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Die Sammlung Lenz Schönberg im Salzburger Museum der Moderne

Kunstwerke wie Brüder und Schwestern



Subtiler geht es kaum. Ganz oben, auf der höchsten Etage des Museums der Moderne in Salzburg empfängt zur Zeit ein asiatischer Wächter die Besucher. „Ihr seid willkommen“, grüßt seine erhobene Hand und die andere spricht mit der Geste: „Ihr habt Wünsche frei und dürft meditieren“. Der 1400 Jahre alte nordchinesische Buddha aus Stein gehört in die Familiensammlung Lenz Schönberg, die zur Zeit mit rund 100 Werken im 2004 eröffneten und hoch auf einem Felsen über der Stadt thronenden Museum präsentiert wird. Die aus über 500 Arbeiten von rund 50 europäischen Künstlern bestehende Kunstsammlung ist eindeutig definiert: Anneliese und Gerhard Lenz zusammen mit den beiden mittlerweile erwachsenen Söhnen Alexander und George sammeln seit den späten 1950er Jahren fast ausschließlich Künstler der Gruppe ZERO. Damit ist diese hochkarätige Privatsammlung, mit der die ursprünglich aus Bremen stammende Familie auf ihrem Landsitz Schönberg in Sölln in Tirol in inniger Verbundenheit lebt, eine der umfangreichsten ZERO-Sammlungen der Welt.



Nach vielen Präsentationen der Sammlung in ganz Europa „vom Atlantik bis zum Ural“, so der Familienjargon, sind die ZERO-Werke jetzt unweit der Heimat der Sammler in Salzburg zu sehen. „Zero ist die Stille. Zero ist der Anfang. Zero ist rund.“ Mit diesen Worten beginnt das ZERO-Manifest von 1963. Bereits seit 1957 trafen sich in Düsseldorf junge Künstler wie Günther Uecker und Heinz Mack zu „Abendausstellungen“ im Atelier von Otto Piene. Bald traten sie gemeinsam unter dem Namen ZERO auf und standen damit in der Tradition anderer künstlerischer Bewegungen in Europa wie etwa der Gruppe COBRA. Es ist die Zeit des Neuanfangs nach schmerzhaften, teils traumatischen Kriegs- und Nachkriegserfahrungen. Der mitunter tückischen Gegenständlichkeit der Realwelt setzen diese Künstler etwas komplett Neues entgegen. Das traditionelle Tafelbild hat für sie ausgedient. Ihr gemeinsames ästhetisches Vokabular speist sich aus einer Vorliebe für Ordnung und Raster, Kinetik und Monochromie, aber auch aus einer Suche nach Licht und Unendlichkeit, nach Spiritualität und meditativer Aufladung.

In Salzburg sind kinetische Lichtreflektoren aus zerschnittenem Aluminium von Hermann Goepfert, genagelte Bilder von Günther Uecker, meditativ angelegte Steinskulpturen von Karl Prantl oder Feuerarbeiten von Otto Piene zu sehen. Daneben aber auch Arbeiten aus dem europäischen Umfeld dieser Künstler: Akkumulationen und Objektzerlegungen von Arman, ein frühes kinetisches Relief von Jean Tinguely oder den Raum erforschende Konstruktionen des Tschechen Stanislav Kolíbal. Besonders konsequent und beeindruckend ist das die eigene Lebenszeit thematisierende Werk „Opalka 1965/1-unendlich“: Akribisch gemalte, progressive Zahlenfolgen, die Roman Opalka seit nunmehr über 40 Jahren in immer heller werdendem Weiß auf die grau grundierte Leinwand malt. Die malerische Visualisierung der unablässig verrinnenden Lebenszeit wird Opalka bis zu seinem Tod beschäftigen. Kunst ist hier nicht fertiges Endprodukt, sondern Niederschlag eines fortwährenden Prozesses.

Gerhard Lenz, der mit den ZERO-Protagonisten die Erfahrung der späten Kriegsjahre teilt - er wurde 1945 als Sechzehnjähriger noch eingezogen - erlebte in den 1950er Jahren erste emotionale Berührungen mit der Kunst seiner Generation beim Betrachten eines Otto Piene-Gemäldes. Der erfolgreiche Unternehmensberater hätte damals, so sagt er, auch einen Matisse oder einen Pierre Soulages kaufen können. Bereits als Jugendlicher begeisterte er sich für Kunst und war von den Malern der Worpsweder Schule fasziniert. Doch die ZERO-Kunst, dieser radikale künstlerische Aufbruch zu neuen Ufern der Gegenstandslosigkeit, hatte so sehr seinen Nerv getroffen, dass eine große Leidenschaft des Besitzenwollens in ihm aufkeimte: Die Arbeiten dieser Künstler waren „so sehr ich selbst, dass ich sie einfach besitzen musste“. „Die Epoche ZERO ist ein von empathischer Spiritualität getragener früher Aufbruch in einem befriedeten Europa nach dem Ende des entsetzlichen Zweiten Weltkriegs“, schreibt Lenz im Vorwort des Salzburger Katalogs. Der Sammler erinnert sich: „Das ist nicht so, dass man Sammler sein will, sondern man entdeckt eines schönen Tages, dass man Sammler ist. Das ist gottgegeben“.

Es waren die Arbeiten und ihre Ausstrahlung, die ihn interessierten, die Personen, die dahinter standen, waren zunächst von untergeordnetem Interesse: „Es war nie mein Verlangen oder mein Wunsch, die Künstler kennenzulernen. Ich wollte unbeeindruckt auf die Kunst reagieren. Der Künstler selbst ist nicht wichtig für das Werk“. Und Yves Klein zitierend, ergänzt er: „Der Künstler selbst ist eine pittoreske Zugabe seines Werks“. Doch es kam anders: Ebenso gezielt wie diskret kaufte das Ehepaar Lenz Arbeiten aus dem ZERO-Umfeld. Erst nach und nach - die Künstler wollten jetzt endlich wissen, wer ihre besten Werke hortet - kam es dann doch zu ersten persönlichen Begegnungen und schließlich zu Freundschaften mit Graubner, Opalka, Prantl und Uecker. Dieser engere Kreis trifft sich bis heute regelmäßig auf dem Landsitz der Sammler, und gemeinsam unternimmt man Wein- und Genussreisen etwa ins Bordeaux-Gebiet. Eine besondere Beziehung pflegte das Ehepaar Lenz mit dem früh verstorbenen flämischen Maler Jef Verheyen (1932-1984). Die zunächst monochrom wirkenden, flirrenden Leinwände des gelernten Landschaftsmalers thematisieren in einem allumfassenden, intelligent und sparsam eingesetzten Farbspektrum die Unendlichkeit. Wenn sie nicht gerade im Museum hängen, haben sie ihren Stammplatz im Elternschlafzimmer.

„Kunst ist kein Luxus“, sagt der lebensfrohe Genussmensch Gerhard Lenz. „Kunst ist ein Lebensgefühl, Konzentration, Herausforderung.“ Dazu gehört auch die tägliche Auseinandersetzung mit den Werken der eigenen Sammlung und dem Gedankenkosmos der Künstler. Für die intuitive Hängung in Salzburg war überwiegend der für seine in die Dreidimensionalität vordringenden Farbkissen bekannte Maler und Freund Gotthard Graubner zuständig. Er bildet keine der kunstgeschichtlichen Chronologie verpflichteten Gruppen und Gegenüberstellungen. Vielmehr platziert er jedes Werk als Einzelbild und gibt ihm somit einen ganz eigenen Stellenwert. Die unkonventionelle Hängung knapp unterhalb der üblichen Augenhöhe sorgt für zusätzliche Irritation und Neugier beim Betrachter.

Die Sammlung Lenz Schönberg zeichnet sich durch ihre durchweg hohe und eindeutig museale Qualität aus: Das große, monochrome Bild „IKB 2“ aus dem Jahr 1961 in stark pigmentiertem Blau des Franzosen Yves Klein ist das einzige dieser Größe und Qualität in einer Privatsammlung. Das rechteckige Kupferblech „Concetto Spaziale“ aus demselben Jahr des Italieners Lucio Fontana zeigt regelmäßige, verschieden große Einschusslöcher und korrespondiert perfekt mit Fontanas berühmten Leinwandaufschlitzungen, die in der Sammlung Lenz ebenfalls prominent vertreten sind.

Die beiden Söhne Alexander und George teilen die Leidenschaft der Eltern und nehmen starken Anteil an der Sammeltätigkeit. Schon von Kindheit an sind sie zusammen mit den Arbeiten und den im Elternhaus immer willkommenen Künstlern aufgewachsen. Begegnungen, die ihre Spuren hinterlassen haben: George zum Beispiel fiel als kleiner Junge in ein Ueckersches Nagelbild - ein heute noch sichtbarer kleiner Blutfleck beweist es. Doch auch das demonstriert die Salzburger Ausstellung: Uecker ist keinesfalls nur der brachiale „Nagelkünstler“, als der er häufig in Museen präsentiert wird. Seine „Sandmühle“ besteht aus einem flach aufgeschütteten Sandkreis, in dessen Mitte sich ein kleiner Motor befindet, der mit der Präzision eines Uhrwerks kleine, mit Knoten versehene Bindfäden durch den Sand zieht. Das Ergebnis: konzentrische, den Betrachter beruhigende Kreise in nahezu meditativer Zen-Ästhetik.

Den Aufbau dieser Arbeit im Museum besorgte die Familie Lenz übrigens selbst. Selbst die Enkel des Sammlerehepaares legten dieses Mal mit Hand an und schaufelten kräftig Sand. Eine Sammlung als Familienunternehmen. Doch verkauft oder gar spekuliert, wie bei anderen Sammlern längst an der Tagesordnung, wird nicht. Die Gewinnerzielungsabsichten der Familie Lenz richten sich ausschließlich auf den intellektuellen und spirituellen Zugewinn, den das intensive Zusammenleben mit der Kunst für sie bedeutet. George Lenz betont schmunzelnd: „Die Kunstwerke sind für uns wie Brüder und Schwestern. Am liebsten würden wir hier in der Ausstellung Feldbetten aufstellen, so gern sind wir bei ihnen. Denn da, wo die Bilder sind, sind wir zu Hause. Und deshalb sind wir jetzt gerade hier im Museum zu Hause.“

Die Ausstellung „ZERO. Künstler einer europäischen Bewegung. Sammlung Lenz Schönberg 1956-2006“ ist bis zum 2. Juli zu sehen. Das Museum der Moderne hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Der 192seitige Katalog kostet 29 Euro.

Kontakt:

Museum der Moderne Salzburg - Mönchsberg

Am Mönchsberg 32

AT-5020 Salzburg

Telefon:+43 (0662) 84 22 20 401

Telefax:+43 (0662) 84 22 20 700



09.03.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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