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Museum Kunst Palast zeigt umfassendste Ausstellung zur ZERO-Bewegung

Geballte produktive Aktivität



Die Null ist eine besondere Ziffer: still, rund, nichtssagend. Sie markiert den Anfang. So war es auch 1957. Gerade hatten die Freunde Heinz Mack und Otto Piene ihr Studium beendet. Auf der Suche nach einem Forum blieben sie im eigenen Künstleratelier hängen. Dorthin luden sie am 11. April 1957 zur ersten Abendausstellung ein. Als alternativer Kulturbetrieb begann auf der Gladbacher Straße 69 in Düsseldorf vor genau 49 Jahren eine neue Epoche in der Kunst. Im April 1958 publizierten die zwei Künstlerfreunde anlässlich der siebten Abendausstellung die erste Nummer der Zeitschrift ZERO. Schlagwortartig in Großbuchstaben gesetzt, steht der Titel für die Befreiung von Vergangenem und den Start in neue künstlerische Sphären.



Die aktuelle Ausstellung im Düsseldorfer Museum Kunst Palast lässt deutlich in allen vier Galeriesälen den Neubeginn spüren. An der Stelle expressiver, gestenreicher Bilder begegnet der Besucher normen- und ideologiefreien Lichtspiegelungen, technischen Apparaturen, elementaren Erscheinungen. ZERO ist kein Stil, sondern eine Haltung produktiver Aktivität ohne Dogmen. Von Anbeginn versteht sich ZERO als Experimentierfeld und sucht neue Wege zur Übersetzung fundamentaler Kräfte in bildnerische Mittel. Die Düsseldorfer Künstlergruppe, zu der sich 1961 auch Günther Uecker gesellt, ist folglich ein offener Verbund ohne apodiktisches Konzept. Jeder Ausdruck wird zugelassen: Aktionen, Objektkunst, Reduktionen der Formen in der Malerei.

Zentrales Anliegen ist den Künstlern die Verhinderung einer Einengung durch Normen. Individualität, Unabhängigkeit, gegenseitige Inspiration durch Austausch befördern bei ihnen das Absetzen von tradierten Form- und Bildsprachen und deren Revolutionierung. In den Vordergrund treten Spiegelungen, Raster, Vibrationen, Immaterialitäten, die Einbindung natürlicher Elemente wie Licht, Wasser und Feuer, serielle Bildordnungen, vibrierende Strukturen, dynamische Raumkonstruktionen, neue Materialien wie Gips, Holz oder Sand.

Der Franzose Yves Klein nimmt in der Düsseldorfer Ausstellung eine Schlüsselrolle ein. Seine monochrom blauen Bilder, Reliefs und die zusammen mit Jean Tinguely entworfenen, beweglichen Scheiben bespielen im Erdgeschoss eine eigene Koje. Klein geht weiter als Malewitsch, weil er die Malerei durch gänzlichen Verzicht auf jegliche Komposition und Form radikalisiert. Nur die Leinwandgröße bildet nun die Begrenzung. Hinzu kommt die Bewegung. Rotation und Tempo spielen schon in der Kunst der 1920er Jahre eine Rolle. Die kinetische Plastik gewinnt in der ZERO-Zeit dann aber eine neue Relevanz. Die Paradigmen der historischen Avantgarde werden weiterentwickelt. Schon bei den russischen Suprematisten Anfang des 20. Jahrhunderts diente die Null als Zeichen für die Befreiung von Vergangenem. Das leuchtend intensive Blau in Kleins reinen Farbempfindungen symbolisiert zudem den Urzustand der Materie.

Die Schau präsentiert eine seltene dynamische Vielseitigkeit. Kraftvoll aufgeschnittene Leinwände von Lucio Fontana stoßen in die Dimension des Raumes vor. Jean Tinguely bringt mit seinen kinetischen Objekten nie endende Bewegungen in die Kunst. Jesús Rafael Soto inszeniert ein flirrendes Spiel aus schwarz gestrichenen Drähten, die an Nylonfäden vor einer bemalten Holzplatte hängen. Otto Pienes aus gewagten Feuerspielen hervorgegangene Rauchbilder stehen für die Geburt von Neuem aus Altem. Der „Lichtregen“, eine herausragende Arbeit von Günther Uecker aus dem Jahr 1966 verfestigt das weiche Material Licht. Geführt und begrenzt scheint es vom diffusen in einen festen Zustand übergegangen zu sein. Es steht für sich, wird konkret und anfassbar.

Der Zeitgeist des Kosmischen, die Bewegungen des Wirtschaftswunders, das Sehen neuen Lichtes nach dem Krieg durchsprühen ebenfalls Räume, die ausschließlich Repräsentanten des engeren Zirkels von ZERO gewidmet sind. Im Mittelpunkt steht der von Mack, Piene und Uecker 1964 eingerichtete ZERO-Raum. Christian Megert hat zwei Environments aus den Jahren 1963 und 1964 zu einem Spiegelraum verschränkt, der dynamisch und statisch zugleich erscheint. Weitere Arrangements des Parcours wechseln zwischen Experimentierkunst und Technikbegeisterung, neuen Materialien und Immaterialitäten. Günther Ueckers von innen beleuchtete Nagelreliefs bringen durch Drehungen eine Koje zum Schwingen.

Gianni Colombos „Elastischer Raum“ ist mittels eines beleuchteten Gumminetzes eingeteilt in kubische Lichtblöcke. Dazwischen wandelnd, fühlt sich der Besucher ins All hineinversetzt. Enrico Castellanis „Spazio ambiente“ von 1967 ist ein weißes Environment aus Erhebungen und Vertiefungen. Auf der Suche nach reinem Licht kommt der Nichtfarbe Weiß durchgehend eine dominante Rolle zu, gilt sie doch als Farbe des Lichtes und der Neutralität. Fontanas „Concetto spaziale Natura“, ein Raumkonzept aus dem Jahr 1960, ist ebenso in den Rundgang eingebaut wie eine Zone mit frühen, noch recht kleinformatigen Farbkissen Gotthard Graubners aus den Jahren um 1963. Ein Höhepunkt unter den Environments aus Glas, Nägeln, Aluminiumplatten und Spiegeln stellt Macks Werk „Ad Alta Potenza“ dar. Bühnenartig kreisen Spiegel vor Wänden, die mit Alufolie verkleidet sind. Ohne die „Düsseldorfer Folklore“, wie es Werner Schmalenbach einmal formulierte, wäre die Installationskunst von heute allerdings nicht denkbar. Vieles von dem, was einen in der Ausstellung begegnet, scheint allein deswegen so vertraut, weil es in der Kunst von heute absolut selbstverständlich ist.

Düsseldorf ist zwar in den späten 1950er und 1960er Jahren der Ausgangspunkt von ZERO. Die Bedeutung als eine vorherrschende Avantgardebewegung erlangt die Gruppe aber über ihr weltweites Netzwerk. Globalisierung ist nichts Neues: Schon damals reichen die Kontakte der ZERO-Künstler bis in den ostasiatischen Raum hinein zur japanischen Künstlergruppe GUTAI. Auch in Düsseldorf werden internationale Korrespondenzen evoziert. Schon vor dem Gebäude schweben in respektabler Höhe über den Köpfen der Besucher in Planen gefüllte und gefärbte Wasserpfützen. Der Wind sorgt für ständig variierende, aber physikalisch perfekte, schöne Formen des Wassers. Die „Mizu“ – zu deutsch „Wasser“ - betitelte Arbeit des Japaners Sadamasa Motonaga von 1965 ist eigens für diese Schau rekonstruiert. Seine Landsmännin Atsuko Tanka stellt innen ein 1956 kreiertes Kleid aus farbigen Leuchtstoffröhren und Glühbirnen vor.

Die internationale Ausrichtung von ZERO dokumentieren weiter die engen Verzahnungen mit den Nouveaux Réalistes in Paris, zu dessen Gründungsmitgliedern Yves Klein gehörte, sowie Kontakte zu den ähnlich ausgerichteten Gruppen „NUL“ in den Niederlanden, „G 58“ in Belgien oder „AZ imath“ in Italien. Gegenseitige Ausstellungen vertiefen schon danmals den Austausch. Die Aktivitäten der Düsseldorfer ZERO-Gruppe enden am offiziell 31. Dezember 1966 mit einem großen Fest am Bahnhof Rolandseck in Remagen bei Bonn.

Die weltweiten Vernetzungen und Wechselwirkungen sind neben den vielen wiederentstandenen, rekonstruierten Raumkonstellationen das Hauptanliegen dieser Ausstellung. Wie Heinz Mack am Rande der Eröffnung bilanzierte, ist dies die 180ste ZERO-Ausstellung, die wie keine zuvor ein internationales Panorama bietet. In nie dagewesener Ausführlichkeit dokumentieren rund 250 Exponate von 48 Künstlern eine turbulente, experimentierfreudige Zeit. Sicherlich sind viele Besucher dieser Schau geneigt, sich die Originalität, Innovationskraft und Aufbruchstimmung von damals für die heutige Kunstproduktion zurück zu wünschen.

Die Ausstellung „ZERO - Internationale Künstler der Avantgarde der 50er/60er Jahre“ ist bis zum 9. Juli zu besichtigen. Geöffnet ist täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 7,50 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfassender Katalog erschienen, der an der Museumskasse 29 Euro kostet.

Kontakt:

Museum Kunst Palast

Ehrenhof 4-5

DE-40479 Düsseldorf

Telefon:+49 (0211) 566 42 100

Telefax:+49 (0211) 566 42 906

E-Mail: info@museum-kunst-palast.de



11.04.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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