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Moritz Coschell, Zwei Porträts des Ehepaares Dr. Alfred und Margarethe Gold

Moritz Coschell, Zwei Porträts des Ehepaares Dr. Alfred und Margarethe Gold

a.) Dr. Alfred Gold. Signiert und datiert unten rechts: M. Coschell Berlin / 1904. Öl auf Leinwand. 80 x 125cm. Rahmen.
b.) Margarethe Gold, geb. Zadek. Signiert und datiert unten rechts: Coschell Berlin / 1910. Öl auf Leinwand. 83 x 94,5cm. Rahmen..
Rückseitig:
b) auf der Leinwand bezeichnet: 233D.

Losnummer: 563


Der 1872 in Wien geborene Moritz Coschell studierte zunächst Bildhauerei bevor er sich der Malerei zuwandte. An der Wiener Akademie lernte er bei dem Genremaler Franz Rumpler und dem Historien- und Porträtmaler August Eisenmenger. Ab 1899 übersiedelte Coschell nach Berlin und entwickelte sich hier schnell zu einem begehrten Porträtmaler der Jahrhundertwende. So portraitierte er auch die Komponisten Richard von Goldberger, Bogumil Zepler und Heinrich Grünfeld oder den Kritiker-Papst Alfred Kerr.
Neben Porträts malte Coschell, der auch unter dem Namen Kocheles geführt wurde, alttestamentarliche Szenen und Szenen aus dem jüdischen Volksleben. In stimmungsvollen zeitgenössischen Interieurs zeigte er sich als starker Kolorist. Auch als Graphiker und Illustrator machte Moritz Coschell sich einen Namen. Für den Fischer-Verlag illustrierte er unter anderem Werke von Arthur Schnitzler.
Coschell heiratete 1921 Lucy Wiskott, eine Tochter aus der obersten Gesellschaft Westfalens. Ihr Vater war der Bankier Heinrich Paul Wiskott, dessen Familie für den industriellen Aufschwung Dortmunds entscheidende Bedeutung hatte.
Aufgrund seiner jüdischen Abstammung erhielt Coschell, der selbst Protestant war, 1933 in Deutschland Berufsverbot, dem er sich vorübergehend durch eine Übersiedelung nach Wien entziehen konnte. Auch in seiner Heimatstadt zählte Coschell schnell wieder zu den führenden Künstlern, doch durch den Anschluss Österreichs 1938 wurde seine Situation wieder unerträglich. Er entging zwar der Deportation verstarb aber 1943 völlig verarmt in Wien nachdem mehrere Versuche das Land zu verlassen fehlgeschlagen waren.
Der hier porträtierte Alfred Gold war einer der Männer, die die deutsche Literatur- und Kunstwelt zwischen Jahrhundertwende und dem Beginn des zweiten Weltkrieges mitgeprägt haben. Er stand nicht in der allerersten Reihe der Neuerer doch waren es Männer wie Alfred Gold, die die neuen Strömungen in Literatur und Kunst begleitet haben und sie durchzusetzen halfen. Wie sein Zeitgenosse Erich Mühsam sagte, gehörte auch Gold "zu den Zirkeln literarischer und künstlerischer Genieanhäufungen" in Wien und Berlin dieser Zeit.
Geboren in Wien 1874 als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie, studierte Gold dort zunächst Philosophie und Germanistik, war aber auch als Gasthörer in Kunstgeschichte eingeschrieben. Sein Geld verdiente Gold mit dem bezahlten Schreiben als Journalist für die Zeitschriften "Die Zeit" und "Pan". Seine Fachbereiche: Theater-, Literatur-Rezensionen und allgemeine Feuilleton- Beiträge, die auch unter den Pseudonymen Alwin Goldeck und "Fin de siècle" erschienen.
1901 übersiedelte Alfred Gold nach Berlin, in die deutschsprachige Metropole, noch ein wenig näher an den Puls der Zeit. In Berlin war er als Korrespondent der Frankfurter Zeitung angestellt, doch kam er hier auch zu eigenen literarischen Werken: Er war Mitübersetzer von Flauberts "Roman eines jungen Mannes" (1904), schrieb ein Theaterstück (Ausklang, Schauspiel in 3 Akten, 1905) und "Das Lied von der Sternenjungfrau", einen Roman in Berliner Künstlerkreisen. Spätestens seit 1904 war Alfred Gold mit Paul Cassirer, dem wohl einflussreichsten Galeristen und Verleger der Zeit, bekannt. In dessen Verlag erschien die Flaubert-Übersetzung und seit dieser Zeit gehörte Alfred Gold zum erweiterten Freundeskreis um Cassirer. In demselben Jahr 1904 entstand das uns vorliegende Portrait des 30-jährigen Alfred Gold von Moritz Coschell.
1911 wandte Gold sich verstärkt der bildenden Kunst zu: er schrieb ein Buch über Frans Hals und promovierte an der Universität von Münster in Kunstgeschichte über den Empire-Künstler Johann Carl Wilck. Auch die Promotion erschien 1912 im Verlag Paul Cassirer. Während des ersten Weltkriegs war Alfred Gold dann fester Mitarbeiter im Cassirer-Verlag. Während Cassirer selbst zum Kriegsdienst einrückte, wurde Gold verantwortlicher Mit-Herausgeber der Zeitschrift "Kriegszeit". Vom August 1914 bis März 1916 erschienen 65 Hefte dieser "Künstlerflugblätter" zum Thema Krieg mit Original-Lithographien u.a. von Ernst Barlach, Käthe Kollwitz, Max Liebermann und Max Slevogt. Nach zunächst sehr patriotisch gehaltenen Ausgaben wurden die Graphiken nach und nach kritischer und Alfred Gold musste die schwierige Vorzensur leisten um das Unternehmen nicht zu gefährden.
Nach dem Krieg gab Alfred Gold seiner Beschäftigung mit der Kunst eine neue Richtung, mit der er auch im Cassirer-Umfeld vertraut geworden sein mag: Gold wurde Kunsthändler. Zunächst von Paris aus, wo er seit 1923 als Korrespondent lebte. Hier trat er auch als Einkäufer und Mittelsmann im Kunsthandel in Erscheinung. 1929 eröffnete Gold eine erste Galerie in Berlin, 1931 erfolgte die Erweiterung mit einer Zweigniederlassung in Paris. Er widmete sich dabei ganz dem französischen Impressionismus nicht nur als Händler sondern auch als Ausstellungsmacher, etwa 1930 im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen in Düsseldorf.
Glücklicherweise konnte Alfred Gold, der sich u.a. auch kunst-theoretisch mit jüdischer Kultur auseinander gesetzt hatte, gemeinsam mit seiner Frau Martha und ihrer gemeinsamen Tochter, der späteren Bildhauerin Marianne Gold-Littmann der Verfolgung durch die Nationalsozialisten entgehen. Zunächst verlegte er seinen Kunsthandel ganz nach Paris bevor er 1940 mit seiner Familie in die USA emigrierte.
Im Exil verfasste Alfred Gold weiter Bücher mit Zeitbetrachtungen, etwa 1942 seine Abrechnung mit Nazi-Deutschland "The most stupid of all races - dialogs and comments" oder 1945 "I call this history, and other stories". Seine internationalen Beziehungen nutzte er bereits früh im Zusammenhang mit Restitutions-Fragen wie im Fall der Sammlung Otto Gerstenbergs.
Alfred Gold starb 1958 in New York.
Alle Konzentration des Bildes geht von dem hageren Gesicht des dargestellten Alfred Gold aus. Die wichtigen kompositorischen Linien, die Diagonalen, die der linke Arm und die Sessellehne bilden, treffen sich in den Augen unter den leicht gerunzelten Brauen.
Virtuos in der Textur und Malart ist das Porträt des Alfred Gold ein hervorragendes Zeugnis der Kunst zur Sezessions-Zeit. Auf dieses Gemälde trifft zu, was ein Kritiker der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" im Jahr 1908 über die Porträts Moritz Coschells sagte: "Vertieft man sich in Wesen und Ausdruck der Bildnisse dieses Künstlers, so entdeckt man, dass es ihm nicht genügt, lediglich die äußere Ähnlichkeit zu finden. Es kommt ihm vielmehr auf die geistige Tiefe an, auf das, was hinter dem Malerischen steht, auf die individuelle Seelenhaftigkeit . . ."
Dass das Porträt von Alfred Gold zur Großen Berliner Kunstausstellung, dem Schaufenster der Deutschen Kunst, zugelassen wurde, zeigt die Wertschätzung, die diesem Werk auch von den Sachverständigen seiner Zeit entgegengebracht wurde.
Über seine Frau Margarethe Gold, geb. Zadek wissen wir wenig mehr als ihre Lebensdaten: geboren 1885 in Berlin bis 1960 in Portland, Oregon.
Das Porträt der Margarethe Gold entstand sechs Jahre später als das ihres Ehemannes.
Das spätere Bild ist ganz eigenständig und war - schon von seinem anderen Format her - nie als Pendant zu dem früheren Gemälde gedacht. Der Folgeauftrag lässt aber erkennen, dass man in der Familie Gold mit dem Porträt des Hausherrn sehr zufrieden gewesen sein muss.
Margarethe Gold ist ebenfalls halbfigurig sitzend dargestellt. Auch sie füllt den Bildraum in der Höhe fast ganz aus. Auch hier ist der in Brauntönen gehaltene Hintergrund unbestimmt. Damit enden die Parallelen der beiden Bilder. In auffallend gerader Haltung sitzt Frau Gold da, betont wird dies noch durch die senkrechte Stuhllehne, die parallel zum rechten Bildrand verläuft. Ihre rechte Hand liegt auf den Oberschenkeln, der linke Arm hängt herab, die Finger dieser Hand scheinen sich auf der Sitzfläche des Stuhles abzustützen. Grete Gold trägt ein schwarzes Kleid, das an Brust und Ärmeln mit in rosa und grün gehaltenen Rosenblüten verziert ist. Die Haare trägt die junge Frau bauschig drapiert. Das Gemälde ist durch streng vertikale und horizontale Strukturen bestimmt.
Die gerade Haltung und der zurückhaltende Blick der Frau Gold lassen sie selbst streng und ein wenig unnahbar erscheinen.
Coschell zeigt auch hier wieder seine große Könnerschaft, die porträtierte Person als Persönlichkeit deutlich zu machen. Die zeitgenössische Wertschätzung des Künstlers sowie der Dargestellten zeigt sich auch darin, dass das Gemälde abgebildet ist in den Westermanns Monatsheften vom Oktober-Dezember 1910 (55. Jahrgang, 109. Band, 1. Teil).

Vgl. Literatur:
- Paret, Peter: Die Berliner Secession. Moderne Kunst und ihre Feinde im Kaiserlichen Deutschland, Frankfurt/Main, Berlin, Wien 1983, Zu "Kriegszeit" S. 339 f.;
- Lexikon Deutsch-Jüdischer Autoren, Bd. 9, München 2001, S. 44 f;
- Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft, München 2002, S.428 f.;
- Mühsam, Erich: Gegen das Vergessen. Ausgewählte Werke, Neuaufl. 2013,
- Wikipedia Beitrag Alfred Gold / Moritz Coschell, 06.10.2014;
- Buber, Martin: Jüdische Künstler, Berlin 1903;
- Festschrift 90 Jahre Westfälische Kaufmannsgilde e.V.


Veranstaltungshinweise:

Am 14.11.2014 342. Auktion: Alte Kunst


Schätzpreis: 50.000 - 65.000  EURO

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