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Lesser Ury, Uferpromenade im Tiergarten

Lesser Ury, Uferpromenade im Tiergarten

Spaziergänger am Landwehrkanal
Pastell auf festem Karton.
34,8 x 49,9 cm.
Signiert.

Losnummer: 8283


Großstadtnächte, Pferdedroschken, nasser Asphalt und die berühmten Tiergartenmotive sind Assoziationen, wenn man an den Maler Lesser Ury denkt. Nach seinen Wanderjahren in Brüssel, Antwerpen, Paris, Stuttgart, Karlsruhe und München kehrte er 1887 nach Berlin zurück und freundete sich mit Max Liebermann an, der damals bereits erfolgreicher Künstler war. Vor allem für die Weltstadt Berlin empfand Ury ab dem ersten Moment eine ganz besondere Sympathie, die sich in seiner Kunst eindrucksvoll niederschlägt.
Als kongenialer Zeitgenosse von Max Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt gilt Lesser Ury heute jedoch als „vergessener“ Künstler aus Berlins bewegender Zeit der Sezession. Vielleicht aus Konkurrenzgründen war Max Liebermann, ebenso Jude, Präsident der Akademie und einflussreichen Wortführer der Kunstszene, der zunehmende Bekanntheitsgrad Urys ein Dorn im Auge. 1892 gab es ein Zerwürfnis zwischen Ury und Liebermann, der Sorge hatte, dass Ury besser sein könnte als er selbst und mit allen Mitteln versuchte ihn daran zu hindern in der Berliner Secession auszustellen. „Um 1904 waren fast alle bekannten Maler und Bildhauer Deutschland, deren Werk sich nicht streng an traditionelle Richtlinien hielt, ordentliche oder korrespondierende Mitglieder der Secession. Der Berliner Impressionist Lesser Ury, der sich mit Liebermann entzweit hatte, bildete wahrscheinlich die einzige bedeutende Ausnahme“, schrieb Peter Paret in seinem Buch „Die Berliner Secession“. Erst als Corinth Nachfolger Liebermanns wurde, konnte Ury regelmäßig und erfolgreich in der Berliner Secession ausstellen.
Von Natur aus schüchtern, seine Herkunft vertuschend, ungebunden und in bescheidensten Verhältnissen lebend, reagierte er auf die Ablehnung, die ihm entgegenschlug mit fast totalem Rückzug aus der Gesellschaft. Er wurde zum Einsiedler mitten in Berlin. Der Tiergarten, die grüne Oase zwischen den Zentren Berlins, war ein beliebter Arbeitsplatz des Künstlers. „Wenn Ury jetzt in der Gegend der Potsdamer Straße wohnte, wie angenommen werden kann, war es nur ein Sprung hin zu seinen Lieblingsszenen zwischen Potsdamer Platz und dem Tiergarten, ein Park wie der Bois de Boulogne, die größte geschlossene Grünfläche der Reichshauptstadt, mit Denkmälern, Teichen, Restaurants, Cafés“ (Seyppel, Joachim „Lesser Ury“, Mann Verlag 1987, S. 62).
Ruhe, Grün, flanierende Spaziergänger, frei von der hektischen Eile der Großstadt und von Abgas noch nicht zersetzte Farben. In unserem Pastell erweist sich Ury als Meister der stimmungsvollen Zwischentöne und beweist sein großes Gespür für Farbe und Atmosphäre. In der freien Natur konnte er sich ganz der Intuition des Malens und der Farbgebung hingeben. Er modellierte Formen mit leichtem und festerem Strich auf dem Papier zu zart ineinander übergehenden Flächen. Durch den starken Kontrast zwischen dem golden leuchtenden Abendhimmel sowie der flimmernden Spiegelung des Himmels im Landwehrkanal und der dunkel gehaltenen Allee von Bäumen, schildert der Maler meisterhaft die stille Abendstimmung und den Moment des Sonnenuntergangs.
Urys Pastelle sind Meisterwerke der Farb- und Lichtvision in denen Farben zu zarten Tonübergängen verschwimmen, Konturen sich auflösen und die Luft vibriert. Auch Liebermann hatte zahlreiche Pastelle geschaffen, doch spielten sie im Vergleich zu seinem sonstigen malerischen Werk eine untergeordnete Rolle. „Es ist unstreitig Verdienst Lesser Urys, dass er nicht nur die deutsche Pastellkunst zu vollen Ehren gebracht hat, sondern vielleicht der einzige große Pastellmaler war, den Deutschland hervorgebracht hat.“ (Schlögl/Schwarz: „Lesser Ury - Zauber des Lichts“, Mann Verlag 1995, S. 81).



Veranstaltungshinweise:

Am 31.05.2014 103. Auktion: Moderne Kunst Teil I und II


Schätzpreis: 35.000,-  EURO

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