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Frühjahrsauktionen 2015

Blaeu, Atlas Maior. 1662-65

Er ist einer der wichtigsten Atlanten des 17. Jahrhunderts und war das umfangreichste und teuerste Verlagswerk seiner Zeit. – Die Rede ist vom Atlas maior des Joan Blaeu, dem in Amsterdam von 1662-65 erschienenen elfbändigen Weltatlas.
Bei Venator & Hanstein wird nun ein Exemplar dieser prachtvollen Ausgabe in der Frühjahrsauktion am 20. März mit einem Schätzpreis von € 150.000 angeboten. Die sehr gut erhaltenen Bände stammen aus der Bibliothek des bedeutenden Sammlers John Cecil, 5th Earl of Exeter (1648-1700).

Eine gleichermaßen seltene Ausgabe sind die sechs Bücher des Städtebuchs von Braun/Hogenberg Beschreibung vnd Contrafactur der vornembster Stät der Welt, erschienen in Köln um 1576 bis 1618. Das in drei zeitgenössischen Pergamentbänden gebundene kolorierte Exemplar zeigt auf 359 doppelblattgroßen Tafeln ca. 550 Ortsansichten (€ 75.000).
Die Glanzlichter der Abteilung „Topographie“ werden abgerundet von der kompletten Ausgabe der Topographien von Merian, Frankfurt a. M., nach 1655 - nach 1736, hier gebunden in 10 gleichartigen Lederbänden des 18. Jahrhunderts (€ 90.000). – Ein aus vier Platten zusammengesetzter Kupferstichplan der Stadt Paris von 1784 Nouveau Plan Routier De la Ville et Faubourgs de Paris, von dem Tooley nur die Ausgabe von 1794 kennt, erregt beondere Aufmersamkeit (€ 3800). Eine zwischen 1826 und 1838 entstandene Kölner Stadtansicht Cologne on the Rhine in Öl auf Leinwand von Clarkson Stanfield ist mit € 15.000 geschätzt.

Im Bereich der naturwissenschaftlichen Werke begeistert die Pomologie française des P.-A. Poiteau, erschienen 1846 in Paris. Aus den Bänden I-IV liegen hier vier Bände in Lieferungen mit 289 feinsten Farbstichen in Punktiermanier mit Handkolorit vor. Das Werk markiert einen Höhepunkt und zugleich das Ende des französischen Farbstichs. Die in solch großem Umfang in Lieferungen überaus seltene Ausgabe ist mit € 30.000 taxiert.

Die Neu-eröffnete Welt-Galleria unter dem Namen des Abraham a Sancta Clara im ersten Druck, Nürnberg 1703, zeigt Porträts der kaiserlichen Familie, Fürsten und hoher Würdenträger sowie Moden des Hofs, dabei auch südländischer Gesandter, sowie bürgerliche und bäuerliche Trachten. Alle Blätter sind ausgestattet mit prachtvollem Kolorit, was die Modekupfer besonders gut zur Geltung bringt (€ 15.000).

Die Abteilung der Alten Drucke kann mit einer schönen Ausgabe der Schedel’schen Chronik in erster deutscher Ausgabe von 1493 aufwarten (€ 60.000). Der Liber de scriptoribus ecclesiasticis des Johannes Trithemius, hier in der ersten Ausgabe Basel 1494, gilt als Ursprung der wissenschaftlichen Bibliographie (€ 18.000). Martin Luthers De servo arbitrio (Über den unfreien Willen) ist einer seiner bedeutendsten theologischen Texte und eine der Hauptschriften der Reformation. Die äußerst seltene erste Ausgabe, Wittenberg 1525, ist mit € 2700 geschätzt.

Die Abteilung der Manuskripte glänzt mit drei bemerkenswerten mittelalterlichen illuminierten Pergamenthandschriften: Die erste, ein großformatiges Antiphonar aus dem 14. Jahrhundert, stammt wohl aus Florenz oder der Emilia und wurde offenbar für einen Dominikanerkonvent angefertigt. Neben zahlreichen prachtvollen ornamentalen Initialen enthält es zehn große historisierte Initialen in Deckfarben und Gold von außergewöhnlicher Qualität (€ 12.000). Ein weiteres Chorbuch ist ein Graduale aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, wohl nach Mittelitalien zu lokalisieren, ausgeschmückt mit prachtvollen ornamentalen Initialen (€ 10.000). Ein lateinisches Stundenbuch vom Anfang des 16. Jahrhunderts wurde wahrscheinlich in den nördlichen Niederlanden (Utrecht?) angefertigt. Es fällt besonders durch seine sorgfältig und variantenreich gezeichneten Fleuronnéeinitialen ins Auge (€ 10.000).
Ein reichhaltiges Stammbuch eines niedersächsischen Adligen aus dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts enthält neben vielen Einträgen aus den holsteinischen und mecklenburgischen Herzogshäusern auch Beiträge aus dem dänischen und schwedischen Königshaus, unter Ihnen der Schwedenkönig Gustav II. Adolf (€ 2000). - Der Komponist Carl Loewe ist u.a. mit einem eigenhändigen Musikmanuskript vertreten, nämlich der Vertonung von Gustav Schwabs Ballade „Die Waffenweihe Kaiser Heinrichs IV.“ aus dem Jahr 1850.

Die Altmeistergraphik kann wieder mit etlichen Glanzlichtern aufwarten. Unter den Kupferstichen Albrecht Dürers finden wir etwa Das große Pferd von 1505 (€ 3200) oder Die Schutzheilige von Österreich aus dem Jahre 1515 (€ 1600). Die Reihe der Vier Jahreszeiten von Jacob Matham nach Goltzius ist mit € 2700 taxiert, die schöne Folge von 1589 Encomium musices von Adriaen Collaert nach J. Stradanus mit € 2400. Rembrandt ist mit zwölf Losen vertreten, darunter ein prachtvoller Druck des ersten Zustands seiner Radierung Christus lehrend, um 1657 (€ 12.000).
Ein Höhepunkt der Druckgraphik des 18. Jahrhunderts ist die komplette Folge von Antonio Visentinis Venedig-Ansichten nach Canaletto. Auftraggeber Visentinis war der englische Konsul Joseph Smith, ein bedeutender Mäzen Canalettos und Besitzer der Gemälde-Ansichten des Meisters. Der „Urbis Venetiarum prospectus“, hier in der zweiten Ausgabe von 1751-52, ist mit reizvollem Kolorit versehen (€ 30.000).

Ein anderes, aber wohl nicht weniges reizvolles Genre, das eher der populären Graphik zuzurechnen ist, bieten die Dioramen aus dem Verlag von Martin Engelbrecht in Augsburg. Die zu Kulissenbildern aufzustellenden kolorierten Radierungen präsentieren biblische Szenen, Volksfeste, religiöse Riten, Theaterdarstellungen, höfische Gesellschaften, Jagden und vieles mehr. Allein 32 dieser mehrteiligen Dioramen, meist in ihren originalen Papiertaschen, kommen zu Schätzpreisen von je etwa € 300-400 zum Aufruf.

Den Schluss des Kataloges bilden Werke der Literatur und Plakatkunst der russischen Avantgarde von etwa 1912 bis Anfang der dreißiger Jahre. Sie stammen allesamt aus einer bedeutenden Sammlung, aus der das Kunsthaus Lempertz im Frühjahr Porzellan und Zeichnungen der Avantgarde anbieten wird.
Zu erwähnen sind in der 135 Lose umfassenden Auswahl u.a. etwa die seltene Mappe Jidischer Folks-Ornament (Vitebsk 1921) von Judovin und Malkin (€ 3000), von Gustav Klucis die komplette Serie von 9 Postkarten zur Spartakiade Moskau 1928 mit seinen berühmten Fotomontagen (€ 6000), die 1912 in Lithographie erschienene erste Ausgabe von Kruchenykhs und Chlebnikovs Gedicht Igra v adu mit den Illustrationen von N. Goncharova (€ 4000), die 1919 in Vitebsk gedruckte grundlegende kunsttheoretische Arbeit von Kazimir Malevich O novych sistemach v iskusstve (€ 3000,-) oder eine bis auf das erste Heft komplette Folge der Zeitschrift Novyj LEF mit den Umschlägen von Aleksandr Rodchenko (€ 7000).

Unter den Plakaten befinden sich viele Arbeiten von Viktor Deni, M. Cheremnykh, V. Majakovskij und vor allem Dmitrij Moor. Letzterem wird ein eindrucksvoller, mit seinem Namen versehener Plakatentwurf in Tusche und Deckfarbe zugeschrieben, der um 1941/42 unter dem Titel Osvobodi zur Befreiung von der Deutschen Wehrmacht aufruft und in Aufbau und Technik einen Vergleich mit seinem berühmten Plakat „Pomogi“ von 1921 zulässt (€ 2000).
Im Jahr 1914 entstand im Verlag Segodnjašnij lubok eine größere Anzahl von Bilderbogen mit patriotischen Themen in der Tradition der russischen Volksbilderbogen. Namhafte Künstler, wie K. Malevich, A. Lentulov, I. Maškov, Vl. Majakovskij u.a. beteiligten sich als Illustratoren; die meisten Versunterschriften stammen von Majakovskij. Aus dieser begehrten Reihe können 19 Blatt zu Schätzpreisen von je € 600-1000 angeboten werden.

Insgesamt 775 Lose aus den Bereichen moderne und zeitgenössische Graphik sowie moderne illustrierte Bücher, kommen am zweiten Auktionstag zum Aufruf. Das vielfältige Angebot umfasst u.a. Werke von Marc Chagall, Otto Dix, Erich Heckel und Käthe Kollwitz über Pablo Picasso, Georges Braque, Christo, Marino Marini, Joan Miró und Max Ernst bis Joseph Beuys, Peter Herkenrath, Markus Lüpertz, Otto Piene, Günther Uecker, Sigmar Polke und Gerhard Richter.

Die komplett mit 29 Blatt sehr seltene Edition Olympia aus dem Vorbesitz von Berthold Beitz bildet einen der Höhepunkte der Auktion. Beitz war ab 1972 bis zu seinem Tod Mitglied des Nationalen Olympischen Komitees Deutschlands und zwischen 1972 und 1988 Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Unter den beteiligten Künstlern befinden sich Josef Albers, Eduardo Chillida, Hans Hartung, David Hockney, Ronald Brooks Kitaj, Pierre Soulages, Victor Vasarely, Tom Wesselmann sowie Friedensreich Hundertwasser (€ 20.000).

Letztgenannter Künstler ist mit einer weiteren kompletten Serie vertreten: Look at it on a rainy day, bzw. „Regentag-Mappe“ von 1971/72. Die Holzkassette enthält 10 Blatt Farbserigraphien und ist mit € 10.000 taxiert.

Ein umfangreicher Bestand von Glasfensterentwürfen von Peter Dohmen aus den 50er und 60er Jahren und von Dieterich Spahn (von 1979 bis 2007) kommt in 30 Losen zum Aufruf. Spahn übernahm nach dem Rückzug Peter Dohmens 1972 dessen Stained Glass Studios in St. Paul, Minnesota. Ein Großteil der Arbeiten entstand für Kirchen, Universitäten und Krankenhäuser der nördlichen Bundesstaaten des amerikanischen mittleren Westens.

Von Yves Klein stammt das Werk Monochrome und Feuer, bestehend aus 2 Serigraphien in Blau und Rosa sowie einem mit Blattgold belegten Karton. Die Arbeit erschien 1961 im Katalog der gleichnamigen Ausstellung im Museum Haus Lange, Krefeld - der ersten und letzten musealen Retrospektive zu Lebzeiten des Künstlers (€ 20.000).

Im Angebot befindet sich außerdem der zweite Teil einer größeren Max Ackermann-Sammlung in 28 Losen mit gegenständlichen und abstrakten Zeichnungen aus unterschiedlichen Schaffensphasen. Von Gustav Wunderwald kommen 13 Arbeiten, größtenteils Blei- und Buntstiftzeichnungen zum Aufruf. Gerhard Hoehme, Jiri Anderle und Gerhard Marcks sind ebenfalls mit größeren Beständen an Druckgraphiken und Zeichnungen vertreten. Von Günther Uecker kommen insgesamt 15 Arbeiten zum Aufruf, neben Prägedrucken und Lithographien befindet sich darunter auch ein Schieferobjekt mit Leim und Holzasche, welches 1988 in einer 15er Auflage erschien (€ 6000). Der von Ewald Mataré selbst mit ‚Auf der Weide / Unikum‘ bezeichnete aquarellierte Holzschnitt Weide mit 6 Kühen ist mit € 5000 taxiert.

Einen weiteren Höhepunkt bilden die beiden Manuskripte von Otto Herbert Hajek, die direkt aus dem Nachlass des Künstlers stammen und als Betrachterbücher für Katja Hajek gedacht waren. Die Bände bestehen zusammen aus 80 ganzseitigen und 18 halbseitigen Aquarellen, Gouachen oder Collagen. Neben Gedichten und Märchen enthalten die etwa 107 handschriftlichen Textseiten auch kunsttheoretische Schriften (€ 90.000).

Unter den illustrierten Büchern ist das Werk „Novel·la“ von Joan Brossa, mit 31 Lithographien von Antoni Tàpies zu nennen (€ 4000). René Chars „Lettera amorosa“ mit Farblithographien von Georges Braque (€ 3000), die von Fernand Mourlot herausgegebenen Bände zu Chagall und Braque und das Bauhausbuch „Malerei-Fotografie-Film“ von Laszló Moholy-Nagy (€ 2000) runden das Angebot ab.

Veranstaltungen zum Bericht:
Auktionen 134/135 - März 2015

www.venator-hanstein.de/kataloge/aktuelle-kataloge/

Quelle: © Venator & Hanstein

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