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Rückenakt mit zwei Tücher

Willi Kissmer

Geboren: 1951 in Duisburg

Stilrichtungen

- Fotorealismus

BiographieAusstellungenArbeiten

Zum Künstler


Körper ohne Kleidung sind für uns eine Alltagserfahrung. Zudem zeigen sie sich in der Öffentlichkeit reproduziert in Illustrierten und auf Plakaten. Hier treten sie nackt im Dienst der Werbung auf, interessanterweise oft sogar für Kleidung. Eine Prise Provokation macht die Models zum Hingucker am Rande der Pornografie und des rein männlichen Blickwinkels.



Immer wieder erregt der Anblick unbekleideter Frauen auch in der Kunst die Gemüter. In der Fotokunst z. B. Helmut Newton, durch die zum Fetisch erhobenen langbeinigen Schönheiten oder der Japaner Araki durch seine verschnürten Leiber. Gerade Frauen fühlen sich durch Inszenierungen, die ihren Körper in den Vordergrund stellen, oft in ihrer Persönlichkeit eingeschränkt und fürchten typische Rollenklischees.



Die Arbeiten von Willi Kissmer setzen in ihrer Inszenierung einen deutlichen Akzent der künstlerischen Aussage, und erheben die Frau in der Ästhetik ihrer Erscheinung zum Kunstwerk. Kissmer ist die Darstellung des unbekleideten Körpers, der Akt an sich, zu anspruchslos.

Kissmer zeigt uns seine Figuren niemals ganz, sondern verhüllt sie durch Farben und Stoffe. Zugleich betonen die Draperien die Körperformen in lasziver Delikatesse und dezenter Erotik. Erotik und Kunst gehen in der Darstellung seiner verhüllten “Akte” eine selbstverständliche Allianz ein.

Willi Kissmer hat kein Interesse an der Abbildhaftigkeit, schließlich ist er kein Bildnismaler und kommt keinen Porträtaufträgen nach. Dementsprechend malt Kissmer auch niemals Dinge, die Ihm nicht gefallen. Ihm kommt es nicht darauf an, wie der Körper ist, sondern wie er sein sollte!



Nach einer ersten, vielversprechenden Karriere als Gitarrist einer Rockband entschloß sich Willi Kissmer 1971 an der Folkwangschule Essen Kunst zu studieren. Innerhalb seines fünfjährigen Studiums hat sich Kissmer bei Professsor Hermann Schardt, dem Gründungsrektor der Folkwang-Hochschule auf die Ausführung von Radierungen und Lithographien spezialisiert.



Hatte sich Kissmer in frühen Arbeiten hauptsächlich Stilleben alltäglicher Objekte zugewandt, so beschäftigt er sich in seinen Arbeiten heute hauptsächlich mit dem weiblichen Körper.



Die Akte sind mit viel Gespür für leise Effekte stilvoll inszeniert. Die Bildformate sind so gewählt, daß der Kopf nur angeschnitten wird. Diese Beschränkung auf den Torso hat zur Folge, daß ein Körper ohne Gesicht anonymisiert und daher zeitlos wirkt, desgleichen werden durch die Zäsur des Künstlers die Formen des körperlichen Zentrums herausgestellt. Willi Kissmer weiß, daß der Torso an sich ein Thema der Bildhauer ist, darum verzichtet er bei diesen Darstellungen auf die Angabe eines Hintergrundes. Die Torsi wirken wie auf einem Podest vom Umraum freigesetzt und entfalten eine museale Wirkung. Die streiflichtartige Beleuchtung betont die pastische Wirkung.



Der Blick in die Ausstellung betont das bevorzugte Bildformat des Künstlers, das schlanke Hochformat. Zumeist ist der Körper in strenger Mittelachse inszeniert und in frontaler Ansicht ins Bild gesetzt. Vor allem in den Unikaten ist der Ausschnitt des Körpers gegenüber der Wirklichkeit ungefähr 10 bis 15 % größer dargestellt. Die Ganzfigur wäre deutlich überlebensgroß.



Kissmer hat keine Scheu vor den Traditionen des Kunstbetriebes und mischt souverän Elemente der verschiedenen Gattungen. Zum sakralen Bildtypus des Tryptichons kombiniert er profane Themen, wie Akte mit Stoffdraperien von großer Innerlichkkeit. Gern sind die Körper auch korrekt bekleidet; dann erscheint der dünne Stoff durchnäßt, schmiegt sich eng an die Haut und zeichnet alle Konturen des Körpers nach.



Die Titel von Kissmers Arbeiten sind zumeist sehr nüchtern. Einige lauten “Roter Torso” oder “das graue Hemd”. Bei diesem schlichten Titel handelt es sich um eine besonders pikante Darstellung. Die Radierung zeigt nämlich keineswegs ein sachliches maskulines Textil, sondern den kopflosen Körper eine Frau. Das “kleine Schwarze” mit langen Armen ist aus hauchfeinem Stoff , der ohne das Darunter besonders gut zur Geltung kommt. Der knappe Saum ist hochgeschürzt. Darunter werden über der gemusterten Strumpfhose Strumpfhalter mit dunklen Wollstrümpfen sichtbar.



In den meisten Bildern sind die Arme weitgehend, die Hände ganz ausgeblendet. Für den Betrachter liegt in diesem Verzicht, eine Inszenierung von suggestiver Kraft; die die männliche Konstruktion des Weiblichen an sich und das Verhältnis Maler und Model in Frage stellt. Warum sehen wir die Hände nicht? Hat die schöne Frau die Arme hinter den Rücken genommen? Ist die Frau in ihrer Bewegungsmöglichkeit eingechränkt? Ist der Mund, den wir nicht sehen können mit einem Knebel gestopft? Ist der Kopf mit einem Kleidungsstück verdeckt? In der wiedergegebenen Haltung liegt die Ambivalenz von Aktiv und Passiv, eigenem Willen und fremdbestimmten Objekt der Begierde.



Sind die Arme nicht zu sehen, um die stolze, aufrechte Haltung der Frau zu betonen? Oder um die Brust stärker hervorzuheben? Ist die Frau in ihrer Freiheit eingeschränkt und gefesselt? Ganz wichtig scheint genauso die Frage zu sein, ob sie zum eigenen Vergnügen oder zum Vergnügen des Betrachters in dieser Lage ist. Zwar empfindet Kissmer auch die Hände seiner Lebensgefährtin Beate schön, doch läßt er sie lieber im Bild weg, um ihnen in der Bildkomposition kein optisches Übergewicht zu geben. Auch in Arbeiten anderer Künstler empfindet Kissmer gerade die Hände oft störend und nicht überzeugend verortet.



Die ausgefeilte Beherrschung der grapischen Techniken beeindruckt sogar Kollegen des Künstlers. Auch wenn es bei Künstlern internationalen Formats heute üblich ist, gerade bei der zeitaufwendigen Herstellung einer graphischen Auflage viele Aufgaben zu delegieren, macht der Künstler bis heute alles selbst. Er ätzt die Druckplatten und bereitet bis zum Andruck einer Graphik alles vor.



Neben den Graphiken entstehen schon seit langer Zeit auch Unikate in Öl oder Acryl. Da Kissmer diese Techniken nicht im Studium kennengelernt hat, suchte er den Austausch mit anderen Kollegen um seinen künstlerischen Horizont zu erweitern. Den Maler Peter Handel, der ihn in die Technik der Ölmalerei einführte, ließ Kissmer im Gegenzug an seinen Erfahrungen der Druckgraphik teilhaben.



Die Gemälde Willi Kissmers entstehen nach einem ganz eigenständigen Verfahren. Zuerst widmet er sich am lebenden Modell den Draperien. Er verhüllt den Körper bevorzugt mit zeitloser Kleidung. Kissmer verwendet gern gefundene Textilien, die immer wieder Gegenstand von Serien neuer Bilder sein können. Dabei stehen Textur und Materialästhetik der Stoffe im Vordergrund, um die Arbeiten nicht zum Spiegel kurzlebiger Modetrends zu machen. Kissmer zupft wie ein Stylist so lang an dem Faltengebilde, bis es seiner Vorstellung entspricht. Im Schwarzweiß - Foto wird das Ergebnis dann als Malvorlage dokumentiert. Die Farbe wird zumeist bestimmten Stimmungen oder der Wirklichkeit nachempfunden, wenn die Bildidee gereift ist. Statt auf vorgefertigten Leinwänden arbeitet Kissmer auf einem selbstkonstruierten Bildträger; einer mit Papier kaschierten Tischlerplatte.



In der Ölmalerei hat Kissmer eine Technik gefunden, die es ihm besonders gut erlaubt, ins Detail zu gehen und die glatte Oberfläche der Haut darzustellen. Da Kissmer nicht an mehreren Bildern zugleich arbeitet, die Ölfarbe aber nur langsam trocknet, versucht er seine Darstellungen in Tagwerken zu erarbeiten. Einzelne Partien der Torsi oder der Frauen mit Tüchern können über Nacht trocknen, um sie am Tag darauf überarbeiten zu können.



Besonders eindrucksvoll ist die Arbeit “das rote Hemd”. Der Oberkörper wird wie in einem Guckkasten mit einem roten Vorhang inszeniert. Die Körperformen treten durch die theaterhafte Inszenierung deutlich hervor, die auch Max Ernst oder Magritte geschätzt haben. Die Bilder Willi Kissmers spiegeln die Harmonie des Menschen mit sich selbst und vereinen naturalistisches Körperbild und surreale Tendenzen. Willi Kissmer gelingt es in seinen Bildern die Akte still und gleichzeitig wie vom Rhythmus ergriffen, aktiv erscheinen zu lassen.



In anderen Bilderserien hat Kissmer auf die liebgewonnene Hauptfigur verzichtet, gleichwohl ist das Thema des Ausschnitts wichtig. Hier tritt der Maler als eine Art “Kulturfolger” in Erscheinung und zeigt menschenleere Räume mit Relikten menschlicher Existenz. Ein Acrylbild heißt “Ein Tag in Karlsbad”, und ist 1993 während eines Aufenthaltes in einer historischen Villa entstanden. Die vorgefundene Balkonsituation ist von einer geradezu unwirklich perfekten Romantik. Wie im Fotografenstudio der Jahrhundertwende finden sich hier die Balustrade und die obligate Säule. Vor einigen Blumen lädt ein Korbstuhl dazu ein, sich vor dieser Kulisse ablichten zu lassen. An Stelle einer Person liegt wie zufällig eine Decke. Das Spiel der Falten im Textil, Schwerkraft und Knitterspuren leiten ein schier unerschöpfliches Thema ein. In einem anderen Bild einer Reihe von 1991, einem “Tag in Wiesbaden” ist im Winkel eines gegebenen Interieurs ein Tuch aufgehängt.



In Bildern von Faltenbahnen wird aber nicht allein die Schwerkraft sichtbar, in seinen Bildern von Tüchern und Stoffen hat Willi Kissmer eine poetische Möglichkeit gefunden, im Zustand der Dinge ein intimes Bild der Wirklichkeit zu geben. Faltenwurf und Knitter erzählen von Zeit und Vergänglichkeit und entfalten für den Betrachter in unerschöpflicher Viefalt meditative Stimmungslandschaften. Auch in der Darstellung der Tücher schneidet Kissmer seine Bildobjekte genauso an, wie bei den Körpern, deren Konturen auch unter den Tüchern sichtbar werden können.




Arbeiten des Künstlers

Kissmer, Willi ◊ Herz zeigen, 2011
Kissmer, Willi ◊ Herz zeigen, 2011

Kissmer, Willi ◊ Mit viktorianischem Schal, 2005
Kissmer, Willi ◊ Mit viktorianischem Schal, 2005

Kissmer, Willi ◊ Weißer Rückenakt, 2005
Kissmer, Willi ◊ Weißer Rückenakt, 2005

Biographie


1951 Geburt in Duisburg
1971–1976 Studium der freien Grafik an der Folkwangschule in Essen, gleichzeitig als Rockmusiker tätig
1976 zahlreiche Studienreise, u.a. in die Sowjetunion, Ägypten, Südamerika, Griechenland, Italien und in die Türkei
1987 Längere Studienreise nach Italien

Arbeitet in Duisburg



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Ausstellungen


Allen Augustine Gallery, Lake Tahoe, USA
Galerie Interart Reich, Köln,
Galerie Gehring Kuhlenkampf, Frankfurt,
The Air Gallery, London, GB
Nevada Institute for Contemporary Art (NICA), Las Vegas, USA
Städtische Galerie Iserlohn,
The Framing Centre, Plymouth, GB
Galerie Vetter, Düren
Kunstverein Essenheim
Parkview Fine Paintings, Bristol, GB
Galerie Klose , Essen,
Turm Galerie Schröder, Bonn
John Boxham Galleries, London, GB
Terceira Gallery, Los Gatos, USA
Galerie Rita Osper, Köln
Galerie Honingen, Gouda, NL
Galerie am Dom, Wetzlar
Reid Gallery, Carmel, USA
Galerie Marijke Raaimakers, Grubbenvorst,NL
The Hart Gallery, Palm Desert, USA
Galeria Hella Maria Höfer, Port Andratx, SP
Westcliff Gallery, Cheringham, GB



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