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Nachbericht Auktionen A73 und A73M

Fritz Nuss, Stehender weiblicher Akt, 1931

Das Stuttgarter Auktionshaus Yves Siebers blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2019, in den Bereichen Kunst und Antiquitäten und Moderne und Design, zurück.

An drei Tagen wurden, vom 13.-15. November 2019, gut zwei Drittel der über 4000 Lose versteigert.
In der Auktion 73 präsentierte das Auktionshaus klassische Sammelobjekte. Bereits bei dem Auftakt mit der Sparte Bücher konnte eine bibliophile Schmuckausgabe von Friedrich Nietzsches „Also sprach Zaratustra“ (Los 33, Limit € 1.000,-) an einen Sammler am Telefon für € 1.900,- zugeschlagen werden. Das Spitzenstück der Sparte antike Waffen war ein Radschlosspuffer. Den Lauf schmückt ein kursächsisches Wappen und eine Datierung von 1591 mit Markung „CH“, die wohl auf den Dresdner Büchsenmacher Clemens Hahn schließen lässt. Einem Onlinebieter aus der Slowakei war diese Schusswaffe € 9.000,- wert (Los 409, Limit € 5.500,-).
Aus den Antiquitäten vom Barock bis zum Jugendstil entlockte eine monumentale Ulmer Truhe aus dem 19. Jahrhundert, mit sehr feinen Einlegearbeiten und architektonisch gegliederten Aedikula-Feldern, dem telefonischen Bieter das Höchstgebot von € 6.000,- (Los 805, Limit 4.000,-). Für den Zuschlag von € 11.000,- ging das 9-tlg. Möbelensemble mit prominenter Provenienz nach einem Entwurf von Bruno Paul (1874-1968) nach Wien. Das Ameublement (Los 871, Limit € 10.000,-) befand sich seit den 1920er Jahren im Besitz von Dr. med. Hermine Heusler-Edenhuizen, der ersten deutschen Frauenärztin und war seither in süddeutschem Familienbesitz.
Die antiken Teppiche konnten vorwiegend an internationale Spezialisten auf diesem Gebiet versteigert werden. So setzte sich ein telefonischer Teilnehmer bei dem Bietgefecht um einen westpersischen Beijar Salonteppich mit dem Zuschlag von € 3.300,- gegen seine Konkurrenten durch (Los 653, Limit € 800,-).
Im keramischen Bereich der angewandten Kunst konnte die Mehrzahl der Offerten vermittelt werden. Für einen Salzburger Jagdkrug der Werkstatt Thomas Obermillner, um 1700, fiel der Hammer, nach regem Interesse aus dem deutschsprachigen Raum, bei einem Preis von € 5.250,- (Los 1290, Limit € 100,-). Auch die meisten der feinen Porzellanfigurinen und Tafelservice europäischer Spitzenmanufakturen konnten mit guten Steigerungen aufwarten. Hervorzuheben wären hier zwei Meissener Bildteller mit Genreszenen nach Franz von Defregger, die durch ihre äußerst qualitätvolle Schmelzfarbenmalerei und den exzellent radierten Golddekor als authentische Zeugen ihrer Entstehungszeit um 1880/90 mit einem Zuschlag von 4.800 € gewürdigt wurden (Los 1336, Limit € 400,-). Ebenfalls dem Hause Meissen entstammt das bei € 1.400,- zugeschlagene Genrefigurenpendant "Herr mit Fernglas und Spazierstock" und "Dame mit Fächer", nach Entwurf Jakob Ungerers (1840-1920), dessen Formensprache dem biedermeierlichen München verpflichtet ist und in seiner akzentuierten Modellierung einen intensiven Ausdruck erreicht (Los 1355, Limit € 1.300,-). Mit der Jugendstil-Tierplastik eines großen, stehenden Eisbären gelang es Otto Jarl im Jahre 1903 eine zeitlose Figurine zu ersinnen, die sich bis heute großer Beliebtheit erfreut und daher mit einer Steigerung auf € 1.700,- vermittelt werde konnte (Los 1356, Limit € 1.500,-). Auch weitere Tierplastiken namhafter Entwerfer in den Ausführungen deutscher Manufakturen wechselten die Besitzer. Ein imposanter, unstaffierter „Pfauhahn“, nach Entwurf Theodor Kärners in einer Nymphenburger Ausführung, erfuhr eine Steigerung auf € 1.000,- (Los 1431, Limit € 300,-). Ein „Tiger mit erlegtem Pfau" desselben Entwerfers, in naturalistischer Unterglasurstaffierung, erstmals präsentiert auf der Leipziger Herbstmesse 1925, konnte einen Zuschlag von 850 € verbuchen (Los 1449, Limit € 700,-). Der, auf dem Kunstmarkt seltener vertretene, Damenakt „Aurora (Morgenröte)“ des Bildhauers Fritz Klimsch, im Jahre 1949 entworfen für die Kunstabteilung der Fabrik Rosenthal in Selb, konnte dank mehreren Interessenten auf 800 € gehoben werden (Los 1450, Limit € 150,-). Einen zeittypischen Formentwurf lieferte Prof. Ernst Seger mit seinem knienden Damenakt „Kraftgefühl“ von muskulöser Körperlichkeit in nahezu blockhaftem Umriss, dessen Ausführung in Porzellan durch die Kunstabteilung der Fabrik Rosenthal in Selb nach dem Modell der lebensgroßen Bronzefigur mit gleichnamigem Titel, ausgestellt auf der Großen Deutschen Kunstausstellung in München 1937, entstand. Der Zuschlag erging bei € 1.400,-, das Limit konnte somit verdoppelt werden (Los 1452). Das Spitzenlos der Warengruppe markiert eine prächtige Bodenvase der Herender Porzellanmanufaktur (gegr. 1826), entstanden um 1856/75, geziert von einem vegetabilen Golddekor auf kobaltblauem Fond und Rosenbouquets aus weißen bis roten Blüten in Reserven. Nach regem Interesse sowohl im Saal und am Telefon, als auch über das Internet, konnte sich ein Bieter aus Ungarn das seltene Stück bei einem Zuschlag von € 6.000,- sichern (Los 1467, Limit € 300,-).
Das Highlight der Auktion war eine Reiseikone mit der Szene der Mariä Verkündigung. Ein aufwändig gestalteter Silberrahmen mit der Meistermarke von Michail und Semen Gawrilowitsch Gratschew, die seit 1896 Hoflieferanten in St. Petersburg waren, rahmt die Szene würdevoll ein. Eine rückseitig angebrachte Plakette mit einer Widmung von 1908 an die Großfürstin und Prinzessin Marija Pawlowna Romanowa (1890-1958) aus dem Hause Romanow-Holstein-Gottorp, Tochter des Großfürsten Pawel Alexandrowitsch Romanow (1860-1919) und der Prinzessin Alexandra von Griechenland und Dänemark (1870–1891), war zusätzlich dafür verantwortlich, dass die Ikone nach einem Bietgefecht für einen Spitzenzuschlag von € 36.000,- nach Weißrussland vermittelt werden konnte (Los 2167, Limit € 500,-).
Die in der Vorweihnachtszeit besonders begehrten 300 Lose Sammlerspielzeuge von Märklin, Wiking, Rock & Graner, Käthe Kruse, Armand Marseille u.v.m. wurden von den Interessenten mit guten Steigerungen beboten. Sammlerinnen und Liebhaber für Puppen und Puppenstuben konnten sich über das Angebot von 17 Puppenstuben und –häusern sowie Zubehör freuen. Eine reich ausgeschmückte Metzgereistube (um 1915/20) entlockte mehreren Saalbieter Gebote bis € 3.300,- und konnte am Schluss an ein Museum vermittelt werden (Los 304, Limit € 500,-). Eine moderat limitierte Porzellankopfpuppe (Los 286, Limit € 100,-) aus dem Hause Simon & Halbig erzielte den Erlös von € 1.600,-. Bei einem Flugzeugmodell der JU 52 aus dem Hause Märklin steigerte ein Telefon- gegen Saalbieter das Modell von € 2.800,- auf € 6.000,- (Los 89).

In der anschließenden Spezialauktion A73M für Moderne Kunst und Design bei Yves Siebers in Stuttgart blieb der Saal gut besucht und das rege Interesse für Kunsthandwerk, Gemälde, Grafiken und Design führte zu einer guten Verkaufsquote. Die Objekte der Warengruppe modernes Porzellan konnten ausnahmslos vermittelt werden. Das Spitzenlos, die Reliefplatte "Der Töpfer" von Oskar Kokoschka aus dem Jahre 1979, ausgeführt in Biskuitporzellan durch die Fabrik Rosenthal in Selb, Exemplar 18 von 20, verso monogrammiert, konnte mehrere Bieter begeistern, wobei sich ein fernmündlich Mitwirkender bei einem Gebot von € 2.600,- durchsetzen konnte (Los 3441, Limit € 1.000,-).
Aus Privatsammlungen der Region wurden Gemälde, Grafiken und Skulpturen zur Auktion der modernen Kunst eingeliefert. In der Sparte Skulpturen erfreute sich eine kleine Sammlung von Bronzefiguren (Los 3604-3608) des deutschen Bildhauers Heinrich Kirchner Beliebtheit. Am Ende hatte ein Telefonbieter Glück und erwarb alle 5 Arbeiten. Den höchsten Zuschlag erhielt dabei eine Bronzedarstellung einer liegenden Kuh (Los 3605, Limit € 400,-) mit € 1.500,-. Ein stehender weiblicher Akt aus Bronze des Stuttgarter Bildhauers Fritz Nuss, der die Freundin des Bildhauers zeigt, wechselte für € 20.000,- zu einem Sammler nach Thüringen (Los 3612, Limit € 10.000,-). Thomas Lenks formreduzierte Aluminiumarbeit „68/81“ aus den Anfangsjahren seiner Schichtungen wurde zum Limit von € 4.000,- veräußert (Los 3648). Die höchsten Zuschläge für Grafiken erzielte das Stuttgarter Auktionshaus Yves Siebers für HAP Grieshabers Mappenwerk „Die Baumblüte“, eine Hommage an die Natur aus dem Jahr 1963, mit € 13.000,- (Los 3711, Limit € 12.000,-), für Günther Ueckers Prägedruck aus dem Jahr 1965 mit € 3.000,- (Los 3803) und für Ernst Wilhelm Nays Portrait einer jungen Frau von 1927 mit € 2.400,- (Los 3751, Limit € 1.300,-). Das beliebteste Gemälde in der Auktion für Moderne Kunst malte der Sänger und Künstler Udo Lindenberg. Bekannt für seine Likörelle entfachte für „Deutschland, wat nu?“ ein Bietgefecht zwischen sieben Telefonbietern, zahlreichen schriftlichen Vorgeboten und Onlinebietern. Schlussendlich konnte Yves Siebers dem engagierten Onlinebieter den Zuschlag für € 7.000,- erteilen. Die 3D-Collage „The greatest show on earth“ von James Rizzi (Los 3949, Limit € 1.200,-) wechselt für € 1.600,- in eine Sammlung nach Bayern. Eine dunkeltonig, reliefhaft gestaltete Arbeit von Karl Fred Dahmen konnte der Auktionator einem Saalbieter zum Limit für € 4.000,- vermitteln (Los 3832). Als Nachfolger von Willi Baumeister an die Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart berufen, gestaltete Heinrich Wildemann eine abstrakte Komposition, die an seine Stuttgart Weggefährten erinnern. Die großformatige geometrische Flächenkomposition in gedeckten Erdfarben fand für € 3.700,- einen neuen Besitzer (Los 3920, Limit € 1.700,-). Die dritte Klasse eines Zugwaggons ist Schauplatz für Reinhold Nägeles (Los 3898, Limit € 2.500,-) kleinformatige Szene mit drei Damen und einem Soldaten in Rückenansicht. Mit dem Zuschlag von € 4.500,- konnte die Tempera-Arbeit an eine Städtische Galerie veräußert werden. Eine vielfigurige Heuernte von Jakob Bräckle aus dem Jahr 1942 kann nun ein Privatsammler für € 3.600,- sein Eigen nennen (Los 3824, Limit € 3.000,-).
Am dritten Auktionstag wurden außerdem ca. 300 Lose an Möbeln, Einrichtungs- und Kunsthandwerksobjekten berühmter Entwerfer wie Alvar Aalto, Walter Bosse, Horst Brüning, Verner Panton, Arne Jacobsen, Ingo Mauerer, Max Bill, Egon Eiermann, Ludwig Mies van der Rohe sowie eine große Auswahl dänischer Mid-Century Objekten angeboten. Die beiden Freischwing-Sessel von Alvar Aalto steigerten ausländische Telefonbieter gegen Saal und Internet von € 1.800,- auf € 3.000,- (Los 4057) sowie von € 1.300,- auf € 2.400,- (Los 4058). Das umfangreiche Speisebesteck „40 Triangel“ von Hugo Pott (Los 4114, Limit € 1.500,-) sicherte sich ein Onlinebieter für € 3.600,-. Mit dem Zuschlag jeweils zum aufgerufenen Limit von € 1.800,- (Los 4124) und € 2.500,- (Los 4125) konnten am Schluss der Auktion ein schwarzer und ein roter „DS 75 Bugatti“ Ledersessel von Franz Romero an Privatkunden vermittelt werden.

Das Auktionshaus Yves Siebers bedankt sich herzlichst bei allen Einlieferern und Käufern für das erfolgreiche Jahr und freut sich auf ein Wiedersehen 2020.

Veranstaltungen zum Bericht:
Auktion 73 – Kunst | Antiquitäten

www.siebers-auktionen.de

Quelle: © Yves Siebers Auktionen - Stuttgart

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