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74. Kunstauktion Nachbericht
1. Tag: Klassische Moderne und die Zeitgenossen
114 Gemälde der Klassischen Moderne mit einem Schätzpreisvolumen von 2,2 Millionen Euro spielten am 1. Auktionstag mehr als 1,9 Millionen Euro ein. Die Verkaufsrate von 42 % ist zwar wenig erfreulich, das eingespielte Ergebnis von 86 % des Schätzpreises aber umso besser. Die Gründe dafür heißen Egon Schiele und Gustav Klimt.
Die Auktion startete fulminant. Das auf € 70.000 taxierte „Stehende Mädchen“ von Egon Schiele kletterte auf € 320.000 (Kaufpreis € 383.000). Damit konnte nicht einmal der aquarellierte Akt Schieles mithalten, der von € 100.000 auf € 260.000 (€ 303.500) gesteigert wurde.
Dem wollte offenbar Gustav Klimt nicht nachstehen. Eine auf € 70.000 geschätzte Aktzeichnung des Künstlers wurde erst bei € 170.000 (€ 200.000) zugeschlagen.
Die „Gladiolen“ von Pierre-Auguste Renoir brachten hingegen schätzwertkonform € 100.000
(€ 121.000), ebenso wie ein „Stehender Männerakt“ von Anton Kolig, der allerdings unter Vorbehalt zugeschlagen wurde. Sehr erfreulich auch die € 82.000 (€ 102.500) für Oskar Laskes „Frühling“. Für Erstaunen sorgte die Steigerung für die „Nymphen“ von Alexander Rothaug: auf € 25.000 taxiert, endete das Bietgefecht erst bei € 61.000 (€ 76.250). Das ist ein neuer Rekordpreis für den Künstler.
168 Werke zeitgenössischer Künstler (Schätzwert 1,7 Millionen Euro) brachten bei einer Verkaufsrate von 51 % fast 1,4 Millionen Euro ein.
Den höchsten Zuschlag erzielte hier Friedensreich Hundertwasser, der auch international der teuerste zeitgenössische Künstler Österreichs ist. Der Zuschlag für „Zwiegespräch“ um
€ 155.000 (Kaufpreis € 193.750) stellt einen neuen Rekord für den Künstler bei einer österreichischen Auktion dar.
Einen Rekordpreis schaffte auch Arik Brauer für „In Statu nascendi“:
€ 90.000 (€ 112.500) konnten noch nie für ein Werk dieses Künstlers erzielt werden.
Das Titellos, Fritz Wotrubas Kirchenmodell für die Wotruba-Kirche, erreichte € 112.000
(€ 140.000) und damit einen der höchsten Preise, die für Wotruba je registriert wurden. Sein – unter Denkmalschutz stehender – „Sitzender“ erlöste ein Meistbot von € 70.000 (€ 87.500).
Skulpturen waren überhaupt ausgesprochen gut nachgefragt: Otto Eders „Aufrechter“ erlöste € 30.000 (37.500), Wander Bertonis „Kleines U“ denselben Preis. Einen Rekordpreis repräsentiert auch Hubert Schmalix’ „Pregnant women“ mit € 20.000 (€ 25.000).
Insgesamt wurden am 1. Tag der 74. Auktion 3,341 Millionen Euro umgesetzt. Obwohl einige Zuschläge nur unter Vorbehalt erteilt werden konnten und noch nachverhandelt werden muss, ist bereits sicher, dass das Rekordergebnis des 1. Halbjahres 2008 noch übertroffen werden wird.
2. Tag Jugendstil
Mit Jugendstil wurde die Frühjahrs-Session im Palais Kinsky abgeschlossen. Bei ausgezeichneter Stimmung und einer Verkaufsrate von sehr guten 66 % wurde ein Umsatz von über 830.000 Euro erzielt.
Hauptverantwortlich für das weit über Erwarten gute Ergebnis sind freilich nicht nur die vielen verkauften Lötz-Vasen und Wiener Werkstätte Objekte.
Vor allem das Coverobjekt der Auktion, eine silber-vergoldete Brosche mit Schmucksteinen von Josef Hoffmann, Wiener Werkstätte 1910, trug entscheidend zum Erfolg bei. Ausgerufen bei 60.000 Euro kletterte der Preis bei breiter Beteiligung auf sensationelle 150.000 Euro, was einen Verkaufspreis von 187.500 Euro zur Folge hat.
Extrem begehrt war auch ein (sehr rarer) Winterputto von Michael Powolny, der seine Taxe mehr als verdoppelte und mit € 45.000 (€ 56.250) zugeschlagen wurde.
Außergewöhnlich gut nachgefragt war, wie gesagt, auch Lötz Glas. Hier sorgte gleich die erste Katalognummer, Form und Dekor Kolo Moser, für eine hohe Steigerung auf € 19.000 (€ 23.750). Eine große Vase von Leopold Bauer erzielte – trotz Ausfuhrverbots des Bundesdenkmalamtes – € 22.000 (€ 26.620).
Wiener Werkstätte war einmal mehr hoch begehrt, zwei Tabletts von Josef Hoffmann kletterten – geschätzt auf € 7.000 bzw. 8.000 – auf jeweils € 24.000 (€ 28.800).
Das Gesamtergebnis der 74. Kunstauktion beträgt damit mehr als
4,2 Millionen Euro.
Damit wurden im 1. Halbjahr 2009 im Kinsky 14 Millionen Euro umgesetzt. Das sind um 11,2 % mehr als vor einem Jahr. Damals herrschte freilich Hochkonjunktur – auch und insbesondere auf den Kunstmärkten.
Die Ergebnisverbesserung ist daher umso erstaunlicher. Denn auch im Kinsky war man vor den Frühjahrsauktionen davon ausgegangen, dass die Rekordumsätze des Vorjahrs nicht zu halten sein würden.
Für zusätzliche Informationen und Fotobestellung stehe ich ihnen gerne zur Verfügung:
Iris J. Gradenegger, Tel. +43 1 5324200-11,
e-mail: gradenegger@imkinsky.com
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