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Berlin ehrt Horst Janssen zum 90. Geburtstag

Horst Janssen, Wenn ich nur einmal einen rechten Entschluß fassen könnte, gesund zu werden!! Valere aude!“ (Lichtenberg), 7. März 1993

Am 14. November wäre der 1995 verstorbene Horst Janssen 90 Jahre alt geworden. Anlässlich dieses Jubiläums widmet ihm die Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin in der Sammlung Scharf-Gerstenberg unter dem Titel „Lebenskleckse – Todeszeichen“ ab heute eine Ausstellung. Kuratorin Kyllikki Zacharias will darin einen Blick auf eine weniger bekannte Seite von Janssens Schaffen eröffnen. Mit rund 120 Zeichnungen, Radierungen, Fotografien und Collagen präsentiert die Schau Auszüge aus dem Œuvre des Hamburger Künstlers, der in den 1960er bis 1980er Jahren zu den wohl berühmtesten Außenseitern des Kunstbetriebs im bundesrepublikanischen Nachkriegsdeutschland gehörte. Im Fokus stehen vor allem Werke, in denen Janssen – ähnlich wie zuvor die Surrealisten – mit den Mitteln des Zufalls operiert hat.

Nach dem Besuch der Hamburger Kunstakademie in der Klasse für „freie Graphik“ bei Alfred Mahlau wurde Horst Janssen Ende der 1950er Jahre durch großformatige Holzschnitte und Radierungen bekannt. Anfang der 1960er Jahre wandte sich der manische Zeichner auch der Aquarellmalerei zu. 1959 stellte Janssen als einer der jüngsten von nur wenigen „Gegenständlichen“ auf der Documenta 2 aus, 1968 erhielt er auf der Biennale von Venedig den Großen Preis für Graphik. Gleichwohl wurde seine Kunst kontrovers diskutiert. Janssen konzentrierte sich auf Themen und Motive, die in bewusster Abgrenzung gegenüber der sich nach 1945 in Westdeutschland durchsetzenden Abstraktion standen. In Landschaften, Porträts und Selbstporträts, den zahlreichen Blumenstillleben und in den sogenannten „Kopien nach Hokusai“ oder den Alten Meistern erkundete er mit Stift und Pinsel allein das, was sich konkret seinen Augen bot.

In nahezu all diesen Werken spielt das Thema der Vergänglichkeit und des Todes eine entscheidende Rolle. Janssen zeichnete keine sprießenden Frühlingslandschaften oder Sommerparadiese, sondern karge, menschenleere Fluren, in denen die knöchernen Äste blattloser Bäume spukhaft in den Himmel ragen. Für seine Porträts von Dichtern und Denkern wählte er vornehmlich jene aus, deren Biografien von tief greifenden Lebensumbrüchen, schwerer Krankheit oder frühem Tod gekennzeichnet sind. In seinen Selbstporträts zeigte er sich gerne mit aufgedunsenem Gesicht, dem der Verfall deutlich eingeschrieben ist. Die Ausstellung „Lebenskleckse – Todeszeichen“ versammelt nun Bilder, die jenseits dieser berühmt gewordenen Werkkomplexe das Entstehen und Vergehen ihrer selbst zum Thema haben: Kleckse, aus denen Landschaften erwachsen, Flecken, die sich zu schattenhaften Figuren fügen, Löcher, die als Sonne verglühen. Sie führt in das alchemistische Labor des Zeichenmeisters, um zu ergründen, was geschah, bevor eben jene Werke entstanden, die man als „typisch Janssen“ bezeichnet.

Die Ausstellung „Lebenskleckse – Todeszeichen. Horst Janssen zum Neunzigsten“ ist vom 6. Dezember bis zum 3. Mai 2020 zu sehen. Die Sammlung Scharf-Gerstenberg hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 12 Euro, ermäßigt 6 Euro. Ein Ausstellungsheft ist für 3 Euro im Museum erhältlich.

Sammlung Scharf-Gerstenberg
Schloßstraße 70
D-14059 Berlin

Telefon: +49 (0)30 – 34 35 73 15
Telefax: +49 (0)30 – 34 35 73 12

Quelle: Kunstmarkt.com/Maria Schabel

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