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Bartholomäus Spranger, Ecce Homo

Bartholomäus Spranger, Ecce Homo

Ecce Homo.
Öl auf Kupfer mit Spuren von Goldhöhung. 22,4 x 17,7 cm. Unten mittig auf dem Treppenabsatz signiert "Bar.us Sprangers Fecit". Um 1575-1580.

Losnummer: 6012


Erst vor kurzem wurde Bartholomäus Sprangers „Ecce Homo“ in einer österreichischen Privatsammlung wiederentdeckt. Im Jahr 1916 als Teil der Sammlung des Wiener Malers Friedrich von Amerling auf einer Versteigerung vom Dorotheum offeriert, verlor sich die Spur dieses Gemäldes über viele Jahrzehnte. Selbst den Experten war der Aufbewahrungsort der kleinen Kupfertafel nicht bekannt. Fast einhundert Jahre sind also vergangen bis das Werk nun erstmals wieder auf dem Kunstmarkt angeboten wird.

In seiner 1958 erschienenen Dissertation über Bartholomäus Spranger publizierte Konrad Oberhuber das Werk, wobei ihm lediglich eine Schwarz-Weiß-Photographie, wohl nach der Aufnahme im Auktionskatalog, zur Verfügung stand. Auf Grund verschiedener ikonographischer Vergleiche datierte Oberhuber das Gemälde in die Spätphase des Künstlers zwischen 1605 und 1610. Dabei interpretiert er die Repoussoirfiguren im Vordergrund unserer Komposition, ein beliebtes Stilelement aus der ersten römischen Zeit Sprangers (1566-1575), als Rückgriff des Künstlers auf seine frühere Schaffensphase. Thomas DaCosta Kaufmann, der das Gemälde in beiden Ausgaben seiner grundlegenden Monographie zur rudolphinischen Malerei veröffentlichte, schloss sich darin der Datierung Oberhubers an, wobei er sich ebenfalls nur auf eine monochrome Abbildung beziehen konnte.

Inzwischen ist das malerische Werk Bartholomäus Sprangers jedoch besser erforscht und auch datierte Werke aus der Frühzeit des Künstlers sind in größerer Zahl bekannt geworden. Angesichts der neuen Forschungslage datiert DaCosta Kaufmann das Gemälde nun in die Jahre zwischen 1575 und 1580 (Gutachten vom September 2012 auf der Grundlage digitaler Photos). In dieser Zeit ist Spranger am Hofe Kaiser Maximilians II. in Wien tätig. Nach dessen plötzlichem Tod 1576 steht er in Diensten Rudolphs II., ohne jedoch gleich den Titel eines Hofmalers innezuhaben. In seinem Artikel "Spranger before Prague: Additions and Reconsiderations" (in: Pictura Verba Cupit. Sbornik prispevku Lubomíra Konecného/Essays for Lubomir Konecny, Prag, Artfactum 2006, S. 403-412) erweitert DaCosta Kaufmann die Zahl an kleinformatigen Werken, die der Künstler vor seiner Prager Zeit ausgeführt hat. Damit bestätigt er die Mitteilung des frühen Biographen Karel van Mander, dass Spranger eine Anzahl kleinformatiger Kabinettbilder bereits vor seinem Dienst am Prager Hof geschaffen habe.

In seinem Gutachten zu unserem Werk verweist DaCosta Kaufmann auf eine kleine Kupfertafel mit der "Geißelung Christi" (Auktion Koller, Zürich am 24. März 2006, Los 3002; jetzt Privatsammlung USA), die er ebenfalls in die Wiener Schaffenszeit von 1575-80 datiert. Neben dem nahezu identischen Format und der Verwendung einer Kupferplatte als Bildträger, finden sich weitere Entsprechungen zu unserem "Ecce Homo" hinsichtlich des Figurentyps mit den gestreckten Armen, der Öffnung der Komposition zu einer Seite hin und der Architektur. Das Profil der Frau im rechten Vordergrund entspricht einem Typus, wie er in verschiedenen Gemälden Sprangers der frühen 1580er Jahre vorkommt, erscheint aber im Vergleich zu jenen etwas weicher, so dass hier eine etwas frühere Entstehung wahrscheinlich ist.

Bartholomäus Sprangers kostbare Kupfertafel entstand wahrscheinlich für einen exklusiven Auftraggeber und dürfte einen besonderen Platz wohl in einer Kunstkammer gehabt haben. In einer wichtigen Schaffensperiode des Künstlers entstanden, ist sie eine essentielle Bereicherung des Oeuvres. Die Wiederentdeckung dieses Gemäldes erweitert unser Wissen über einen herausragenden Meister seiner Zeit und ist insbesondere für die Kenntnis des Frühwerks Sprangers von kaum zu überschätzendem Wert.

LEIHRAHMEN / LOAN FRAME:
COURTESY OF OLAF LEMKE, ANTIKE RAHMEN UND ANTIQUITÄTEN, BERLIN


Provenienz: Sammlung Friedrich von Amerling (1803 Spittelberg - 1887 Wien); Privatsammlung Österreich.

Literatur: Auktionskatalog Dorotheum k.k. Versteigerungsamt Wien: Nachlaß Friedrich von Amerling, 263. Auktion, 3.-6. Mai 1916, Los 71 mit Abb.auf Tafel 21.
Konrad Oberhuber: Die stilistische Entwicklung im Werk von Bartholomäus Spranger, Wien 1958, S. 198 und S. 236, Nr. 68 (ohne Abb.).
Thomas DaCosta Kaufmann: L'École de Prague. La peinture à la cour de Rodolphe II, Paris 1985, S. 333, Nr. 20-78 (mit Abb.).
Thomas DaCosta Kaufmann: The School of Prague. Painting at the Court of Rudolf II, Chicago und London 1988, S. 276, Nr. 20-82 (mit Abb.)


Veranstaltungshinweise:

Am 29.11.2012 100. Kunst-Auktion


Schätzpreis: 35.000,-  EURO

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