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Heidersberger, Parkgarage Hannover, Vintage, 1966

Heinrich Heidersberger

Geboren: 1906 in Ingolstadt
Gestorben: 14.07.2006 in Wolfsburg

Stilrichtungen

- Fotokunst

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Zum Künstler


Heinrich Heidersberger

Preise für Vintage prints von 1400 € bis 3500 €


Es wäre vermessen, zu sagen, daß Heinrich Heidersberger erst entdeckt werden müsse. Es wäre garnicht möglich in der heutigen Zeit ein Werk dieser Qualität im Verborgenen zu entwickeln. Immerhin war er ein Fotograf, der im öffentlichen und privaten Auftrag arbeitete, für die Stahlwerke Braunschweig, für Krupp, für die Volkswagenwerke und die Architekten Walter Henn, Prof. Friedrich Wilhelmm Kraemer, Prof. Dieter Oesterlen, Rüdiger Henschker, Alvar Aalto, Arno Bayer, Helmut Schulitz, Lindemann & Thamm sowie Schweger & Partner. Darüberhinaus hat er in zahlreichen städtischen Galerien, u.a. in Braunschweig, Wolfsburg, Linz, Ingolstadt, aber auch im der Photographers Gallery London und der University von Tucson, Arizona, ausgestellt. Dementsprechend gibt es einige kleine Kataloge. Darüberhinaus zeigen zahlreiche Publikationen von Architekten seine Fotografien. Auch Van Deren Coke erwähnt ihn in seinem Werk “Avantgarde Fotografie in Deutschland”, ebenso wie Claude Lemagny und André Rouille in ihrer “Histoire de la photographie”. (1)

Dennoch gibt es etwas zu entdecken. Denn die internationale Präsenz des Namen Heidersberger ist, wie angedeutet, spärlich. Heidersberger selbst ging der Photoszene lieber aus dem Weg, ist lediglich Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Fotografie, machte aber keine Avancen an Organisationen, wie den “Bund Freischaffender Fotodesigner” (BFF), die Organisation der deutschen professionellen Fotografie oder die “Deutsche Fotografische Akademie” (DFA), ehemals “Gesellschaft Deutscher Lichtbildner” (GDL), wo die gesellschaftlichen Kontakte gepflegt wurden. So sind es jeweils kleine Gruppen, wo er einen Namen hat: bei den Architekten, für die er arbeitete, bei Spezialisten für künstlerische Fotografie, die jedoch in erster Linie die Rhythmogramme kennen, das Herz seines künstlerischen Werks. Doch es ist gerade die Abstraktion in der Fotografie, die dort einen schweren Stand hat, da man von ihr erwartet, daß sie Wirklichkeit abbildet. Es gibt nur eine verschwindend kleine Zahl von Sammlern konkreter Fotografie; auch in Ausstellungen ist sie wenig präsent.

All dies bewirkt, daß es an der Zeit ist, an der Aufarbeitung des Lebenswerks von Heinrich Heidersberger zu arbeiten und es einer breiteren Öffentlichkeit durch Publikationen, aber auch durch Ausstellungen zu erschließen.

Angesichts von Auftragsarbeiten, wie der Architekturfotografie treffen dann zwei Sichtweisen aufeinander: zum einen die der Architekten, die der Fotograf selbst zwangsläufig einnehmen mußte, wenn er in deren Sinne gute Arbeit leisten wollte, andererseits die künstlerische Bewertung, die gerade davon Abstand nehmen muß, wenn es gelingen soll, die Handschrift des Fotografen innerhalb seines Werks zu verdeutlichen.

Heinrich Heidersberger war sich beider Positionen in seinem Schaffen durchaus bewußt, weshalb sie durch zwei Zitate aus seiner Feder belegt werden sollen:
1. “Das moderne Bauwerk ist nicht mehr nur ein plastisches Kunstwerk, sondern in ihm werden mit den Mitteln der Technik eine Reihe von funktionellen, wirtschaftlichen, sozialen und städtebaulichen Voraussetzungen mit einer künstlerischen Absicht durch den Architekten zu einem Ganzen geformt. Diesem Prozess nachzuspüren gehört zu den wichtigsten Aufgaben des Architekturfotografen.” (2)

2. “Obwohl die Architekturfotografie Gebrauchsfotografie ist, ist sie trotzdem - ähnlich wie die moderne Gebrauchsgraphik, die vom Stil der modernen Kunst geprägt ist - mit der modernen gestaltenden Fotografie stilistisch verbunden. Daß die Emanzipation des Fotografen und die Entstehung einer neuen Baukunst parallel verliefen und beide durch das Bauhaus um Walter Gropius und Moholy-Nagy ihren ersten Anstoß bekommen haben, ist nicht zufällig.
In beiden Disziplinen sind die Erkenntnisse von Farbe, Fläche, Formen verwirklicht (“Der Sinneseindruck geht von uns selbst und nicht vom Objekt, das wir sehen”). Auf jeden Fall wird aus der Wechselwirkung und einer gewissen optischen Affinität, dem Prinzip der Ordnung und klaren Transparenz, der Möglichkeit, mit Gleichgewicht, Ruhe und mit Spannung Erregung hervorzurufen, der Rhythmik der Wiederholung, durch die Nuancierung von Texturen und Strukturen für den Architekten und den Lichtbildner ein gemeinsames Vokabular entstehen, das die Verständigung und Zusammenfassung wesentlich erleichtert.” (3)
Wenn Heinrich Heidersberger selbst sein architektonisches Werk reflektiert folgt er in seinen Gedanken überwiegend der ersten These. Immerhin war sie der Leitfaden, an dem sich seine Arbeit orientieren mußte. Blickt man jedoch aus der Warte der Kunst auf sein Werk und vergleicht es mit Werken seiner Kollegen, aber auch mit Positionen junger Künstler, die sich dem Thema Architektur zuwenden, so entdekt man, daß seine Arbeitsweise und sein Blick durchaus unorthodox waren. Heinrich Heidersberger erzählt heute gerne, daß zahlreiche Architekten zu ihm kamen und sagten, er möge doch Fotos ihrer Bauten machen, genauso, wie sie der Schmölz mache (4) Wer sein Architekturwerk überblickt, wird feststellen, daß es eine große Zahl von Fotografien gibt, die durchaus mit denen von Vater und Sohn Schmölz vergleichbar sind. Doch nicht deshalb, weil Heidersberger sie imitierte, sondern weil gewisse Einstellungen und Ansichten zum Grundvokabular eines Architekturfotografen gehörten, wie man sie bei jedem der Kollegen, auch bei Werner Mantz (5) wiederfindet. Auch dieser blieb “mit der überwiegenden Menge seiner Architekturfotografie innerhalb der in jenen Jahren üblichen Sichtweise, so wie sie von Hugo Schmölz, aber auch von anderen Photographen, die sich mit Architektur auseinandersetzten, gepflegt wurde. Selbst Lucia Moholy, die sich intensiv fotografisch mit der Bauhaus-Architektur in Dessau auseinandergesetzt hatte, bewegte sich, abgesehen von einer avantgardistischen Aufnahme (vom Werkstättenbau des Bauhauses in Dessau, Anm. d. Verf.) mit stürzenden Linien, innerhalb dieses Rahmens. Die meisten ihrer Fotografien entsprechen in Konzept, Aufbau und Lichtwirkung dem, was auch die Mehrheit der Fotos von Hugo Schmölz oder Werner Mantz leisteten.” ... Besonders deutlich wird dies, “wenn wir eine Ansicht des Rudolf Mosse Pavillons, 1928, mit Hugo Schmölz’ Laubengang aus einer Siedlung in Berlin-Hohenschönhausen,1935/36 von Paul Mebes und Paul Emmerich sowie Heinrich Consemüllers Flur und Treppenhaus der Technischen Lehranstalten des Bauhauses, 1927 vergleichen. In allen Bildern liegt der Fluchtpunkt leicht aus der Bildmitte gerückt, sodaß man in einen Tunnel zu blicken scheint. Die Horizonalen sind streng auf ihn gerichtet und durch querliegende Schatten und Architekturelemente gegliedert.” (6) Bei Heinrich Heidersberger finden wir solche Standpunkte beispielsweise auf den Fotografien der Seiten x, xx und xxx (Nr. 104, 103, 34,8) Auch die Über-Eck-Ansicht aus kurzer Distanz, mit deren Hilfe der Baukörper in seiner Tiefe erfaßt wird, gehört zu den Standart Positionen der Architekturfotografie. (vgl Nr.108,79,51,17)
Es handelt sich vor allem um jene Ansichten, die den unter 1 genannten Forderungen entsprechen, bei denen der Baukörper als Volumen erfaßt wird, die sich als geeignet erwiesen, den Anforderungen der Architekten zu entsprechen.
Doch Heinrich Heidersberger hat, ebenso wie seine Kollegen eine unverkennbar eigene Sicht entwickelt. Hat Werner Mantz in erster Linie verstanden, Bauten zu monumentalisieren und das Licht als graphisches Element auf architektonischen Flächen einzusetzen, zeigten Hugo und Karl Hugo Schmölz ihre Meisterschaft im subtilen Modellieren amorpher Kirchenräume ohne rechten Winkel, entwickelte Heinrich Heidersberger besondere Qualitäten im Gestalten extremer Tiefenstaffelung und dem graphischem Erfassen von Fassadenflächen. Werner Mantz erfaßte langgestreckte Gebäude und Straßenzeilen mit dem Fluchtpunkt leicht außerhalb des Bildrandes. (Abb) Heinrich Heidersberger ging an diese Aufgabe noch Radikaler heran und setzte den Fluchtpunkt häufig inneshalb des Bildes. (siehe Nr 32, 36, 57,117,88) Auch für die flächige Erfassung einer Fassade gibt es ein Motiv von Werner Mantz aus der Siedlung Köln Kalkerfeld, das zu seinen berühmtesten Aufnahmen gehört. (Abb) Dennoch ist es für ihn eher untypisch. Vater und Sohn Schmölz schätzten die Aufnahme einer langgestreckten Fassade aus relativ kurzer Distanz überhaupt nicht. Sie bevorzugten ein leichtes perspektivisches Verschieben der Aufnahmeachse oder gingen, wie in den Aufnahmen des Hauses der Rheinischen Heimat oder der Universität in Köln auf Distanz, um eine große Fläche als hinführendes Element zur Fassade des Gebäudes zu nutzen. Heinrich Heidersberger dagegen nutzte diese Position gerne (siehe 59,66,87,90,60,58) und steigerte auch sie ins Extreme durch eine Untersicht, die nur durch einen Umbau seines Kamerastativs möglich war. (7)
Besonders interessant wird diese Spezialität Heinrich Heidersbergers, wenn wir sie aus der Sicht von heute betrachten. Architektur ist gegenwärtig ein Thema, das von jungen Künstlern gerne aufgegriffen wird. Nicht im Sinne der traditonellen Architekturfotografie als Auftragsfotografie, sondern als Thema künstlerischer Reflexion. Ausgelöst wurde dies durch das zunehmende Interesse an Industriearchitektur, angeregt durch das Werk von Bernd und Hilla Becher und deren Schüler, die der sterbenden Industrielandschaft im Ruhrgebiet auf der Spur waren. Thomas Struth fotografierte Straßen und Häuser im Ruhrgebiet bereits Ende der siebziger Jahre (8) und Boris Becker begann sich in den achtzigern für Bauten der fünfziger Jahre zu interessieren (9). Seit den achtziger Jahren sind Siedlungsbauten der fünfziger und sechziger Jahre zum Thema für junge Künstler aus ganz Europa geworden. Insbesondere Bauwerke, für die sich die klassische Architekturfotografie nie hätte begeistern können, sind zum Gegenständ des Interesses junger Künstler geworden: Belanglose Hochhauszeilen, verkommene Siedlungen, schnell hingestellte Behausungen für den sozialen Wohnungsbau. Es waren häufig insbesondere die Ansammlungen von Geschmacklosigkeiten, die eine junge Künstlergeneration interessierte, jene in den siebziger Jahren oft zitierte “Unwirtlichkeit der Städte”, die mitunter durch eigenartige farbliche Gestaltung übertüncht werden sollte. Aus ihnen schöpften sie ihre Anregungen, zeigten sie in der Totale oder interessierte sich für Details.

Die Ausstellung “Zeitgenössische Positionen der Architekturfotografie”, die von April bis Juni im Museum Ludwig in Köln zu sehen war, gab mit Hilfe ausgewählter Statements eine Einsicht in dieses Schaffen. Sie zeigte jedoch durch gezielte Gegenüberstellung zu Beispielen der Architekturfotografie und Fotoarbeiten in der Traditon der subjektiven Fotografie und des Visualismus auf, wo diese neuen Positionen ihre Wurzeln finden. Besonders interessant war in diesem Zusammenhang das starke Interesse an genau der Architekturansicht, die Heinrich Heidersberger zu seiner Spezialität gemacht hatte, der flächigen Frontalansicht. Hierfür lieferte Andreas Gurski mit seinem Bild Montparnasse (Abb) ein herausragendes Beispiel. Aber auch Jörg Sasse und Axel Hütte schufen monumentale Bsipiele für diese Architektursicht. Auffallend sind in diesem zusammenhang auch die Arbeiten von Frank Breuer, dessen, meist monochrome Industriebauten wie farbige Interpretationen der Konzepte von Heinrich Heidersberger wirken. Dabei ist davon auszugehen, daß die genannten Künstler die entsprechenden Bilder von Heidersberger, ebensowenig Bilder aus dem Umkreis des Visualismus, wie Burkhard Jüttners Serie der Küstenlandschaften, insbesondere das Bild “La Reine des Fritures”, nicht kannten. Bei den jüngeren Künstlern sind diese Bilder vermutlich konsequent aus einer zunehmenden formalen Reduktion der Ansichten von Industriegebäuden entstanden, der Verknüpfung von Fotografien einfacher, architektonisch nicht interessanter Zweckarchitektur mit an immer einfacheren, unspektakulären Ausschnitten und Positionen. Daß diesen Künstlern derartige Prozesse der Vereinfachung, der Konzentration auf das Detail, aus der Subjektiven Fotografie und des Visualismus allgemein vertraut war, ist anzunehmen. Doch ergeben sich diese Entwicklungen der jungen Kunst mit Fotografie vor allen Dingen aus einer immanenten Logik.

Umso mehr muß jedoch umgekehrt, im Blick zurück die Modernität eines Heinrich Heidersberger bewußt werden, der eher gegenläufig zu den Erfordernissen der Aufgabenstellung und auch den gängigen Tendenzen der stilistischen Entwicklung der Fotografie eine solche Sicht entwickelt und für sich durchgesetzt hatte. Dies trifft auch für einen weiteren Aspekt, das Fotografieren absolut unspektakulärer Bauten zu, die als Architektur im gängigen Sinne schon nicht mehr bezeichnet werden können (vgl 91). Auch hier finden sich Beispiele aus dem Visualismus, die für diese künstlerische Strömung ein Interesse am Banalen dokumentieren (Abb) , da gerade dort deutlich gemacht werden kann, daß das Entscheidende am künstlerischen Bild die Sicht des Fotografen und nicht der fotografierte Gegenstand ist. Aber auch die Arbeiten jüngerer Künstler, wie Oliver Godow und Oliver Boberg (Abb) belegen, daß das Interesse an diesem Pänomen wieder lebendig ist. Schließlich ist es eine andere Art der Reduktion, die sich nicht auf die formale Vereinfachung, sondern eher auf die inhaltliche bezieht. Je belangloser das dargestellte, umso mehr kann das Bild seine Kraft aus der Bildgestaltung schöpfen, umso mehr ist dies auch für den Betrachter offensichtlich.

Angesichts dieser jungen Kunst bewundern wir rückschauend die Modernität und die geistige Unabhängikeit Heinrich Heidersbergers, der sich stets und immer wieder gängigem Regelwerk widersetzt, was sich nicht zuletzt darin manifestiert, daß es kaum einen Aparat gibt, dem ihm die Industrieproduktion zur Verfügung stellt, ob Stativ, Kamera oder Vergrößerungsapparat, die er nicht seinen Bedürfnissen entsprechend umbaut. Selbst heute noch, begeistert von den Möglichkeiten digitaler Kameras, nimmt er an diesen Veränderungen vor, baut sich Stative, die ihm für sie besonders geeignet scheinen. Jean Cocteau, den Heidersberger auf seiner Hochzeitsreise im Restaurant “La vache enragée” traf und der bei ihm ein Rhythmogramm als Geburtstagsgeschenk für Picasso erwarb, hatte diesen Oppositionsgeist bei Heidersberger sofort erspürt. So trifft das, was er über die Rhythmogramme schrieb, nicht weniger auf dessen gesamtes Oeuvre zu: Ich möchte das Ouvre Heidersberger mit der auflehnung eines Insekts oder einr Blume vergleichen, die es müde sind, sich den Gesetzen ihrer Gattung zu beugen. Es geschieht wohl, daß Spinnen unter der Einwirkung von Drogen die Struktur ihres Netzes ändern und daß Marienfäden zu teuflichen Fallstricken werden.

Bewundern wir, auch wenn wir nicht begreifen! Nur so können wir der Düsternis des kartesianischen Weltbildes entrinnen.” (10) (Text von Dr. R. Mißelbeck)

( 1) Van Deren Coke, Schirmer-Mosel, München 1982, Jean-Claude Lemagny, Bordas, Paris 1987
(2) Heinrich Heidersberger, Moderne Architektur im Lichtbild, in: angewandte Photographie München 1960, S.34
(3) Heinrich Heidersberger, Moderne Architektur im Lichtbild, in: angewandte Photographie München 1960, S.34
(4) Hugo und Karl Hugo Schmölz, Vater und Sohn, beide Architekturfotografen aus Köln, arbeiteten für bedeutende Architekten des Reinlandes, für Wilhelm Riphahn, Dominikus und Gottfried Böhm, AdolfAbel, Bruno Paul, Wilhelm Schürmann u.a.
(5) Werner Mantz, Architekturfotograf, hatte seine Glanzzeit als Hausfotograf von Wilhelm Riphahn zwischen 1926 und 1934 in Köln.
(6) Reinhold Mißelbeck, Werner Mantz, der Lichtbildner, in: Werner Mantz, vision vom Neuen Köln, Fotografien 1926-1932, Hrsg, Reinhold Mißelbeck/Wolfram Hagspiel, Köln 1999, S.9
(7) siehe Textabbildung S.XX)
(8) Thomas Struth, Studium an der Düsseldorfer Akademie bei Bernd und Hilla Becher, befaßte sich mit Themen der Architektur, später mit Museen und Familienportraits
(9) Boris Becker, Studium an der Düsseldorfer Akademie bei Bernd und Hilla Becher, befaßte sich mit Architektur der fünfziger Jahre, später mit Landschaften
(10) zit. nach Manuskript, Stationen des Lebens - Der Kosmopolit Heidersberger, 1998, S.37/38


Arbeiten des Künstlers

Heidersberger, Heinrich ◊ Rhythmogramm, 1963
Heidersberger, Heinrich ◊ Rhythmogramm, 1963

Heidersberger, Heinrich ◊ Siporex Werke, 1966
Heidersberger, Heinrich ◊ Siporex Werke, 1966

Heidersberger, Heinrich ◊ Parkgaragen Hannover, Vintage, 1966
Heidersberger, Heinrich ◊ Parkgaragen Hannover, Vintage, 1966

Heidersberger, Heinrich ◊ Landtag Hannover, Vintage, 1962
Heidersberger, Heinrich ◊ Landtag Hannover, Vintage, 1962

Heidersberger, Heinrich ◊ Bremer Tauwerk, Vintage, 1960
Heidersberger, Heinrich ◊ Bremer Tauwerk, Vintage, 1960

Biographie


Heinrich Heidersberger
– zum 100. Geburtstag - Struktur und Architektur

Er ist ein herausragender Fotograf, Techniker und Wissenschaftler, Künstler und Perfektionist. Er wird 100 Jahre und hat ein ganzes Jahrhundert miterlebt, ist viel gereist und vielen Menschen begegnet, aber die Passion seines Lebens war und ist die Fotografie: Heinrich Heidersberger. Er lebte und arbeitete einige Jahre lang in Braunschweig, seit 1961 in Wolfsburg in seinem Atelier mit Labor und Werkstatt im Schloss. Geboren wurde er 1906 in Ingolstadt.

Bekannt wurde er als Architektur-Fotograf, mit ihr verdiente er weitestgehend seinen Lebensunterhalt. Sein künstlerisches Auge nahm jedoch alles um ihn herum wahr und hielt es fest im Bild: Menschen und Pflanzen, Gebäude und Straßen, Plätze und Stadtansichten, Licht und Landschaften. Sein Können und seine vielseitigen Interessen erstreckten sich aber weit darüber hinaus – nicht nur im Bereich Fotografie.
Nach dem Abitur und knapp zwei Semestern Architekturstudium in Linz geht Heinrich Heidersberger 1928 nach Paris. In der privaten Kunstschule von Fernand Léger studiert er freie Malerei, und wird geprägt von den Protagonisten des Surrealismus, deren Werke ihn faszinieren. Der damals knapp Zwanzigjährige genießt natürlich auch das angenehme Leben in der pulsierenden Metropole. In den unzähligen Cafés und Ateliers begegnet er vielen Künstlern aus der Crème der Bohème: André Breton, Louis Aragon, mit Yves Tanguy und Piet Mondrian war er gut bekannt. Großen Einfluss auf seine eigene künstlerische Arbeit hinterlassen die metaphysischen Landschaften von Giorgio de Chirico.
Heidersberger beginnt zunächst seine eigenen gemalten Kunstwerke und die seiner Freundin Ida Kar für Kataloge zu reproduzieren, aber der Drogist entwickelt die Platten falsch. Die Fotos sind schwarz, verdorben. So eignet er sich selbst die hierfür nötigen Kenntnisse an, entwickelt und reproduziert von nun an in seinem Atelier in Montrouge. Mit den ersten Aufträgen von Künstlerkollegen wendet er sich mehr und mehr der Malerei ab, und hin zur Fotografie.
Er begegnet dem surrealistischen Autor, Maler und Filmemacher Jean Cocteau. Jahre später in Südfrankreich freunden sie sich an, und Cocteau kauft sechs seiner Rhythmogramme als Geburtstagsgeschenk für Pablo Picasso. In einem Schreiben von 1961 äußert sich Cocteau bewundernd über diese Werke: "Ich möchte das Oevre Heidersberger mit der Auflehnung eines Insekts oder einer Blume vergleichen, die es müde sind, sich den Gesetzen ihrer Gattung zu beugen."
1935 heiratet Heinrich Heidersberger und 1936 zieht das Ehepaar nach Berlin. Heidersberger arbeitet als freier Bildjournalist für Ullstein und Scherl, und als Sach- und Werbe-Fotograf. Erste Veröffentlichungen erscheinen im "Internationalen Jahrbuch Photographie".
Nach dem Krieg eröffnet er sein erstes Atelier in Braunschweig, das "Studio Five". Er fotografiert englische Soldaten, arbeitet als Dolmetscher und präsentiert 1946 seine erste Ausstellung mit Fotografien über das Braunschweiger Alltagsleben. Er lernt Henri Nannen kennen, der noch in Ruinen in Hannover die Illustrierte "Stern" gründet.

Heidersbergers Bild "Kleid aus Licht" prangt im Jahr 1949 auf der Titelseite des Magazins. Für "Stern" und "Merian" arbeitet er bis weit in die Fünfziger Jahre hinein, mit Auftragsreportagen und freien Arbeiten.
Zur gleichen Zeit werden die "Architekten der Braunschweiger Schule" unter Prof. Friedrich Wilhelm Krämer zu erfolgreichen Protagonisten des Wiederaufbaus der Bundesrepublik. Zu ihnen zählen u.a. Prof. Walter Henn, Prof. Dieter Oesterlen und Alvar Aalto. Heinrich Heidersberger: "Ich stellte vor meinem Atelier einige Arbeiten in der Fußgängerzone auf, und so wurden die Braunschweiger Architekten auf mich aufmerksam. Ich hab alles fotografiert, was sie gebaut haben." So drückt er es aus, in Wirklichkeit hat er mittlerweile bundesweit unter den Architekten den Ruf eines hervorragenden Architektur-Fotografen. Für die Braunschweiger Architekten dokumentiert er jahrelang Modelle, einzelne Bauphasen und die fertigen Bauten.
1955 erhält er von der Ingenieursschule Wolfenbüttel, der heutigen Fachhochschule den Auftrag, die hier gelehrten Disziplinen in Form eines Wandbildes fotografisch darzustellen. Es besteht aus 18 Einzelaufnahmen und ist noch heute dort zu besichtigen.
Für diese Arbeit konstruiert Heidersberger eine "Rhythmogramm-Maschine", ein circa vier Meter langes und zwei Meter hohes Aluminium-Gestänge. Ein großes Rohr mit einer Lochmembran dient als punktförmige Lichtquelle, und das Licht, bzw. die Lichtspuren, werden durch unterschiedlich pendelnde Spiegel direkt auf eine fotografische Platte projiziert. Durch die harmonischen Schwingungen der Pendel entstehen unterschiedlichste Linien und Muster. Im Laufe der Jahre verändert und erweitert er die Möglichkeiten dieser Maschine und kreiert insgesamt rund 300 schwungvoll heitere, harmonische und asymmetrische "Lineaturen aus Licht". Jean Cocteau bezeichnet sie 1961 als poetisch und geheimnisvoll zugleich.
Heidersberger selbst fasziniert an der experimentellen Fotografie, "dass die physikalischen Formen, die graphischen Dokumente, die man physikalisch erzeugen kann, eine gewisse Verwandschaft mit dem Biologischen haben. Mit Pflanzen, vor allem aber auch mit menschlichen Formen. Meine Aktphotographien und die Rhythmogramme hängen unbedingt zusammen, denn mich haben diese Formen der Schöpfung nicht nur biologisch, sondern auch physikalisch interessiert."
1957 wird ihm bei der 11. Triennale in Milano die Silberne Medaille für sein Rhythmogramm "Triennale" verliehen. Im gleichen Jahr wird er in die deutsche Gesellschaft für Photographie und in den Deutschen Werkbund berufen.
1961 zieht die Familie von Braunschweig nach Wolfsburg. Heidersberger gründet zusammen mit anderen, auch internationalen Künstlern, die Künstlergruppe "Schloßstraße 8". Sie beziehen Räume im Wolfsburger Schloss, und erschließen es nach und nach für die Bildende Kunst. Fortan dokumentiert er die städtebauliche Entwicklung der Industriestadt Wolfsburg, fotografiert u.a. Serien über das Volkswagenwerk, engagiert sich in der städtischen Kunst- und Kulturlandschaft und lehrt an der Volkshochschule.
1968 veröffentlicht er zwei Bücher: "Wolfsburg – Bilder einer jungen Stadt" und "Braunschweig".
1972 repräsentieren von ihm geschaffene Wandbilder die Stadt Wolfsburg bei der Olympiade in München. 1981 wird ihm das Verdienstkreuz des Landes Niedersachsen verliehen, 1984 ist er an einer Ausstellung im Centre Pompidou in Paris beteiligt, 1989 folgen Ausstellungen und Vorträge in Touscon, Arizona. 1998 werden Arbeiten von Heinrich Heidersberger im New Yorker Museum of Modern Art gezeigt, und das ZDF sendet eine Reportage über ihn im Rahmen des "Heute"-Journals.
In den vielen Jahren seines fotografischen Schaffens ist Heinrich Heidersberger in diversen Einzel- und Gruppenausstellungen in Deutschland, Österreich, Dänemark, Großbritannien, Frankreich und den USA vertreten. Seine Arbeiten werden in Fachzeitschriften, Katalogen und Büchern veröffentlicht, u.a. in einem 1982 im Verlag Schirmer und Mosel erschienen Buch von Van Deren Coke. Der Titel: "Avantgarde Photographie in Deutschland 1919 -1939".
Die Fotografien Heinrich Heidersbergers galten jahrzehntelang als "State of the Art", und auf dem derzeitigen Kunstmarkt werden sie hoch geschätzt. Er gilt als Meister der Klassischen Fotografie. Für ihn steht die perfekte Komposition des Bildes im Vordergrund, und seine wichtigste Botschaft ist: "Baut das Bild im Kopf, bevor Ihr unzählige Filme verschießt."



BiographieAusstellungenLiteraturArbeiten

Ausstellungen


Aktuelle und vergangene Ausstellungstermine:
20.08.2006
Heinrich Heidersberger – zum 100. Geburtstag - Struktur und Architektur - Vintage Fotografien
18.02.2016
in focus Galerie nimmt erneut an der art. Karlsruhe 2016 teil


Weitere Termine:

Heinrich Heidersberger
Ausstellungen / Auswahl / Selection:
1947 Braunschweig, Kunstverein
1962 Wolfsburg, Städtische Galerie
Linz, Neue Galerie
1967 Linz, Neue Galerie
1971 Wolfsburg, Städtische Galerie
1982 Ingolstadt, Stadt- und Lichtbildgalerie
1984 London, The Photographers Gallery
1986 Linz, Städtische Galerie
1987 Herning, Denmarks Fotomuseum
1989 Tucson, Arizona Universität
1990 Ingolstadt, Stadt und Lichtbildgalerie
1992 Braunschweig, Museum für Photographie
1994 Köln, in focus Galerie - Burkhard Arnold
1996 Wolfsburg, Städtische Galerie
Bad Harzburg
Hannover, Fotocentrum Zimmermann
1997 Kunstverein Gifhorn „Die Rhythmogramme“
Ingolstadt, Museum für Konkrete Kunst
2001 Köln, in focus Galerie – Burkhard Arnold
2006 Braunschweig, Photomuseum
Wolfsburg, Städtische Galerie
Wolfsburg, Stadtmuseum
Köln, in focus Galerie


Ausstellungsbeteiligungen Auswahl / Selection:

1983 Paris, Centre Pompidou, „Images et
Imaginaires d ´Architecture“
1989 Bielefeld, Kunsthalle, „Das Foto als
autonomes Bild“
München, Bayerische Akademie der
Künste, „Das Foto als autonomes Bild“
1996 Paris, Goethe-Institut, Deutsche
Gesellschaft für Photographie
2005 Würzburg, Museum im Kulturspeicher,
Konkrete Kunst in Europa nach
1945 - Fotografie
2006 Cologne Fine Art Fair bei in focus Galerie



BiographieAusstellungenLiteraturArbeiten

Literatur


Pressemitteilungen:
28.07.2006
Heinrich Heidersberger verstorben
20.11.2015
Teilnahme der in focus Galerie an der art.Karlsruhe im Februar 2016


Weitere Publikationen:

1986 - Heinrich Heidersberger, "Das Photographische Werk im Querschnitt", Kunstverein Wolfsburg
1992 - Heidersberger, "strukturen - konstruktionen - rhythmogramme" Museum für Photographie, Braunschweig
1996 - Heidersberger zum 90., Stadt Wolfsburg
1996 - Heinrich Heidersberger, "Rhythmogramme", Cargo Verlag, Braunschweig
2000 - Heinrich Heidersberger
"Architekturphotographie 1952 - 1972", Steidl Verlag, Göttingen



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