Die Kunst, online zu lesen.

Home



Antonio Joli, Der Golf von Bajae bei Neapel mit dem Venustempel und der Festung des Don Pedro de Toledo, um 1760

Antonio Joli, Der Golf von Bajae bei Neapel mit dem Venustempel und der Festung des Don Pedro de Toledo, um 1760

Öl auf Leinwand, doubliert. 76 x 125,5 cm

Losnummer: 6050


Der Golf von Bajae bildet den westlichen Teil des Golfes von Pozzuoli, der sich direkt im Westen an Neapel anschließt. Er erhielt seinen Namen von dem wichtigen antiken Seehafen Baia, vermutlich benannt nach Baius, dem Steuermann von Odysseus‘ Schiff aus Homers Odyssee. Der antike Ort, der für seine prachtvollen Villen und den genussfreudigen Lebensstil seiner Bewohner bekannt war, war bereits zur Zeit der Renaissance zerstört und lag in weiten Teilen unter vulkanischer Asche begraben. Auf der rechten Seite unseres Gemäldes erscheint der sogenannte Venustempel, ein achteckiges Gebäude, das unter der Herrschaft Kaiser Hadrians (117 - 137 AD) errichtet wurde. Die originale Steinverblendung von einst, die die roten Ziegel verdeckte, ist verloren. Tatsächlich diente das Gebäude nicht als Tempel, sondern gehörte zu einer weitläufigen Thermenanlage. Auf der Landzunge im Hintergrund erscheint das Kastell von Bajae, eine große Festung, die für Jahrhunderte als bedeutende Verteidigungsanlage für die von See aus geführten Angriffe auf Neapel diente. Errichtet von den aragonesischen Herrschern des Königreich Neapel in den 1490er Jahren auf der Stelle einer römischen Villa, war sie unter dem Vizekönig Don Pedro von Toledo (Amtszeit 1532-1552) umfangreich erweitert worden.
Die wenigen, dafür aber um so beeindruckenderen antiken Ruinen und die Festung wurden gern von den Malern aus dem Goldenen Zeitalter Neapels dargestellt, das mit Karl VII., dem ersten der Bourbonischen Herrscher und späteren Carl III. von Spanien, und dessen Thronbesteigung im Jahr 1734 begann. Während dieser Periode wurde das Interesse an dem klassischen Erbe durch die Wiederentdeckung der antiken Städte Pompeji, Herkulaneum und Paestum und auch durch die Gründung des Museo Archeologico in Neapel befeuert. Reisende, die ihre Grand Tour über Rom hinaus gen Süden führte, wurden für ihren Besuch von Neapel und seiner Umgebung reich belohnt. Bewohner der Stadt wie der englische Gesandte Sir William mit Lady Hamilton empfingen Besucher wie den Kaiser Joseph II., Casanova, Wolfgang Amadeus Mozart, Angelika Kauffmann, Joseph Wright of Derby, Jacques Louis David, Elizabeth Vigée-Lebrun und nicht zuletzt Goethe, der behauptete "niemand der einmal Neapel gesehen hat, kann jemals wirklich unglücklich sein".
Das ultimative Portrait Neapels in seiner Glanzzeit schlechthin schuf Antonio Joli. Dessen über mehrere Jahrzehnte hinweg gemalten Ansichten der Stadt machen ihn für Neapel zu dem, was sein (fast exakter) Zeitgenosse Canaletto für Venedig war. Wie die meisten bedeutenden Vedutenmaler dieser Stadt war übrigens auch Joli kein Neapolitaner durch Geburt. Joli stammte ursprünglich aus Modena, einer Stadt, die ungleich Venedig oder Rom nicht unbedingt für ihre Vedutenmaler bekannt war. Nach anfänglichen Studien bei einem lokalen Meister in Modena arbeitete Joli, wie der Historiker Girolamo Tiraboschi (1731-1794) zu berichten weiß, bis 1725 in Rom bei Giovanni Paolo Pannini (1691-1765).1 Dabei dürfte er insbesondere mit der Malerei von imaginärer Architektur und Capricci vertraut geworden sein, aber Pannini war gleichzeitig auch der herausragende Ansichtenmaler Roms. Während der folgenden drei Jahrzehnte entwickelte sich Joli zu dem meist gereisten italienischen Vedutenmaler des 18. Jahrhunderts. Von 1732 bis 1740 ist ein längerer Aufenthalt in Venedig dokumentiert. Er muss aber bereits vorher schon in Neapel gewesen sein, denn er wird in den Sammlungsinventaren des bedeutenden Kunstsammlers Feldmarschall Johann Matthias von der Schulenburg, der in Venedig residierte, bereits ab 1738 als „napoletano“ beschrieben.2 Eines der frühesten Dokumente, welches Joli als Vedutenmaler ausweist, stammt vom 30. Mai 1736 als Schulenburg dem Künstler 16 zecchini für eine Ansicht von Neapel zahlte.3

Er könnte Dresden besucht haben vor den reichen Schaffensphasen in London 1744-1749 und Madrid 1749-1754. Nach seiner Rückkehr nach Venedig trat er 1756 mit seinem wichtigsten Förderer John Montagu, Lord Brudenell (1735-1770)eine Reise nach Süditalien und Sizilien an. Für Lord Brudenell schuf Joli eine einzigartige Serie von wenigstens 38 Ansichten aus Süditalien, Florenz, Sizilien, Malta und Südfrankreich. Unter diesen befand sich eine Gruppe von Ansichten von Neapel, wo Jolis Aufenthalt das erste Mal für den 21. April 1759 dokumentiert ist.4 Von einem kurzen Besuch in Venedig am 28. Dezember 1761 abgesehen, hielt sich Joli fortan in Neapel auf.

Ein weiteres Gemälde Jolis mit der Ansicht des Golfes von Bajae befindet sich in einer italienischen Privatsammlung. 5 Wenngleich die Maße fast übereinstimmen, hat der Künstler die Landschaft von einem weiter zurückliegenden Blickpunkt aufgenommen, so dass die neben dem Tempel der Venus liegende antike Ruine des Dianatempels am rechten Bildrand ebenfalls dargestellt ist.

Unserem Gemälde liegt ein Brief vom Verfasser des Werkverzeichnisses Ralph Toledano vom 9. Oktober 2016 bei, in dem der Autor es als „un des meilleurs de la nombreuse production que les environs de la capitale parthénopéenne inspirèrent à Antonio Joli‘ beschreibt [„eine der besten der zahlreichen Arbeiten, zu denen die Umgebung Neapels Joli inspiriert hat“]. Er schlägt eine Datierung zu Beginn der 1760er Jahre vor. Er bemerkt ferner, dass die Figuren nicht charakteristisch für Joli seien, und daher entweder von Pietro Fabris (tätig in Neapel zwischen 1756 und 1804) oder von Joli in der Manier von Fabris‘ gemalt sein könnte.

Charles Beddington

G. Tiraboschi, Notizie de’ Pittori, Scultori, Incisori e Architetti nati negli stati dell’S.mo Signor Duca di Modena, Modena 1786.
2 A. Binion, La Galleria scomparsa del maresciallo von der Schulenburg: Un mecanate nella Venezia del Settecento, Mailand 1990, S. 211.
3 Binion 1990, S. 150; Toledano 2006, S. 298, Nr. N.I.1, Abb.
4 R. Toledano, Antonio Joli, Turin 2006, Nrn. N.VI.7, N.VIII-XIV, N.XIX.1, N.XX.1, N.XXIV and N.XXVII.6-7, sämtlich mit Abb.
5 Toledano, op. cit., S. 385, Nr. N.XXXIV, Abb.


Veranstaltungshinweise:

Am 26.05.2017 109. Auktion: Gemälde Alter und Neuerer Meister - Zeichnungen des 15. - 19. Jahrhunderts


Schätzpreis: 120.000,-  EURO

Kontakt- / Orderformular


Name*:


Vorname:

Telefon*:

Telefax:

E-Mail*:

Straße* / Nr*:

PLZ*/Ort*:

Land:

Kommentar:

Newsletter:

Wir informieren Sie gerne über weitere Aktivitäten von: "Galerie Bassenge Berlin". Zum Eintrag in den Newsletter aktivieren Sie bitte dieses Kontrollkästchen.

Ihre Anfrage wird durch "Galerie Bassenge Berlin" umgehend bearbeitet und vertraulich (nach Vorgaben des Datenschutzes) behandelt. Die Nutzung Ihrer Daten durch Dritte ist somit ausgeschlossen


* Diese Angabe ist Pflicht.


Zurück

© Galerie Bassenge KG, Berlin 




Galerie Bassenge Berlin

English Site Galerie Bassenge Berlin

Über uns

News

English Site News

Termine

English Site Termine

Highlights








Copyright © '99-'2020
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum



Zum Seitenanfang Auktionen

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce