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04 JA 7G

Alain Clément


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04 JA 7G
Farbradierung 2004
sign., dat.
63 x 45,5 cm

"Ich will l Nicht weil ich muss.
Ich will, da ich kann.
Ich kann, da ich will; daher muss ich."

Paul Celan


Dass er kann, beweist Alain Clément mit seinen Kunstwerken seit Jahrzehnten immer wieder aufs Neue. Womit es dann auch eine plausible Erklärung für seinen Kunstwillen gäbe. Aber welchen Grund kann es für dieses Wollen geben, außer der Tatsache, dass die Könnerschaft allseits anerkannt wird? Hatte nicht schon der als Konzeptkünstler be- und anerkannte Jochen Gerz einmal geäußert, dass nichts für andere ohne Grund getan werde, wobei er dann allerdings hin- zufügte: "Es sei denn, es ist Kunstl"
Das gilt uneingeschränkt auch für die zwei- und dreidimensionalen großen wie kleinen Bildwerke von Alain Clément. Aber selbst, wenn wir Ingeborg Bachmanns Prämisse folgen, nach der Kunst eben nicht von Können kommt, sondern vom Müssen, so muss es letztlich wenigstens dafür einen Grund geben. Überliefert ist mir dies bezüglich nur eine zwar lapidar klingende, aber anrührend aufrichtige und nahezu kunstphilosophische Aussage des Franzosen: er habe, so Clément, ganz einfach nur nach einem Grund seiner Liebe zur Malerei gesucht

Man sehe mir bitte diese indirekte Form des Zitierens nach, die den Eindruck einer "Second Hand"- Authentizität erwecken könnte. Richtig ist vielmehr, dass ich sowohl den Künstler als auch sein Werk seit Jahren schon kenne. Richtig ist auch, dass wir oft gemeinsam über Messen schlendernd viel über die Kunst der Vergangenheit und die der Gegenwart gesprochen haben, oder dass ich ihm etwa bei seinen Vernissagen in Köln meine Begeisterung über dieses oder jenes neue Werk spontan mitteilen konnte. (Meistens jedoch eher nur seiner überaus liebenswerten Frau Elisabeth). Aber über seine Kunst, geschweige denn über seinen Kunstbegriff, haben wir niemals gesprochen. Ich war auch nie in seinem Atelier in

Nimes, um z.B. zu sehen, welche Haltung er eigentlich beim Malen einnimmt. Hier verstanden als das körperliche Sichverhalten zu nackten Leinwänden, die vielleicht auf dem Boden liegend Pinselstrich für Pinselstrich zu Bildern werden, oder zu jenen Bildträgern, die wiederum auf einer Staffelei darauf warten, von dieser einen banalen Wirklichkeit in die zweite der Kunst überführt zu werden. Ebensowenig weiß ich, ob es Vorstudien oder sog. Maquetten zu seinen Reliefs oder Skulpturen gibt. Eines hingegen glaube ich ganz sicher zu wissen - all das, was in, zwischen, auf und hinter diesen Blidräumen passiert, speist sich aus einer unbändigen Liebe des Künstlers zum Leben, zur Kunst und zum unerschöpflichen Fundus der Kunstgeschichte. Und man muss wahrlich nicht das südfranzösische Sonnenlicht als Zeuge anführen, um sich die Strahlkraft und gleichzeitige Transparenz von Cléments Bildern im positivistischen Schnellgang zu erklären ! Neben der neugierigen Experimentierfreudigkeit mit Farbtöpfen, Tuben und selbstangerührter Pigment- masse spricht aus seinen tonalen Valeurs und Farbakkorden eine Demut gegenüber der menschlichen Gnade, die Welt in ihrer niemals durch die Kunst abbildbaren Farbschönheit und Pracht wahrzunehmen, und zugleich eine Dankbarkeit jenen Künstlern gegenüber, die es dem Sisiphos gleich, dennoch immer wieder versucht haben. Was ich diesbezüglich an Alain Clement bewundere, ist die Tatsache, dass er sich nicht zum wiederholten Male bemüht, Farbwirkungen etwa durch Monochromie ins Absolute zu steigern, Farbphänomene durch punktuelles bzw. gestricheltes Auflösen erneut zu demonstrieren oder durch pastoses Auftragen und Schichten als reine Materie vorzuführen. Auch, dass er Formen in den Bildraum oder wirklichen Raum stellt, die wir als Betrachter vielleicht benennen wollen oder können, die aber weder als Abstraktion einer uns bekannten Form oder gar Gegenstandes gemeint sind, noch als eine, von aller körperhaft sinnlichen Wahrnehmung befreiten, reinen Bildstruktur.

Es sei mir erlaubt, in diesem Zusammenhang eine selbst erfahrene Clément-Geschichte zu erwähnen. Denn vor fast zwanzig Jahren erwarb ich eine für meine Begriffe voller Poesie rhythmisch in sich bewegte, "abstrakte" Komposition aus seiner damaligen Serie der sog. Papiers colläes. Gebaut ist sie aus geschnittenen roten Papierbahnen, gestisch sicheren, konturierenden Kreidestrichen und lasierenden weißen Pinselspuren. Lange hing diese Arbeit, wie man so schön sagt, an exponierter Stelle im Hause. Was nichts weiter heißt, dass zwar jeder sie sah, aber niemand sie wirklich wahrnahm. Erst Jahre später zog dieses Bild mit mir in einen Raum um, in dem ich nun täglich intensiven Blickkontakt mit ihm pflegte. Und plötzlich entdeckte ich, dass das Ganze kein freies Spiel der Formen war, sondern dass es sich dabei um einen innigen "Pas de deux" handelte. Womit Andre Gide einmal mehr mit seiner Erkenntnis:
"Die Wahrnehmung beginnt, wenn die Eindrücke sich ändern" Recht behalten sollte. Und als ich jetzt die neuen "Freischwinger" von Clement sah, diese miteinander scheinbar lose verbundenen Formelemente, die gleichermaßen einen Raum definieren wie umschließen, da dachte ich spontan: Nun tanzen sie wieder!

Eigentlich hätte ich die Entwicklung zu einer solch tänzerischen Freiheit bereits bei den ersten Reliefs vorausahnen können, bei denen der Künstler den Vorhang seiner Bildfenster schon nicht mehr allein durch die Transparenz des Farbauftrags stellen weise gelupft sondern realiter aufgerissen und damit den Blick auf den Raum dahinter geöffnet hatte. Aber damals haben mich diese nur andeutungsweise konvex und konkav ein- und aus- schwingenden "Fachwerkfenster" zunächst nur an seine frühen "Papiers collöes" erinnert und an eine ebenso kühne wie letztlich konsequente Weiterentwicklung der Bildideen von Matisse. Ich sage hier bewußt Weiterentwicklung und nicht Fortschritt. Denn an einen Fortschritt in der Kunst vermag ich nicht zu glauben. Höchstens in dem Sinne E.W. Nays, dass nämlich Bilder aus Bildern kommen. So gesehen gibt es auch keinen Rückschritt, sondern höchstens ein Wiederfinden oder Wiederaufgreifen von bereits vorhandenen Bildideen, die dann zu überraschend neuen Bildfindungen führen. Der Franzose spricht in seiner Kunst, die er bezeichnenderweise "Peinture" nennt, der Farbe einen Sinn innerhalb des jeweiligen Bildgeschehens zu. Und mehr noch! Sie gewinnt eine optische Signalwirkung für das strukturelle Gefüge, dem sie untrennbar verbunden ist. Und die Formen sind nichts anderes als zuweilen strenge und dann wieder labyrinthisch verworrene Pinselstriche oder aber mit einem

ähnlichen Rhythmus geschnittene und bemalte Stahlbänder. Ich scheue mich auch nicht, diesbezüglich von "Anstreichen" zu reden. Denn bei den Skulpturen z.B. bilden diese Anstriche eine geschlossene Farbhaut, unter der sich dann die organisch gespannten Formelemente straff entfalten können.

Bei den Gemälden hingegen geht Clément nicht wie ein auf Perfektion bedachter Anstreicher ans Werk. Hier kann man vielmehr an den jeweils richtungsweisenden Pinselstrichen deutlich die Handschrift des Malers erkennen und ihrem druckvollen Schwung folgen. Wobei sich dieses Folgen zuweilen schwierig gestaltet. Denn die Bahnen von horizontal verlaufenden Farbspuren werden oftmals von diagonal verlaufenden gekreuzt. Und vertikal über die Leinwand gezogene Farbbänder stoßen an den Bildrändern auf den Widerstand der hier endenden Bildrealität. Immer wieder wird der Blick zurückgelenkt auf ein imaginäres, letztlich unauffindbares Zentrum, und das Auge beginnt aufs Neue, das Bildgeviert abzutasten, um durch das eng gewobene Netzwerk aus farbigen Kett- und Schussfäden doch noch auf einen Grund zu stoßen. Eine Sicherheit, dabei irgendwo wirklich im Bildgrund gelandet zu sein, gibt es jedoch nirgendwo. Kaum meint man den einen Faden des kunstvollen Farbgewebes der Ariadne gleich aufgenommen zu haben, reißt er jäh ab und man folgt schon dem nächsten. Kaum glaubt man, die Wolkendecke reiße wie bei einem illusionistischen Deckengemälde einmal auf und gebe ein Stück offenen Himmels frei, schon wird man wieder auf die Wolken, bzw. hier auf die Farbbahnen oder mit dem Pinsel gepflügten Farbfelder, zurückgeworfen.

Aber es bleibt das selige Gefühl, wenigstens eine Ahnung von einer grenzenlosen Tiefe des Raumes gespürt zu haben. Und nahmen sich noch seine vor organischer Entfaltungslust strotzenden über lebensgroßen "Blütenkelche" wie Gehäuse aus, die ein Raumgeheimnis einschließen, so öffnen sich seine allerneusten Reliefs und Skulpturen mit einer wunderbar leichten Eleganz und zeichenhafter Stringenz und Klarheit und offenbaren uns ausschnitthaft Einblicke in ganz neue Räume. Und sie tun das ganz im Sinne Romane Guardinis, der das Wesen eines Kunstwerks einmal so definierte:


"Es beabsichtigt nichts, sondern es bedeutet.
Es will nichts, sondern es ist.
Im Letzten ist es geschaffen, damit es sei und offenbare."


© Galerie Vömel - Düsseldorf    

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