Die Poesie der Dinge im Surrealismus Basierend auf den Schriften André Bretons, dem Wortführer des Surrealismus in Frankreich, beleuchtet eine Ausstellung des Ethnologischen Museums Berlin derzeit das Verhältnis der Surrealisten zur Kunst der der Südsee und den Weltanschauungen nicht-westlicher Gesellschaften. Die Grundlage der besonderen Beziehung der Surrealisten zur Südseekunst findet sich in ihrem Konzept der „poetischen Schönheit“. Breton definierte diese im Jahr 1924 als die „Annäherung zweier mehr oder weniger voneinander entfernter Wirklichkeiten in einer ungewohnten Umgebung“. Die zentrale Methode surrealistischer Kunst wollte zwei eigentlich unvereinbare sprachliche oder gemalte Bildern zusammenführen, so im betrachteten Subjekt schockartig einen inneren Erregungszustand auslösen und gegensätzliche Gefühlszustände wie Freude, Nostalgie, Hingerissenheit, Furcht oder Lust hervorrufen. Idealerweise trafen diese Emotionen das Subjekt mit solcher Wucht, dass alles durch sie erschüttert wurde. Ziel dieser Erschütterungen war dann eine Katharsis, durch die das Subjekt in eine höhere Realität geführt wurde.
Anders als bei Vertretern des deutschen Expressionismus wie Max Pechstein oder Emil Nolde, die Motive aus der Südsee als Inspirationsquelle für ihre eigenen Werke nutzten, ist ein direkter Einfluss der ozeanischen Kunst auf die Arbeiten der surrealistischen Maler aber nur selten sichtbar. In einigen Fällen erfolgte zwar eine Übertragung von Südseeobjekten in die eigenen Werke, dennoch lag für sie die Inspirationsquelle weniger in den „archaischen Formen“ als in einer bestimmten psychischen Verfasstheit, die sie dem außereuropäischen Künstler zuschrieben. Zum anderen waren die Surrealisten große Sammler jener Südsee-Objekte und täglich von ihnen umgeben, was sie als hintergründige Inspirationsquelle nutzten. So versammelt die Ausstellung neben sechs Gemälden surrealistischer Künstler aus der Neuen Nationalgalerie von Max Ernst, Óscar Domínguez, André Masson und Wifredo Lam auch 40 Exponate aus der Südsee. Daneben werden vier Gedichte aus der Feder André Bretons zu hören sein, die von Objekten und Landschaften aus der Südsee inspiriert sind.
Die Ausstellung „Die Poesie der Dinge. Surrealistisches Sehen und die Kunst der Südsee“ ist bis zum 23. April 2006 zu sehen. Geöffnet ist täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, samstags und sonntags erst ab 11 Uhr. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 3 Euro.
Ethnologisches Museum
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