeritierung 1970 zieht er sich mehr und mehr an den Ammersee zurück, ohne jedoch den Anschluss an die künstlerische Entwicklung zu verlieren. Die formale Nähe zu Eduardo Chillidas Künsten oder die unscharfen Farbfeldverschiebungen in einzelnen Gemälden, die stark an Gerhard Richter erinnern, weisen weit über die Zeit hinaus. In einem letzten Kraftakt schuf Winter 1975 auf dem Krankenbett eine Serie von Filsstiftzeichnungen. Die Auswahl von 24 dieser kleinformatigen, intimen Arbeiten markiert abschließend in ihrer ungebrochenen Kraft und Präsenz den unglaublichen kreativen Drang des Künstlers, der am 11. Oktober 1976 in Herrsching am Ammersee verstarb. Wer den Reichtum und die Vielseitigkeit eines bedeutenden deutschen Vertreters der klassischen Moderne und der Nachkriegskunst erleben will, hat nun in dessen Heimat eine einmalige, lohnenswerte Chance.

Die Gemeinschaftsausstellung „Man lebt im Wirken der Schöpfung. Fritz Winter zum 100. Geburtstag“ ist an den vier Ausstellungsorten unterschiedlich lange zu sehen - „Im Spiegel der Bauhaus-Idee 1927-1937“ im Gustav-Lübcke-Museum in Hamm noch bis zum 20. November, der Abschnitt „Die abstrakte Malerei der Jahre 1933-1949“ bis zum 8. Januar 2006 im Fritz-Winter-Haus in Ahlen, „Die Fünfziger Jahre“ auf Schloss Cappenberg im Kreis Unna noch bis zum 29. Januar und „Das Spätwerk“ bis zum 8. Januar im Kunstmuseum Ahlen.

Gustav-Lübcke-Museum
Neue Bahnhofstraße 6
D-59065 Hamm

Fritz-Winter-Haus
Südberg 72-74
D-59229 Ahlen

Schloss Cappenberg
D-59379 Selm

Kontakt:

Kunstmuseum Ahlen

Museumsplatz 1

DE-59227 Ahlen

Telefon:+49 (02382) 91 830

Telefax:+49 (02382) 91 83 83

Startseite: www.ahlen.de/kunstmuseum

www.fritz-winter.de



18.10.2005

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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