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Antoine Philippe Pajot, Henkelvase „aux Têtes de Zephyr“, Paris um 1775

Antoine Philippe Pajot, Henkelvase „aux Têtes de Zephyr“, Paris um 1775

Louis XVI, sign. PAJOT (Antoine Philippe Pajot, ca. 1730 Paris 1781), das Porzellan China, Qianlong, 18. Jh., die Bronze Paris, 18. Jh., Paris um 1775.

Matt- und glanzvergoldete Bronze sowie blau bemaltes Porzellan. Balusterförmiger Gefässkörper mit randprofilierter Lippe und feinen Henkeln "aux têtes de Zéphyr" sowie hohem, blätterbeschmücktem Rundfuss mit Quaderplatte. Die Wandung jeweils fein belegt mit Bronzebeschlägen und -zierfries. Im Sockel alte Inventarmarke R 308.

H 54,8 cm.




Provenienz:
- Sammlung Baron James de Rothschild (1792-1868), Château de Ferrière, Frankreich.
- Durch Erbfolge Sammlung Guy de Rothschild, Frankreich.
- Auktion Sotheby's Monte Carlo, 3.12.1984 (Katalognr. 91).
- B.B. Steinitz, Paris.
- Sammlung Bruce Kovner, New York.
- Auktion Christie's New York, 18.5.2006 (Katalognr. 817).
- Aus französischem Besitz.

Losnummer: 1144


Das Château de Ferrière im Jahre 1829 von James de Rothschild, Gründer des französischen Stammes der Bank Rothschild erworben. Er liess das ursprüngliche Gebäude niederreissen und errichtete, unter Führung des Architekten J. Paxton (Joseph Paxton, 1803-1865), ein majestätisches Schloss, welches Sinnbild sein sollte für seinen wirtschaftlichen Erfolg. Für die Dekoration des Interieurs beauftragte er den Maler E. Lami (Eugène Lami, 1800-1890), der zahlreiche Portraits und Wandbemalungen fertigte. Das Château de Ferrière bestach durch eine eklektische Verbindung von opulentem Luxus und Wohnkomfort, wie es die Schlösser in Frankreich bislang nicht kannten, sondern den angelsächsischen Geschmack des "savoir vivre" offenbarte.

Antoine-Philippe Pajot (c.1730-1781) übte sein Kunsthandwerk schon seit mehreren Jahren als selbstständiger Kunsthandwerker aus, als er am 30. Juli 1765 durch das Privileg des Hôpital de la Trinité zur Meisterwürde des Giesser-Zieseleurs erlangte. Er heiratete in erster Ehe Marie-Thérèse Ravrio, und später in zweiter Ehe Marguerite-Henriette Tardif im Jahre 1762. Zwei seiner Zeugen waren Adrien Delorme et Jean-François Leleu.
Genauso wie ein Caffieri, ein Saint-Germain oder ein Osmond, war Pajot vor allem ein Ziseleur, der seine Modelle entwarf und ziselierte, aber sie von spezialisierten Kunsthandwerker-Kollegen giessen liess, haupsächlich von Etienne Forestier, dann von seiner Witwe. Für die Vergoldung seiner Modelle wandte er sich, unter anderem, an François Fagard.
Seine Tätigkeit entfaltete sich in drei spezifischen Bereichen und zwar in der Garnituren für Möbel, für denen er nämlich Adrien Delorme, Jacques und Pierre Denizot, Jean-François Leleu, Pierre Macret, und Pierre Pionniez als Klienten hatte; die Möbelbronzen, die Leuchter, die Girandolen, die Armleuchter, Gehäuse für Uhren, Wanduhren (Rahmen) mit skulpturalen Ornamenten (Verzierungen) und letztendlich die Fassung der Gegenstände aus Porzellan und aus Kristall.
Wenn man das nach dem Tode seiner zweiten Gemahlin im 13. Januar 1777 erstellte Inventar seines Ateliers liest, merkt man, dass er in diesem Viertel für Marchands-Merciers (Händler) nach Anfrage arbeitete. Es gibt nur einige Referenzen, die auf diese Tätigkeit Bezug nehmen: " trois vases de porcelaine bleue...pour y mettre des girandoles " (drei Vasen aus blauem Porzellan… um sie mit Girandolen zu versehen) und " dix-sept pièces en cristal de roche destinées à former trois vases..." (siebzehn Stücke aus Kristallglas, um drei Vasen anzufertigen…). Die drei ersten Vasen gehörten dem Kurzwarenhändler Jean-Bertin Tesnier und die drei anderen gehörten dem Kurzwarenhändler Antoine Magnien. Dieser, der Gründer einer Bronze Manufaktur war, schuldete ihm 700 Pfund in Banknoten am 20. Januar 1777. Diese zwei Referenzen deuten auf eine laufende Beziehung hin.
Die Verzierungselemente, nach dem naturverbundenen Geschmack ausgefertigt, die die vorliegende Vase schmücken, waren am Anfang für Vasen entworfen, die Girandolen (mehrarmige Leuchter) bildeten, unter denen " une paire de vases servant de girandolle à fleurs de lis non montées " (ein Paar nicht montierter mit Lilienblumen geschmückter Vasen, die als Girandolen dienten) und die sich im Jahre 1777 in dem Atelier Pajots befanden.
Wir bemerken die gleiche Art von Formen und Verzierungen, die wir auf den angebotenen Gegenständen sehen, auf einem Paar Vasen, die vollständig aus vergoldeter Bronze, auf denen sechs Armen in Form von Lilienblumen angebracht wurden, die nun im Palast Pavlovsk aufbewahrt sind und aus der Bibliothek des Prinzen Potemkin (1736-1791), im Palast Tauride in Sankt-Petersburg stammen.
Pajot gebrauchte entweder einzeln oder zusammen einige der auf den untersuchten Vasen vorhandenen Elemente: zum Beispiel die blattgeflechten Griffe, die von Zephyrenköpfen getragen sind, welche Pajot auf anderen Werkstücken wiederverwendete. Identische Elemente sowie einen ähnlichen Ring von durchbrochenen wirbelnden Blüten sind auf einem Paar Vasen aus Meissener Porzellan mit Vögelverzierungen zu sehen (Versteigerung Ader/Picard/Tajan Paris, 5. 12. 1989, Katalognr. 28).


Veranstaltungshinweise:

Am 27.09.2018 Auktion A186: Möbel & Skulpturen


Schätzpreis: 75.000 - 95.000  SFR

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