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Größte Auktion Zeitgenössischer Kunst in Deutschland: Die SØR Rusche Collection bei Van Ham

George Condo, The blue Rodrigo, 2009

Die SØR Rusche Collection wurde von vier Generationen der Modehaus-Familie Rusche zusammengetragen. Nun kommen die zeitgenössischen Arbeiten der Sammlung bei Van Ham in Köln unter den Hammer. Mit über 4.000 Werken handelt es sich um die größte Sammlung Zeitgenössischer Kunst, die in Deutschland versteigert wird. Den Auftakt machen am 29. Mai 2019 rund 150 Highlights der Sammlung, die im Rahmen der Auktionen "Modern - Post War - Contemporary" in einem Sonderkatalog präsentiert und angeboten werden. Die Gesamtsumme dieser 150 Kunstwerke liegt bei rund 1 Mio. Euro.

In der Auktion am 29. Mai 2019 finden sich unter den Highlights bekannte deutsche und internationale Künstler. Neo Rauch spielt in der SØR Rusche Collection eine bedeutende Rolle und so finden sich gleich acht Arbeiten unterschiedlicher Gattungen in der Mai-Auktion. Seine Leinwandarbeit "Pendel" von 2009 führt das Portfolio an - sie wurde in der Galerie Eigen + Art erworben und war bereits in vier Ausstellungen zu sehen, unter anderem 2012 in der Werkschau in Leipzig.

Daniel Richter ist ebenfalls mit zahlreichen Werken in der SØR Rusche Collection vertreten. Seine leuchtenden, eigenwilligen und narrativen Bildwelten machen ihn zu einer der wichtigsten künstlerischen Positionen seiner Generation. In seiner nun angebotenen Arbeit von 2007 tauchen hinter einer Mauer Totenköpfe auf, die auf seine Vorbilder James Ensor und Edvard Munch verweisen (Schätzpreis: 7.000 - 9.000 Euro).

Unverkennbar sind die Arbeiten von Stephan Balkenhol, so auch das Porträt von 2007, gemalt auf dem für Balkenhol typischen Wawa-Holz. Die SØR Rusche Collection erwarb das Werk in der Galerie Jochen Hempel in Leipzig/Hamburg und stellte es 2015 in der Ausstellung "Auf AEG" in Nürnberg aus.

Norbert Tadeusz hob sich schon in seinem Studium mit seinem figurativen, sehr körperlichen Malstil von seinen Kommilitonen der Düsseldorfer Kunstakademie ab. Die Drastik seiner Werke entsteht durch die verrenkten Körper, die sich dem Betrachter in ungewöhnlichen Perspektiven und Bildausschnitten präsentieren. So auch "Andrea", die nackt auf einem Flügel liegt, sich aber vom Betrachter abwendet und so trotz engem Bildausschnitt eine Distanz schafft (Schätzpreis: 6.000 - 8.000 Euro).

Zu der jüngeren Künstlergeneration in der Sammlung SØR Rusche Collection gehören David Schnell und Martin Eder. In den Arbeiten von David Schnell finden sich architektonische Anklänge - ein Aspekt, der besonders ansprechend ist. Er bricht die Strenge mit irritierenden Elementen und bleibt damit spannend. Ein Künstler, der absolut im Jetzt arbeitet und dabei eine ganz eigene Formsprache entwickelt hat und die sich auch in seiner Arbeit "Markt" von 2010 wiederfindet (Schätzpreis: 20.000 - 30.000 Euro).

Martin Eder hingegen ist bekannt für seine gegenständlichen Idyllen, deren Irritation im Detail liegen. Dabei sind Kitsch und Klischee nicht Gegenstand von Eders Bildern, sondern visuelle Werkzeuge. Neben Leinwandarbeiten sind es seine Aquarelle, die auf dem Markt gefragt sind, wie seine unbetitelte Arbeit von 2009, die in der Galerie Eigen + Art erworben wurde, die Eder seit 2002 vertritt.

Internationale Künstler finden ebenfalls in der SØR Rusche Collection. Für den Sammler Thomas Rusche gehört die Südafrikanerin Marlène Dumas zu den bedeutendsten lebenden Künstlerinnen. So sagt er über das Aquarell "Cultivated Emotion" von 1986: "Es war mir immer klar, dass Marlène Dumas diese Arbeit für mich angefertigt hat, steht doch in unseren Berliner Sammlungsräumen ein ebensolcher Sessel, der den kultivierten Kunstgenuss langgestreckt ermöglicht." (Schätzpreis 6.000 - 8.000 Euro)

Ironisch, provokant und witzig - diese Worte beschreiben die Porträts von George Condo nur allzu treffend. Die unverwechselbare Arbeit "Blue Rodrigo" gehört zu seinen grotesken Porträts, die unterschiedliche mentale Zustände und dabei den Wahnsinn des Alltags widerspiegeln (Schätzpreis: 30.000 - 50.000 Euro). George Condo nimmt seit rund vierzig Jahren eine zentrale Stellung in der amerikanischen Malerei ein, indem er mit seinen "Künstlichen Realismus" in einzigartiger Weise kunsthistorische Traditionen würdigt und dabei eine eigene, phantasievolle Bildsprache entwickelt.

Wer genau hinschaut, findet in der zarten Malerei "Lake Scape" von Leiko Ikemura nicht nur eine Seenlandschaft, sondern auch ein die Landschaft verschmolzenes Wesen (Schätzpreis: 6.000 - 8.000 Euro). Ihre japanischen Wurzeln sind dabei ebenso unverkennbar, wie die Auseinandersetzung mit der westlichen Kultur, deren Synthese das Œuvre und die Handschrift der Künstlerin unverkennbar prägen.

Die SØR Rusche Collection

Als der Museumsdirektor Chris Dercon 2004 erstmals die Gemälde Alter Meister der SØR Rusche Collection in Kombination mit zeitgenössischen Positionen im Münchner Haus der Kunst präsentierte, erschlossen sich dem Sammler und Unternehmer Thomas Rusche neue Bildwelten: "Mir wurde deutlich, dass da was zu vibrieren anfängt. Und dieses Seherlebnis hat bei mir einen Turbo ausgelöst. Da habe ich gespürt, das passt." Ein neuer Jagdtrieb war geweckt: Die Suche nach mutiger, junger Kunst.

So wie man in allen großen Städten Deutschlands die SØR-Filialen findet, deckt die Sammlung inzwischen auch Vertreter aus allen wichtigen bundesweiten Akademiestädten ab. Nach einem Rundgang in er Düsseldorfer Kunstakademie erwarb der Sammler 2005 erstmals ein Werk eines Zeitgenossen: Alexander Gerings Triptychon "Paranoisch-Zölibatäre Maschine". Seitdem sind mehrere tausend Arbeiten von Gegenwartskünstlern hinzugekommen. Diese mussten den hohen Ansprüchen des Sammlers gerecht werden. Denn ähnlich wie in seinem Unternehmen im Umgang mit der Mode, ist die Qualität auch bei der Kunst stets das ausschlaggebende Kriterium für einen Ankauf. Den Blick des Altmeistersammlers konnte Thomas Rusche bei seinem bevorzugten Format auch bei den Zeitgenossen nicht ablegen: Das Kabinettformat findet sich immer wieder, ist es für ihn nicht die Größe sondern der Inhalt, der den Reiz eines Werkes ausmacht. So finden sich in der Sammlung auch Werke von unbekannteren Künstlern - dann aber überzeugende Arbeiten, die ihn bewegen. Denn einerseits ist er ein pragmatischer Sammler, der konzeptionell denkt und seine Sammlung um neue Bilderreigen erweitert, andererseits ist er ein intuitiver Enthusiast: "Ich sammle Kunstwerke, die mich ansprechen, die zu mir sprechen und die etwas in mir auslösen." Besonders zugänglich war dem Altmeister-Sammler die figurative Bildsprache der Neuen Leipziger Schule. Direkt nach der Wende hielt sich Thomas Rusche oft und gerne in Leipzig auf, wo die Baumwollspinnerei mit ihren Galerien und Ateliers zu seinen wichtigsten Anlaufstellen zählte. Der Standort der SØR Rusche GmbH in Berlin begünstigte diese Verbindung und erweiterte die Ausrichtung der Sammlung: Durch das Netzwerk in Berlin als Treffpunkt der internationalen Künstlerszene wuchs die Sammlung um zahlreiche internationale Positionen.

Den Höhepunkt des jungen Sammlungsgebiets war 2015 die Ausstellung "Gute Kunst? Wollen!" anlässlich der Offen Auf AEG in Nürnberg. Die Kunsthistorikerin Prof. Dr. Teresa Bischoff kuratierte über 500 zeitgenössische Werke seiner Sammlung auf einer Fläche von 6.000 Quadratmetern hinsichtlich der Kriterien "guter" Kunst.

Die Geschichte der SØR Rusche Collection ist untrennbar mit der Geschichte der Familie Rusche und der des Unternehmens SØR Rusche GmbH verbunden. Während das Textilunternehmen mit Wurzeln im Münsterland über vier Generationen erfolgreich großgezogen wurde, entstand gleichzeitig eine stetig wachsende Kunstsammlung. Beides wurde von Generation zu Generation weitergegeben, umstrukturiert und ausgebaut. Jeder der Akteure entwickelte eine eigene Expertise und Leidenschaft zum Geschäft sowie zur Kunst und prägte damit das Unternehmen und die Sammlung nachhaltig. Im Fokus stand immer das Motto: Tradition bewahren - Zukunft schaffen.

Den Grundstein der Sammlung legte Heinrich Rusche I. im 19. Jahrhundert, der sich mit Antiquitäten umgab, die er durch Tauschhandel von den Bauern aus dem Münsterland erhielt. Sein Sohn Anton Rusche II. spezialisierte sich auf alte Gemälde unterschiedlichster Provenienzen und Epochen und verwandelte das von ihm gegründete textile Handelshaus am Markt in Oelde in einen Treffpunkt für Kunst- und Antiquitätenhändler.

In der nächsten Generation eröffnete der Textilit Egon Rusche den ersten SØR Herrenausstatter in Bielefeld. Er war es auch, der den Fokus auf die niederländischen Meister des 17. Jahrhunderts legte - auf Empfehlung des legendären Kunstkenners Walther Bernt, zu dem er ein freundschaftliches Verhältnis pflegte. Egon Rusche knüpfte ein ausgezeichnetes Netzwerk aus Sammlern und Kunsthistorikern wie F. C. Butôt und Laurens L. Bol, mit denen er im regen Austausch stand. Hier begann auch für seinen Sohn Thomas Rusche schon früh der direkte Umgang mit Kunst. In unzähligen gemeinsamen Besuchen auf Messen, in Museen, Galerien und Auktionen wurde der Blick geschult und geprägt. Nach dem Tod des Vaters und über 20 Jahren des gemeinsamen Sammelns übernahm Thomas Rusche nicht nur die ausgezeichnete Altmeistersammlung, sondern auch gesamte Führung der Geschäfte der SØR Rusche GmbH.

Veranstaltungen zum Bericht:
431. Auktion: Contemporary

Quelle: © Van Ham Kunstauktionen

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