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Hermann Max Pechstein, Der Mühlengraben, 1921

Hermann Max Pechstein, Der Mühlengraben, 1921

Öl auf Leinwand 80,6 x 101,2 cm
Gerahmt. Unten links schwarz signiert 'HMPechstein' [H, M, P ligiert] sowie rückseitig mit schwarzem Stift zusätzlich signiert, datiert und mit der Werknummer versehen 'XIV/ Der Mühlengraben/ HMPechstein'. - Der Keilrahmen mittig mit einem alten verbräunten Papieraufkleber, darauf handschriftlicher Eigentumsvermerk in Tinte "Eigentümer:/ Ob.-Pfarrer Josef Geller/ Köln", sowie unten links mit einem bedruckten holländischen Ausstellungsetikett des Stedelijkmuseums Amsterdam, darin mit Tusche bezeichnet "Max Pechstein/ Kanaal" sowie mit Besitzerangabe, Gesamtmassen und Nr. "133 cat." bezeichnet.

Soika 1921/24 mit Farbabb.


Losnummer: 316


Provenienz
Ehemals Sammlung Joseph Geller, Köln; seitdem in Familienbesitz

Ausstellung
Bern 1948 (Kunsthalle Bern), Brücke. Paula Modersohn und die Maler der "Brücke", Nr. 152 ("Der Mühlengraben, 1918"), mit Abb.; Amsterdam 1949 (Stedelijk Museum), Expressionisme, Van Gogh tot Picasso, Nr. 133 ("kanaal, 1920"), o. Abb. und mit leicht differierenden Maßen ("109 x 88"); Saarbrücken 2005/2006 (Saarlandmuseum Saarbrücken), Die Brücke in der Südsee - Exotik der Farbe, Kat. Nr. 103, mit Farbabb. S. 193 ("Der Mühlengraben, um 1920")

Literatur
Lothar-Günther Buchheim, Die Künstlergemeinschaft Brücke, Gemälde, Zeichnungen, Graphik, Plastik, Dokumente, Dresden 1957, Nr. 343, mit Abb. S. 310 ("Kanallandschaft, 1918"); Paul Fechter, Lebensdokumente einer Epoche. Der Maler und Zeichner Max Pechstein, in: Sonntagsblatt, Hamburg, Nr. 29, 17. Juli 1960, S. 7 mit Abb. ("Kanallandschaft 1918") (Erstabdruck dieses Beitrages aus dem Nachlaß Paul Fechters); Aya Soika, Max Pechstein, Das Werkverzeichnis der Ölgemälde, Bildmotive: Orte -Pommern, Leba (1921-1945), Bd. I, S. 72 -78, mit Farbabb. 3.4, S. 73

In dem von Max Pechstein in den zwanziger Jahren geführten Werkstattbuch ist das Gemälde für das Jahr 1921 mit dem Eintrag "XIV. Der Mühlengraben" vermerkt, so daß ältere ehemalige Betitelungen und vermutete Datierungen (1918) in Unkenntnis der Auflistung des Künstlers korrigiert werden konnten. Die römische Zahl, mit der die Rückseite des Gemäldes auf der Leinwand entsprechend beziffert ist, ist eine Werk-Nummer, die jedoch von Pechstein nicht unbedingt chronologisch im jeweiligen Entstehungsjahr vergeben worden ist (vgl. Aya Soika, Max Pechstein, Das Werkverzeichnis der Ölgemälde, Bd. 1, S. 135).

Das in Pommern an der Ostseeküste gelegene Leba löste als Sommeraufenthaltsort erstmals 1921 das von Pechstein wiederholt seit 1909 besuchte und noch weiter östlich an der Küste gelegene Nidden auf der Kurischen Nehrung ab. Der Künstler war nach der Unterbrechung der Kriegsjahre jedoch zunächst nach Nidden zurückgekehrt. Die wie in einem wiedergewonnenen ekstatischen Schaffensrausch entstandenen Werke vom Sommer des Jahres 1919 leiten eine neue schöpferische Phase ein: "Alles ersäuft bei mir in Farben, mein Gehirn ist nur mit Bildern gefüllt und jagt mich die Idee des zu Malenden von einem Ort zum anderen" - schrieb er in einem Brief an Paul Fechter (zit. nach A. Soika, op. cit., Bd. I, S. 38). Die in Leba wenig später im Sommer entstandenen Landschaften mögen in ihrem großzügigen, farbintensiven Bildentwurf weiterhin zu den eindrucksvollsten Werken gehören, die Pechstein in dieser Zeit geschaffen hat. Es sind reife Leistungen des nunmehr 40-Jährigen, der im Neubeginn zur alten Ausdrucksfülle zurückgefunden hat.

Der vorliegende "Mühlengraben", ehemals aus der Sammlung von Joseph Geller, Oberpfarrer in St. Kolumba in Köln, ist eine dieser klassisch gewordenen Landschaften Pechsteins aus dieser Zeit. Die symmetrisch-axiale Komposition staffelt sich zur Bildtiefe hin mit der steil gespitzten kleinen Silhouette der sogenannten "Kleinen Mühlengrabenbrücke" in Leba. Dabei gleitet der Blick über eine ruhige, spiegelnde Wasseroberfläche mit tiefen Schattenzonen unter den Bäumen, die den Graben säumen. Links und rechts erstrahlen flache Wiesen mit roten Bauernhäusern in sommerlichem Licht. Unmissverständlich vernimmt man jedoch sofort den gesteigerten, typisch expressionistischen Klang der kräftig gesetzten Farben: hier beschränkt auf eine überlegte Anordnung von Tönen in Blau, Grün, Rot und Gelb. Die Einzelformen sind dabei angular und kantig, holzschnittartig von dunklen Konturen umrissen. Die vorgegebenen landschaftlichen und vegetabilen Strukturen werden stark abstrahiert. So fügt sich auch das perspektivische Bildzentrum fast unmerklich zu einer geneigten Rautenform, die den Blick des Betrachters bannt und konzentriert. Es entsteht ein spannungsvolles Gefüge von optischem Gewicht und reiner, formaler Geschlossenheit. Wenige gleiche Details beidseitig des Zentrums werden variierend rhythmisch wiederholt: die gerundeten schwungvollen Formen zweier dunkelblauer Kähne am Grabensaum, die starken streifigen Kontraste von hellen und dunklen Flecken, die Akzente der glatten roten Gebäudearchitekturen - rechts wie links im Bild. Andererseits werden die Flächen im Vorder- und Mittelgrund in die Tiefe hinein verspannt durch betonte Diagonalen, die, das Rot-Orange aufgreifend, zur fern entrückten Brücke am offenen Horizont führen. Dort, das scheint man zu spüren, ist Weite, dort liegt das Meer. Pommern wurde für Max Pechstein zu einer beglückenden, zweiten Heimat.

"Nach einem glücklichen Sommer in Leba, der auch in künstlerischer Hinsicht außerordentlich produktiv war, äußerte sich Pechstein voller Begeisterung: '...neue Landschaft, neue Menschen, ich habe mich hineingefressen...Dazu habe ich das Ackerland hinten, also ein bedeutend breiteres Arbeitsfeld als in Nidden...' (zitiert nach A. Soika, Max Pechstein, op. cit., Bd. 1, S. 73). "Anfang Dezember 1921 eröffnete im Berliner Kronprinzenpalais eine Pechstein-Ausstellung mit 26 Gemälden, die größtenteils im Sommer in Leba entstanden waren [...]. Max Osborn lobte die Präsentation in der Vossischen Zeitung:
'Jetzt hat der Maler die Ernte des zur Neige gehenden Jahres vor uns ausgebreitet, und es wird, es kann keinen geben, der sich nicht an der sinnlichen Kraft und Fülle, an der farbigen Kraft und Schönheit, an dem in prachtvoller Klarheit bauenden Rhythmus der Formen und Werte in dieser erdverwachsenden Malerei froh erquickt'. " (Aya Soika, ebenda, S. 73)

Einige Jahre später war es Pechsteins Malerkollege Karl Schmidt-Rottluff, auch er ein Künstler der "Brücke", der 1932-1943 die Ostsee bei Leba als ideales Maler-Refugium für sich entdeckten sollte.


Veranstaltungshinweise:

Am 26.11.2013 Auktion 1023: Moderne Kunst


Schätzpreis: 700.000 - 900.000  EURO

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