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Emil Nolde,

Emil Nolde, "Prophet", 1912

Holzschnitt auf Velinkarton. 1912.
32 x 22,6 cm (38 x 29 cm).
Signiert "Emil Nolde" und betitelt. Auflage 20-30 Ex.
Schiefler/Mosel H 110.

Losnummer: 8239


Die verschatteten, tiefliegenden Augen, die Stirnfalten, die eingefallenen Wangen und das ernste Gesicht des Propheten drücken eine tiefe Versunkenheit aus, und sein asketisches, grüblerisches Gesicht konfrontiert uns mit einer unmittelbaren, tiefen Emotion, die keinen Zweifel an seiner Spiritualität lässt. Drei Jahre zuvor hatte Nolde nach schwerer Krankheit eine religiöse Transformation erlebt. Im Anschluss daran begann er, sich in Gemälden und Druckgraphiken religiösen Themen zu widmen.
Nolde war 1906 der "Brücke" beigetreten und brachte seinen Kollegen die Radiertechnik bei, während sie ihn in die Holzschnitttechnik einführten. In dem für Emil Nolde hinsichtlich seiner Holzschnitte besonders schaffensreichen Jahr 1912 entstanden insgesamt 21 Porträtköpfe. Mit seinem eindringlichen Ausdruck und den kraftvollen Kontrasten im hageren Gesicht hebt sich der "Prophet" unter den Blättern jenes Jahres besonders hervor und ist wohl Noldes bekanntestes druckgraphisches Werk. "Die Holzschnittreihe von 1912 verleiht dem gefundenen Zeichen nun eine tiefere Intensität. In der Reihe der Köpfe, dem ständigen Thema der Holzschnitte Noldes, kann nun, wie im 'Propheten', die dramatische Ikone entstehen." (Werner Haftmann, Holzschnitte von Emil Nolde, Bremen 1947). Grob ausgefräste Bereiche, geradezu unheimlich ausgefranst, gezackte Linien und die strukturierte Maserung des Holzes verbinden sich zu einer Inkunabel des deutschen Expressionismus und der überzeugenden Darstellung eines glühenden Gläubigen.
Schiefler/Mosel erwähnen mindestens 20-30 Exemplare. Prachtvoller und gegensatzreicher, in den Eckbereichen differenziert aufgelichteter Druck mit schöner Reliefwirkung, mit Rand. Die in den Schwarzflächen leicht mitdruckende Langholzmaserung verleiht dem Druck ein zusätzliches expressives Moment. Partiell druckt in den Weißflächen der Stockgrund blind mit. Verso sind die Reibespuren deutlich sichtbar und ein kräftig durchgepresstes Relief.
Eines der Hauptblätter der Graphik des deutschen Expressionismus, in den letzten Jahren selten geworden.


Veranstaltungshinweise:

Am 29.11.2019 bis 30.11.2019 114. Auktion: Moderne Kunst Teil I + Teil II


Schätzpreis: 20.000,-  EURO

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