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Peter Behrens’ einzigartiger Salonflügel

Peter Behrens, Salonflügel, um 1900

Das Haus Behrens ist wohl das bekannteste und spektakulärste der Künstlerhäuser, die zwischen 1899 und 1914 neben Ausstellungs- und Ateliergebäuden auf der Darmstädter Mathildenhöhe entstanden sind. Erbaut wurde es 1901 anlässlich der Ausstellung „Ein Dokument Deutscher Kunst“. Sein Entwerfer, Peter Behrens, war bis dahin eher als Maler bekannt und eignete sich Kenntnisse auf dem Gebiet der Architektur rein autodidaktisch an, weshalb er von den akademischen Kreisen auch verächtlich als „Malerarchitekt“ betrachtet wurde. Dennoch erntete sein Haus- und Interieurentwurf einiges Lob; entsprach er doch dem neuen Geist des Jugendstils, allem voran dem Ideal des „Gesamtkunstwerks“.

Der vorliegende Salonflügel war Zentrum des wohl beeindruckendsten Raumes des Hauses - dem Musikzimmer. Flankiert von zwei großen Kandelabern stand er unter Behrens‘ Gemälde „Ein Traum“ fast altarartig in einer Nische des Raumes. Er unterscheidet sich von gewöhnlichen, meist schwarz lackierten Flügeln durch seine opulente, flächendeckende Ornamentierung, die durch aufwändige Einlegearbeiten mit unterschiedlichsten, zum Teil gefärbten Hölzern, Perlmutt, Lapislazuli und Messing realisiert wurde. Ungewöhnlich ist auch die Gestaltung der facettierten, skulptural anmutenden Beine. Grundmotive dieser Ornamentik sind Strahlenbündel, wie z.B. auf dem Notenständer des Flügels, eine Vogelschwinge, wie auf dem Flügeldeckel, und ineinander verschränkte Rauten- und Viereckformen, die man besonders auf dem Flügelkorpus findet. Diese drei Motive, die gewöhnlich als Sonnenstrahlen, Adlerschwinge und Diamant gedeutet werden, gehen auf den großen Einfluss von Friedrich Nietzsches dichterisch-philosophischem Werk „Also sprach Zarathustra“, 1883-85, zurück.

Die stereometrische Ornamentik, die die gesamte Gestaltung des ganzen Musikzimmers bestimmt, verleiht diesem eine fast sakrale Wirkung. Die mystische Stimmung wurde durch die marmorverkleideten Wände, blaues Spiegelglas, Mosaiken, die vergoldete Decke und die Türen aus Aluminiumbronze noch verstärkt. Wie in Franz von Stucks Künstlervilla in München wurde hier Kunst gleichsam als Ersatzreligion zelebriert und das Behrens‘sche Musikzimmer als der dazugehörige „Tempel“ betrachtet. Getreu dem Ideal des „Gesamtkunstwerks“ setzt sich die Gestaltung in den folgenden Räumen ausgehend von diesen Grundmotiven in allen Details variierend fort. Die Stimmung des Musikzimmers löst sich so über das Arbeitszimmer bis zum völligen Weiß des Speiseraumes auf. So steht der Flügel exemplarisch für Behrens‘ Beitrag zur Entwicklung zukunftsweisender Bau- und Wohnformen, dem ursprünglichen Ziel der Künstlervereinigung Mathildenhöhe.

Die Pianofortefabrik Schiedmayer in Stuttgart hatte um 1900 den Auftrag für den Bau eines Flügels für das Musikzimmer im Haus Behrens nach Entwürfen des Architekten erhalten, nachdem Behrens von anderen Schiedmayer Stilinstrumenten beeindruckt gewesen war. Der vorliegende Schiedmayer Flügel mit der Seriennummer 32345 wurde im Zeitraum von 1900-1901 hergestellt. Die Originalzeichnungen des Flügel-Entwurfes von Peter Behrens gelten als verschollen. Über das genau Erscheinungsbild des Modells geben jedoch eine große Anzahl von zeitgenössischen Photographien, die in den führenden Kunstzeitschriften publiziert waren, genauestens Auskunft.

Nachdem Peter Behrens die Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe in Darmstadt bereits 1903 verließ und an die Düsseldorfer Kunstgewerbeschule berufen wurde, verkaufte er das Haus und Teile des Interieurs. Der Verbleib des Musikzimmers, insbesondere des Flügels, ist jedoch nicht überliefert. Dass das Modell ein Unikat ist, das nur ein einziges Mal für das Haus Behrens gefertigt wurde, belegt die Auskunft der Firma Schiedmayer, Stuttgart, kein weiteres Exemplar des Modells sei jemals gebaut worden. Darüber hinaus zeigen aber auch Detailvergleiche der Furnierzeichnung mit historischen Abbildungen, dass es sich bei dem hier angebotenen Instrument um das identische, originale Exemplar aus dem Musikzimmer des Hauses Behrens handelt.

Veranstaltungen zum Bericht:
Sonderauktion 75: Darmstädter Künstlerkolonie

Quelle: © von Zezschwitz

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