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Flamen und Niederländer dominieren

Joos van Cleve uns Werkstatt, Bildnis einer Dame als Maria Magdalena

An der Spitze der Offerte steht Joos van Cleve. Sein in Öl auf Holz ausgeführtes, 36 x 27 cm messendes „Bildnis einer Dame als Maria Magdalena“ ist mit einer Taxe von € 220/250.000 versehen. Van Cleve war einer der bedeutendsten Porträtmaler seiner Zeit. Dabei stellt diese „Magdalena“ in seinem Werk eine Ausnahme dar, denn das Gemälde vereint in meisterhaftem Gleichklang sakrale und weltliche Kunst. Unser Bildnis ist in einer außergewöhnlich raffinierten Technik ausgeführt. Besonders sorgfältig hat van Cleve das Gesicht der jungen Frau ausgearbeitet. Nach 1520 hat er, wie auch bei diesem Werk, einen neutralen dunklen Hintergrund bevorzugt, um das helle, porzellanartige Inkarnat umso schöner hervorzuheben. Angesichts der Eleganz der hier Dargestellten Dame ist anzunehmen, dass es sich um ein Mitglied des flämischen Adels oder des Hofes handelt (Lot 1007).

Hendrick Vroom, der als Begründer der europäischen Marinemalerei gilt – und sie damit als unabhängiges Genre etablierte – zeigt auf seinem 1607 entstandenen Gemälde ein von Fischerbooten, Dreimastern und einem Beiboot belebtes Meer vor dem Strand von Scheveningen, auf dem die Fischer ihre fangfrische Ware verkaufen, (Lot 1057, 180/200.000). Aus der Nachfolge Jan van Eycks stammt eine Madonna mit Kind. Dieses eindrucksvolle Bildnis ist ein Zitat aus dem berühmten „Van der Paele-Altar“, den Jan van Eyck 1436 für die Sankt Domizian-Kirche von Brügge gemalt hat (heute Groenigemuseum). Allerdings hat der aus dem frühen 16. Jh. stammende Maler unseres Bildes das um 70 Jahre früher entstandene Vorbild im Stile seiner Zeit verändert. Van Eycks „Van der Paele-Altar“ gehörte seit seiner Entstehung zu den meistbewunderten Werken der Malerei in Brügge und wurde oft, wie auch hier, in kleinerem Format für die private Andacht verwendet (Lot 1005, 150/170.000).

Jacob Philipp Hackert ist mit insgesamt drei Gemälden repräsentativ vertreten. Zwei als Gegenstücke konzipierte Landschaften mit badenden Nymphen entstanden 1767 in Paris, ein Jahr bevor Hackert nach Rom weiterzog. Das Bilderpaar zeigt, dass Hackert nicht erst nach Rom reisen musste, um die klassische Landschaftstradition kennenzulernen und sich anzueignen (Lot 1126, 150/160.000). Hackerts Gemälde „Landschaft mit sizilianischen Tempeln“ entstand 12 Jahre nach den beiden Pariser Bildern. Im April des Jahres 1777 brach der Künstler von Rom nach Süditalien, nach Paestum, Sizilien, auch nach Agrigent, Syrakus, Segesta und Selinunt auf. Zwei Jahre später entstand das vorliegende Gemälde, das antike Monumente Siziliens in einer weiten Landschaft zeigt. Das Bild besticht durch seine malerische Qualität, die den Künstler auf der Höhe seines Schaffens zeigt, ebenso wie durch seinen außergewöhnlich guten Erhaltungszustand (Lot 1125, 120/160.000).

Ein Pieter Coecke van Aelst zugeschriebenes Gemälde zeigt den Hl. Hieronymus in der Wüste. Die Legende des Heiligen ist wahrscheinlich italienischen Ursprungs und taucht relativ spät erst im 13./14. Jh. auf. Rasch fand das Motiv auch in den Niederlanden Verbreitung, vor allem im Brügge des 15. Jh. Im Antwerpen der 1520er und 1530er Jahre gab es eine ebenso rege Nachfrage nach Bildern des lateinischen Kirchenvaters. Sowohl Joos van Cleve als auch Pieter Coecke van Aelst haben das Bildmotiv des büßenden Hieronymus aufgegriffen – dargestellt entweder in der Wüste oder in seiner Studierstube (Lot 1010, 90/120.000).

Im Bereich zwischen 50.000 und 90.000 befinden sich zahlreiche niederländische und flämische Meister. Von David Teniers d. J. kommt ein zum Spätwerk gehörender „Südlicher Hafen mit Fischerbooten und Fischverkäufern“ (Lot 1069, 70/90.000) und von Nicolaes Berchem ein signiertes und datiertes Gemälde mit Ruinen und rastenden Hirten (Lot 1073, 70/80.000). Bei je 60/80.000 liegen die „Tronie einer älteren Frau“ des Monogrammisten I.S. (Lot 1056), ein Früchtestillleben von Jan Mortel (Lot 1110) und eine neapolitanische Landschaft mit Räuberbande von Pietro Fabris (Lot 1128). Auf 60/80.000 kommt auch „Die Entlassung der Söldner durch Moritz von Oranien auf dem Neude in Utrecht am 31. Juli 1618“, ein bedeutendes ‚Ereignisbild‘ aus dem Jahr 1620 von Joost Cornelisz. Droochsloot (Lot 1042), der auch noch mit zwei weiteren Gemälden einer Dorfstraße mit reicher Figurenstaffage und einer Stadtlandschaft vertreten ist (Lots 1063/1064, bis 34.000).

Bei 50/70.000 liegt eine Kreuzigung eines Antwerpener Meisters aus der Mitte des 16. Jh. (Lot 1011). Auf je 50/60.000 kommen Bilder von Adriaen Thomasz Key (Bildnis einer Dame, Lot 1019), aus der Werkstatt Joachim Beukelaers (Marktszene, Lot 1016) und eine Landschaft mit Taufe des Mohrenkämmerers von David Vinckboons (Lot 1031).

19. Jahrhundert

Höhepunkt des 19. Jh. ist ein beachtliches Gemälde Oswald Achenbachs. Dem energischen Realismus seines Bruders Andreas (mit mehreren Bildern bis 40.000 vertreten) setzt Oswald einen farbenträumenden, heiteren und milden Idealismus entgegen. Das malerische Leben dieser Stadt im Schatten des Vesuvs, die Lage in der weiten Bucht sowie das unendliche Blau des Meeres und des Himmels mussten ihm wie die Erfüllung eines italienischen Traumes erscheinen. Ein motivtrunkener Blick hinab auf die Küste von Neapel eröffnet sich dem Betrachter des vorliegenden großformatigen Gemäldes (Lot 1563, 80/100.000).

Mit 65/75.000 sind zwölf kleine Ansichten Pompejis von Frans Vervloet aus den Jahren 1824–1825 bewertet. Bemerkenswert sind die noch originale Montierung in der vom Künstler vorgegebenen Anordnung wie auch der Umstand, die Entstehung und den Auftraggeber zu kennen (Lot 1508). Wilhelm von Schadow, einer der wichtigsten Vertreter der Nazarener-Bewegung, ist mit einem Gemälde der Parabeln vom verlorenen Schaf und verlorenem Sohn präsent (Lot 1513, 45/50.000). Ludwig Lange führt den Betrachter nach Athen zum Tor der Athena Archegetis und die römische Agora (Lot 1523, 28/35.000). Mit zwei seiner unverwechselbaren Gemälde ist Carl Georg Adolph Hasenpflug vertreten: Sein Bildmotiv der Klosterruinen ist in besonderer Weise dem romantischen Zeitgeist verpflichtet und drücken als eindrückliche Sinnbilder deutscher Melancholie und Sehnsucht (Lots 1525/1526, 20/25.000). Bei 40/50.000 liegen eine Waldlandschaft von Barend Cornelis Koekkoek (Lot 1540) und der Dom in Frankfurt/Main von Michael Neher (Lot 1542). Von Johann Wilhelm Preyer kommt ein dekoratives Stillleben für 30/40.000 (Lot 1547).

Zeichnungen

Unter den Zeichnungen des 19. Jh. ragt eine kleine Arbeit von Caspar David Friedrich heraus. Das 9,5 x 16,6 cm messende Blatt, eine mit grauer Feder, aquarellierte bildmäßige Landschaft mit Wehr, ist nach über 90 Jahren wieder aufgetaucht (Lot 1505, 40/50.000).

Skulpturen

Die Skulpturen-Offerte ist diesmal mit knapp 90 Objekten besonders umfangreich. 29 Objekte kommen aus der belgischen Privatsammlung von Prof. Hans Waege, Intendant des Belgischen Nationalorchesters. Schwerpunkte bilden flämische und deutsche Skulpturen des 14. – 16. Jh., darunter als Höhepunkte eine um 1470/1480 entstandene Madonna mit Kind aus Brabant (Lot 1193, 32/35.000) und eine mit derselben Taxe versehene, in Lothringen um 1480/1490 gearbeitete Beweinung Christi (Lot 1194).

Die übrigen Skulpturen verschiedener Provenienzen stammen aus dem 13.–19. Jh. mit Schwer-punkt Spätgotik. Zu den Spitzenstücken gehören eine schwäbische Madonna mit Kind aus der Zeit um 1470/1480 für 90/100.000 (Lot 1232) und eine Krönung Mariens, Osttirol um 1450/1460 (Lot 1229, 60/70.000).
Besonders hervorhebenswert ist die Marmorskulptur „Der junge Fischer und die Sirene“ von Joseph Geefs aus dem Jahr 1874. Die 85 cm große Arbeit mit deutlich romantischen Stilelementen gehört zu den Spätwerken des Antwerpener Künstlers (Lot 1571, 30/40.000).

Veranstaltungen zum Bericht:
Auktion 1087: Alte Kunst - 19. Jahrhundert

Quelle: © Kunsthaus Lempertz

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