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Beeindruckende Fülle

Francesco Guardi, Capriccio con Arco rovinato e mura di paese

Eine beeindruckende Fülle beachtlicher Gemälde vom 14. bis zum 19. Jahrhundert aus nahezu allen europäischen Ländern kennzeichnet die Auktion. Sie reichen von Johannes Bosschaert (200/250.000), über Francesco Guardi (180/200.000), Jusepe de Ribera (100/140.000), Pierre Patel (120/150.000), Joos van Cleve (100/120.000) bis hin zu Gerret Willemsz Heda mit 80/100.000. Das 19. Jh. wird von der bedeutenden Pariser Impressionistin Eva Gonzalès mit einem Gemälde für 100/120.000 und zwei charakteristischen Italien-Landschaften von Jacob Philipp Hackert dominiert (bis 90.000).

Eines der Highlights der Alten Meister ist Johannes Bosschaerts in Öl auf Holz ausgeführtes „Blumenstillleben mit Eidechse“. Johannes Bosschaert war der mittlere der drei Söhne von Ambrosius Bosschaert d. Ä, einem der bedeutendsten frühen Blumenmaler in den Niederlanden. Was die künstlerische Qualität anbelangt, blieb der Vater von den Söhnen gewiss unerreicht. Dabei aber ist Johannes, der sehr jung mit knapp 23 Jahren starb, derjenige, dessen Werke den stärksten Eigencharakter haben. Hierfür ist das vorliegende hervorragend erhaltene Bild ein gutes Beispiel. Es zeichnet sich durch die präzise, fast wissenschaftlich kühle Beobachtung und Wiedergabe der Bildmotive aus (Lot 1029, 200/250.000).

Neben Antonio Canal, gen. Canaletto, hat Francesco Guardi unsere Vorstellung von Venedig geprägt: topographisch präzise und narrativ der eine, impressionistisch und visionär der andere. Im Gegensatz zu anderen Vedutenmalern der Lagunenstadt gilt Guardis künstlerisches Interesse allein der optischen Erscheinung und Magie dieses einzigartigen Ortes. Wenige Jahre nach Entstehung unseres Gemäldes, das um 1770 datiert wird, hatte Napoleon die einst stolze Seerepublik erobert. Mit ihm und dem letzten großen Künstler der Stadt, Antonio Canova, setzte sich ein anderer, strenger Stil durch, der radikal mit der jahrhundertealten Kunsttradition der Stadt brach. Guardis “Capriccio con Arco rovinato e mura di paese” ist mit 180/200.000 bewertet (Lot 1108).

Die Darstellung des „Hl. Franz von Paola“ stellt eine von zwei Varianten dar, die Jusepe de Ribera um 1640 gemalt hat. Das Bild ist charakterisiert durch die ausdrucksstarke Physiognomie des Heiligen, das kraftvolle Chiaroscuro wie auch den virtuosen Pinselduktus. Es entstand in einer Schaffensphase, in der Ribera der führende Künstler Neapels war und bedeutende Werke für religiöse und weltliche Auftraggeber schuf (Lot 1050, 100/140.000).

Auf 120/150.000 ist Pierre Patels signierte und datierte „Landschaft mit der Flucht nach Ägypten“ aus dem Jahr 1657 geschätzt. Das vorliegende Gemälde gilt als erste von insgesamt drei Versionen. Der besonders feine Pinselduktus der Architektur und des Blattwerkes, die sanfte abendliche Lichtstimmung sowie der akademisch-kompositorische Aufbau der Szenerie innerhalb dieser idealen Landschaft sind Inbegriff der Bildsprache Patels. Vergleichbare Werke befinden sich u.a. im Louvre und in der National Gallery in London (Lot 1065).

Bei 100/120.000 liegt Joos van Cleves 20 x 12,5 cm messendes „Porträt eines jungen Mannes“. Van Cleve hat ein umfangreiches Werk hinterlassen, darunter Altarbilder, Madonnen und eine stattliche Anzahl an Porträts. Um 1530 wurde der Künstler als Porträtist an den Hof Franz I. berufen und sein Stil wurde in der Folge richtungsweisend für die französische Bildnismalerei von 1530 – 1570 (Lot 1006). Auf 80/100.000 kommt ein „Stillleben mit Hering, Römer, Wanli-Schale und einem Brot“ von Gerret Willemsz Heda (Lot 1051).

Als sei es gerade aufgeschlagen worden, hebt sich das von einem Alpenländischen Meister des 16. Jahrhunderts in rotes Leder eingebundene Missale mit seinen illuminierten Initialen und gotischen Schriftblöcken vom dunklen Hintergrund ab. Das von links einfallende Licht trifft auf unterschiedliche Weise die einzelnen Seiten, so dass der Eindruck erweckt wird, als würde gerade in diesem Moment darin geblättert. Die Verwendung des Bildes aus dem 16. Jh. im Rahmen der kirchlichen Liturgie ist für den heutigen Betrachter gewiss von geringerer Bedeutung, als seine stupende Trompe-l´oeil-Technik (Lot 1005, 60/80.000).

Das bedeutendste Werk aus dem Nachlass Kardinal Meisner stammt vom Meister des Tobias (Maestro die Tobia), einem italienischen Maler des 14. Jh. Der kleine Klappaltar zeigt die „Madonna mit Kind und Heiligen und Kreuzigung“. Nach aufwendigen Recherchen ist es den Lempertz-Experten gelungen, den Künstler dieses Werks zu identifizieren und eine gesicherte Zuschreibung festzulegen. Diese Zuschreibung wäre sicherlich auch für Kardinal Meisner überraschend gewesen, den leidenschaftlichen Kunstverehrer, dem Köln Kolumba, das Museum des Erzbistums Kölns, zu verdanken hat. Die Taxe des prachtvollen Gemäldes liegt bei 120/160.000 Euro (Lot 1001). Weitere Informationen sind der angehängten und bereits verschickten Pressemeldung zu entnehmen.

19. Jahrhundert

An der Spitze der Offerte von Künstlern des 19. Jh. steht „La Soubrette“ der in Paris geborenen Malerin Eva Gonzalès, die ein Gesamt-Oeuvre von nur 126 Bildern hinterließ, darunter Ölbilder und Pastelle. Sie starb mit 36 Jahren, nur 6 Tage nach dem Tode ihres Lehrers und geistigen Vaters Edouard Manet. Während ihres kurzen Lebens spielte sie aber in den Pariser Künstler-kreisen eine durchaus beachtete Rolle. Obwohl sie künstlerisch zu den „Impressionisten“ gehört, nahm sie nicht an deren Ausstellungen teil, ebenso wenig wie Manet selbst. Das vorliegende Bild gehört zu den frühesten überlieferten Werken. Die 39 x 27,5 cm messende Leinwand ist mit 120/140.000 bewertet (Lot 1361).

Jacob Philipp Hackert ist mit zwei seiner charakteristischen Italien-Landschaften vertreten. Sein „Blick auf das Arnotal und Fiesole“ ist ein spätes Meisterwerk des deutschen Landschaftsmalers, das 1804 in Florenz entstanden ist. Hackert hat es er für einen guten Freund, den Engländer John Francis Edward Acton, gemalt, der „Primo Ministro“ am Neapolitanischen Königshof war. Nachdem es innerhalb der Familie des Auftraggebers vererbt wurde, gelangte es vor über 100 Jahren in eine Privatsammlung und war bisher nur durch die Korrespondenz Hackerts mit Johann Wolfgang Goethe bekannt (Lot 1301, 70/90.000). Auf dem zweiten, 1805

für denselben Auftraggeber geschaffenen Gemälde ist die Ansicht von Süden auf den Ort Maddaloni am Fuß des Monte Michele bei Caserta, wo sich das königliche Schloss befand und Hackert 14 Jahre als Hofmaler Ferdinands IV. tätig war, zu sehen (Lot 1303, 60/80.000).

Felix Ziem ist mit einem prachtvollen „Blick auf Istanbul und dem Bosporus“ vertreten. Ziem war nicht nur einer der erfolgreichsten und wohlhabendsten Künstler im Frankreich des 19. Jh., sondern der erste überhaupt, dessen Werke noch zu Lebzeiten Eingang in den Pariser Louvre fanden. Zu seinem Markenzeichen wurden die Veduten von Venedig und Istanbul mit ihrer charakteristischen Verschmelzung von Stadtansicht und Wasser in einem intensiven, teils glühenden Kolorit. Besonderes Augenmerk richtete Ziem auf die Wiedergabe der sich stets verändernden Lichtverhältnisse zu unterschiedlichen Tageszeiten, was ihn zu einem der Vorläufer des Impressionismus machte. Bei unserer Ansicht Istanbuls geht der Blick kurz vor Sonnenuntergang über den Bosporus hinweg auf die im Dunst liegende Hagia Sophia. Einen ganz ähnlichen Bildausschnitt mit untergehender Sonne zeigt eine Vedute in der Sammlung des Petit Palais, Paris (Lot 1380, 60/80.000).

Carl Gustav Carus‘ Bild mit „Tor bei einer gotischen Kirche im Mondschein“ stammt aus dem Nachlass Kardinal Meisners und auf 30/40.000 geschätzt (Lot 1323). 1839 malte Jakob Becker ein „Schwelmer Bauernpaar in Tracht auf dem Heimweg von der Kirmes“ (Lot 1317, 28/35.000).

Skulpturen

Aus den 66 Skulpturen und Kleinplastiken des 13.–19. Jahrhunderts mit Schwerpunkt auf Holzplastik deutscher und flämischer Gotik (15.–16. Jh.) ragen eine mitteldeutsche Schutzmantelmadonna vom Ende des 15. Jh. (Lot 1164, 30/40.000), ein Hl. Adrianus aus der Werkstatt von Dries Holthuys, um 1500 (Lot 1170, 40/50.000) und ein Apostelbalken „Christus und die zwölf Apostel“ (Lot 1188, 30/40.000) heraus. Das 19. Jh. glänzt mit „Junges Paar – Werbung“ von Adolf von Hildebrand, dem wohl bedeutendsten deutschen Bildhauer des späten 19. Jh. (Lot 1371, 30/40.000).

Lempertz Auktion 1108
16. Mai 2018, 11.00 Uhr, Lempertz Köln

Vorbesichtigung
9. – 15. Mai

Katalog online / Live-Auktion
http://www.lempertz.com/kataloge.html

Veranstaltungen zum Bericht:
Auktion 1108: Gemälde und Zeichnungen Alter Meister, Skulpturen - Kunst des 19. Jahrhundert

Quelle: © Kunsthaus Lempertz

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