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Anton Lehmden gestorben

Anton Lehmden – hier im Innenhof von Schloss Deutschkreutz – ist gestorben

Einer der letzten Vertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus ist tot: Gestern starb Anton Lehmden in Wien. Er wurde 89 Jahre alt. Der Maler, Druckgrafiker und Bildhauer kam 2. Januar 1929 bei Neutra in der Slowakei zur Welt. Ab 1945 studierte er an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Albert Paris Gütersloh, der als Spiritus Rector der Phantastischen Realisten gilt. Ab 1948 beteiligte sich der junge Künstler an Ausstellungen des „Art Clubs“ und begründete gemeinsam mit Arik Brauer, Ernst Fuchs, Rudolf Hausner und Wolfgang Hutter die Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Schon früh stellten sich erste Erfolge ein. So nahm Lehmden bereits 1950 und 1954 an der Biennale in Venedig, 1953 an der Biennale in São Paulo teil. Später folgten Ausstellungen in Philadelphia, Bern, London, Paris, Berlin, Warschau, Frankfurt, Tokio, Montevideo, Rom, Los Angeles und immer wieder im heimatlichen Österreich.

In seinem Schaffen steht die Natur im Mittelpunkt. Häufig sind es Landschaften, Tiere wie Fische, Vögel und Insekten oder auch der Mensch, die Anton Lehmden in zarten Farbschichten und grafischer Linearität auf die Leinwand bannte. Dabei ließ er sich von fernöstlicher Landschaftsmalerei inspirieren und kombinierte seine Motive oft zu surrealen Weltlandschaften. So lösen sich in seinem Gemälde „Baumstrünke“ von 1976 abgestorbene Stümpfe vom Boden und fliegen durch die Luft. Gerade das Fragmentierte, Schwebende, Berstende und in Schichten Aufgebrochene, etwa bei seinem apokalyptischen „Zerfallenden Pferd“ von 1982/83, interessierte Lehmden, womit er auch seine Kriegserlebnisse verarbeitete und auf die Hinfälligkeit des Seins aufmerksam machte. Ein weiteres Motivrepertoire sind die Monumente der Antike, die er auf Reisen nach Italien, Griechenland oder Ägypten kennenlernte.

Bereits mit Anfang 30 nahm Anton Lehmden seine Lehrtätigkeit auf und unterrichtete 1962/63 an der Akademie für angewandte Kunst in Istanbul. 1969 und 1975 leitete er die Klasse für Malerei an der Sommerakademie Salzburg und übernahm 1971 eine Professur und Meisterklasse für Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Wien, die er bis zu seiner Emeritierung 1997 innehatte. Ein weiteres großes Projekt legte sich Lehmden 1966 zu, als er das Renaissanceschloss Deutschkreutz im Burgenland erwarb, renovierte und zu seinem Zentrum für Kulturveranstaltungen und seine eigne Sommerakademie umfunktionierte. Hier lebte und arbeitete er bis zuletzt.

Auch die Anerkennung seiner künstlerischen Tätigkeit blieb nicht aus. Schon 1952 erhielt Lehmden seinen ersten Preis. Es folgten unter anderem 1968 der Preis der Stadt Wien, 1978 der Nürnberger Albrecht-Dürer-Preis, 1984 der Lovis Corinth-Preis in Regensburg und 2000 das Komturkreuz des Landes Burgenland. Auch mit öffentlichen Aufträgen wurde Lehmden geehrt. So schuf er 1991 für die U-Bahnstation „Volkstheater“ in Wien im großen Format eine seiner lyrischen Weltlandschaften oder übernahm die Neugestaltung der St. Georgs-Kirche am österreichischen Kolleg in Istanbul.

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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