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Karl Schmidt-Rottluff, Farnkraut, 1936

Karl Schmidt-Rottluff, Farnkraut, 1936

Öl auf Leinwand. 76 x 85 cm. Gerahmt. Oben links signiert 'S-Rottluff' sowie rückseitig auf dem oberen Keilrahmen zusätzlich schwarz mit dem Pinsel signiert und betitelt 'Schmidt=Rottluff "Farnkraut" ' sowie mit der Werknummer '((364))' versehen; auf der unteren Leiste mit dem Vermerk '=gewachst='. - Stellenweise mit leichtem Craquelé, im rechten Farn außen winzige Farbausbrüche. In der oberen linken Ecke mit leicht unregelmäßigen alten Farbverlusten, restauriert, sowie vornehmlich in der unteren Bildhälfte mit minimalen punktuellen fachmännischen Retuschen.

Losnummer: 238


Wir danken Christiane Remm für freundliche Auskünfte und Hinweise; das Gemälde ist im Archiv der Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung dokumentiert.

Provenienz

Ehemals Irmgard Hasenclever, Langerwehe; seitdem in Familienbesitz, Privatsammlung Nordrhein-Westfalen, Nachlass

Literatur

Will Grohmann, Karl Schmidt-Rottluff, Stuttgart 1956, Chronologischer Oeuvrekatalog der Gemälde, S. 302 ("Farnkraut. 85:75 cm; Frau Irma Hasenclever, Langerwehe über Düren; nicht bezeichnet")

Farne - sind sie nicht bekanntlich urtümliche, triebkräftige wie raumgreifende botanische Geschöpfe von unverkennbar exotischer Silhouette, deren dekorative Blätter sich aus eigentümlich phantastischen Knospenbildungen entfalten, lebendige Geschöpfe... Schmidt-Rottluff gewinnt aus dem charakteristischen, biegsamen Wuchs eine starke Binnenform, die Musterwirkung der Kontur ist prägnant, formatfüllend wie expressiv eingesetzt. Bewusst gestaltet der Künstler die natürliche, diversifizierte Bewegung der spitzwinkligen länglichen Farnwedel und steigert das Motiv nicht nur in der Dimension sondern zusätzlich durch starke Farb- und Helligkeitskontraste. Mehr noch als herbstlich getönte Färbung entwickelt die Malerei ein intensives Leuchten von hoch emotionalem Charakter. Aus den starken Farbwerten der abstrahierten Form verselbständigt sich ein warmes Gelb-Orange, das sich wunderbar gegen die verschiedenen Grün-, Blau und Violetttöne absetzt. Die Wirkung scheint harmonisch, aber sie ist auch im gewählten Bildausschnitt hermetisch, monumentalisiert, aufrüttelnd, so dass man geneigt ist, eine unbewusste oder bewusste Metaphorik zu erkennen - zumal wenn man sich andere Gemälde Schmidt-Rottluffs in dieser Zeit vergegenwärtigt, die ähnlich dramatisches Farbleuchten inszenieren. Es sind für den Künstler, dessen Werk der Verfemung, Brandmarkung und Beschlagnahmung anheimfiel, Schicksalsjahre.

In diesem Kontext sei Ernst-Wilhelm Nay zitiert, er schrieb Schmidt-Rottluff 1963 aus Anlaß des 80. Geburtstages: „In jener schweren Zeit des Hitlerreiches, in der wir ‚Entartete' genannt wurden, befreundeten wir uns. Die Hieroglyphen, die Formzeichen, die Sie - im Magischen wartend - sich von der Natur schenken lassen konnten, waren wert der Bewunderung der ganzen Welt. Ohne der Beschmutzung zu achten, der Ihre Kunst damals ausgesetzt war, gingen Sie in der Gegenwart herum in der Erwartung, in der empfindsamsten Erwartung neuer Geschenke, aus der Natur, die entgegenzunehmen Ihre eigentliche Existenz war. Hohes Künstlertum ist es, sichtbar zu machen, was von selbst sichtbar werden will.“ (Zitiert aus: Ausst. Kat. Karl Schmidt-Rottluff, Gemälde, Aquarelle, Graphik, Frankfurter Kunstverein 1964, S. 9).


Veranstaltungshinweise:

Am 29.11.2019 Auktion 1143: Moderne Kunst


Schätzpreis: 80.000 - 100.000  EURO

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