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Lack-Kommode

Lack-Kommode "A Fleurs, Louis XVI, Venedig um 1770/80

Holz fein beschnitzt mit Blattwerk und Zierfries sowie allseitig gelackt; auf grünem Fond bunte Blumengirlanden, Blätter, Kartuschen und Zierfries. Geschweifter, trapezförmiger Korpus mit vorstehenden Eckstollen auf wellig ausgeschnittener Zarge mit sich nach unten verjüngenden Vierkantbeinen. In der Mitte gebauchte Front mit 2 Schubladen unter gekehlter, schmaler Kopfschublade. In profiliertem Rahmen gefasste "en faux marbre Serpentine"-Platte. Bronzebeschläge. Fassung teils mit Fehlstellen und Restaurationen.

153x63x94 cm.

Losnummer: 1034


Provenienz: Aus italienischem Besitz.

Eine nahezu identische Kommode, Teil der Sammlungen des Museo Civico in Padova, ist abgebildet in: E. Baccheschi / S. Levy, Mobili laccati del settecento veneziano, Mailand 1962; S. 99 (mit der Bemerkung, "le linee... rivelano l'influsso sensibile del gusto neoclassico"). Eine weitere, sehr ähnliche Kommode - wohl gefertigt vom gleichen Kunsttischler - wurde bei Sotheby's London am 3.12.1997 (Katalognr. 122) verkauft. Eine dritte Kommode ist abgebildet in: G. Morazzoni, Il mobile veneziano del 700, Mailand 1958; Tafel CDXXXVII.

Nach dem Frieden von Château Cambrésin 1659 erlebte die Republik Venedig eine ökonomische und künstlerische Blütezeit, die bis in die 30er Jahre des "Settecento" anhielt. Militärische Konflikte auf See und in den norditalienischen Regionen, die den finanziellen Ruin der Lagunenstadt einläuteten, standen in krassem Widerspruch zur kulturellen Blüte, die durch das rigorose Zunftwesen garantiert wurde. Das lokale Kunsthandwerk wurde genauestens organisiert, strukturiert und in verschiedene Sparten eingeteilt: "marangoni da noghera" (Hersteller von Massivholzmöbeln), "marangoni da soaze" (Bestandteil-Schnitzer), "intaiadori", "tapezieri", "bolzeri", "doratori", "vetrai", "specchieri" und vor allem "depentori" (Lackierer von Luxusmöbeln). Durch diese straffe Einteilung war eine grosse Produktion auf hohem Niveau möglich, sie verunmöglicht jedoch die Identifizierung der Objekte bzw. deren Zuschreibung an ein bestimmtes Atelier oder einen Künstler. Die eigentliche Spezialität der Kunsthandwerker von Venedig waren die als einmalig zu bezeichnenden "intagli" - wohl auch bedingt durch die hochwertige, berühmte Schiffsproduktion mit reichen Schnitzereien -, fein lackierte und geschnitzte Möbel, ausserordentlich originelle und eigenständige Formen- und Dekorationssprache und eine qualitativ hochwertige Ausführung.

Lit.: M. Griffo, Il mobile del seicento - Italia, Novara 1985; S. 33-43 (allg. Angaben zur Entwicklung des venezianischen Möbels im 17./18. Jh.).


Veranstaltungshinweise:

Am 22.03.2018 Auktion A184: Möbel, Porzellan & Silber


Schätzpreis: 90.000 - 140.000  SFR

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