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Francisco de Goya, Los Caprichos, wohl um 1820

Francisco de Goya, Los Caprichos, wohl um 1820

80 Radierungen mit Aquatinta in Schwarzbraun bzw. Schwarz auf Bütten, gebunden in marmoriertes Halbkalbsleder mit orange-rotem goldgeprägtem RSchild und -Goldfileten, Wurzelholz-Marmorpapierbezug, Lederecken und rotem Chagrinleder-Deckelschild in Form einer liegenden Raute mit dreifacher goldgeprägter Fileten-Bordüre (florale, Punkt- und Wellen-Filete) sowie dem Autornamen „FRAN. GOYA.“ mit dreiseitigem Gelbschnitt (minimal berieben und bestoßen). Je ca. 21 x 15 cm (Plattenrand); 30 x 20,3 cm (Blattgröße). (1799). Delteil 38-117, Harris 36-115 III, 1. Auflage (von 12).

Losnummer: 5262


Goyas bedeutendste und einflussreichste graphische Folge in einem kompletten und einheitlichen Exemplar der ersten Ausgabe von 1799. Nach ersten Versuchen mit graphischen Einzelblättern und einer kleinen Folge mit Darstellungen nach Gemälden von Diego Velázquez widmete sich Goya Ende der 1790er Jahre mit den Caprichos auf eigene Rechnung seinem ambitioniertesten und riskantesten Projekt. In 80 scharfsinnigen, meist beißend satirischen, enigmatischen und komplex miteinander verwobenen Darstellungen kommentierte er die gesellschaftlichen Missstände seiner Zeit.
Dabei orientierte er sich sowohl im Titel, als auch im nicht-linearen Aufbau der Folge an künstlerischen Vorbildern wie Giovanni Battista Tiepolos Vari Capricci und zeitgenössischen literarischen Einflüssen, wie Laurence Sternes Tristram Shandy, mit denen er durch seine freundschaftlichen Kontakte zum intellektuellen Kreis der Illustrados bestens vertraut war.
Sowohl der Umfang von 80 Druckgraphiken, als auch die in Spanien vorher kaum verwendete Technik der Aquatintaradierung dürften Goya und seinen Drucker vor große Herausforderungen gestellt haben. Trotzdem war Goya von der Bedeutung des Werks so überzeugt, dass er eine Auflage von knapp 300 Exemplaren produzieren ließ, deren Verkauf er zum Preis von 320 Reales am 6. Februar 1799 in einer die gesamte Titelseite des Diario de Madrid einnehmenden Anzeige ankündigte. Da es Goya - wohl aufgrund des Umfanges und des brisanten Inhaltes der Folge - nicht gelungen war, einen Verleger für das anspruchsvolle Projekt zu gewinnen, wählte er als Verkaufsstelle ein Geschäft für Parfum und Likör in der Calle del Desengaño Nr. 1 - direkt unter seiner eigenen Wohnung.
Die Wahl des Geschäfts in der "Straße der Enttäuschung" hatte wohl vorwiegend praktische Gründe, pointierte aber auch die kritische Grundaussage der satirischen Folge vortrefflich und hatte nicht zuletzt auch prophetische Züge, was den anfänglichen wirtschaftlichen Erfolg des Vorhabens anging. Denn das visionäre Projekt war mit seiner radikalen und modernen Kunstauffassung, den Betrachter durch gezielt uneindeutige und unauflösbare Darstellungen und seinen rhapsodischen, nicht-linearen Aufbau reziprok als Interpreten zu fordern und einzubinden, seiner Zeit zu weit voraus. In den folgenden vier Jahren gelang es Goya nur 27 Exemplare der Folge zu verkaufen. Enttäuscht übergab er die Restauflage wie auch die Druckplatten, zugunsten der Zusicherung einer Pension für seinen Sohn, im Jahre 1803 an die Calcografía Nacional. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde Künstlern wie Sammlern der bahnbrechende und wegweisende Charakter der Folge bewußt, die heute allgemein als eine der einflussreichsten druckgraphischen Folgen überhaupt gelten kann und bis 1937 mit großem Erfolg in nicht weniger als 12 Auflagen erschienen. - Meist leicht stockfleckig, vereinzelt etwas stärker, vor allem im weißen Rand teils einzelne kleine Flecke, Anschmutzungen und kleine Quetschfältchen vom Druck, sowie einzelne kleine Alters- und Gebrauchsspuren, sonst insgesamt frisch und sehr gut erhalten.

Provenienz: Aus deutschem Adelsbesitz.


Veranstaltungshinweise:

Am 25.05.2017 109. Auktion: Druckgraphik des 15. - 19. Jahrhunderts


Schätzpreis: 120.000,-  EURO

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