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Giorgio Vasari und Mitarbeiter, Christus im Limbus

Giorgio Vasari und Mitarbeiter, Christus im Limbus

Öl auf Holz. 145 x 118 cm.

Gutachten: Dr. Alessandro Cecchi, 29.12.2014.



Provenienz:

Europäische Privatsammlung, seit dem 19. Jahrhundert oder früher.

Losnummer: 3034


Dieses im feinen spätmanieristischen Stil qualitätsvoll ausgeführte und ausgezeichnet erhaltene Gemälde ist eine charakteristische florentinische Arbeit aus der Mitte des 16. Jahrhunderts von der Hand Giorgio Vasaris und eines noch zu bestimmenden, besonders begabten Mitarbeiters. Die fein lasierende und leuchtende Malerei wurde 2012 von Franco Leonardini durch eine ausgezeichnete Restaurierung wieder hervorgehoben. Das imposante Werk, das vermutlich ursprünglich für eine Privatkapelle in Auftrag gegeben wurde, wird von einem reich vergoldeten Rahmen aus dem 17. Jahrhundert im Stile der Gemälde aus der Sammlung der Galleria Palatina in Florenz geziert, was auf eine mögliche Provenienz aus wichtigem adligem Besitz hindeutet. Mit Hilfe von Infrarotreflektographie lassen sich die feinen und mit sicherem Strich gemalten Unterzeichnungen (siehe Abb. 1) erkennen, die charakteristisch sind für die florentinische Malerei in der Mitte des 16. Jahrhunderts und im Besonderen für den Stil Vasaris um 1540-45.



Dargestellt ist die rettende Ankunft Christi im Limbus - der von Teufeln und unschuldigen Seelen bewohnten Vorhölle. Das Thema von Christus im Limbus ist relativ selten in der westlichen Kunst anzutreffen. Es wird unter anderem im Bekenntnis von Nicäa und im apokryphen Nikodemusevangelium erwähnt und ab dem 15. Jahrhundert war der Glaube, dass Christus die Zeit zwischen seinem Tod und seiner Auferstehung im Limbus verbrachte, fester Bestandteil der christlichen Tradition.



Die imposante Figur des Christus bildet die Zentralfigur der Komposition, die dynamisch von links in die Szene hereinschreitet und mit ihrer leuchtenden hellblauen Tunika und ihrem fein modellierten Inkarnat wie eine Lichtgestalt erscheint, die sich von den in dunklen und satten Farben gehaltenen Figuren im Hintergrund absetzt. Rechts im Vordergrund sitzt Moses, dessen Gestalt anhand der Hörner zu identifizieren ist, welche ihm, der Übermittlung zufolge, nach Erhalt der Gebetstafeln gewachsen sind. Eingehüllt in kostbare farbenprächtige Roben in rein spät manieristischem "Cangiantismo", ist Moses besonders ausdrucksstark und fein modelliert und an prominenter Stelle in der Komposition platziert. Seine Gestalt geht sehr wahrscheinlich auf die römische Statue des Tiber-Flusses zurück, die sich heute im Louvre befindet und 1512 im Tempel Iseum Campense in Rom entdeckt wurde. Die berühmte Statue war sicherlich den florentinischen Künstlern Mitte des 16. Jahrhunderts bekannt, wie unter anderem eine Zeichnung von Francesco Salviati in der Royal Collection in Windsor belegt (siehe Mortari, Luisa: Salviati, Rom 1992, S. 282, Kat. Nr. 579, Abb. 579, S. 281). Der Mann mit Turban und Krone unmittelbar hinter Moses dürfte als David, König Israels und Sohn Isais, zu identifizieren sein. Dahinter im Mittelgrund ist Johannes der Täufer mit seinem Kreuz zu erkennen. Möglicherweise ist er als Schutzpatron von Florenz Teil der Komposition. Oder seine Funktion dürfte gemäss der Legenda Aurea dahingegen verstanden werden, dass er den Seelen im Limbus die Ankunft Christi ankündigt, wie er es auch auf Erden verrichtet hat. Etwas weiter links ist Aaron, der Bruder Moses, an seinem Hohepriesterhut zu erkennen. Eine ikonographisch besonders interessante Figur ist die direkt vor Christus stehende Person mit einem Lorbeerkranz. Hierbei könnte es sich entweder um den römischen Dichter Vergil handeln, der Dante in der Göttlichen Komödie durch die Hölle führte, oder um den Propheten Jesaja.



Bezüglich der Zuweisung dieser eindrücklichen Darstellung an einen Künstler sind sich Dr. Carlo Falciani und Prof. David Ekserdjan, welche das Gemälde untersucht haben, nicht eindeutig schlüssig, bestätigen aber, dass die Arbeit um die Mitte des 16. Jahrhunderts in Florenz entstanden sein muss und in künstlerisch bester Qualität ausgeführt wurde.



Für Dr. Alessandro Cecchi besteht kein Zweifel, dass dieses qualitätsvolle Werk von Giorgio Vasari und einem unbekannten, aber der hohen Malqualität entsprechend äusserst erfahrenen Mitarbeiter stammt. Tatsächlich war Vasari stets von besonders talentierten Künstlern umgeben, die er entdeckte und für die Arbeit in seiner Werkstatt auswählte, so beispielsweise Cristofano Gherardi (1508-1556), Giovanni Stradano (1523-1605), Giovanni Battista Naldini (1535-1591), Il Poppi (1544-1597) oder Jacopo Zucchi (1541-1590). Die Idee der Gesamtkomposition stammt zweifelsohne von Vasari, ebenso wie die Typologie der Figuren. Einige Elemente gehen jedoch auf Francesco Salviati (1510-1563) zurück, wie beispielsweise die Figur des Jesus mit seinem flatternden Banner, welche die Komposition Salviatis des Ungläubigen Thomas, heute im Louvre, aufgreift. Auch die Malpalette der Drapierungen ist nach Salviatischem Muster ausgeführt und gleichzeitig erinnert sie an venezianische Werke Vasaris um 1541-42. Dementsprechend datiert Dr. Cecchi unser Gemälde stilistisch und typologisch in die 1540er Jahre und vergleicht es zum einen mit der Komposition der Unbefleckten Empfängnis, die Vasari 1541 im Auftrag des römischen Bankiers und Mäzens Bindo Altoviti (1491-1557) für die Kirche Santi Apostoli in Florenz malte, zum anderen mit dem 1548 entstandenen Gastmahl von Esther und Azureus, das sich heute im Museo statale d'arte medievale e moderne, Arezzo, befindet.



Auch Dr. Alessandra Baroni bestätigt die Eigenhändigkeit dieses Gemäldes nach Prüfung des Originals und datiert es stilistisch in das Frühwerk Giorgio Vasaris, um 1530-45. In dieser Zeit führte der Künstler zahlreiche Aufträge mit Francesco Salviati und Agnolo Bronzino (1503-1572) aus. So weisen sowohl die komplexe Komposition unseres Gemäldes wie auch der bildhauerische Charakter der Physiognomien der weiblichen Figuren grosse Ähnlichkeiten mit Bronzinos Altarbild mit dem gleichen Thema, welches der Maler 1552 für die Zacchini Kapelle in der Kirche Santa Croce in Florenz malte, auf. Die Ausführung unseres Gemäldes ist jedoch weit entfernt von Bronzinos Interesse für glatte porzellanartige Oberflächen und männliche Akte. Die komplexen Posen der Figuren und die feine Farbpalette mit ihren subtilen und fliessenden Übergängen sind wiederum zu einem gewissen Grad mit denen in Francesco Salviatis Kreuzabnahme von 1548 für die Dini-Kapelle in Santa Croce vergleichbar. Der Gesamteffekt unseres Gemäldes weist jedoch auf eine Künstlerpersönlichkeit aus der zweiten Generation des Spätmanierismus hin, und nicht auf die Bronzino-Salviati Generation. Zahlreiche Details wie der Teufel, die Figur Moses im Vordergrund, die Schmuckstücke, die Gesichter und die Hüte der Figuren sind gemäss Dr. Alessandra Baroni charakteristisch für die Malweise Vasaris.


Veranstaltungshinweise:

Am 23.03.2015 bis 28.03.2015 Auktionswoche A 172: Teppiche, Silber, Schmuck, Möbel, Alte Graphik, Gemälde Alter Meister und des 19. Jahrhunderts, Bücher, Photographie


Schätzpreis: 600.000 - 900.000  SFR

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