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Andreas Gehrke ist Gewinner des Architekturbild. European Architectural Photography Prize 2017

Andreas Gehrke: Arrival  1


Seit 1995 wird der Europäische Architekturfotografie-Preis architekturbild alle zwei Jahre vergeben, 2017 damit bereits zum 12. Mal. Wie immer waren Fotografen aus aller Welt eingeladen, mit einer Viererserie ein vorgegebenes Thema sehr persönlich zu interpretieren.

Mit dem diesjährigen Thema GRENZEN | BORDERS werden sofort Bilder der Flüchtlingsströme vom Sommer 2015 vor eilig gezogenen Stacheldrahtgrenzen wach. Und in Deutschland muss man unweigerlich an die tödliche Grenze denken, die das Land bis 1989 durchschnitt. Grenzen, so beschreibt es der Auslobungstext zum Wettbewerb 2017, sind physisch präsent und eindeutig lesbar oder subtil spürbar, werden als schützend oder abschreckend wahrgenommen. Die eingereichten Arbeiten greifen dies auf und erzählen vom Ein- und Ausgrenzen auf höchst unterschiedliche Weise.

Der Wettbewerb zielt darauf ab, eine künstlerisch-fotografische Auseinandersetzung mit der gebauten Umwelt zu fördern. Eine Serie von vier Bildern erlaubt das Erzählen von Geschichten, das vorgegebene Thema gibt die Richtung vor, doch es lässt immer auch viel Raum. Was als Initiative der db deutsche bauzeitung begann, wird seit 2003 vom damals gegründeten architekturbild e.v. mit großem ehrenamtlichen Einsatz fortgeführt. Der Verein betreut Wettbewerb, Wanderausstellung und Katalog. Das Jahr 2008 brachte die Partnerschaft mit dem Deutschen Architekturmuseum (DAM), das in der Folge die Erstpräsentation der ausgezeichneten Wettbewerbsbeiträge übernahm und zum Ort der Preisvergabe wurde. Die Kooperation mit dem DAM regelte auch die Übergabe des Wettbewerbsarchivs, das nun zur Sammlung des Frankfurter Instituts zählt. 2016 kam als dritter Partner die Bundesstiftung Baukultur hinzu.

Bis heute kommt die überwiegende Zahl der Einreichungen aus dem deutschsprachigen Raum, hier hat der Preis seinen Ursprung. Am Wettbewerb 2017 nahmen Fotografen aus zehn Ländern teil, darunter Japan, Kanada und die USA. 133 Bildserien wurden eingereicht. Dies waren zwar weniger als in den vorangegangenen Jahren, doch konnte man eine durchgängig hohe Qualität feststellen. 28 Bildserien wurden am Ende ausgezeichnet. Die Jury, wie immer berufs- und nationenübergreifend besetzt, stand 2017 unter dem Vorsitz von Celina Lunsford, der künstlerischen Leiterin des Fotografie Forums Frankfurt. Neben der fotografischen Qualität berücksichtigte man vor allem den seriellen Zusammenhang der eingereichten Bilder sowie die Kreativität im Umgang mit dem Thema, sei es experimentell, erzählerisch, dokumentarisch, streng oder auch überraschend interpretiert.

Der 1. Preis geht an den Berliner Fotografen Andreas Gehrke. Seine Bildserie “Arrival” überzeugte die Jury durch die ungewöhnliche Visualisierung eines der großen Probleme unserer Zeit. Mit seinem konzentrierten Blick auf die den Flüchtlingen zugewiesenen Unterkünfte gelingt es dem Fotografen, die Entfremdung der Menschen und die Auswirkungen von Ausgrenzung und Heimatlosigkeit aufzudecken.

2017 wurden drei gleichwertige 2. Preise vergeben. Die Serie “Revier” von Matthias Jung zeigt uns tote vernagelte Hausfassaden, die auf den Betrachter fast surreal wirken. Ausgrenzung auch hier. Für die ehemaligen Bewohner führt kein Weg zurück. Die verlassene Geisterstadt wird bald schon dem Tagebau weichen. Daniel Poller dokumentiert in seiner Arbeit “Stone Record” Umbau, Abriss, Neubau auf ganz andere Weise. Zeitgenössische Bauten bedrängen die historische Architektur, von der oft nur Fassaden bleiben dürfen. Das Alte wird so zur dekorativen Kulisse für eine Stadt, die den Gesetzen des Immo-bilienmarkts wenig entgegensetzen kann. “Die im Dunklen” titelt Wilhelm Schünemann. Spiegelnde Fenster und Vorhänge verschließen den Blick in Konzernbüros, die sich unweit des Bundestags an-gesiedelt haben, um hier ihre stille Lobbyarbeit zu steuern.

Auszeichnungen gingen an Alexander Beck, Martin Dziuba, Philippe Grollier, Wolfram Janzer und Sally-Ann Norman.

Der Preis und die Auslober

1995 wurde der Europäische Architekturfotografie-Preis architekturbild zum ersten Mal ausgelobt. Seitdem wird er alle zwei Jahre organisiert – verbunden damit, dass die 28 besten Bildserien in einem hochwertigen Katalog dokumentiert und in einer internationalen Wanderausstellung gezeigt werden. Die kulturelle Bedeutung des Preises legte nahe, ihn einer gemeinnützigen Organisation anzuvertrauen.

Auf Initiative von Wilfried Dechau, Hans-Eberhard Hess und Prof. Dr. Rolf Sachsse wurde 2003 der architekturbild e.v. – Verein zur Förderung der fotografisch-künstlerischen Auseinandersetzung mit der gebauten Umwelt – mit Sitz in Stuttgart gegründet. Seit 2008 wird der Europäische Architektur-fotografie-Preis in Kooperation mit dem Deutschen Architekturmuseum (DAM) ausgelobt und vergeben. 2009 fanden Preisverleihung und Präsentation der besten Wettbewerbsbeiträge zum ersten Mal im DAM statt. Der Preis ist mit 6.000 Euro dotiert.

Ausgehend davon, dass sich die Architekturfotografie in der Fachzeitschriftenlandschaft zu einseitig entwickelte und ihre künstlerisch-kulturelle Bedeutung für die Auseinandersetzung mit der gebauten Umwelt in der Mediengesellschaft wachsen wird, ist mit jeder Auslobung ein Thema verbunden.

© Foto: Andreas Gehrke architekturbild

Veranstaltungen zum Bericht:
architekturbild. European Architectural Photography Prize 2017: Grenzen Borders

Quelle: © Deutsches Architektur - Museum Frankfurt

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