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Anselm Kiefer, Sappho, 2002-05

Anselm Kiefer, Sappho, 2002-05

Stahl, Gips, Polyester, Bleibücher. Ca. 198 cm.

Losnummer: 523


Provenance
Privatsammlung, Hessen

Ausstellungen
Koblenz 2012 (Ludwig Museum im Deutschherrenhaus), Anselm Kiefer, Memorabilia, Ausst.Kat., S.96/97 mit Farbabb.

Wie kaum ein anderer zeitgenössischer Künstler analysiert Anselm Kiefer in seinen Werken die Zusammenhänge von Geschichte, Wissen, Kultur und Identität der Menschheit. Wiederholt tauchen in seinen Werken Frauen auf, zu den berühmtesten Vertreterinnen aus Literatur und Überlieferung gehören ‚Margarethe' und ‚Sulamith' aus Paul Celans Gedicht „Die Todesfuge“ sowie die mythologische Dämonin ‚Lilith'. Kiefers Beschäftigung mit historisch belegbaren Frauengestalten äußerte sich erstmals in der Installation „Frauen der Revolution“ aus dem Jahr 1983, der sich thematisch ein gleichnamiges Gemälde und mehrere Bücher anschlossen. Die Installation setzt sich aus 13 leeren Betten zusammen, die mit einem Laken aus Blei überzogen und in einer Ausbuchtung in der Mitte mit Wasser gefüllt sind. Die zum Teil tragischen Heldinnen der Französischen Revolution sind nicht anwesend und lassen sich an Hand eines vor jedem Bett liegenden Namensschilds identifizieren. Ab Mitte der 1990er Jahren entsteht die berühmte Werkserie „Die Frauen der Antike“. Hier lässt Kiefer seine Protagonistinnen, wie in der vorliegenden Arbeit die antike Dichterin Sappho, schließlich auferstehen. Sappho lebte ca. 630-570 v.Chr. auf der Insel Lesbos und gehört zu den faszinierendsten Frauengestalten der Weltgeschichte: Von ihrer großen Wertschätzung zeugen bereits in der Antike zahlreiche griechische und römische Büsten sowie Erwähnungen ihrer Person und ihres Werks in Texten von berühmten Dichtern wie Horaz, Catull und Platon. Sapphos, in leidenschaftlicher und kunstvoller Sprache verfassten Gedichte thematisieren neben hymnischen Götterpreisungen vor allem die weibliche gleichgeschlechtliche Liebe. Das nach ihr benannte Versmaß der „Sapphischen Strophe“ wurde bereits von den antiken Dichtern übernommen. Der Überlieferung nach soll Sappho ein tragisches Ende genommen haben und sich aus Verzweiflung über die Zurückweisung ihrer Liebe durch den mythischen Fährmann Phaon auf der Insel Leukas von einer Klippe in den Tod gestürzt haben.

Bei Kiefer wirkt Sappho wie eine geheimnisvolle Erscheinung aus einer anderen Zeit, die symbolhaft Geschichte und den ihr innewohnenden Wissensgehalt anschaulich macht. Für den Künstler ist sie außerdem „a monument to all the unknown women poets.“ (Anselm Kiefer, in: Jackie Wullschlager, The art of Anselm Kiefer rises from the ruins, in: Financial Times, 4. Juli 2009). Das bodenlange, leicht ausgestellte Kleid aus Gips unterstreicht die Weiblichkeit der Protagonistin und visualisiert verschiedene Zeitschichten: Es könnte sich ebenso um ein modernes Brautkleid handeln, wie um ein Kleiderstück aus vergangenen Jahrhunderten, wie durch die Krinoline und das Korsett angezeigt. Am augenfälligsten erinnert das weiße Gipsgewand an die Oberfläche antiker Skulpturen, womit Kiefer die zeitliche Klammer von der Gegenwart in die Vergangenheit vollends schliesst. Auf ihren Schultern trägt die Gestalt sieben Bleibücher und seltsamerweise gelingt es Kiefer, mit dieser schweren Last den Gesamteindruck ätherischer Leichtigkeit sogar zu unterstützen. Ganz in der Tradition der klassischen abendländischen Ikonographie verweist Kiefer mit diesen Büchern als Attribut auf Sapphos Rolle als Literatin und Wissensgeneratorin. Blei ist seit Ende der 1970er Jahre neben Stroh, Asche und Sand einer der prominesten Werkstoffe in Kiefers Oeuvre. Der Künstler schätzt an diesem Metall die vielfältigen Möglichkeiten der künstlerischen Verwendbarkeit und den kulturellen Bedeutungsgehalt: „Lead is found in Kiefer's work as both a medium and a metaphor for a whole range of processes and ideas - material, physical, mental and spiritual. Its very presence conveys and actualizes the memory of recollected ideas and juxtaposes these with its own material weight. It does this all the more effectively because its natural qualities lend themselves to many types of manipulation and preserve traces of the transformations it has undergone.” (Daniel Arasse, Anselm Kiefer, London und New York 2001, S.248).


Veranstaltungshinweise:

Am 29.11.2014 Auktion 1042: Zeitgenössische Kunst


Schätzpreis: 350.000 - 400.000  EURO

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