Elmgreen & Dragset bauen Homosexuellen-Mahnmal Michael Elmgreen und Ingar Dragset, die mit ihren wohl überlegten skulpturalen Installationen schon häufiger die Gemüter erregten und 2002 für ein Krankenhausbett den hoch dotierten „Preis der Nationalgalerie für junge Kunst“ erhielten, sollen das Mahnmal für die zur NS-Zeit verfolgten Homosexuellen in Berlin bauen. Der Entwurf des dänisch-norwegischen Künstlerduos ging als Sieger eines Wettbewerbs hervor, zu dem 17 Künstler im August 2005 vom Land Berlin und der Bundesrepublik Deutschland in Abstimmung mit dem Lesben- und Schwulenverband und der Initiative „Der homosexuellen Opfer gedenken“ geladen wurden. Als Ort des geplanten Denkmals ist eine Lichtung am östlichen Tiergartenrand, südlich des Goethedenkmals, gegenüber dem „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ vorgesehen. Dafür stellt der Bund 450.000 Euro zur Verfügung. Das Mahnmal soll so schnell wie möglich realisiert werden.
Die Jury unter Vorsitz von Norbert Radermacher begründete ihre Entscheidung: „Nach einer sehr offen geführten, intensiven und teilweise auch kontroversen Diskussion über zwei Tage hat sich die Jury mit deutlicher Mehrheit für den Entwurf von Michael Elmgreen und Ingar Dragset entschieden. Ihre sehr klar durchdachte und selbstbewusst auftretende Skulptur nimmt ganz offensichtlich Bezug auf die Stelen des Holocaust Denkmals von Peter Eisenman, indem sie die Grundform einer Stele - deutlich vergrößert - zu einer Art Haus werden lassen, das nun tatsächlich auch ein Inneres bekommt. Wie durch ein Fenster, das schräg in eine Ecke eingeschnitten ist, blickt der Betrachter auf ein projiziertes Filmbild. Im klassischen Schwarzweiß sieht er eine endlos wirkende Kussszene zwischen zwei Männern. Die von Außen eher kühl oder abweisende Betonform bekommt so einen ganz intimen Aspekt. Ohne verbale Hilfestellungen oder schriftliche Erklärungen wird hier das Thema der Homosexualität direkt und doch subtil vorgestellt. Die Jury ist zu der Überzeugung gekommen, hiermit eine künstlerische Arbeit gefunden zu haben, die souverän und zeitgemäß einen Ort zum Gedenken an die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen schafft und gleichfalls die Diskussion über die Akzeptanz der gleichgeschlechtlichen Liebe heutzutage anregt.“ |