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Island – Lernen aus der Krise?

Gudmundur Ingólfsson, Geothermisches Spa Blaue Lagune, Grindavík, Reykjanes-Halbinsel, Sigrídur Sigthórsdóttir für VA Arkitektar, 1995–98/ 2005–07

Welche Architektur gibt es in einem Land, das keine traditionellen Baumaterialien wie Holz oder Backsteine aufweisen kann, sondern Häuser mit Gras und Erde baut? Zu welchen Höhen entwickelte sich der Betonbau? Und wie wurde der jähe Reichtum verkraftet, als Island plötzlich reichstes Land Europa wurde - und wie der ebenso plötzliche Absturz? Diesen und ähnlichen Fragen geht die Ausstellung nach, begleitet von den Fotografien von Gudmundur Ingólfsson, und sieht dabei trotz Krise allerlei Hoffnungen aufkeimen. Der Festivaldokumentarfilm "Future of Hope" des britischen Regisseurs Henry Bateman arbeitet mit anderen Mitteln ebenso daran, hoffnungsvolle Ansätze für die Zukunft des Landes nach der Krise zu präsentieren.

Auszug aus dem Vorwort zum Katalog von Peter Cachola Schmal: Im Verlauf der Bankenkrise im Oktober 2008 änderte sich für die Isländer alles – ihre Banken kollabierten, der Wechselkurs ihrer Währung stürzte ab, und ihre Hausbesitzer überschuldeten sich. Das Volk revoltierte, wählte seine Regierung ab und ächtete die wenigen Hauptverursacher derart, das diese fortan (mitsamt Devisenreserven) ein Leben im Exil führen mussten. Doch das Leben geht weiter – und die Isländer, die über Jahrhunderte ein armes, entbehrungsreiches aber auch erfindungsreiches Leben geführt haben, müssen sich wieder auf ihre ursprünglichen Charaktereigenschaften besinnen. In Katalog und Ausstellung wird versucht an Hand von zahlreichen Einzelpositionen ein Stimmungsbild zu zeichnen, das aus Betrachtungen der Vergangenheit und Gegenwart Ansätze für eine Zeit nach der Krise bietet.

Die Architektenschaft stellt eine Schlüsselposition dar, waren sie doch in den wenigen Jahren des Booms die willigen Dienstleister des neuen Geldes und bauten die großmaßstäblichen Komplexe in international gebräuchlichen Bauweisen mit neuen Materialien.
Der ehemalige Architekturkritiker, Hjalmar Sveinsson, inzwischen Planungsdezernent von Reykjavik, deckt die städtebaulichen Sünden der Boomzeit auf und erläutert das schwere Erbe einer Stadtplanung, deren Ideologie die Überlegenheit des Marktes gegenüber der öffentlichen Hand war. Die Finanzkrise hat aber nicht nur den Immobilienmarkt zerstört, sie hat auch die Kulturmittel schwinden lassen. Die einzige Architektursammlung des Landes im Reykjavik Art Museum (Hafnarhus) wurde kürzlich geschlossen und deren Kuratorin gefeuert. Der ursprüngliche Gründer, Architekt und Publizist Petur Armansson, schrieb für uns nicht nur eine Geschichte der isländischen Architektur von Torfhäusern über Betonbauten bis hin zu neuen topografischen Tendenzen, sondern schildert auch den Aufbau dieser Sammlung und die Gründung der ersten Architekturschule in Island, wo er derzeit lehrt.

Die bekanntesten Bauten Islands wie die Hallgrimskirche in Reykjavik stammen vom ersten Staats-Architekten des Landes, Gudjón Samúelsson. Einer der führenden Architekten, Ögmundur Skarphédinsson, Hornsteinar Architekten, schildert die Beschäftigung mit dem Werk des schillernden Vorbildes und den Einfluss auf sein Werk. Der beratende Tragwerksplaner Sigurdur Gunnarsson (heute in Oslo tätig) und der Lichtplaner Rogier van der Heide (heute Vorstand von Philips) waren mit Hornsteinar an der Planung des künftigen Saga-Institutes beteiligt, und diskutieren den Wert der isländischen Sagas und des isländischen Lichts für eine künftige Architektur, die authentisch und originell sein könnte.

Das im Ausland bekannteste Architekturbüro Islands ist Studio Granda. Margrėt Hardardóttir und Steve Christer versuchen aus ihrer Entwicklung der letzten 20 Jahre einen ungeschönten Blick auf die Zukunft der Profession zu werfen. Sigrídur Sigthorsdòttir (die derzeit in Norwegen lehrt) hat ihre erfolgreiche Nische gefunden. Sie führt aus, wie der Bau der berühmten Blauen Lagune ihr Leben maßgeblich veränderte und weitere Spa-Bauten in Island und in Norwegen nach sich zogen. Der deutsche Architekt Jörn Frenzel und sein interdisziplinäres Team vatnavinir (Freunde des Wassers) gelten als symbolische Wegbereiter einer neuen isländischen Bescheidenheit. Ihre Studien zu kleinen Lösungen in Zusammenhang mit Thermalwasser weisen optimistische Wege in die Zukunft auf.

Der Katalog zur Ausstellung erscheint im Jovis Verlag. Die darin komplett enthaltenen Interviews werden begleitet von Fotografien von Guðmundur Ingólfsson.

Die Ausstellung anlässlich des Gastland-Auftritts von Island zur Frankfurter Buchmesse 2011 entsteht in Zusammenarbeit und ist Teil des Kunst – und Kulturprogramms Sagenhaftes Island.

© Foto: Gudmundur Ingólfsson

Veranstaltungen zum Bericht:
Island und Architektur?

Quelle: © Deutsches Architektur - Museum Frankfurt

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