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Lenbachs Tochter Gabriele in Spanischer Hoftracht, 1901 / Franz von Lenbach

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Jugendstil-Kaffee-Set und -Tablett von Kayserzinn, um 1900 /

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Heinz Mack, Ohne Titel (N 9471), 2021 / Heinz Mack

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Ölgemälde und Aquarelle des 19. Jahrhunderts im Dorotheum Wien

Viel Durchschnitt und ein paar echte Größen



Paul Flickel, Rotwild auf einer Waldlichtung, 1900

Paul Flickel, Rotwild auf einer Waldlichtung, 1900

Wer am Donnerstag zur Versteigerung von Ölgemälden und Aquarellen des 19. Jahrhunderts zum Auktionshaus Dorotheum nach Wien reist, kann sich auf ein reichhaltiges, immerhin rund 220 Positionen umfassendes Angebot einstellen. Dabei ist vor allem Geschmack am Gefälligen gefragt. Denn – wenn man den Katalog so durchblättert, stößt man doch auf wenig Ecken und Kanten in dieser Malerei, die vor allem Werke von Absolventen der großen Akademien im deutschsprachigen Raum präsentiert. Wer beispielsweise noch immer nicht die Bedienungsleitung seines Fotoapparats gelesen hat, sollte auch weiterhin auf diesen zeitraubenden Aufwand verzichten und sich lieber das große Gemälde „Rotwild auf einer Waldlichtung“ des Berliners Paul Flickel kaufen. Da ist alles so gestochen scharf wiedergegeben, dass man meint, die Tiere liefen im nächsten Augenblick davon (Taxe 18.000 bis 22.000 EUR). Ebenso verhält es sich mit Herbst- und Winterlandschaften Walter Moras’, gleichfalls in Berlin um die Wende zum vorigen Jahrhundert entstanden. Gern schauen wir uns diese Gemälde an – berühren tun sie uns nicht, sie bleiben kühl (Taxe je 7.000 bis 7.500 EUR).



So ist die Liste der künstlerischen Berühmtheiten auch nicht besonders lang. An erster Stelle steht allerdings einer der Größten seiner Zeit: Ferdinand Georg Waldmüller. Sein technisch atemberaubender Realismus kommt in dem hier angebotenen Gemälde „Am Palmsonntag“ nicht ganz zur Geltung. Denn er begann es 1865 kurz vor seinem Tod und konnte es nicht mehr vollenden. Gerade dieser zeugnishafte Charakter eines Künstlerlebens macht es aber besonders liebenswert. Darüber hinaus ist es ein charakteristisches Beispiel seiner im Sujet volksnahen und künstlerisch gleichwohl distanzierten Genremalerei, zeigt er uns die in häuslicher Stube handelnden Personen doch mit ziemlich respektvollem Abstand, wie ein Melancholiker, der Außenseiter ist und bleiben will. 300.000 bis 350.000 Euro verspricht sich das Dorotheum nun von diesem warmherzigen Werk. Ein weiterer Exponent der österreichischen Malerei jener Zeit ist Friedrich Gauermann. Diesmal zeigt er uns aber nicht einen seiner kunstvoll arrangierten Wildkämpfe, sondern eine friedlich pausierende Erntegruppe vor der Kulisse des im Salzburgischen gelegenen Untersberges (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR).

Als einer der frühen Maler ist Josef Rebell zu nennen. „Gestrandet an der Küste von Malvi“ ist ein armes Segelschiff in den Fluten der stürmischen See. Ein scharfer, aus dem Dunkel des aufgewühlten Himmels schießender Sonnenkegel taucht die düstere Szenerie in gleißendes Licht. Das ist Rebells Realismus, technisch hervorragend, fotografisch genau, aber mit entlegenem Sujet. 40.000 bis 50.000 Euro sollte es wohl wert sein. Zwei Generationen später lebte Franz von Defregger. Sein Bildnis eines Schmieds ist eine eindrucksvolle Charakterstudie und wegen der Erfassung des raumgreifenden Körpers eine artistische Meisterleistung zugleich (Taxe 18.000 bis 25.000 EUR). Auch Marie Egner, in Nachfolge Emil Jakob Schindlers und als eine seiner besten Schülerinnen Vertreterin des sogenannten Stimmungsimpressionismus’, lieferte ein gutes Gemälde mit dem Titel „Gartenarbeit“, das man trotz seiner geringen Größe und des Malträgers Karton wohl als vollwertige Arbeit ansehen darf (Taxe 18.000 bis 22.000 EUR).

Ihre Malerkollegin Olga Wisinger-Florian ist zum einen mit einem Jagdstillleben vertreten, in dem sie ihre Fertigkeiten als Tiermalerin erprobt (Taxe 15.000 bis 17.000 EUR). Zum anderen erweist ein rückseitig mit „Bauernhof“ betiteltes Gemälde, das einige Gänse auf dem Wasser treibend wiedergibt, dass auch sie aus Schindlers Schule hervorgegangen ist (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Daneben gab es eine Reihe weniger bekannter Landschaftsmaler, die sich vor allem im Technischen übten und verdingten. Josef Brunner zum Beispiel mit seinem „Wildbach, Parthie aus Oberkärnthen“, wie das rückseitig befestigte Klebeetikett sein naturgetreues Gemälde von 1862 betitelt. Die pure physische Macht der Naturerscheinung mag ihn beeindruckt haben: Ganz klein wuseln zwei Angler zwischen den gewaltigen Felsbrocken umher (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR).

Letztes Jahr bei Lempertz in Köln gescheitert, tritt im Dorotheum heuer für angestrebte 30.000 bis 40.000 Euro Caspar Scheurens gruselige „Ritterburg im Schnee“ wieder an. „Frau von Hörmann in ihrem Garten in Clamart bei Paris“ darf beim Lesen zuschauen, wer sich das derart bezeichnete Gemälde aus der Hand ihres Mannes Theodor von Hörmann für 50.000 bis 60.000 Euro nicht entgehen lassen will. Es zeigt deutlich Anklänge an die französische Freiluftmalerei, löst sich gleichwohl nicht ganz von der realistischen Klarheit der hart und mit sicherer Hand einschichtig aufgetragenen Farben.

Der Historienmalerei verschrieb sich Václav Brožík. „Tu, Felix Austria, nube!“ heißt das heute im Oberen Belvedere befindliche Auftragswerk Kaiser Franz Josephs von 1897, zu dem hier für 13.000 bis 18.000 Euro die Studie vorliegt. Vielleicht schwingt – kaum merklich – auch ein leicht ironischer Unterton mit, waren es doch Kinder, die 1515 bei der habsburgisch-jagellonischen Doppelhochzeit aus wie so oft politischen Gründen zwangsverehelicht wurden. Eine andere Historie, etwas makaberer Art, stellte 1841 Adam Brenner dar: Während der Pestepidemie soll die Wiener Witzfigur „der liebe Augustin“ betrunken aufgefunden, für tot gehalten und in ein Massengrab geworfen worden sein, aus dem er dann, zu neuem alten Leben erwacht, wie Nosferatu zum Schrecken Aller wieder auferstanden sei. Der Augenblick des Wiedererwachens in der Grube ist dargestellt, ein irgendwie komischer Moment inmitten des traurigen Ernstes der um den verkaterten „Augustin“ herumliegenden Leichen (Taxe 12.000 bis 16.000 EUR).

Groß ist bei dieser Auktion der Anteil derer aus Italien oder derer, die nach Italien gingen. Jedenfalls schweizstämmig war Hermann David Salomon Corrodi. „In der Bucht von Neapel“ strahlt alles in schönstem Abendrot, während im Hintergrund der Vesuv raucht (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Ebenfalls in dieser Gegend anzusiedeln sind die beiden Strandansichten des angeblich taubstummen Malers Salvatore Candido. Der „Blick auf die Gärten der Villa Reale“ und der „Strand von Chiatamone“ gehören zusammen und sollen gemeinsam 30.000 bis 35.000 Euro einfahren. Mit 27 ging Ludwig Vogel für zehn Jahre nach Rom, kehrte aber 1847 nach Deutschland zurück. Eines seiner Mitbringsel: Ein anmutiger, detaillierter Eindruck des regen Treibens auf einer italienischen Piazza, auf der, umgeben von verbauten und malerisch heruntergekommenen Renaissancefassaden, das tägliche Leben und Handeln seinen beschaulichen Lauf nimmt (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR). Wer dagegen etwas Moderneres haben will, wird bei Fausto Zonaro fündig. Allerdings musste dieser bis zum Bosporus reisen, um eine schöne Ansicht mit wechselnden Motiven – viel Luft, Land, Wasser und einem darüber hinweggleitenden Ruderboot – zu finden (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR).

Unsere Freunde aus den östlichen Nachbarländern werden sich über die Werke ihrer Landsleute freuen. Ein Roubaud ist zwar diesmal nicht dabei, dafür aber ein schönes, inniges Bildnis einer blumengeschmückten Frau in ukrainischer Tracht, das Konstantin Alexandrowitsch Trutowski zugeschrieben wird (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR). Trotz Signatur ebenfalls nicht sicher ist sich das Auktionshaus bei der Autorschaft des Bildes „Ein stiller Augenblick“, der sich zwischen zwei Frauen abspielt und Anklänge an den deutschen Symbolismus trägt. Der polnische Maler Henryk Siemiradzki dürfte aber wohl doch sein Schöpfer sein (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Aus England kommt James Edward Buttersworths gemaltes Zeitdokument des aus der Schlacht von Trafalgar berühmten Schiffes „Victory“ im Hafen von Porthsmouth, das aber leider nicht datiert ist. Miniaturhaft fein sind die einzelnen Taue auf dem ohnehin nicht großen Karton wiedergegeben. Nach Mai 2003 sticht die „Victory“ nun erneut bei 60.000 bis 70.000 Euro zur Hälfte der damaligen Taxe in See. Als Tiermaler wie Gauermann produzierte sich auch Eugène Joseph Verboeckhoven. Esel, Schafe, Ziege und Enten sind für ihn, auch in ihren verschiedenen Stellungen, kein Problem (Taxe 18.000 bis 25.000 EUR). Das Titellos, das inmitten der belustigten Volksmenge einer Kleinstadt eine tanzende Zigeunerin zeigt, stammt von dem Franzosen Adrien Moreau und wird um die 25.000 bis 30.000 Euro gehandelt.

Die Auktion beginnt am 1. Juni um 14 Uhr. Die Vorbesichtigung findet bis zum Auktionsbeginn täglich von 10 bis 18 Uhr statt. Der Katalog ist Internet unter www.dorotheum.com einsehbar.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at

Startseite: www.dorotheum.com



30.05.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Paul Flickel, Rotwild auf einer Waldlichtung, 1900
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Caspar Johann Nepomuk Scheuren,  Ritterburg im Schnee

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Adrien Moreau,  Tanzende Zigeunerin, 1877

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Taxe: 25.000 - 30.000 EURO

Zuschlag: 220.000,- EURO

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Olga Wisinger-Florian,  Bauernhof

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Taxe: 25.000 - 35.000 EURO

Zuschlag: 32.000,- EURO

Losnummer: 182

Hermann David Salomon Corrodi,  In der Bucht von Neapel

Hermann David Salomon Corrodi, In der Bucht von Neapel

Taxe: 20.000 - 30.000 EURO

Zuschlag: 45.000,- EURO

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Eugène Joseph Verboeckhoven,  Esel, Ziege und Schafe in Landschaft, 1855

Eugène Joseph Verboeckhoven, Esel, Ziege und Schafe in Landschaft, 1855

Taxe: 18.000 - 25.000 EURO

Zuschlag: 52.000,- EURO

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Ludwig Vogel,  Reges Treiben auf einer italienischen Piazza

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Theodor von Hörmann, Frau von Hörmann in ihrem Garten in Clamart bei Paris, 1890

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Taxe: 12.000 - 16.000 EURO

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