
Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre studierte Jürgen Kramer bei Joseph Beuys an der Kunstakademie Düsseldorf und befasste sich überwiegend mit Kunsttheorie und wissenschaftlichen Untersuchungen zur „linken Kulturkritik“. Die eigene praktische künstlerische Produktion war zunächst klein. Zu dieser Zeit entstanden aber zahlreiche Zeichnungen als ein wichtiger Block in seinem künstlerischen Schaffen. Sie zeigen bereits eine ganz eigene Handschrift und eine hohe Sensibilität. Einige weisen Bezüge zum Werk seines Lehrers Beuys auf. Damals rät Jürgen Kramer seinem Freund Felix Droese sich an der Akademie zu bewerben, was dieser dann auch tat. Beide waren sich menschlich und politisch sehr nah; viele, vor allem politische, Aktivitäten gingen von beiden gemeinsam aus, zu diesem Kreis gehörten unter anderen auch Jörg Immendorff und Johannes Stüttgen (Joseph Beuys’ Sekretär); die enge freundschaftliche Beziehung zu Stüttgen hält bis heute an.
Malerisch produktiver wurde Kramer erst ab 1982. Neben anderem war hierfür ausschlaggebend die damalige kulturelle Umbruchsituation, die sich auch in der Punkbewegung ausdrückte mit ihrer „No-Future-Stimmung“. Diese Erscheinung hielt Kramer nicht für eine vorübergehende Mode-Erscheinung, sondern nahm die in der Punkmusik zum Ausdruck kommende „Zukunftslosigkeit“ und den „Sinnverlust“ ernst, als eine Krise von großem kulturhistorischem Ausmaß.
Interessanterweise steigerte diese „Hoffnungslosigkeit“ das kreative Potential Jürgen Kramers enorm. Eine große Anzahl von Bildern entstand, zentrale Themen wurden der „Tod“ und das „Sterben“, ausgedrückt durch geisterhafte Gestalten, die dem Leben entschwunden zu sein scheinen, diabolische Figuren mit schmerzverzerrten und maskenhaften Gesichtern. Mitte der 80er Jahre befand sich die „neue Malerei“ allgemein auf einem Höhepunkt. Kramers Malerei war anders. Nicht „jung, wild, ungestüm und aus dem Bauch heraus“, sondern immer handwerklich diszipliniert und inhaltlich geprägt von intensiver Auseinandersetzung mit mystischen und philosphischen Themen. Ein Beispiel: Jürgen Kramer hatte Anfang 1970 mehrere Künstlerkollegen angeschrieben und sie mit der Frage konfrontiert „Werde ich sterben?“. Hierauf hatte u.a. Rupprecht Geiger mit einem kurzen „Ja“ geantwortet, während Joseph Beuys differenzierter schrieb: „ICH wird nicht sterben, aber der Körper, den das ICH sich gewählt hat, der wird sterben“. Auf dem Höhepunkt dieser dunklen Phase seiner Arbeit veröffentlicht Jürgen Kramer dieses Material 1990/91 in seinem Buch „Sterben“ bei der Edition Siegfried Sander.
Ab Mitte der 90er Jahre und nach einigen Jahren der „inneren Emigration“, wie Kramer selbst diese Zeit beschreibt, werden seine Bilder zunehmend heller, freundlicher und farbiger, ohne dabei inhaltlich zu verflachen. Eine Aufbruchstimmung glaubt man jetzt in seinen Werken zu spüren, und so scheint es auch nicht zufällig, dass man in diesen Bildern der Neuorientierung und „Wiedergeburt“ Zitate, Motive und Farbharmonien entdeckt, die man aus der Renaissance kennt. Auch die Hinwendung zu religiösen Themen scheint die Entstehung eines neuen Werkes mit angestossen zu haben.
Das Werk Jürgen Kramers wird neben der Produzentengalerie und MultipleBox, beide in Hamburg, u.a. auch durch die Galerie 20.21 (Wolfgang Schoppmann) und die Galerie Klaus Kiefer in Essen vertreten.
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 Kramer, Jürgen
◊ Homo
caelestis 2 (St.
Georg), 2004
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 Kramer Jürgen - Alles
wird gut 3, 2004
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 Kramer Jürgen - Alles
wird gut 1, 2003
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 Kramer, Jürgen
◊ Raum, 1970
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 Kramer, Jürgen
◊ Einladung
zum Freitod, 1986
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 Kramer Jürgen -
Frauenbildnis, 2003
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 Kramer Jürgen -
Jungfrau, 2003
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 Kramer Jürgen - Die
Zeiten, 1993
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 Kramer Jürgen - Vita
activa, 2003
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 Kramer Jürgen - Das
Ende der
Gegenstände, 1992
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1948 geboren in Gelsenkirchen-Schalke
1969-1974 Studium an der Düsseldorfer Kunstschule bei Joseph Beuys
Meisterschüler bei Beuys
Seit 1974 Reisen in die Provence zum Montagne Ste. Victoire
1985-1989 Atelier in Essen
1998-2002 Innere Emigration
lebt und arbeitet in Gelsenkirchen, Tätigkeit als Kurator des Forum Bergmannsglück
Zahlreiche Ausstellungen u.a. in den Galerien Siegfried Sander, Produzentengalerie Hamburg, Galerie 20.21, Wolfgang Schoppmann und Galerie Klaus Kiefer
Biographie ● Ausstellungen ● Arbeiten |