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Georg Kolbe, Nonne (Kleine Nonne), 1923

Georg Kolbe, Nonne (Kleine Nonne), 1923

Bronze. Höhe 28,2 cm. Rückseitig oberhalb des Gewandsaums monogrammiert 'GK'. Nachweisbar sind die Ausstellung einer ersten Bronze 1924 sowie vier Bronzen der frühen 1930er Jahre und sechs posthume Güsse. Laut Berger handelt es sich bei unserem Exemplar um einen von der Berliner Gießerei Noack vermutlich posthum hergestellten Guss. - Mit grünlich-gelber Patina.

Berger 56

Losnummer: 263


Mit einem Gutachten von Ursel Berger, Berlin, vom 30. März 2016

Provenienz

Familienbesitz Nordrhein-Westfalen (seit drei Generationen)
Ausstellungen

Berlin 1924 (Akademie der Künste), Kollektivausstellung, Kolbe-Raum
Literatur

Georg Kolbe (Einführung Richard Scheibe), 100 Lichtdrucktafeln, Marburg 1931, Taf. 36; Ludwig Justi, Georg Kolbe, Berlin 1931, Abb. 13

Im radikalen Bruch mit den Konventionen der darstellenden Künste war der expressive Ausdruckstanz des frühen 20. Jahrhunderts von einem ähnlich emanzipatorischen Geist erfüllt wie das Werk der bildkünstlerischen Avantgarde. Es verwundert nicht, dass diese neue Form des Tanzes Künstlern unterschiedlichster Gattungen als wichtige Quelle der Inspiration diente, auch dem tanzbegeisterten Georg Kolbe.

Eine Vielzahl von Kolbes zeichnerischen Studien und Skulpturen entstand in Anlehnung an Stücke berühmter Tänzerinnen, etwa Gret Palucca, Edith von Schrenck oder der heute kaum noch bekannten Charlotte Bara (eigentlich Bachrach, 1901-1986). Bara hatte 1919 bei Max Reinhardt in Berlin debütiert und sorgte mit ihren Aufführungen vor allem in den unmittelbaren Nachkriegsjahren für Furore. Ihr langsames, in sich gekehrtes Tanzspiel wurde in Künstlerkreisen sehr geschätzt. So äußerte sich der Bildhauer und Grafiker Moissey Kogan in einem Brief an Karl Ernst Osthaus' Gattin Gertrud nachhaltig beeindruckt: „Eine wahre Priesterin und Hüterin der Kunst ist die Charlotte Bachrach. Sie kommt nicht aus einer Welt des Tingel-Tangels, sie kommt, unserer Sehnsucht Gestalt zu geben. Sie ist sich vielleicht gar nicht bewusst, welche Kräfte in ihr schlummern. Ich sage dir, sie ist das heiligste und tiefste, was ich bis jetzt getroffen habe.“ (zit. nach: Ursel Berger, Georg Kolbe und der Tanz, Berlin 2003, S. 60). Als Tochter des deutsch-jüdischen Seidenhändlers Paul Bachrach besuchte Bara eine Klosterschule und trat 1928 zum katholischen Glauben über. Ihre Stücke mit Titeln wie „Auferstehung“ oder „Im Kloster“ waren geprägt von einer mystischen Religiosität zwischen Andacht und Ekstase. Auf Baras spirituelles Selbstverständnis geht auch die christliche Konnotation von Kolbes Titel zurück, der, so Ursel Berger, eher als Spitzname zu verstehen sei (vgl. Ursel Berger, Georg Kolbe. Leben und Werk, Berlin 1990, S. 264).

Die ausdrucksstarke Figur sollte Kolbe im Verlauf des Jahres 1923 als Modell für eine größere Fassung in Eichenholz dienen (Berger 57), die heute in der Sammlung des Berliner Georg-Kolbe-Museums bewahrt wird.


Veranstaltungshinweise:

Am 31.05.2017 Auktion 1090: Moderne Kunst


Schätzpreis: 20.000 - 25.000  EURO

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