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Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

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Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Messe-Vorbericht

Bühne frei für die „fine art fair frankfurt - high & low“

Vom Schneckenhaus zur offenen Auster



Plötzlich diese Weite. In der großzügigen, 15.000 Quadratmeter großen Halle 9 des Frankfurter Messegeländes kann der Blick schweifen. Weiße Säulen, lange breite Gänge, offene, modulartige Kojen mit kleinen geschlossenen Boxen, roh belassener Betonboden statt grauer Auslegeware, eine unverkleidete Decke mit blanken Abluftrohren. Die „fine art fair - high & low“, wie die Nachfolgeveranstaltung der in den letzten Jahren ins Regional-Dekorative abgerutschten und leise zu Grabe getragenen Art Frankfurt jetzt heißt, zeigt sich mit einem neuen Gesicht. Der neue Direktor, der Frankfurter Galerist Michael Neff, und das Auswahlkommitee haben für den Relaunch strengste Auswahlkriterien angewandt. Nur 48 Galerien, ausgewählt aus über 230 Bewerbungen, präsentieren überwiegend One-Man-Shows. Nur in den schmalen kubusförmigen Boxen, die überall in der Halle herumstehen, ist Platz für weitere Künstler aus dem Galerieprogramm. Unter den Teilnehmern der Messe finden sich auffallend viele Berliner und Wiener Adressen. Für die nächsten Jahre jedoch kündigen die Veranstalter schon jetzt eine stärkere Internationalisierung an.



Michael Neff, der übrigens nicht selbst mit einem Stand vertreten ist, stellt eines von vornherein klar: „Die Kunstmesse der Zukunft ist eine Mischung aus hochkarätigem Angebot, spannendem Event und den richtigen Besuchern. Mit unserer Debütveranstaltung heben wir uns deutlich positiv von vergleichbaren Messen ab und gehen den ersten Schritt in die richtige Richtung.“ Der Hinweis auf das Event ist durchaus ernst zu nehmen. Gleich zur Vernissage ließ es Neff krachen. Die Thomas Bayrle-Schülerin und ausgebildete Pyrotechnikerin für Großfeuerwerk Sandra Kranich veranstaltete in ihrer Koje unter den wachsamen Augen der Freiwilligen Feuerwehr Butzbach ein veritables Feuerwerk. Die engagierten Blauröcke schmückten die Eröffnung zudem mit einem vielleicht etwas ironisch gemeinten Blaskapellenumzug in bester Volksfesttradition. Während man auf anderen Kunstmessen früh zum Cüppli Champagner greift oder gleich zum Kölsch, bewahrten die Vernissagegäste in Frankfurt allerdings einen klaren Kopf. Gleich am Eingang wurde das Publikum mit gesundem Evian-Wasser in handlichen Flaschen versorgt. Ohne Kohlensäure versteht sich.

Ein zentraler Hingucker auf der Messe ist die alles beherrschende pinkfarbene „Mutterburg“ mit dem Titel „Mor“ – dänisch für Mutter – bei der Berliner Galerie Contemporary Fine Arts. Der dänische Künstler Tal R hat in Zusammenarbeit mit Jonathan Meese diese im Innenraum einer Holzburg aufgebaute Installation aus Bildern, Fotos und Skulpturen ursprünglich für das Statens Museum in Kopenhagen entworfen. Der ätherisch wirkende New Yorker Sänger Zachary Cale gibt stundenlang mit näselnder Stimme zur Acoustic Guitar Songs über Mütter zum Besten. In brauner Schrift sind spontane Assoziationen wie „Eggmom“ an die Wände gemalt. In einem Kabuff namens „Hotjail“ sind Skelette und Kinderpuppen mit Wein- und Bierflaschen arrangiert. Jonathan Meese, der bekannterweise ein sehr inniges Verhältnis zu seiner Mutter in Ahrensburg pflegt, hat zahlreiche Fotos der älteren Dame an die Wand gepinnt. Alle Exponate sind einzeln verkäuflich - Jonathan Meeses Gemälde um die 20.000 Euro, Fotos ab 4.000 Euro, Skulpturen bis 130.000 Euro.

Die Messe kommt als vielleicht etwas zu unentschiedene Mischung aus Kunstmarkt und Ausstellung mit vielen großzügigen Rauminstallationen und dem unbedingten Mut zur Freifläche daher. Flanieren erlaubt. Man geht weg vom engen Kojendenken und gefälligen Gemischtwarenladenambiente am Stand. Was andernorts als behelfsmäßige Kojenarchitektur eher lieblos zusammengezimmert wird, ersetzen die Frankfurter durch die Eleganz eines modulartigen nach allen Seiten hin offenen Hallenkonzeptes. Damit wissen sie offenbar auch altgediente und vielreisende Messehasen zu überzeugen: „Die fine art fair ist wie eine offene, aufgeklappte Auster, ganz anders als sonst“, hat Matina Lohmüller, Kunst- und Kulturreferentin der Bremer Landesbank beobachtet. „Sonst sind Messen eher geschlossene Schneckenhäuschen“.

Wo das Prinzip Offenheit dominiert, da ist auch schon mal Platz für deftigere Kommentare. Ein Mann stolpert in einen weißen Raum und übergibt sich lautstark prustend und spuckend. Dann zieht er wieder von dannen. Turner Preisträger Martin Creeds Endlos-Loop-Video bei der Berliner Galerie Johnen kann als ein prägnantes ironisches Statement zum Kunstbetrieb, zur Messe und zum Dogma des klinisch reinen White Cube gelesen werden. Das „Work No. 547: Marcus being sick“ von 2006 kostet als DVD-Projektion 25.000 US-Dollar.

Ansonsten sind die Kommentare der Aussteller und Erstbesucher zum neuen Messekonzept überwiegend positiv. „Großzügig. Frankfurt kann’s“, schwärmt der dauertelefonierende Lokalpatriot Udo Kittelmann, Direktor des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt, im Vorübergehen. Neugaleristin Patricia Low aus dem schweizerischen Jet-Set-Mekka Gstaad findet das Konzept der Komprimierung ebenfalls überzeugend. „Es ist okay, dass so wenige da sind“, sagt sie. „Das macht es ein wenig exklusiver.“ Low zeigt verschiedene Fotoarbeiten mit Selbstporträts von Katharina Sieverding am Stand ab 26.000 Euro aufwärts.

Die Berliner Kicken Galerie hat farbige, ebenso schöne wie präzis fotografierte Serien von Götz Diergarten, Jahrgang 1972, von Wartehäuschen und geschlossenen Strandkabinen am Ärmelkanal und an der englischen Südküste im Angebot Einzeln liegen die Preise einer 5er Auflage ab 3.200 Euro. Das Portfolio mit 9 Aufnahmen liegt bei 9.500 Euro (jeweils plus Mehrwertsteuer). Außerdem hält Kicken auf dem Kunstmarkt ausgesprochen seltene Vintage-Abzüge in Schwarzweiß des heute in erster Linie als Sammler bekannten Aacheners Wilhelm Schürmann bereit. Schürmann, ehemals auch Galeriepartner von Rudolf Kicken, fotografierte in den 1970er Jahren architektonische Kuriositäten und kleinbürgerliche Behausungen jenseits der Grenze zu Belgien: Ein Nurdachhaus, merkwürdige Treppengiebel, ungewöhnliche Neubauprojekte. Die wenige Exemplare kosten zwischen 3.000 und 5.000 Euro (plus Mehrwertsteuer).

Meyer Riegger aus Karlsruhe hat Arbeiten des in Berlin lebenden britischen Neokonzeptualisten Jonathan Monk am Stand, der zur Zeit mit seiner Einzelausstellung im Kunstverein Hannover eine besondere Aufmerksamkeit erfährt. Monks auffallend farbintensives Gemälde „Untitled“ ist wie so oft bei dem für seine sparsamen aber hintergründigen Interventionen bekannten Briten eine konzeptuelle Auseinandersetzung mit der Formensprache der jüngeren Kunstgeschichte. Das Gemälde zeigt das „Lightning Field“, ein Land Art Projekt von Walter de Maria, und ist im 1980er Jahre-Stil von Jack Goldstein gemalt - allerdings nicht von Monk selbst, sondern von einem Kunststudenten. Aus Kunst wird Kunst, wird Kunst... Die ästhetische Wertschöpfungskette ließe sich noch endlos fortsetzen. Das Gemälde wird für geradezu günstige 30.000 Euro angeboten.

Neben der ebenso coolen wie witzigen, igluartigen „Hasenbar“ von Bernhard Martin am Stand des Frankfurter Revolver Verlags, der auch den aufwändigen und mit einem Siebdruck von Thomas Bayrle bestückten Katalog produzierte, werben gleich zwei Auktionspräsentationen um die Gunst des Publikums. Das Frankfurter Ausstellungshaus Portikus möchte, wie zur Zeit so viele andere Kunstinstitutionen auch, mit der Versteigerung von Arbeiten namhafter Künstler sein Budget aufstocken. Und alte Tradition auf der Art Frankfurt ist auch die Benefiz-Auktion zu Gunsten der Deutschen AIDS-Stiftung. Veranstalterin Renate Siebenhaar sieht die inflationäre Häufung der Auktionen, gerade auch bei Ausstellungshäusern, nicht als unmittelbare Bedrohung. „Jeder hat seine Bedürfnisse, ich kann das keinem verübeln“, sagt sie. „Wir machen hier Qualität.“ Aber auch der Preis müsse stimmen. Er liegt zwar 20 Prozent unter dem Galerienpreis, aber wenn dieser Preis auf der Auktion nicht erzielt wird, wandert das Stück auch zurück ins Depot - in die Warteschleife fürs nächste Jahr.

Die kleinen indiskreten Eitelkeiten des Messechefs, der sich in einem sorgsam durchgestylten Terminkalender im Katalog darüber ausbreitet, welche Gucci-Cordhose er zu welchem Anlass tragen wird, seien ihm verziehen. Überhaupt der Katalog: Der strotzt nur so vor gewollter Originalität und unorthodoxer Gestaltungsmittel. Wer genau hinschaut, wird in den Buchstabenverschlingungen des Logos die Buchstaben N,E,F,F entziffern. Gut umgesetzt ist das Ganze aber allemal. Statt eines Vorworts gibt es eine schier endlose Liste prominenter Namen und Orte, aus dem Kunst- und Kulturbetrieb durchsetzt mit Modelabels, Luxusautomarken, Bandnamen und anderen Lifestyle-Ikonen: Kasimir Malewitsch trifft auf Matthew Barney, Mick Flick auf den Maserati Quattroporte von 1982, Candida Höfer auf die angesagte New Yorker Rockband „The Strokes“. Hier outet Michael Neff sein offenbar inspirierendes Koordinatensystem der (post-)modernen Beliebigkeiten. Zudem sind Einladungskarten von längst vergangenen Dinners des Messechefs bei etlichen illustren Gastgebern aus der Sammlerklientel abgedruckt. Bei soviel exhibitionistisch zur Schau getragener Exklusivität muss die Messe allerdings aufpassen, nicht unfreiwillig zum Jahrmarkt der Eitelkeiten zu werden.

Doch egal, fest steht, dass der Mut zu einem kompletten und kompromisslosen Neuanfang der einzige Weg war, der Frankfurter Kunstmesse zu einem neuen Profil zu verhelfen und damit deren Zukunft zu sichern. Der weitläufige modular gegliederte Raum der auf Ausstellungsarchitektur spezialisierten Berliner Architekten Kühn Malvezzi und die strenge Auswahl der teilnehmenden Galerien tragen sicherlich dazu bei, dass ein professionelles Publikum nach Frankfurt reist, das die dekorativen Blumenbilder und goldgerahmten Scheußlichkeiten aus den letzten Jahren sicherlich nicht vermissen wird. Wenn dann noch die Verkäufe stimmen und dann noch etwas mehr Galeristen kommen, dürfte die Zukunft für die „fine art frankfurt“ solide bis rosig aussehen.

Die „fine art fair frankfurt - high & low“ ist in Halle 9.0 bis zum 19. März täglich von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Die Tageskarte kostet 12 Euro, ermäßigt 7 Euro, und die Dauerkarte 35 Euro. Der 64seitige Katalog ist inklusive des Siebdrucks von Thomas Bayrle für 25 Euro im Revolver Verlag erschienen.

Kontakt:

Messe Frankfurt GmbH

Ludwig-Erhard-Anlage 1

DE-60327 Frankfurt am Main

Telefon:+49 (069) 75 750

Telefax:+49 (069) 75 75 64 33

E-Mail: fineartfair@messefrankfurt.com

www.fineartfairfrankfurt.com



16.03.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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16.03.2006, high & low - Fine Art Fair Frankfurt

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Messe Frankfurt GmbH

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Aus für die „Fine Art Fair“ in Frankfurt










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