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August Macke, Pflänzchen im Wald, 1910

August Macke, Pflänzchen im Wald, 1910

Öl auf feiner Leinwand (42,9/43,2 x 48,5/49 cm), alt doubliert. 43,5 x 49,5 cm. Gerahmt. Unbezeichnet. - Rückseitig auf dem Keilrahmen mit dem ovalen Nachlaßstempel "Nachlass AUGUST MACKE" (Lugt 1775 b) versehen. - Die bemalte Leinwand im Rand leicht unregelmässig geschnitten mit den unauffälligen älteren Nagelungsspuren.

Heiderich 212; Vriesen 176

Losnummer: 303


Provenienz

Privatbesitz (1957); Aenne Abels, Köln (1966); ehemals Sammlung Horten; Privatbesitz Rheinland

Ausstellungen

Köln 1969 (Galerie Aenne Abels), Jubiläums-Katalog 1919-1969, Kat. Nr. 27 mit Abb.

Literatur

Gustav Vriesen, August Macke, Stuttgart 1953, Kat. Nr. 176 (mit dem Eintrag: "Tegernsee L[einwand] 49 : 43, zuletzt: Nachlaß, Verbleib unbekannt"); Gustav Vriesen, August Macke, Stuttgart 1957 (revidierte u. ergänzte Ausgabe), Kat. Nr. 176 mit Abb. ("Tegernsee L 43 x 49,5, Privatbesitz")

Gustav Vriesen beschreibt sehr anschaulich, wie der von Frankreich begeisterte aber doch "stadtmüde" Künstler im Oktober 1909 mit seiner jungen Frau Paris verlässt, um der Einladung des befreundeten Schriftstellers Wilhelm Schmidtbonn an den Tegernsee zu folgen. Dort entwickelt Macke veränderte Lebensgefühle, vor allem ein tief empfundenes Sentiment für die ihn umgebende Natur. Sein neuer Blick auf die Welt und die Wirklichkeit beeinflusst die reiche künstlerische Produktion des Folgejahres nachhaltig. In diese Zeit fällt die Geburt seines Sohnes, eine frisch erlebte, familiäre Häuslichkeit, aber auch die Begegnung mit Franz Marc und eine intensivierte Beschäftigung mit dem Werk von Henri Matisse. "Macke fühlte in sich eine neue Nähe zum Ursprünglichen" resümiert Vriesen, und am 7. März 1910 fallen in einem Brief an Hans Thuar August Mackes berühmte Zeilen: "Ich bin jetzt furchtbar am Arbeiten. Das heißt, bei mir ist Arbeiten ein Durchfreuen der Natur, der Sonnenglut und der Bäume, Sträucher, Menschen, Tiere, Blumen und Töpfe, Tische, Stühle, Berge, Wasser beschienenen Werdens." Im Sommer des Jahres, am 24. Juli 1910 schreibt er begeistert: "Ich male, male, male und freue mich von ganzem Herzen, wenn mein Blick mit dem Licht hineintaucht in das Dunkel des Waldes oder über Wiesen zittert und schließlich den Wolken nachträumt in der Ferne. Tagtäglich neues Glück erleben, neue Freuden. Ich will jetzt die Tage nutzen so viel es geht." (zit. nach Vriesen, Stuttgart 1957, op. cit., S.47/48, 60).

"Pflänzchen im Wald" lässt deutsche Romantik anklingen, vielleicht auch - mit feinem Humor - die typischen Verkleinerungsformen des deutschen Märchens. Motivisch gibt es Bezüge zu frühen Exlibris-Entwürfen für Schmidtbonn (s. Vergleichsabb.). Wie Ursula Heiderich zu dem Gemälde ausführt, erscheint bei Macke die keimende Pflanze als ein Symbol für die Lebenskraft schlechthin. Macke liest eifrig in dieser Zeit, auch Schopenhauer. In "Die Welt als Wille und Vorstellung" wird die "Gewalt der Wahrheit" erwähnt, sie sei von "unsäglicher Ausdauer" und gliche "einer Pflanze, welche unter einem Haufen großer Steine keimt, aber dennoch zum Lichte heranklimmt." (zit. nach U. Heiderich, August Macke Gemälde, Ostfildern 2008, S. 360).

Die geschlossene abstrahierte Komposition des Gemäldes zeigt eine tiefes Erdloch, den Abbruch des Waldbodens mit verschatteter Kante. In den lokalen Sonnenflecken keimt die Vegetation und schiesst ans Licht. Stilistisch kombiniert Macke einen postimpressionistisch gestrichelten Auftrag der Farbe im Bildgrund mit einer auffällig dekorativ-summarischen wie flächigen Darstellung des bedeutungsvoll vergrösserten Pflanzenblattwerks. Diese Formen und Kontraste wie auch der Einsatz des kräftigen Grüns in einer fein aufgefächerten Palette von rötlichen und bläulichen Violetttönen und Gelb-Orange mögen darin erinnern, dass sich Macke in dieser Zeit stark mit dem Fauvismus auseinandersetzte und vor allem mit der optischen Wirkung von reinen Farben und Farbflächen.


Veranstaltungshinweise:

Am 03.06.2016 Auktion 1070: Moderne Kunst


Schätzpreis: 180.000 - 220.000  EURO

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