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Ralf Beil wird Chef der Völklinger Hütte

Ralf Beil wird neuer Generaldirektor der Völklinger Hütte

Ralf Beil wird das Weltkulturerbe Völklinger Hütte (WVH) im Saarland leiten. Der Aufsichtsrat des WVH hat sich gestern für den Kunsthistoriker, Ausstellungsmacher und Museumsleiter ausgesprochen. Beil soll seine neue Stelle in dem ehemaligen Eisenwerk zum 1. Mai antreten und damit Nachfolger von Meinrad Maria Grewenig werden, der Ende Juni 2019 in den Ruhestand gewechselt ist und der zum Kulturort gewandelten, größten zusammenhängenden Hochofenanlage der Welt 20 Jahre lang als Generaldirektor vorstand.

Für die Leitung habe man eine erfahrene und starke Führungspersönlichkeit gesucht, die das Weltkulturerbe konzeptionell neu aufstellt, kurz – einen mutigen Macher, sagte die saarländische Kulturministerin und WVH-Aufsichtsratsvorsitzende Christine Streichert-Clivot. „Ralf Beil hat bereits bewiesen, dass er genau dazu überzeugend in der Lage ist.“ Zu seinen Herausforderungen gehörten insbesondere, die Industriekultur, die Geschichte der Hütte und der Menschen, die hier gearbeitet haben, stärker in den Mittelpunkt zu rücken und sie grenzüberschreitend einem breiten Publikum zu vermitteln. Dafür müssten neue Ansätze entwickelt werden, und es brauche Erfahrung, Mut und die Bereitschaft, groß zu denken, so Streichert-Clivot weiter.

Die Völklinger Hütte sei ein großartiger Möglichkeitsraum für faszinierende Kunst- und Kulturprojekte jenseits des Mainstreams, erklärte Ralf Beil zu seiner neuen Wirkungsstätte. „Die Geschichte des Saarlandes ist untrennbar verbunden mit der Kohle- und Stahlindustrie. Bis heute spielt die Industrie im Leben vieler Saarländerinnen und Saarländer eine herausgehobene Rolle – daran hat auch das Ende des Kohlebergbaus an der Saar nichts geändert. Im einstigen Eisenwerk und heutigen Zentrum für Kunst und Industriekultur verdichten sich auf exemplarische Weise Geschichte und Gegenwart von Arbeit und Freizeit, Mensch und Maschine, Individuum und Gesellschaft sowie Natur und Technik. Verstärken möchte ich in Zukunft die Auseinandersetzung mit Realitäten und Visionen unserer Lebenswelt.“

Für seine Arbeit als Generaldirektor hat der 1965 im japanische Kobe geborene Museumsmann schon konkrete Vorstellungen und sieht fünf zentrale Tätigkeitsfelder: „Generationsübergreifende Ausstellungen und Events auf dem gesamten Weltkulturerbe-Areal, eine intensive Festivalkultur, vertiefte Werksgeschichte, die regionale sowie internationale Vernetzung der Industriekultur und ein immer wieder anders und neu aufleuchtendes Zukunftslabor. Wie kaum ein anderer Ort ist die Völklinger Hütte prädestiniert, neben der Geschichte und Gegenwart auch unsere Zukunft in den Blick zu nehmen – mit Laborcharakter im Hinblick auf nachhaltige Arbeits- und Lebensperspektiven. Wie die Arbeitswelt und das Leben in der Industriegesellschaft der Zukunft aussehen werden, ist insbesondere für das Saarland, das gerade einen erneuten Strukturwandel erlebt, eine höchst aktuelle Frage.“

Ralf Beil studierte Kunstgeschichte, Germanistik und Philosophie in Freiburg im Breisgau sowie in Paris. Im Jahr 2000 wurde er an der Gesamthochschule Essen mit einer Dissertation über das Thema „Lebensmittel als Kunstmaterial. Nahrung für Kopf und Bauch. Über den Umgang mit alimentären Realia von Schiele bis Beuys“ promoviert. Von 1990 bis 1998 arbeitete Beil als freier Ausstellungskurator und Kunstkritiker für Artefactum, Neue Zürcher Zeitung, Kunst-Bulletin und Kunstforum International. Von 1999 bis 2003 war er Ausstellungskurator und Konservator der Gemälde- und Skulpturensammlung am Kunstmuseum Bern, 2004/05 Konservator und Ausstellungsmacher am Musée cantonal des Beaux-Arts in Lausanne und von 2006 bis 2015 Direktor des Instituts Mathildenhöhe in Darmstadt. Im Anschluss ging er in gleicher Funktion ans Kunstmuseums Wolfsburg. Dort schied er Ende 2018 wegen unterschiedlicher Auffassungen und Einschränkungen seiner kuratorischen Unabhängigkeit seitens der Kunststiftung Volkswagen aus. Seither war Beil als künstlerischer Berater bei der Bewerbung Hannovers zur Kulturhauptstadt Europas 2025 und als freiberuflicher Kunsthistoriker tätig.

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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