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Otto Dix, Fischerkneipe, 1922

Otto Dix, Fischerkneipe, 1922

Aquarell, Tusche und Pastell auf Velin, an den Kanten perforiert. 37 x 48,5cm. Signiert, datiert und bezeichnet unten rechts: DIX 22, 187. Verso Sammlungsstempel (Lugt. 1376a). Rahmen.

Die Angaben im Werkverzeichnis Pfäffle sind dem Auktionskatalog von Lempertz entnommen. Hier lag das Blatt wohl nicht ausgerahmt vor. Daher ergeben sich die abweichenden Hinweise im Werkverzeichnis.

Losnummer: 9


Provenienz:
- Sammlung Dr. Heinrich Stinnes, Hamburg (Stempel, Lugt. 1376a)
- Kunsthaus Lempertz, Köln 1976, Aukt. 556, Los 178, Abb.
- Kunsthaus Lempertz, Köln 1978, Aukt. 568, Los 194, o. Abb.
- Privatsammlung Nordrhein-Westfalen (ab 1978)

Ausstellungen:
- Kronprinzenpalais, Berlin 1924

Literatur:
- Pfäffle, Suse: Otto Dix - Werkverzeichnis der Aquarelle und Gouachen, Stuttgart 1991, WVZ.-Nr. A 1922/156 (hier abweichende Angaben: Maße: 36 x 46cm; Bez. u.r.: DIX 2/18)

Otto Dix gehört zu den bedeutendsten deutschen Künstlern des 20. Jahrhunderts und seine neusachlichen Werke aus den 1920er Jahren zu den begehrtesten auf dem internationalen Kunstmarkt. Neben George Grosz und Max Beckmann hat Dix die Stilrichtung der Neuen Sachlichkeit weitestgehend mitgeprägt. Die Kriegserlebnisse des Ersten Weltkriegs werden für Dix Auslöser für seine sozialkritischen Bilder.
Die vorliegende Arbeit entstand 1922 - dem Jahr als Otto Dix sein Studium als Meisterschüler von Heinrich Nauen und Wilhelm Herberholz an der Düsseldorfer Kunstakademie aufnahm und sich dort dem Kreis um die Förderin und Galeristin Johanna Ey ("Mutter Ey") anschließt.
Das Aquarell zeigt deutlich eine um 1920 vollzogene Hinwendung zur zunehmend realistischen Malweise mit der Dix das Wahrhaftige widergeben möchte, schnörkellos und mit dem Mut zur Darstellung der hässlichen Seite des Menschen und des alltäglichen Lebens, ohne dabei in die Abstraktion zu verfallen, die er stets ablehnt.

In schnellen und flüchtigen Strichen skizziert der Künstler eine dichte Kneipenszene. In einer engen Figurenstaffage sieht man links im Bild einen Mann am Tisch sitzend und daneben steht eine Frau. An der Theke sitzt ein Mann mit gesenktem Kopf. Im Hintergrund die Bardame und diverse nicht detailliert ausgeführte Figuren. Die Köpfe der Männer - hoch-rot akzentuiert - geben einen Hinweis darauf, schon länger hier zu sitzen. Obwohl eine Kneipe ein geselliger Ort sein sollte, wirken die Figuren hier im blau-braunen Dunst der Lokalität einsam und allein. Jeder für sich. Man scheint sich nicht für den anderen zu interessieren. Man ist beschäftigt mit sich und dem eigenen Leid. Die gewählte Farbpalette der wässrig ineinander verlaufenden Aquarellfarben verdichtet die Kneipen-Atmosphäre und verstärkt den Eindruck des individuellen Leids, dem man sich als Betrachter nicht entziehen kann.


Veranstaltungshinweise:

Am 27.11.2019 439. Auktion: Modern


Schätzpreis: 20.000 - 30.000  EURO

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